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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-08-26 · Heft 34 (26.8.1910) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 34 (26.8.1910)
Date
1910-08-26
Page
– (sequence 13)
Language
German
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74. Jahrgang.' Nf. 34 Mx cssfMftchBysy. « X. A.g.„ m Veilage zur „Allgemeinen Leitung de^S Judentums". korrelponÄrnren und Ksckrichtm. Deutschland. — Berlin, 23. August, Wie im Inseratenteil der vorigen Nummer bereits augekündigt ist, werden seitens der jüdischen Gemeinde zu Berlin vom Beginn des Winterhalbjahres 1910/11 ab Kurse eingerichtet, durch welche den Studierenden der jüdischen Theologie, die sich über eine genügende wissenschaftliche Befähigung durch ein entsprechendes Zeugnis der von ihnen besuchten Bildungsanstalt ausweifen können, sowie den bei der philosophischen Fakultät der hiesigen Universität rite immatrikulierten Studenten, welche die Religionslehrerprüfung vor der zu diesem Zweck seitens der Gemeinde eingesetzteu.Kommiffion abgelegt haben, Gelegenheit gegeben werden soll, sich an den Religionsschulen der jüdischen Gemeinde zu Berlin für ihre Tätigkeit als Religiönslehrer praktisch auszubilden. Die Ausbildung dauert ein Jahr. Meldungen zur Teilnahme an den Kursen sind rechtzeitig vor Beginn jedes Semesters an den Schul- und Talmud-Thora-Vorstand der jüdischen Gemeinde zu richten. Der Meldung ist der Nachweis eines Studiums von vier Semestern, sowie das Zeugnis über die wissenschaftliche Befähigung des Kandidaten beizufügen. Ueber alles weitere gibt auf Befragen der Schul- und Talmud-Thora-Vorstand Auskunft. Für die Folge werden Stu- . dierende als Lehrkräfte an den Religionsschulen der jü dischen Gemeinde zu Berlin und den von der Gemeinde subventionierten Religionsschulen nur zugelassen, sowie für den jüdischen Religionsunterricht an Profanschulen nur vorgeschlagen werden, wenn sie die Seminarkurse an d en Gemeinde-Religionsschulen mit Erfolg besucht haben. *** Berlin, 28. August. Tie Rednerliste des Verbandes der Vereine für jüdische Geschichte und Literatur inDeutschland ist soeben erschienen und wird in den nächsten Tagen zur Versendung gelangen. Sie enthält neben einer stattlichen Anzahl von Namen bewährter alter Redner auch viele neue mit mehr als 500 Themen über die verschiedensten Zweige der Literatur und Wissenschaft. Die Rednerliste ist, wie bisher, auch allen nicht zum Verbände gehörigen Vereinen, Logen, Jugendvereinen usw. zugänglich und kann vom Sekretariat des Verbandes (Berlin-Pankow, Florastraße 58), an das auch alle den Verband betreffenden Anfragen und Zuschriften zu richten sind, gratis bezogen werden. J. Berlin, 23. August. Wie wir erfahren, wird der Gesamt» aüsschuß der „Deutschen Zentralstelle für jüdische Wanderarm enfürforge" nach der Konstituierung der Zentralorganisation am 18. September hier in Berlin zu einer Sitzung zusammentreten, in der eine Reihe' wichtiger Detailsragen erörtert werden sollen, die die zukünftige praktische Durchführung der Richtlinien betreffen. Da die Zentralstelle ihre Tätigkeit bereits am 1. Oktober beginnen soll, muß noch vorher über Art und Umfang der Arbeit Beratung gepflogen werden und auch zugleich über die Ergebnisse der inzwischen fortgeführten Propaganda-Arbeit berichtet werden. — Danzig, 21. August. Einen schweren Verlust hat unsere Gemeinde durch das Hinscheiden seines ersten Vorstehers Herrn Justizrat Beh^end erlitten. Der im 51. Lebensjahre infolge von Komplikationen nach einer glücklich verlaufenen Operation Verblichene war eine lange Reihe von Jahren Vorsitzender der Repi äsentantenversammlung und feit 1. April d. Js. als erster Vorsteher unserer'Gemeinde gewählt. Aber nicht nur die hiesige Gemeinde betrauert ihren Vorsitzenden, sondern auch weit über Danzigs Grenzen hinaus bedeutet der Heimgang dieses Mannes für die Judenheit einen Verlust. Dauernde Verdienste hat sich der Verblichene als Mitbegründer des seit elf Jahren bestehenden jüdischen (Lachmannschen) Waifenhauses in Graudenz erworben, dessen Vorstands-Vorsitzender er lange Jahre bis zu seinem Tode gewesen ist. Ferner