Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-08-05 · Heft 31 (5.8.1910) · p. Seite 372

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 31 (5.8.1910)
Date
1910-08-05
Page
Seite 372 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3228907-3228939--66714-3278865
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

7 entity mentions

Hermann Blümenthal, Iün g l i n g s j a h r e, Roman. Jüdischer Verlag, G.m. b. H., Köln und Leipzig, 1910. Vor Jahren habe ich den ersten Band dieser Romanreihe „Der Weg der Jagend", einen Band, der den Titel führte, „Kindheitstage" (er war im März 1904 erschienen) an dieser Stelle nicht mit vollem Beifall besprochen. Der zweite Band „Knabenalter" ist mir nicht gegenwärtig; der dritte Band führt den Roman zu Ende. Der Held David endet in sehr jugendlichem Alter durch Selbstmord. Er ward zum Militär einberufen, kann die Plackerei, die schweren körperlichen Dienstleistungen nicht vertragen und stürzt sich von dem Dach der Kaserne, bis zu dem er Sandsuhren hat schleppen müssen, in den Hof hinab und stirbt. Der Roman ist nicht uninteressant durch die Schilderung der qualvollen Zeiten: der Held, der in inem kaufmännischen Geschäft an gestellt ist, verliert seine Stellung und muß all das Elend eines jungen Schriftstellers ertragen, der, überall abgewiesen, die niedrigsten Arbeiten übernehmen muß, um sein armseliges Leben zu fristen. Anziehende Typen seiner Freunde von denen einer ein enragierter Zionist, der andere ein Kaufmann ist, der in seiner Stellung Erfolg hat, aber durch traurige Liebesgeschichten zum Selbstmord geführt wird, der Dritte zur iberalen Partei übergeht und ein bequemes Leben führt; die eigene Entwicklung des Jünglings zur Sozialdemokratie und zum Zionismus, eine Phantasieliebe zu einem unbekannten Mädchen. Hedwig, beleben das Buch. Es spielt in Wien und gewährt einen merk würdigen Einblick in das Treiben eines Teiles der dortigen galizischen Einwanderer. L. G. Sxrechsaal. nternationale Hygiene-Ausstellung Dresden 1911 Gruppe: „Hygiene der Juden". Bericht des Berliner Lokalkomitees. Sitzung vom 4. Juli 1910, 7 Uhr abends, Oranienburger Straße 29. Anwesend: Rechtsanwalt Dr. Blau, Dr. Elbogen, Rabbiner Dr. Eichelbacher, Geheimrat Dr. Maretzki, Dr Preuß, Professor Dr. Rosin, Stadtverordneter L. Sachs, Geheimrat Senator, Professor Dr. Strauß. Entschuldigt: Geheimrat Dr. Baginsky, S.-R. Dr. Feilchenfeld, Professor Dr. E. Holländer, Direktor Dr. Minden, Geheimrat Dr. Pros kau er, James Simon. Herr Sachs begrüßt die Anwesenden und erläutert kurz den Zweck der Versammlung. Er beantragt die Konstituierung des Berliner Lokalkomitees und erklärt sich außerstande, den Vorsitz zu führen. Es werden hierauf gewählt die Herren Senator zum Vorsitzenden, Sachs zu seinem Stellvertreter, Elbogen zum Schriftführer. Die Leitung der Sitzung behält Herr Sachs. Hierauf erstattet Herr Elbogen ein Referat über die Aufgaben der Gruppe „Hygiene der Juden" und über die bisherigen Vorarbeiten des Leiters dieser Gruppe, Dr. Grunwald in Wien. In der sich anschließenden Diskussion werden besonders zwei Punkte besprochen: 1. Ob es sich empfiehit, einen besonderen jüdischen Pavillon zu errichten, 2. inwieweit die Leistungen der Juden auf dem Gebiete der Hygiene in der Neuzeit vorgesührt werden sollen. Herr Geheimrat Maretzki tritt dafür ein, daß die Modelle moderner jüdischer Krankenhäuser, Erholungsheime u a. ausgestellt werden und verspricht sich davon eine Beseitigung mancher noch herrschender Vorurteile. Ferner wünscht er eine graphische Darstellung der Bewegung zur Heranbildung jüdischer Krankenpflegerinnen, aus der ersichtlich ist, wie viele bisher ausgebildet wurden, welche Krankenhäuser die Ausbildung leiten, wie viele Schwestern die Prüfung bestanden haben und wo sie untergekommen sind. Herr Professor Rosin billigt diesen Antrag und spricht sich für die Errichtung eines eigenen Pavillons aus. Er legt besonderen Wert auf die Vorführung der modernen Leistungen. Herr Professor Strauß schlägt vor, eine systematische Darstellung der historischen Entwicklung der jüdischen Krankenpflege zu bieten, beantragt fernergraphische Darstellungen des Einflusses der Lebensgewohnheiten der