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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-06-10 · Heft 23 (10.6.1910) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 23 (10.6.1910)
Date
1910-06-10
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Korrespondenten und Nachrichten. Deutschland. »*» Berlin, 7. Juni. Die seit mehr als sechs Dezennien in segensreicher Weise wirkende Gesellschaft zur Unterstützung jüdischer Handwerker und Künstler in Krankheitsfällen hielt kürzlich unter dem Vorsitze des Herrn Kommerzienrat Leopold Friedmann im Verwaltungsgebäude der Jüdischen Gemeinde in der Rosenstraße ihre diesjährige ordentliche Generalversammlung ab. Dem hierbei von dem Vorsitzenden erstatteten Jahresberichte über die Wirksamkeit der Gesellschaft entnehmen wir, daß diese im Jahre 1909 für Krankenunterstützungen, Aerztehonorar, Kurzwecke usw. 5714.30 Mark ausgegeben hat, während die mit ihr verbundene Witwen» und Waisenkasse an 33 Witwen verstorbener ordentlicher Mitglieder 6561 Mark an Jahresunterstützungen zahlte. Die drei Vereinsärzte behandelten lio erkrankte Mitglieder, wobei einer von ihnen allein 418 mal in seiner Sprechstunde konsultiert wurde und 85 Krankenbesuche in den Wohnungen der Mitglieder abstattete. Der Verein zählt gegenwärtig 321 außerordentliche und 194 ordentliche Mitglieder. In Anbetracht des humanen Zweckes ist zu wünschen, daß sich recht viele neue Mitgliederndem Verein anschließen und ihn dadurch in den Stand setzen, seine Wirksamkeit auszubreiten. Jedes der Vorstandsmitglieder ist gern bereit, Anmeldungen neuer Mitglieder entgegenzunehmen. Der Vorstand besteht zurzeit aus den Herren: Kommerzienrat Leopold Friedmann, Französische Straße 60/61, Regierungsbaumeister M ax Grünseld, Schlüterstraße49/50, Stadtbauinspektor Broniatowski, Luitpoldstraße 38, Zimmermeister Benno Mirauer, Eisenacher Straße 65, Rentier M. D. Feilchenfeld, Chausseestraße 9, Bildhauer Eugen Caspary, Luisenstraße 58, B. Jachmann, Jnvalidenstraße 8, S. Treuherz, Rosenthaler Straße 5, Hermann Loewenstein, Ziegelstraße 28 und Malermeister I. Loewenstein, Krausnickstraße 9. — Berlin, 7. Juni. Die Baruch Auerbachschen Waisen- Erziehungsan st alten haben nach ihrem eben ausgegebenen 77. Jahresbericht seit der Begründung des neuen Anstaltshauses, Schönhauser Allee 162. eine Vermehrung um elf Zöglingsstellen erfahren und erziehen gegenwärtig 58 Knaben und 30 Mädchen. Diese besuchen in der weit überwiegenden Mehrzahl höhere Schulen, die Knaben fast durchweg bis zur Einjährig-Freiwilligen-Berechtigung, besonders begabte und würdige sogar bis zur Reifeprüfung, die im Berichtsjahre wieder einer bestanden hat, während die Mädchen in der Regel noch von der Anstalt aus ihrer beruflichen Ausbildung obliegen. Im ganzen haben bisher 655 Zöglinge in den Anstalten Pflege, Erziehung und Ausbildung und weit ins Leben hinaus» reichende Fürsorge genossen. Dem letzteren Zwecke dient eine größere Anzahl besonders verwalteter Stiftungen, die wiederum namentlich zur Selbständigkeit und Verheiratung früherer Zöglinge größere Summen beigesteuert haben. Die unmittelbaren Anstaltsbedürfnisse erforderten einschließlich Bureau, Gottesdienst, Gräberpflege, Renten und andere Zuschüsse insgesamt 87 234 Mark, die Verpflegung 22 757 Mark, etwa 591/3 Pfennig für den Kopf und Tag, das ist 1 Pfennig mehr als im Vorjahr. An Zinsen stehen etwa 53 370 Mark, an Renten 1650 Mark, an Jahresbeiträgen 8760 Mark zur Verfügung; im übrigen sind die Anstalten, zu deren Unterhalt weder Stadt noch Gemeinde im geringsten beitragen, auf das Wohlwollen ihrer Gönner angewiesen, das ihnen auch im abgelaufenen Jahre in reichem Maße zuteil geworden ist. Den Vorstand, aus dem der Vorsitzende Herr B. Marckwald nach jahrzehntelanger, segensreicher Wirksamkeit aus Alters- und Gesundheitsrücksichten geschieden ist, bilden nunmehr neben dem Direktor Professor Dr. Strelitz die Herren Kommerzienrat E. Lohnstein, Generalkonsul E. Landau, Professor Dr. F. Liebermann, Geheimer Kommerzienrat Dr. I. Loew e, Dr. Paul L achmann und Bankdirektor Paul Mankiewitz. Zu den bisherigen Ehrenmüttern Frau Professor