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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-04-21 · Heft 16 (21.4.1911) · p. Seite 184

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 16 (21.4.1911)
Date
1911-04-21
Page
Seite 184 (sequence 4)
Language
German
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-384 .- Am 30. März d. I. veranstaltete die Petersburaer jüdische Gemeinde aus Anlaß des? 50 jährigen Schriftstellerjubiläüms des; ausgezeichneten jüdischen Gelehrten Dr. A. Harkavy eine großangelegte Jubiläumsfeier^Ne Feier fand im großen Sitzungssaal der jüdischen Gemeinde statt und nahm einen überaus erhebenden Verlauf. Ueber 300 Personen aus den vornehmsten Kreisen der Petersburger jüdischen Gesellschaft hatten sicheingefünden. Außerdem waren zahlreiche Vertreter auswärtiger jüdischer Gemeinden und Organisationen erschienen. ' Im Namen der Petersburger Gemeinde begrüßten die Vorsteher M. A. Warschawsky und Advokat B. Sliosberg den Jubilar. Dr. I. L. Katzenelson verlas im Namen ' „der Gesellschaft zur Verbreitung von Bildung unter den russischen Juden" eine Glückwunschadresfe in hebräischer Sprache. Auch der Verein „Chowewe Sephath Eber" ließ dem Jubilar eine hebräische Adresse überreichen, die von Herrn Markon verlesen wurde. Ferner gelangten u. a. folgende Glückwunschadressen zur Verlesung: von der Redaktion der russischjüdischen Enzyklopädie (Herr M. I. Scheftel), von der Petersburger jüdischen Akademie (hebräisch — Herr Efron), von den' jüdischen Studenten der Petersburger Universität (hebräisch). Im Namen der jüdischen Gemeinde Moskau sprach Advokat W. A. Harkavy, im Namen der jüdischen Gemeinde Wilna Herr Schiskin. im Namen der jüdischen Gemeinde Kowno Herr Bramson, im Namen der jüdischen Gemeinde Taganrog Herr M. B. Jdelson, im Namen der jüdischen Gemeinde Lida Rabbiner Reines jun. — Ferner waren u, a. Begrüßungsschreiben eingetroffen von den jüdischen Gemeinden in Warschau. Bialystok, Kiew, Kischinew, Lodz, Minsk Jekatorinostaw, Mohilew, Helsingfors usw. Auch sämtliche jüdischen Zeitungen und Verlagsgesellschaften Rußlands.- zahlreiche Jeschiwoth und Rabbiner sowie die jüdische Gemeinde in Jaffa, das Lehrerseminar des. Hilfsvereins in Jerusalem und eine Gruppe von 200 Rabbinern aus Jerusalem hatten Glückwunschtelegramme eingesandt. Begrüßungsansprachen hielten ferner der Petersburger Kronrabbiner Doktor M. A. Eisenstadt, Dr. Rappaport aus Lemberg und Nahum Sokolow (hebräisch). - Tiefgerührt dankte Dr. Harkavy schließlich' für die überwältigende Kundgebung der Verehrung und Liebe, die ihm seitens der hervorragendsten Vertreter der russischen Judenheit bereitet worden war. ■V* , Das Deutsche Bureau der Alliance Israelite Universelle schreibt uns: Nach Mitteilungen des Leiters der Allianceschule in Kairo nimmt die yemenitische Einwanderung in Aegypten, wenn auch in kleinerem Maßstäb, ihren Fortgang. Vom 25. Januar 1910 bis zum 31. März d. I. hat das-Komitee von Suez 153 Einwanderer empfangen. Man hat geglaubt, daß der türkisch-yemenitische Krieg einen Massenauszug unserer Glaubensgenossen aus dem Pemen verursachen würde. Das ist glücklicherweise nicht der Fall. Die Letztangekommenen erzählen, daß die Kriegführenden den Israeliten kein' Leid zufügen. Diese leben in relativer -Sicherheit. Man ist der -Meinung, daß die Türkei den Aufruhr unterdrücken und das Land beruhigen wird.; Das Zentralkomitee der Alliance Israelite Universelle hat durch Vermittlung des italienischen Konsuls in Hodeida der israelitischen Bevölkerung in Sanaa Hilfsfonds zugehen lassen. Sr. M. Mlchülrr. S Von I. Mainzer. m 22. März 1911 verschied zu Wien nach langem schweren Siechtum Dr. M. Altschüler, mit dem das Judentum nicht nur einen seiner gelehrtesten, sondern auch einen seiner ehrlichsten und überzeugtesten Vertreter verlor. Al t sch ül er, 1869 zu Nowo-Grudek (Ruff.-Polen) aeboren. entstammte einem hochangesehenen alten Rabbinergeschlecht. Sein Vater führte ihn schon in frühester Jugend in das Verständnis der heiligen Schrift und des Talmuds ein. Schrift und Talmud füllten von Kindheit an sein Leben aus, schon mit dem 13. Lebensjahr erhielt er die Rabbinerautorisation, und es wird heute wenige Gelehrte geben, die so tief in den Inhalt der heiligen Bücher eindrangen, die ihr Studium in so hingebender und aufopferungsvoller Liebe für die Sache betrieben haben wie der Heimgegangene. Um sich das Handwerkszeug der modernen Wissenschaft anzueignen, hörte er in Leipzig die Vorlesungen Ost walds und Wundts, in Wien die der Professoren Seligmann, Heller, Bickell und Bühler, deren Wertschätzung und Freundschaft er sich errang. * Altschülers Bestreben, das vielfach mißkannt und'in seiner Bedeutung nicht genügend gewürdigt wurde, ging dahin, der Schrift und dem Talmud die Anerkennung als wichtige kulturhistorische und religionsgeschichtliche Quellenschriften seitens der modernen Wiffenschaft zu verschaffen. Zu diesem Zweck gründete er 1903, die ganz einzigartige „Vierteljahrsschrift für Bibelkunde, talmudische und patristische Studien" (zuerst Verlag Calvary, Berlin; jetzt Fock G. m. b. H., Leipzig). Diese Zeitschrift setzte die Ideen der Toleranz und Versöhnung in seltener Weise in die Tat um, orthodox-jüdische und orthodox-christliche Gelehrte kamen in ihr zu Wort. Sie hatte unerwarteten Erfolg und es eröffneten sich der Gemeinde von ehrlichen und überzeugten Männern, die von ganz entgegengesetzten Anschauungen ausgingen und in der „Vierteljahrsschrift" einen Sammelplatz fanden, ganz neue und vielversprechende Perspektiven. Es wurde mit einem Male klar, daß alle Religionen und Konfessionen einer gemeinsamen Quelle entstammten, daß die Theologie der alten Kirchenväter von dem Talmud, der Talmud wieder von den Kirchenvätern beeinflußt war. Selbst bis in die Kirchengebräuche und Riten der modernen fessionen hinein und zurück bis in die Mythologien der arischen und semitischen Völker ließen sich die verblüffendsten Ueber-, einstimmungen feststellen. Es ergab sich die überraschendes Tatsache, daß die geringen Verschiedenheiten in den Anschauungen lediglich auf Einbildungen und Erfindungen gegenseitiger Intoleranz oder auf Unkenntnis der alten Schriften^ zurückzuführen seien. Sobald einmal klar war, daß die Unkenntnis der alten. Schriften, besonders der ganz in Vergessenheit geratenen alten' Bibelversionen die Grundursache des gegenseitigen Miß Verständnisses sei, gingen Altschüler und seine Mitarbeiter M. Altschüler. vm. MM

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