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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-04-21 · Heft 16 (21.4.1911) · p. Seite 185

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 16 (21.4.1911)
Date
1911-04-21
Page
Seite 185 (sequence 5)
Language
German
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daran, eine Monumenialsammlung der alten Bibell /Übersetzungen und sonstigen religionsgeschichtlichen Quellen-« schriften zu schaffen, und es entstanden die „Monumenta * Judaica" und der „Orbis aaliguitatum". Die Wiener Kultusgemeinde hat sich selbst geehrt, indem sie dem früh Heimgegangenen irenischen Forscher ein Ehrengrab einräumte. Lie lrchlte ordentliche Tagung der badilchen Landeslynode. I. er Oberrat hatte für die diesmalige Tagung der Synode nichts Neues und Belangreiches vorgesehen. Die Budgetvorlage für die Periode 1911/13 wich von dem letzten Budget nur wenig ab. Das darin eine erhebliche Rolle spielende Friedrich-Luisen-Hospiz (Kinder-Heilstätte) in dem auf der Höhe des Schwarzwaldes (700 m) gelegenen Solbad Dürrheim, mit dessen Bau demnächst begonnen werden soll, war schon von der außerordentlichen Synode des Jahres 1907 genehmigt worden. Außerdem handelte es sich um kleine Verordnungsentwürfe zur Ausdehnung des Wahlrechts, Sicherung des Wahlgeheimnisses und Verbesserung der Gemeinde-Besteuerungsordnung, mit denen der Oberrat den Wünschen der letzten Synode entgegenkam. Die von dieser empfohlene Prüfung der Frage, ob nicht die Gehaltsverhältnisse der Religionslehrer nach einer festen Skala geregelt werden könnten, hatten zu einem negativen Ergebnisse geführt, das in einer besonderen Denkschrift dargelegt wurde. Dagegen war der Oberrat geneigt, dem von der letzten Synode abgelehnten Wunsch der israelitischen Lehrerschaft, durch drei Berufsgenossen in der Synode vertreten zu sein, durch die Bewilligung von wenigstens einem Vertreter zu entsprechen. Für die Entfachung einer heftigen Wahlbewegung fehlte es hiernach an jedem greifbaren Anlaß. Der „Israelit" hatte jedoch im vorigen Jahr anläßlich des schließlichen Fehlschlagens der orthodoxen Bemühungen, den Badischen Landtag gegen den Oberrat mobil zu machen, verkündet, daß dieser durch die nächste Synode „hinweggefegt" werden müsse- . Deshalb mußte diesmal in einen ganz friedlichen Bezirk (Offenburg) die heftigste und skrupelloseste Agitation hineingetragen, in einem anderen Bezirk (Mosbach) dem zweifellos konservativen, aber friedlichen Kandidaten ein streitbarer orthodox-zionistischer entgegengestellt werden. Hauptagitationsmittel war die Belehrung der Landgemeinden, daß sie im Verhältnis zu Mannheim, Karlsruhe und anderen Städten viel zu viel örtliche Kirchensteuer zahlten, und daß ihnen diese Last durch die vorwiegend zu sechs Siebentel aus den Taschen der Stadtbewohner gespeiste, aber noch weit energischer in Anspruch zu nehmende Zentralkasse abgenommen werden müffe. Dafür waren natürlich die meisten Landgemeinden sehr empfänglich, nicht minder ihre Religionslehrer, denen man von orthodoxer und zionistischer Seite ebenfalls goldene Berge versprach. Trotz dieser Kraftentsaltung ging den Liberalen kein Sitz verloren, und in dem einzigen Bezirk, wo sie sich ordentlich regten (Heidelberg-Stadt), gelang es ihnen, den bisherigen konservativen Vertreter durch einen liberalen zu verdrängen. An eine sichere liberale Majorität war jedoch um so weniger zu denken, als die in ihrer Mehrheit liberalen Rabbiner infolge zufälliger Verhinderung eines liberalen Kollegen.genötigt waren, statt desselben einen Konservativen zu wählen, und als ferner an die Stelle eines erkrankten