Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 74 (1910)
- Issue
- Heft 34 (26.8.1910)
- Date
- 1910-08-26
- Page
- Seite 408 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Literarische Mitteilungen. ----- Aus härteren und weicheren Tagen. Geschichten und Phantasien von Viktor Klemperer. Kürschners Bücherschatz 728. H. Hillgers Verlag, Berlin und Leipzig, Preis 20 Pfennig. Viktor Klemperer ist den Lesern dieser Blätter kein Unbekannter; als Essayist, Kritiker,-Nachdichter ist er vor ihnen aufgetreten. In den vorliegenden Schriften begrüßen wir ihn als Erzähler. Er schildert in heiterer und ernster Weise und führt von der Erde auch mit Vorliebe in Himmel und Hölle. Er verfügt gelegentlich über, einen höchst drolligen Humor. Für unsere Leser dürfte die Geschichte „Das Werk" von besonderem Interesse sein. Sie berichtet von einer Jüdin Rebekka, die ihren Mann, mit dem sie ungefragt verheiratet kvorden war, nach wenigen Monaten einer gleichgültigen Ehe, zugleich aber ihren geliebten Brüder verloren hat. Beide starben als Opfer der Volkswut zur Zeit der Pest. Von dem Bruder hatte sie einige Ratschläge empfangen, wie der furchtbaren Krankheit zu begegnen sei und übt diese, als die Seuche aufs neue wütet. Manchen erscheint sie als Engel; da aber die Pfaffen sich einmischen, wird sie als Hexe verbrannt. Sie geht mutig in den Tod; nur daß sie das „Werk", "die Arbeit des geliebten Bruders untergehen sieht, bereitet ihr Pein. Eine sinnige Geschichte, die wert wäre, allgemein bekannt zu werden. Auch manche andere Beiträge des Bändchens besitzen durch Erfindung und Darstellung großen Wert. L. G. * — Die schwarze Chaja. Ein Külturbild von Isidor Borchardt, Frankfurt a. M. I. Kauffmann 1910. 2 Mark. Es kommt gewiß nicht häufig vor, daß sich der einzige Sohn des ersten Vorstehers der Gemeinde mit der Tochter eines Schammes verheiratet, weder in dem Städtchen Zorin noch anderwärts. Aber es haben auch so ungleiche Brautleute wie hier Wilhelm Stein und Rebekka Sänger nicht immer solche Hilfsmannschaften wie die schwarze Chaja. DaS ist die Reinmachsfrau der Mikwe, eine resolute, äußerlich rohe aber innerlich zarte und treffliche Person, die von Zorin nach Berlin fährt, wohin Steins übergesiedelt sind, nachdem sie Geld genug gewonnen haben. Chaja fährt hin, um dem Ungetreuen ins Gewissen zu reden und ihn zur Braut zurückzuführen. Denn die Uebersiedelung der reichen Kaufleute von dem Provinzstädtchen nach der Residenz hatte stattgefunden, um das Brautpaar zu trennen. Die Umkehr dieser reichen Leute zur Pflicht und zum Judentum — sie sind nämlich, da sie unter Getauften und unter Christen verkehren, dem Abfall ziemlich nahe — ist ein bißchen äußerlich und gewiß dem Leben, wie es sich leider meist abspielt, Nicht entsprechend. Aber der Charakter der Chaja ist ganz vortrefflich-geschildert. Nicht weniger das Leben in einer kleinen Stadt, die Typen des pflichttreuen Schammes, der bessere Zeiten gesehen hat; der Gemeindevorsteher; des irrsinnigen Schläume Hirsch. Die Perle des Ganzen scheint mir aber die Charakteristik des Georgchen Glaser zu sein, eines widerwärtigen kleinen Burschen, der seinen Mitmenschen den ärgsten Schabernack spielt, aber, da er im Walde die silbernen Thoraknäufe wieder findet, die Schläume Hirsch gestohlen hat und dadurch dem wackeren Diener schreckliche Ungelegenheiten bereitet haltenden guten Ruf des. pflichttreuen Beamten wiederherstellt, und der Geschichte zum guten Ausgang verhilft. Die Erzählung verrät ein hübsches Talent und ist als eine recht wohlgelungene froh zu begrüßen. Lücherrmlauk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. Dr. M. Poppelauers Berliner Volkskalender für Israeliten auf das Jahr 5671 (Luach). Mit literarischen Notizen und einem Gedenkblatt versehen. 