gehörte er dem Präsidium der „Deutschen Konferenzgemeinschaft" der ü.11ianoe Israölits Universelle an und war Mitglied einer großen Anzahl jüdischer Wohltätigkeitsvereine in Danzig. Justizrat Behrend ist ein Sohn Westpreußens. In der alten Ordensstadt Marienburg geboren, ließ er sich 1880 als Rechtsanwalt in Danzig nieder. In den letzten Jahren besonders nahm er auch an dem kommunalen Leben seiner Vaterstadt regen Anteil. Er würde 1904 von der I. Abteilung zum Stadtverordneten gewählt und gehörte seitdem ununterbrochen dem Stadtverordnetenkollegium an, wo er als hervorragend tätige Kraft sich höchster Wertschätzung erfreute. W. Pose«, 19. August. Zu der Festtafel, die am Sonnabend den 20. August im Kaiserlichen Schlosse Hierselbst stattsand, haben aus derProvinzPosen nachstehende jüdische Herren Einladungen erhalten: Landtagsabgeordneter Geheimer Kommerzienrat L. Aronsohn, Vorsteher der jüdischen Gemeinde in Bromberg, Stadtverordneten-Vorsteher Justizrat Placzek, Geheimer Kommerzienrat Herz, Kommerzienrat Nazarh Kantorowicz, Geheimer Justizrat Salomon, Vorsitzender der Posener Anwaltskammer, Posen, Abgeordneter Justizrat Wolfs, Lissa i. P.', Kommerzienrat Stadtrat Rogowski in Gnesen, Fabrikbesitzer Assessor a. D. Dr. Levh in Hohensalza und Isidor Strehlich Är Pleschen. Zu dem Empfang der Kaiserin sind u. a. auch die-jüdischen Damen Mankiewicz, Herz und Orgler nach dem Königlichen Schlosse geladen worden. — Die Krankenverpflegungs- und Beerdigungsgesellschaft vereinnahmte im abgelaufenen Vereinsjahre: Von 15 Spendern 2929 Mark, an Beiträgen der Gefellschaftsmitglieder 5106 Mark, an Bestand aus dem Vorjahre 3273.16 Mark und einschließlich anderer Beträge zusammen 32 738.19 Mark. — Dieser Einnahme steht eine Gesamtausgabe von 21 769.85 Mark gegenüber, so daß ein Saldovortrag fürs nächste Jahr von 10 968.34 Mark verblieb. Der Verein zählt zu den größten Vereinigungen innerhalb der Shnagogen-Gemeinde und hat mehr als 800 Mitglieder. M. Hamburg, 21. August. Im vorigen Jahre ist der Israelitisch- Humanitäre Frauen-Verein in Hamburg auf Anraten seiner Vorsitzenden, Fräulein Sidonie Werner, versuchsweise an ein Unternehmen herangetreten, das sich in diesem Jahre schon zu einer schätzenswerten Wohlfahrtseinrichtung in unserer Gemeinde ausgestaltet hat. Zuerst wurden 16 bis 18 schwächliche, erholungsbedürftige jüdische Kinder auf Kosten des Vereins nach dem stärkenden Soolbade Segeberg gebracht, wo sie nach vierwöchiger Kur eine befriedigende Gewichtszunahme und eine gute Erholung aufwiesen. In diesem Jahre löste eine Kindergruppe die andere jeden Monat ab, so daß im ganzen etwa 90 bis 100 Kinder den unschätzbaren Vorteil dieses stärkenden Aufenthalts genießen konnten. Da die gemeinsame Versorgung von Mädchen und Knaben Schwierigkeiten bot, und die Wohnungsfrage für solche Zwecke in einem kleinen Kurorte ohnehin nicht leicht zu lösen ist, so sind in diesem Sommer nur Mädchen schulpflichtigen Alters bis.hinauf zu den Seminaristinnen und auch einige schulentlassene ausgenommen worden. Die verhältnismäßig kleinen Gruppen gestatten eine individuellere Behandlung und auch eine genauere Kontrolle über das, was den besonders schwächlichen Kindern zuträglich oder schädlich ist. Sie werden nach jeder Richtung hin sorgfältig beaufsichtigt. Die Eltern haben gar keine Vorbereitungen für die Ausrüstung der Kinder zu treffen, da Fräulein Sidonie Werner und die anderen Komiteedamen dafür sorgen. Bevor noch die Ferien beginnen, sind die. Vorstandsdamen bemüht, Fühlung mit den Kindern und ihrer Häuslichkeit »zu nehmen, um genauer beurteilen zu können, was ihnen nottut, und wie auf sie eingewirkt werden muß. Von großem Wert ist nämlich auch der erzieherische Einfluß, der ihnen in der Sommerfrische zuteil wird. Eine Nachpflege tritt ebenfalls ein, sobald sie sich als notwendig oder auch nur als wünschenswert herausstellt. Es muß noch besonders hervorgehoben werden, daß die nicht geringen Mittel, die für diese Ferienkolonie erforderlich sind, durchweg durch die Sammelbüchsen.gewonnen werden, die der so segensvoll wirkende Verein alljährlich an

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