Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 74 (1910)
- Issue
- Heft 23 (10.6.1910)
- Date
- 1910-06-10
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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andere trifft dasselbe Schicksal, sobald der betreffende Lehrer pensioniert wird.. In Ausführung des Beschlusses der letzten Jahresversammlung überbrachten die Lehrer Becker und Spiewkowski der jüdischen Lehrer-Bildungsanstalt in Berlin die Glückwünsche zur -Feierihres 50 jährigen Bestehens am 8. November des Vorjahres. Mit den großen jüdischen Verbänden hielt .der Verein wie bisher gute Beziehungen aufrecht. Der Zentralverein Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hat angeregt, aus Anlaß der Säkularseier für die Emanzipation der Juden,., welche am 11. März .1912 stattfinden soll, besondere Veranstaltungen zu treffen und in Beratungen darüber einzutreten. An der Vorstandssitzung des Verbandes, die Weihnachten in. Berlin stattgefunden, hat auch der Vorsitzende des Vereins teilgenommen. Der Verein trat in das neue Geschäftsjahr mit 61 Mitgliedern. Gegenwärtig sind 52 Mitglieder . vorhanden. Durch den Tod hat der Verein die Herren Grünfeld- Schwersenz und Bern stein » Posen verloren. Der Kassenbericht, den Herr Behle-Lissa erstattete, weist einen Bestand von ^162^83 Mark aus. Nach Prüfung der Rechnung wurde dem Rendanten die Entlastung erteilt. Es wurden hierauf folgende - Vorträge gehalten : „Der Vorbeter in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft." (Herr Schweizer-Glogau und Herr Heymann-Bromberg) und „Die Bedeutung der Bibel für die religiös - sittliche Bildung, der Jugend" (Herr Cohn-Wreschen). Beide Referate fanden großen Beifall seitens der Versammelten. Es wurden sodann noch einige Anträge für die nächste Versammlung entgegengenommen, worauf daun bestimmt wurde, daß die Versammlung im nächsten Jahre wiederum in Posen am dritten Pfingstfeiertage.stattfinden soll. Nach einer arbeitsreichen Tagung vereinigten sich die Mitglieder zu einem gemütlichen Beisammensein. . U. Hamburg, 5. Juni Heute vor einem .Jahre ist Oberrabbiner M. Hirsch aus dem Leben geschieden und die Leitung des Synagogenverbandes hatte anläßlich des ersten Todestages des unvergeßlichen Führers, für den bis heute noch kein Ersatz gefunden werden konnte, eiüe würdige Gedenkfeier veranstaltet. Die Schüler des Verblichenen chatten dem Andenken ihres Lehrers eine „ewige Lampe" gespendet, die in der Gemeindesynagoge am Brodplatz, in unmittelbarer Nähe des Allerheiligen angebracht wurde. Gestern abend am Ausgang des Sabbats wurde die Lampe durch Herrn Rabbiner Dr. N. A. Nobel mit einer entsprechenden Ansprache ihrer Bestimmung übergeben; die heilige Lade war mit einem kostbaren Vorhang geschmückt, der von einem angesehenen Gemeindemitglied dem Andenken des Verstorbenen gewidmet war. Heute morgen wurde bann in den beiden Gemeindesynagogen das Gebet für das Seelenheil des Dahingeschiedenen gesprochen. Die eigentliche Gedenkfeier fand dann um 10 Uhr morgens auf dem Ottenser Friedhof statt, nämlich, die Enthüllung des Grabdenkmals. Bei dieser Feier war der Gemeindevorstand durch die Herren Gemeindevorsteher Alfred Levy . und Abg. S, Marburg vertreten, das Repräsentantenkollegium und andere Gemeindeinstitutionen hatten Delegierte entsandt. Rabbiner und Vorsteher der Nachbargemeinden waren anwesend. Der Sohn des Verewigten, Herr Professor Dr. I. H i rs ch - Prag-Karolinenthal und Herr Rabbiner Dr. Ehrentreu-München waren zur Gedenkfeiernach Hamburg gekommen. Die Gedenkrede hielt Herr Rabbiner Dr. N. Nobel,,der anknüpsend an ein Talmudwort den Lebensgang des hervorragenden Meisters und Führers schilderte, der während feiner 20jährigen Tätigkeiten Hamburg sich unvergängliche Verdienste um die Gemeinde und speziell um den Synagogenverband erworben. Herr Dr. Ehrentreu schilderte hierauf die Bedeutung des Verblichenen für das gesamte Judentum. Hierauf begaben . sich die Versammelten in feierlichem Zuge zur Grabstätte, woselbst dann die Hülle fiel und das Grabdenkmal sichtbar wurde. Sodann stimmte Herr Oberkantor Dreiblatt in ergreifender Weise das „El mole racliamim“ an. Von Rührung übermannt ergriff nun Herr Professor I. Hirsch das Wort,; um den Dank der Familie für das ehrenvolle Denkmal auszusprechen. Der Redner knüpfte an. den gestrigen . Wochenabschnitt an und gab die Erklärung einer^ Schriststelle wieder, die sein Vater vor 19 Jahren im Gotteshause gegeben halte.. Die Ausführungen des Redners hinterließen bei den Anwesenden einen nachhaltigen Eindruck und tief erschüttert