51. Jahrgang. Berlin- M. Poppelauer. Das keimende Leben. Aus dem Nachlaß eines jungen jüdischen Rechtsanwalts.^ Herausgegeben von einem Freunde. München, Georg Müller 1910. Anonymer arabischer Kommentar zu Maimonides .Führer der Unschlüssigen". 1. Teil, Kapitel 41 bis ‘61 von Dr. Moritz Gotel. Breslau. H. Fleischmann 1910. - Rudolf Wassermann: Judenfrage und Ostmarkenproblem. Sonderabdruck aus „Zeitschrift für Politik". Berlin. C. Heymann. 3. Band. August-Heft. The guide of life. by Joachim Kaspary humanitarian Deist. Peoples edition. Price two Shillings. The liumanitarian publishiög association London. (Nebst 13 ähnlichen englischen Schriften desselben Verfassers und der Zeitschrift. „The huriiänitan era“ von demselben Herausgeber. 1905. Fahrende Leute bei den Juden von Albert Wolf s. A. Aus dessen schriftlichem Nachlaß herausgegeben und ergänzt von Dr. Max Grunwald. Sonderabdruck. Leipzig, W. M. Kaufmann 1909. Sxrechsaal. Internationale Hygiene-Ausstellung Dresden 19H. Gruppe: Hygiene der Juden. Einsendung des „Comitato pro Coltura Israelitica“ in Padua, Vorsitzender Dr. E. Morpurgo. (Ueber eine weitere Sendung soll später berichtet werden.) »4. Die talmudische Zeit in Italien. 1. Katakomben der Juden in Rom (2. bis 3. Jahrhundert), a) a Porto San Sebastiano, b) a Porta Porluese. 2. Katakomben der Juden bei Venosa. Topographische Skizze. 6. Die nachtalmudische Zeit in Italien. I. Allgemeines: a) Berühmte jüdische Aerzte in Italien (17. bis 19. Jahrhundert, Bilder), b) Statistik der Juden in Italien 1902 bis 1903. II. Die einzelnen Gemeinden: 1. Rom. a) Bilder und Photographien des Ghetto (16. bis 19. Jahrhundert, Häuser, Höfe, Synagogen). b) Synagoge des „Lungo Tevere". 2. Florenz. Bilder des Ghetto (16. bis 19. Jahrhundert, Ansichten moderner, der Wohlfahrtspflege gewidmeter Bauten hat Herr Oberrabbiner Dr. Margulies eingesandt). 3. Padua, a) Photographien des Ghetto (17. bis 18. Jahrhundert, Häuser, Höfe, Haus „Ghirondi", Haus „Triefte" usw.). b) Der alte Friedhof (16. bis 17. Jahrhundert, Plan, Gräber berühmter Juden). c) Friedhof in Brusegana, Plan. d) Diplom des Dr. David Morpurgo b. a. 1625. e) Photographien von Kethubboth mit Trachtenbildern usw.)» f) „Ghettoordnungen" d. a. 1682 (Gemeindearchiv). g) Die jüdischen Vereine Paduas (1580 bis 1910). h) E. Morpurgo, L’universita degli Ebrei in Padova nel secolo XVI., Pad. 1910. ' 4. Venedig, a) Photographien des Ghetto (16. bis 18. Jahrhundert, Häuser, Höfe, Synagogen „Levantina", „Tedesca" usw.). b) Aus dem Ghettoleben: Pesach (17. Jahrhundert), Lampen, Teppiche usw.^ (18. Jahrhundert). c) Berufe: Privileg, das die ven. Republik 1697 dem Seidensabrikanten Abraam Grassin erteilt hat. , d) Bild des Leon da Modena, Verfassers der Historia dei riti, 1616. 5. Ferrara, a) Medizinische Handschrift des Arztes Jac. Salon (1680). b) Kethubboth der Familie De Rossi (18. Jahrhundert). 6. Ancona, a) Privilegien der Familie Morpurgo (1772) vom Bischof Bufalini und (1777) vom Papst Pius VI. b) Kethubba derselben Familie (18. Jahrhundert). ■ c) Tracht eines Juden aus dem 18.. Jahrhundert. Dr. M. Grunwald,.Wien, XV. . Druck und Verlag von Rudolf Masse in Berlin. ' Verantwortlich für die Redattion: Max Bauchwitz in Berlin: -