Juden auf ihre Gesundheit anzustellen, zum Beispiel den Anteil der Juden am Alkoholismus, an der Tuberkulose, Syphilis und anderen Volksseuchen. Herr Eschelbacher wünscht ebenfalls eine übersichtliche Darstellung der jüdischen Krankenpflege, Nachweise über alte Krank nhäuser und die Tätigkeit der Cbewra Kadisclia. Er tritt ferner für eine systematische Zusammenstellung der Literatur über Krankheiten, Hygiene und Lebensgewohnheiten usw. der Juden ein. Unter anderem verweist er auf die Schrift von Wolf „Krankheiten der Juden", 1784, und auf die des Elsässers Weil über sexuelle Hygiene, endlich auf die Wolfsche Sammlung im Besitzder jüdischen Gemeinde. Herr Geheimrat Senator legt den grösiten Wert darauf, daß die Bestrebungen der Juden auf diesem Gebiete im Altertum und im Mittelalter in das rechte Licht gesetzt werden. Er beantragt, in dee Ausstellung einen kleinen Führer aufzulegen, in dem die Leistungen der Juden in bezug auf Krankenpflege und Hygiene übersichtlich dargestellt sind. Herr Blau schlägt vor, ein Werk über oie Medizinal Statistik der Juden auszuarbeiten und auszustellen. Herr Preuß betont die Wichtigkeit der Schächtapparate usw. zumal im Königreich Sachsen den Juden das Schächten verboten ist. Er warnt im übrigen vor zu weitgehender Apologetik, wie sie häufig gerade in bezug auf biblische Vorschriften, z. B. Speisegesetze, getrieben wird. Es wird darauf einstimmig die Errichtung eines besonderen jüdischen Pavillons gutgeheitzen. Ebenso werden die Anträg Senator-Blau angenommen, die die Darstellungen der jüdischen Hygiene im Altertum und Mittelalter sowie der modernen Medizinal- Statistik fordern. Behufs Beschaffung eines Beitrages für die Kosten der Ausstellung soll im Herbst ein Aufruf versandt werden, den Herr Dr. Elbogen entworfen hat. Schluß der Sitzung 8*/« Uhr. Diesem Referat aus Berlin sollen in kurzen, Berichte anderer Lokalkomitees folgen. Ausstellungsgegenstände sind uns bisher eingesandt, oder in bestimmter Form zugesandt worden von: Ahlem: Jüdische Erziehungsanstalt. — Amsterdam: Bkbliotheca Rosenthaliana. — Berlin: Königliche Bibliothek, Bibliothek der jüdischen Gemeinde, Lokalkomitee. D. H. Eisenstadt, Rabbiner Dr. Rosenthal. — Boskowitz: L.-R. S.°V. Dr. Funk. — Bremen Rabbiner Dr. Rosenack, Kaffee-Handels-Aktiengesellschast. — Breslau: Synagogengemeinde, Komitee der „Lessing"-Loge (Dozent Dr. Brann), Dr. Jmm. Deutsch. — Brünn: Dr. Oppenheimer. — Cöln H. Silberbach (Schächtutensilien). — Dresden: Rabbiner Dr. Auerbach Florenz: Obercabbiner Dr. Margulies. — Frankfurt: Israelitisch Gemeinde, Israelitische Religionsgcsellschaft, Stadtbibliothek, Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler, Hugo I. Bondi Verlag Sauerländer. — Gleiwitz: Rabbiner Dr. Münz. — Halle a. Saale: Deutscher Verein zur Erforschung Palästinas. — Hamburg Stadtbibliothek. Deutsch-Israelitische Gemeinde, Gesellschaft für jüdisch Volkskunde, Dr. E. Fink. — Karlsruhe i. B.: Oberrat der Israeliten. — Lemberg: Heinrich Sprecher. — Lübeck: B. Goslar. — München „München-Loge" (Dr. Feuchtwanger). — Nagyhicscse: Rabbine Dr. Wellesz. — Nürnberg: Dr. P. Münz. — Oberdorf-Bopfingen Rabbiner Dr. Kroner. — Padua: Dr. Morpurgo (eine planmäßige Sammlung italienischer Gegenstände des Gomilalo pro Gultura israelila). — Paris: Jewish Colonisation Association. — Pecs: Ober rabbiner Dr. Perls. — Petersburg: Dr. I. Markon. — Schönlanke Rabbiner Dr. Bamberger. — Schwetz: Rabbiner Tr. Nordheimer.— Straßburg: Professor Dr. Euting, Jüdisches Museum. — Stuttgart: Kirchenrat Dr. Kroner. — Visselhövede: Norddeutsches Honig- und Wachs-Werk. — Wien: Israelitische Kultusgemeinde; Israelitisches Ferienheim; Jüdischer Turnverein in Fünfhaus; Professor Dr. Ehrmann; Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchen- und Arbeiterinnenheim; Dr. H. Haase; Kinderheim in Laa; Verein zur Ausspeisung armer israelitischer Kinder für die Bezirke XII—XV; Professor Js. Kaufmann; M. S. Knöpfelmacher. — Wiesbaden: Dr. Rattner. — Worms: Dalberg-Loge. Dr. Max Grunwald, Wien XV., Mariahilferstraße 167. Druck und Verlag von Rudolf Masse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Dcrli«

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.