Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 74 (1910)
- Issue
- Heft 31 (5.8.1910)
- Date
- 1910-08-05
- Page
- Seite 371 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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einem bischen Zureden. Und alle Luft genießen ohne -Gefahr tzor Folgen kann auch jede." „Wie kannst Du das sagen!" Eine Erinnerung aller hohen Liebe iM ihr. „Weiß ich etwa nicht Bescheid! Aber offen die Folgen tragen, offen der ganzen Stadt seine heimliche Liebe eingestehen, das kann nicht jede. Und das sollst Du können, wenn Du mich wirklich so liebst?" - - (Fortsetzung folgt.) Litersrilche Mitteilungen. Durch das Tor des Ostens. Erzählungen aus der morgenländischen Vergangenheit von Emmh Littmann. Straßburg i. E., Verlag v. Schlesier und Schweikhardt, 1910. 3 Mark, gebunden 4 Mark. Meine Erwartung, daß dies Buch jüdische Geschichten enthielte, hat sich nicht erfüllt. Selbst eine Geschichte wie die „Tochter Pharaos" hat nichts mit Jüdischem, zn tun, sondern spielt in Theben. Aber auch das Morgenländische im allgemeinen hat für uns Interesse. Deshalb mögen diese Geschichten auch unseren Lesern empfohlen werden. Die Verfasserin verfügt über große Kraft; die eben hervorgehobene Geschichte, die den Selbstmord einer Prinzessin behandelt eine Tat. die aus Schmerz darüber geschieht, daß ein von ihr befreiter Fürst eines unterworfenen Stammes die von ihr gewährte Möglichkeit ergreift, um in sein Heimatland zurüekzukehren, ist kraftvoll erfunden und erzählt. „Der Tod des Rebellen" schildert den Selbstmord des Ali, der jahrelang die herrschende Partei in Schach gehalten hat, endlich der Uebermacht erliegen mußte, in ergreifender und erschütternder Weise. Schwer verständlich ist die Erzählung „Das goldene Tor", begreife ich die in hochpoetischer Weise vorgetragene. Geschichte, so soll hier ähnlich wie es in Klopstocks „Der Tod Adams" und anderen Lichtungen geschieht, der Eindruck dargetan werden, den der Begriff des Abscheidens, des Todes auf die Menschheit und auf einzelne Menschen hervorbringt. Die genannten Geschichten wie auch die übrigen Beiträge des Bandes gewähren eine höchst anregende Lektüre. L G. — Interessante Krimi na lprozcsse von kulturhistorischer Bedeutung, Darstellungen merkwürdiger Strafrcchtsfälle ans Gegenwart und jüngster Vergangenheit. Nach eigenen Erlebnissen von Hugo Friedländcr, Gerichtsberichterstatter. Eingeleitet von Iustizrat Dr. Sello. H. Barsdorff, Berlin W.-80. 242 S. (3 Mark, ge- Kunden 4 Mark.) Das interessante und höchst unterhaltende Buch — warum hat es nur kein ordentliches Inhaltsverzeichnis mit Seitenangaben? — gibt ausführliche Darlegungen neuer Prozesse, z. V. des Prozesses Kwilecki, des Hauptmanns von Köpenick, des Mediums Anna Rothe. Für unsere Leser dürsten von besonderem Interesse sem: Der Knabenmord in Xanten und der Judenflintenprozeß. Der erste Prozeß, die Anklage gegen den Schlächter Buschhoff wegen angeblichen Ritualmords, vollzogen an einem christlichen Knaben, der andere, die Beschuldigung des Herrn Ahlwardt gegen bie Firma Löwe L Co., sie hätten schlechte, untaugliche Gewehre für die deutsche Armee geliefert, ein Prozeß, in welchem Ahlwardt wegen Beleidigung verurteilt wurde. Der erste Prozeß endete mit einem glänzenden Freispruch des Angeklagten. Beides sind traurige Zeugnisse unserer Kulturzustände, aber doch, schöne Beweise für die Integrität unseres Richterstandes. Ter Verfasser erzählt in einfacher unterrichtender Weise und gibt von den Verhandlungen ein lebendiges Bild. L. G. jk — Handwörterbuch der deutschen Sprache von Dr. Daniel Sanders. Neu bearbeitet, ergänzt und vermehrt von Dr. I. Ernst Wülfing. VIII. Auflage, erste der Neubearbeitung. 