Caecilie Liebermann, Frau Konsul Flora Fränkel und Frau Kommerzienrat Else Israel ist Frau Geheimrätin Anna Levy hinzugewählt worden. — Berlin, 7. Juni. Am Sonntag den 22. .Mai wurde die diesjährige Generalversammlung der Ohebrath Mohalim (Verein zur Unterstützung armer Wöchnerinnen) abgehalten. Der seit fast 200 Jahren bestehende Verein war ursprünglich eine Vereinigung der Mobalim zum Zwecke, die Beschneidung bedürftiger und auswärtiger Glaubensgenossen, leichter zugänglich zu machen. Jetzt umfaßt er außer den Mohalim als ordentlichen Mitgliedern auch Freunde der Sache als außerordentliche Mitglieder und gewährt armen Wöch- > nerinnen Unterstützung. In gegenwärtiger Zeit, in der mit dem Unterlassen der Beschneidung der Abfall vom Judentum immer weiter um sich greift, verdient der Verein ganz besonders die Unterstützung aller guten Juden. Herr Carl Kn oll er, Linienstraße 127, wurde zum Vorsitzenden, Herr Samuel Engel, Köpenicker Straße 114, zum Schriftführer wiedergewählt, zum Rendanten wurde an Stelle des nach dreißigjähriger Tätigkeit ausscheidenden Herrn Kommerzienrat Emil Heymann, Herr Bezirksvorsteh er Gideon Heymann, NW. 40, In den Zelten 9, an welchen Beitrittserklärungen zu richten sind, bestellt. Das Bankhaus A. H. Heymann & C o.. NW. 7, Unter den Linden 59. nimmt Beiträge und Spenden entgegen und zahlt die Unterstützungen aus. V Berlin, 7. Juni. Im vorigen Monat waren fünfzig Jahre seit der Begründung der M. Poppelauerschen Buchhandlung (Berlin 6, Neue Friedrichstraße 59) verflossen. Der Begründer, Dr. M. Poppelauer, wurde am 24. Januar 1824 in Kalisch in Polen geboren. Nach damaliger Sitte lernte Moses Poppelauer frühzeitig Bibel und Talmud. Später ward er Schüler des gefeierten Rabbi Salomo Eg er, der damals Oberrabbiner in Kalisch war. Als dieser nachher in gleicher Eigenschaft nach Posen berufen wurde, folgte ihm sein Schüler dahin und setzte bei ihm feine Studien fort. 1843 kam Moses Poppelauer nach Berlin, besuchte hier das Friedrich-Werdersche Gymnasium, bezog 1848 die Universität und vollendete 1852 seine Studien in Leipzig, wo er auf Grund einer Dissertation über das Buch Henoch zum Doktor der Philosophie promoviert wurde. Hierauf ging er nach Frankfurt a. M., wo er als Privatlehrer in vornehmen Familien wirkte und in den besten Kreisen verkehrte. Um unabhängig von jeder Gemeindeanstellung zu bleiben, gründete er im Mai 1860 in Berlin die M. Poppelauersche Buchhandlung, die im Laufe der Jahre zu beträchtlicher Bedeutung gelangt ist. Die Anregung hierzu gab Dr. Michael Sachs, da es seinerzeit in Berlin an einer jüdischen Buchhandlung fehlte, die von einem mit hebräischem und allgemeinem Wissen ausgerüsteten Kundigen geleitet wurde. Der Buchhändler-Laden ward bald das Stelldichein der jüdischen Gelehrtenwelt Berlins, wo sich fast täglich Zunz, Lebrecht, Cassel, Steinschneider u. a. einfanden. Der Nachfolger und Schwiegersohn des Begründers, Herr Sänger, hat es verstanden, den wohlbegründeten Ruf der Buchhandlung, die er seit 1894 leitet, nicht nur zu erhalten, sondern durch zeitgemäße Umgestaltung und Erweiterung noch zu erhöhen. Von den Werken, die in letzter Zeit in dieser altbewährten Verlagsbuchhandlung erschienen sind, nennen wir nur. Berliners Randbemerkungen zum täglichen Gebetbuch, Funk, die Juden in Babylon und die zweite Auflage der Geschichte der jüdischen Literatur von Dr. Gustav Karpeles s. A. W. Posen, 1. Juni. Der Verein jüdischer Lehrer in den Ostprovinzen hielt am 17. Mai nachmittag 3 Uhr im Gemeindehause Teichstraße 10, hier, seine 22. Jahresversammlung ab. Die Sitzung wurde durch den stellvertretenden Vorsitzenden Lehrer Becker in Wollstein geleitet. Zahlreiche Begrüßungsschreiben von Vereinen und Privaten liefen ein. Nach den üblichen Begrüßungen erstattete der Vorsitzende den Jahresbericht für das Vereinsjahr 190910. Danach dauert die Verminderung der jüdischen Schulen in der Oftmark fort, so sind die Schulen in Tirschtiegel und Borek aufgelöst worden, und einige 74. Jahrgang. Nr. 23 Berlin, 10. Juni 1910 .UUU Beilage zur „Allgemeinen Leitung deß Judentums". 1

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