liberalen Abgeordneten von Mannheim ein' durch das LoT bestimmter konservativer Ersatzmann trat. Von den 26 Ab^- geordneten (5 geistlichen und 21 weltlichen) konnten so nur 10—11 als zuverlässig liberal angesehen werden. Um so erstauntes durfte man sein, daß die Synode einstimmig den der liberalen Richtung ungehörigen Vorsitzenden des Synagogenrats Mannheim, August Oppenheim, zum Präsidenten, und den entschieden liberalen Vorsitzenden des Synagogenrats Bruchsal, Stadtrat Louis Marx zum Vizepräsidenten wählte. Der Führer des orthodox-zionistischen Blocks, Vorsteher und Rechtsanwalt Kassewitz von Freiburg, hatte die Präsidentschaft abgelehnt, wie man annahm, um als Debatter freiere Hand zu haben, vielleicht aber auch, weil er befürchtete, gegen den einen oder anderen draufgängerischen Freund aus dem Block unter Umständen die Disziplinarmittel der Geschäftsordnung anwenden zu müssen. Montag den 3. April vormittags 10 Uhr fand für die Abgeordneten eine gottesdienstliche Feier in der Hauptsynagoge mit Predigt des Konferenzrabbiners Dr. Appel statt, zu derwohl sämtliche Synodalen (einschließlich der Orthodoxen) erschienen waren. Mit den Mitgliedern des Oberrats hatte sich auch der Vorsitzende Ministerialkommissar, Geh. Oberregierüngsrat und Ministerialdirektor Dr. Böhm, eingefunden. Dieser eröffnete nachher um 11 Uhr im Sitzungssaal der badischen Volksvertretung (n. Kammer) die Synode mit einer Ansprache, in der er die Vorlagen des Oberrats zur Gutheißung empfahl und die mit den Worten schloß: „Treten Sie, hochgeehrte Herren, an die Beratung aller dieser Vorlagen mit Wohlwollen heran, und lassen Sie sich bei Ihren Verhandlungen nur leiten durch die Interessen der Landessynagoge. Der Segen Gottes begleite Sie bei Ihrer ernsten und verantwortungsvollen Arbeit!" Hierauf übernahm der Alterspräsident August Oppenheim-Mannheim den Vorsitz und hielt eine kurze Huldigungsansprache auf den Großherzog, die in einem von der Versammlung warm aufgenommenen Hoch ausklang. Nach Prüfung und Bestätigung sämtlicher Wählen widmete der Genannte, definitiv zum Präsidenten gewählt, den seit der letzten Synode verstorbenen Mitgliedern derselben, Rechts- - anwalt Dr. Staad eck er-Mannheim und Fabrikant Sigmund Hirsch-Mannheim, ehrenvolle Nachrufe. Mit der Bildung der Kommissionen, denen die verschiedenen Vorlagen (darunter drei Interpellationen sowie eine Petition des Vereins für Frauenstimmrecht um Zulassung der Frauen zu den Gemeinde- und Synodalwahlen) zugewiesen wurden, schloß die Eröffnungssitzung. Am Nachmittag und Dienstag vormittag folgten Kommissionssitzungen. lieber den weiteren Verlauf der Synode sei vorläufig - nur mitgeteilt, daß als Generalredner des orthodox-zionistischen Blocks zum Budget der Jnstitutsinhaber Dr. Jonas Simon- Heidelberg sich zwei Ordnungsrufe (den ersten wegen unehrerbietiger, ja geradezu als kränkend aufgesaßter Hereinziehung der Person des jetzigen Landesherrn in die Debatte, den zweiten wegen schwerer Beleidigung des Oberrats, den er in seiner Gesamtheit als „Anarchie" bezeichnete) und eine ernste Zurechtweisung von seiten des Ministerialkommissars zuzog, daß derselbe Abgeordnete nach energischer Beantwortung seiner Interpellation über Dispensationen vom obligatorischen Religionsunterricht durch Oberrat Dr. Hachenburg-Mannheim die für den anderen Tag an gekündigte Resolution über denselben Gegenstand, von der ein Frankfurter orthodoxzionistisches Blatt in der letzten Wochennummer voreilig prophezeite, sie werde „morgen wahrscheinlich von der überwiegenden Mehrheit der Synode angenommen werden", in

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