8 Lieferungen ü 1 Mark. Druck und Verlag von Otto Wiegand m. b. H. Leipzig 1910. Was von dem unvergeßlichen Daniel Sanders herrührt, kann Anspruch erheben, auch in diesen Blättern gewürdigt zu werden, wenn diese sich zumeist auch mit anderen Angelegenheiten beschäftigen. Dieses Handwörterbuch „Der kleine Sanders", so im Gegensatz zu einem bändereichen Bruder benannt, erschien zuerst 1869 und ist von dem Verfasser siebenmal ohne wesentliche Veränderung herausgegeben worden. Der neue Bearbeiter hat das äußerliche Satzbild im ganzen beibehalten, ebenso die Bedeutungserklärungen, bei letzteren aber viele Fehler verbessert. Vor allem hat er aus den sonstigen Sandersschen lexikographischen Arbeiten vieles ergänzt, zahlreiche Lehnwörter, Pflanzen- und Tiernamen, ebenso mundartliche Ausdrücke, denen man im Schristtum und in den Zeitungen begegnet, hinzugefügt. Er hat besonders auch ältere Ausdrücke ausgenommen, die zwar in der modernen Sprache nicht mehr üblich sind, aber bei der Lektüre Häufig begegnen, und endlich kurze schlagende Beispiele und Belege aus den Klassikern ausgenommen. Der Bearbeiter hat seine Aufgabe trefflich und in überraschend kurzer Zeit ausgeführt, seine Ausgabe ist nicht umfangreicher geworden, als ursprünglich versprochen worden, und die 887 zweispaltigen Quartseiten sind in kaum bU Jahren gedruckt worden. Eine eingehende Kritik des Buches und seiner neuen Bearbeitung gehört nicht hierher; nur so viel mag auch unseren Lesern gesagt sein, daß sie in dem Buche für die Sprache des gewöhnlichen Lebens und zur Unterstützung ihrer Lektüre einen verläßlichen Führer besitzen, der durch seine Handlichkeit, Billigkeit und innere Gediegenheit sich für den allgemeinsten Gebrauch empfiehlt. Den Zwecken unseres Blattes gemäß sei darauf hingewiesen, daß sich S. 342 ein ziemlich umfangreicl er Artikel über Juden mit allen Zusammensetzungen, in denen das Wort vorkommt, findet. L. G. — Hohenzollern- und Judenblut. Wider Rom. Aus südamerikanischem Leben. Novelle von Paul Polko. Bitterfeld. Selbstverlag des Verfassers. 1910. 2 Mark. Eine seltsame Lebensgeschichte des Heinrich Walther, der als Kaufmann nach Südamerika zieht, dort eine Eingeborene heiratet mit ihr nach Deutschland znrückkehrt, seine Frau verliert, eine Verwandte von ihr aber, die früh Witwe geworden, nicht erlangen kann, weil deren Vater ein glaubenseisriger Katholik, die Ehe seiner Tochter mit einem Protestanten nicht zugeben will. Zu ihrem seltsamen Titel kommt die Geschichte dadurch, daß der Held durch einen älteren Freund die Nachricht erhält, er stamme von Vaters Seite von den Hohenzollern, von seiten der Mutter von Juden ab. In seinem Wesen kämpft daher eine merkwürdige Mischung des Wesens beider, wobei die besseren Regungen von ihm als Hohenzollernsche. die schlechteren als jüdisch bezeichnet werden. Trotzdem will der Verfasser kein Antisemit sein. Und so sagt er selbst S. 14: „Und wenn er ein Jude oder mehr Jude als Deutscher wäre, — gab es unter den Juden nicht Krieger und Könige und wiesen dagegen die Stammbäume nicht manchen Schwächling und Feigling, manchen Wüstling und Wicht auf; waren denn die Juden nicht ein von Gott auserlesenes Volk, von hoher und höchster Intelligenz; und wenn dieses Volk durch Jahrhunderte lange Verfolgungen versumpft und verkrämert war, konnte es sich nicht wieder erheben?" Und gegen Schluß des Buches (S. 141), da der Verfasser von der Treue des edlen Menschen an Vaterland und Religion spricht, sagt er: „Wer sein Vaterland verleugnet, verleugnet sich und seine Vorfahren, ist ein Verräter an allem, die seine Muttersprache sprechen und sogar an der ganzen Menschheit, denn diese.'setzt sich aus Gruppen von Landesfamilien zusammen. Ebenso verhält es sich mit der Religion, deren Glaubensbekenntnis durch jahrelange Kriege erkämpft und durch das Blut der Väter besiegelt wurde." Es ist eine seltsame, etwas wirre Geschichte, die uns in ziemlich unbekannte Verhältnisse hineinführt, in der Haß gegen den Katholizismus sehr stark hervortritt. Der Gegensatz des Hohenzollern- und des Judenwesens ist etwas künstlich in die Entwicklung hineingetragen und macht nicht, wie man aus dem Titel vermuten sollte, die Hauptsache aus. L. G.