trennte man sich von der Stätte, wo Oberrabbiner Markus Hirsch sein letztes Heim gefunden hat. 0. Siegen. -31. Mai. Den Bemühungen des. Vorsitzenden der hiesigen Synägogengemeinde. Herrn M. L. Stern, ist es nunmehr gelungen^ die schon lange schwebende Friedhossangelegenhelt zu einem glücklichen Abschluß zu bringen. Der bisher benutzte jüdische Friedhof ist bei schlechtem Wetter kaum zu erreichen, und die Erwerbung eines neuen Grundstückes zu Begräbniszwecken war daher dringend geboten. Da nun die Kommunalgemeinde Siegen zurzeit einen neuen städtischen Friedhof anlegt, richtete Herr Stern an sie die Bitte, einen Teil des herrlich gelegenen neuen Friedhofes der Synägogengemeinde als Eigentum zu überlassen. In entgegenkommendster Weise und unter leichten Bedingungen haben die maß gebenden städtischen Behörden diesem-Ansuchen Folge gegeben- Herr M. L. Stern hat sich damit um die hiesige Synägogengemeinde ein neues großes Verdienst erworben. ----- Frankfurt M., im Mai. Unter reger Beteiligung der Mitglieder aus allen Teilen des Reichs fand am 16. und 17. Mai im alten Hörsaale der Synägogengemeinde „Israelitische Religionsgesellschaft" zu Frankfurt a. M. eine Generalversammlung des „Verbandes orthodoxer Rabbiner Deutschlands" statt. Nach herzlichen Worten der Begrüßung seitens des Vorsitzenden, Herrn Rabbiner Dr. Breuer (Frankfurt a. M.), erstattete der Schriftführer, Herr Rabbiner Dr. Breuer (Äschaffenburg), den Vorstandsbericht über die Tätigkeit des Verbandes in der abgelaufenen Periode. Ter Bericht zeichnet das Bestehen des Verbandes auf den.verschiedenen Gebieten des öffentlichen jüdischen Lebens. Zubedeutsamen aktuellen Fragen, wie Gesamtorganisation der jüdischen Religionsgesellschaft in Preußen, Sonntagsruhe, badisches Gebetbuch, französische Rabbinerversammlung usw. hat er durch Eingaben und Erklärungen Stellung genommen. In der Angelegenheit der Schächter Aus- und Fortbildung hat die aus den Herren Dr. B amb erger-Hanau, Bondi- Mainz und Cahn-Fulda bestehende Kommission in bezug auf die grundlegenden Fragen ihre Arbeiten bereits vollendet; die so dringliche Angelegenheit wird binnen kurzem einer gedeihlichen Erledigung entgegengeführt werden. Die Zahl der Mitglieder hat sich bedeutend erhöht, und bedenkt man, daß die. Grundsätze des Verbandes — im Sinne der Vorbemerkung seiner Satzungen — es ihm unmöglich machen, Mitglieder des allgemeinen Rabbinerverbandes aufzunehmen, so wird man die Zahl von 56 Mitgliedern als eine recht stattliche bezeichnen und als einen Beweis dafür ansehen können, daß ein treues, entschiedenes, durch keine Rücksichten falscher Opportunität beirrbares Festhalten an den Grundsätzen der Orthodoxie wenigstens, im Kreise der geistigen Vertreter des deutschen Judentums die ihm gebührende Würdigung findet. Dem Vorstandsberichte schloß sich eine sehr geregte Diskussion an, in welcher seitens der Mitglieder, mannigfache Anregungen erfolgten, die für das weitere Wirken des Verbandes maßgebend sein werden. Nach Beendigung' der Diskussion ergriff der Vorsitzende das Wort zur Abhaltung eines halachischen Vortrags über ein talmudisches Thema (B. Mezia 27), worauf eine Frühstückspause folgte. Zur Abhaltung des Referates über „Die Lage der Orthodoxie" war Herr Dr. Bib erfeld-Berlin verhindert, persönlich zu erscheinen. Es mußte darum seitens des Vorstandes zur Verlesung gebracht werden. Der erste Teil des Referates wirft einen kurzen Rückblick auf die Momente, die in den fünfziger bis siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts den Rückgang der Orthodoxie begünstigten und schildert, wie schmerzensreich die Gebürtsstunde der deutschen Orthodoxie, aber auch wie freudenreich sie war. Im zweiten Teile kommt der Referent aus das Austrittsgesetz vom 28. Juli 1876 zu sprechen und betont, wie dieses bedeutsame Gesetz nicht nur im Verhalten der Reform zur Orthodoxie eine Wandlung herbeigeführt, sondern in den Religionsgesellschäften den alten reinen Begriff der. jüdischen- Gemeinde hergesteüt habe nnd wie die ausgetretenen Gemeinden gegenüber den Versuchen der Zwangsorganisation die berufenen Vorkämpfer seien. Die vom Austrittsgesetz, so erfolgreich angebahnte Scheidung der Geister wurde, durch die anfangs der achtziger Jahre einsetzende antisemitische Bewegung wesentlich gehemmt. Man bedurfte der Orthodoxie in ihrer Sachverständigkeit (?) gegenüber den literarischen Verunglimpfungen, die das Judentum von seiten des Antisemitismus über sich ergehen lassen mußte und schloß sich zusammen. Von der Abwehr kam man zu« gemeinsamen Arbeit in sozialen Bestrebungen.