Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 74 (1910)
- Issue
- Heft 36 (9.9.1910)
- Date
- 1910-09-09
- Page
- Seite 424 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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4;24 sein. Was er uns Juden aber, und besonders uns deutschen Juden bedeutet, muß an diesem seinem Jubiläumstage eingehender hervorgehoben werden. Benjamin Hirsch rst einer der treuesten Söhne des ' traditionellen Judentums in seinem Denken, Fühlen und in seinem persönlichen Leben. Aber er ist kein Fanatiker, vielmehr von einer Milde und verständnisvollen Toleranz auch gegenüber religiös Andersdenkenden, die sich vor allem und in nichts mehr bekundet, als in seiner hingebungsvollen Zusammenarbeit mit allen religiösen Schattierungen des Judentums in der Lösung aller großen jüdischen Gemeinschaftsaufgaben, Schulter an Schulter mit anderen führenden Geistern des deutschen Judentums, auch wenn diese nicht auf seinem streng-religiösen Standpunkt stehen. Er zeichnet sich dadurch vorteilhaft von jener kleinen separatistisch-orthodoxen Gruppe aus, die sich bisher prinzipiell von jeder Mitarbeit in den meisten unserer großen Organisationen ausschließt und gewissermaßen das zentrifugale Element in der deutschen Judenheit darstellt. Gewiß tun das vereinzelt auch andere Glaubensgenossen streng orthodoxer Richtung, aber er ist doch, wie wenige, immer und zu allen Zeiten auch öffentlich und entschieden mit seiner Ansicht hervorgetreten, daß es bedauerlich und ein schwerer Fehler sei, wenn diejenigen, die seinen streng orthodoxen Standpunkt teilen, nicht nur grollend abseits stehen, sondern den großen Gemeinschaftszielen der deutschen Judenheit geradezu hemmend, ja feindlich gegenübertreten. Vor nunmehr 14 Jahren, im Juli 1896, wurde Benjamin Hirsch erstmals zum Delegierten des „Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes" erwählt. Wenige Monate darauf, Oktober 1896, erfolgte seine Wahl in den Ausschuß, und zwei Jahre später, 1898, wurde er neben Professor Philipp son und Geheimem'Hofrat Josephsthal-Nürnberg in das Präsidium des „Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes" berufen, dem er feitbcm ununterbrochen angehört. Was er. damals bei seiner Wahl - schrieb: „Jedenfalls werde ich mich bestreben, den , schönen hohen Zielen des „Deutsch-Israelitischen Gemeindebündes" mit besten Kräften zu dienen" — das hat er in reichstem Maße erfüllt. Besonders verdienstvoll gestaltete sich seine Arbeit in der seinerzeit von den drei großen jüdischen Organisationen, dem „Verband der Deutschen Juden", dem „Zentralverein Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" und dem „Deutsch-Israelitischen Gemeindebund" gemeinsam gebildeten Schächtkommission, deren Aufgabe es war und. ist, die Angriffe gegen die jüdische Schächtmethode abzuwehren. Aber auch sonst nahm er regsten Anteil an der ganzen Fülle der bedeutsamen Aufgabe, die der „Gemeindebund" auf dem Gebiete des jüdischen Schulwesens und jüdischer Sozialfürsorge sich gestellt hatte. Kommerzienrat Hirsch gehört!zu den Mitbegründern deS „Verbandes der Deutschen Juden". Er war einer der wärmsten Befürworter der geplanten staatlichen Gesamtorganisation der jüdischen Gemeinden Preußens. Dem „Hilfsverein der : Deutschen Juden" gehört er als Ausschußmitglied an, und auch im „Zentralverein Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" zählt man ihn als eifrig wirkendes Mitglied. In seiner Heimatstadt und seiner Heimatprovinz steht er an der Spitze so ziemlich aller jüdischen Institutionen. Er ist der Vorsitzende des Provinzialverbandes der Synagogengemeinden der Provinz Sachsen, der erste Vorsteher der jüdischen Gemeinde Halberftadt, Vorsitzender der dortigen„Behrend-Lehmann- Klausstistung", der jüdischen Schulstiftung Hascharath Z?wi. und einer ganzen Reihe anderer jüdischer Institute. Auch im Präsidium der soeben unter seiner Mitwirkung begründeten „Deutschen Zentralstelle für jüdische Wanderarmenfürsorge" ist Benjamin Hirsch, wie er auch der Vorsitzende der Provinzialkasse für die Provinz Sachsen und Thüringen ist. Ganz hervorragend betätigte sich der Jubilar auch auf dem Gebiete der privaten Wohltätigkeit. Dem Siebzigjährigen wird an seinem Jubeltage eine Flut von Glückwünschen zugehen; aus allen Kreisen der deutschen Judenheit , mit denen ihn seine reiche Lebensarbeit verbindet, werden ihm Zeichen der Sympathie und Verehrung in Fülle zuteil werden. Auch wir wollen dabei nicht fehlen und ihm unsere besten Wünsche auf ein noch langes und gesegnetes Wirken hiermit aussprechen. Kommerzienrat Benjamin pirsch. Juden als Lrknder und Lntderkrr. Von Dr. Max -Grunwald. ^s'uf Wunsch der verehrlichen 'V* Schriftleitung folgen aus einem unter obigem Titel vorbereiteten Versuche einige . biographische Skizzen, die zum weitaus größten Teile auf Angaben der behandelten Personen selbst oder ihnen nahestehender Gewährsmänner beruhen. I. yolek Köpper, Lrknder der elektrischen lkrgftnbertrggung. Joses Popper, Techniker, unter dem Pseudonym Lhnkeüs auch als Schriftsteller bekannt, wurde cim 22. Februar 1838 zu Kollin in Böhmen geboren. Er studierte an der Realschule in Prag, dann am Polytechnikum in Prag und Wien. Nach Absolvierung der technischen Kurse ein Jahr lang als Eisenbahnbeamter tätig, verließ er infolge Erkrankung, diesen Dienst und studierte am Anfang der sechziger Jahre Mathematik und Physik an der Wiener Universität. Mehrere Jahre ( hindurch mußte er, um sich zu erhalten, Lektionen erteilen, dann eine Zeitungskorrespondenz. redigieren und schließlich Hofmeister