Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 74 (1910)
- Issue
- Heft 36 (9.9.1910)
- Date
- 1910-09-09
- Page
- Seite 425 (sequence 5)
- Language
- German
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werden. Im Jahre 1868 erfand Popper einen unter dem Namen „Kessel-Einlagen" bekannt gewordenen Apparat,, der den Zweck hatte, Dampfkessel vor den Schädigungen durch starken KesselsteinansaH zu schützen. Dieser Apparat gewann eine starke Verbreitung, da er zu jener Zeit das einzige einfache Hilfsmittel war, um den genannten Zweck zu erreichen; erst durch Ausbildung der chemischen Methoden behufs Wasserreinigung wurden diese Kessel-Einlagen von den Fabrikanten verlassen. Während der mehrjährigen Reisen Poppers zum Zwecke der Verbreitung der Kessel-Einlagen und später betrieb er philosophische. nationalökonomische, sozialistische und auch schöngeistige .Literatur. Anfang der achtziger Jahre erfand Popper den sogenannten Luft-Kondensator, der die Aufgabe löste, den von den Dampfmaschinen sonst ins Freie ausgestoßenen Dampf durch die atmosphärische Luft selbst zu Wasser zu verdichten, um dieses destillierte Wasser wiederum als Kesselspeisewasser benutzen zu können. Dieser Apparat wurde in großem Maßstabe bei Siemens und Halste, in dem ärarischen Silberbergwerk Przibram und an anderen Orten in Verwendung genommen; seine Verbreitung war aber nicht sehr groß, da sich bald darauf das Bedürfnis in der Dampfmaschinentechnik geltend machte, beider Verdichtung des ausgestoßenen Dampfes, um Kohlen zu sparen, mit Luftleere zu arbeiten, was beim Luft-Kondensator noch nicht möglich war. Popperkonzipierte daher das sogenannte „Selbstventilierende Gradierwerk", das die Eigenschaft besitzt, warmes Wasser an der freien Luft zu kühlen, so daß es stets von neuem in gekühltem Zustande zur Dampfkondensation benutzt werden kann. Ueberdies erfand Poppereinen „Oberflächen-Kondensator", der es ermöglichte, den verdichteten Dampf als reines Destillat den - Kesseln zuzuführen. Beide letztgenannten Vorrichtungen wurden in vielen Ländern patentiert, namentlich das Gradierwerk fand sehr schnell ausgedehnte Verbreitung. Während aller dieser Studien, Konstruktionen und geschäftlichen Reisen betrieb Popper weitere technische, mehr.theoretische Studien, besonders auf den Gebieten der Flugtechnik und Elektrotechnik; Gegenstände, über die er mehrfach Abhandlungen in Fachzeitschriften und selbständige Werke verfaßt hat. In seinem im Jahre 1887 und 1888 veröffentlichten Werke „Flugtechnik" übergab Popper mehrere Erfindungen und Ideen der Oeffentlichkeit, von denen jetzt, nach 20 Jahren nach Erscheinen dieses Werkes, mehrere von Flugtechnikern entweder nacherfunden oder benutzt werden. So stammt von Popper die Idee, die Stabilität von Ballons (also auch von Flugmaschinen) mittels eines Gyroskops, das ist eines rotierenden Ringes, herbeizuführen, ein Gedanke der seither für Torpedos, Schiffe und Flugmaschinen benutzt oder vorgeschlagen wird- Ferner regte Popper in seinem Werke die Einrichtung von Landungshäfen zur Bergung der Luftballons an; dieser Vorschlag wird gleichfalls in unseren Tagen sehr lebhaft diskutiert. Auch eine wichtige Eigenschaft der Propellerschrauben entdeckte Popper, und zwar auf theoretischem Wege, nämlich die Verbesserung ihrer Wirksamkeit bei senkrecht auf die Schraubenachse gerichteter gleichzeitiger Vorwärtsbewegung. Auch diese Entdeckung wurde in allerjüngster Zeit von anderen bekanntgemacht und die Poppersche Voraussagung durch die sinnreichen Experimente von Professor Riabonschinsky im Kaiserlich russischen aeronautischen Laboratorium in Kontchino (bei Moskau) vollauf bestätigt. Die wichtigste Erfindung Poppers ist aber die der „Elektrischen Kraftübertragung", die er, der damals Vierundzwanzigjährige, als der erste konzipiert und am 6. November 1862 in einer versiegelten Abhandlung des Titels „Ueber die Benützung der Naturkräfte" der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften . in Wien übergeben hat. Er machte darin den Vorschlag, die mechanische Energie von Ebbe' und Flut, die Kraft des Windes und die in den Tiefen der Gebirge niederrauschenden Wasserfälle mittels Elektrizität an solche ferne Orte in die Gebiete der Zivilisation zu leiten, wo sie nationalökonomischen Zwecken besser dienlich sein könnten als dort, wo sie ursprünglich vorhanden sind. Poppers Priorität wurde von niemandem bestritten und ist in manchen Handbüchern der Physik auch anerkannt. Wohl verhinderten damals die Verhältnisse, namentlich die hier maßgebend gewesenen Personen, die wirkliche Ausführung dieser Idee; allein dies kann wohl an ihrem Wert nichts mindern, denn zur Ausführung waren durchaus keine neuen Erfindungen mehr nötig, sondern der Poppersche Vorschlag mußte, ohne ede neue Zutat, gelingen, wenn man leben die schon damals vorhandenen magnet - elektrischen Maschinen (etwa durch einen Laboranten), durch Drähte miteinander verbinden ließ. Die heutige Dynamomaschine wurde erst einige Jahre nach der Eingabe Poppers an die Akademie erfunden, und dieser Fortschritt ermöglichte einen besseren Nutzeffekt der übertragenen Energie, war aber keine prinzipielle Neuerung an der Popperschen Erfindung, Der Aufsatz, der 'im Jahre 1862 versiegelt eingereicht und im Jahre 1882. in den Sitzungsberichten der Kaiserlichen Akademie veröffentlicht wurde, findet sich in wörtlicher Wiedergabe auch auf Seite 53 bis 55 der Popperschen Broschüre „Die physikalischen Grundsätze der elektrischen Kraftübertragung." (Wien, Hartleben, 1884.) Was die literarischen Publikationen Poppers betrifft, so seien hier von selbständigen Werken unter anderen erwähnt: das sozialphilosophische Werk „Das Recht zu leben und die Pflicht zu sterben" (1878, in dritter Auflage bei C. Rechner 1903); „Fürst Bismarck und der Antisemitismus" (1886), „Die technischen Fortschritte nach ihrer ästhetischen und kulturellen Bedeutung" (1886 Josef poxz-er.