Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-03-25 · Heft 12 (25.3.1910) · p. Seite 137

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 12 (25.3.1910)
Date
1910-03-25
Page
Seite 137 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3224737-3228907-3228920--66346-3278478
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

1 (,j w?,4r t *• -t «r'j&'&fr.n 'x?^, ■ ■ . -7-^- 1S7 '—- auszugsweise wiederzugeben. Es handelt sich um einen Bericht, der am 16. Mai 1909 erstattet worden ist und sich auf das Jahr 1908 bezieht. In diesem Jahre war die Zahl der Mitglieder der israelitischen Konfistorialgemeinschast in Paris 3675, die 256 488 Franken jährlich zahlten, und zwar 2725 unter 50 Franken und nur 19 mehr als 1000 Franken. In demselben Jahre wurden in 67 Kursen 2868 Kinder in Religion. unterrichtet (1382 Knaben, 1486 Mädchen). Konfirmiert wurden 378 Kinder (1907: 317, 1906: 310); 204 Knaben machten ihre Barmizwah (184, 177). Religiöse Ehen wurden 324 geschlossen (326, 321), davon 27 nicht in der Synagoge. Die Anzahl der Todesfälle war 975 (945, 893). Von diesen 975 Beerdigungen waren 350 umsonst. Von den Verstorbenen hatten mehr als 30 Prozent das 70. Jahr überschritten. & Die russische Regierung geht energisch gegen den Zionismus vor, wie aus folgender Korrespondenz der „Frankfurter Zeitung" zu ersehen ist. Obwohl sich die zionistische Organisation in Rußland von jeder revolutionären Betätigung fernhält, gilt der Zionismus unter dem konstitutionellen Regime als illegal. Was er auch unternehmen Mag, ist offiziell verpönt. Neulich trat die Regierungsanschäuung in einer Senatsentscheidung unverhohlen zutage. In Warschau hatte sich, wie die „Rjetsch" meldet, nämlich eine jüdische Kolonisations- und Auswanderungsgesellschaft „Palästina" gebildet. Vom Gouvernementsamt war bereits die Registrierung zugelässen worden, aber die Polizei, erhob dagegen Einspruch. Nun hatte sich mit der Materie der Senat zu befassen, und er gab der Polizei recht. In seiner Motivierung verwies er darauf, daß die Gesellschaft „Palästina" gemäß den Informationen des Ministeriums des Innern ähnliche Ziele wie die zionistischen Organisationen verfolge; die Tätigkeit dieser Organisationen führe aber zu nationaler Absonderung der jüdischen Massen und zur Verschärfung der feindseligen Gefühle gegen die russische Bevölkerung und habe deshalb als verboten zu gelten. Also wird gegen den Zionismus verfahren, während die russische nationale Presse Tag für Tag mir Emphase den edlen Standpunkt verficht, daß ein jüdischer Exodus aus Rußland für dieses das größte Glück wäre. Es ist aber noch nicht bekannt geworden, daß die nationalistischen Organe deswegen selbst in den Orten der stärksten Ausnahmezustände irgendwelche Unannehmlichkeiten auszustehen hätten. Schier unglaublich klingt eine Korrespondenz der „N.J.K.", wonach die Schließung aller jüdischen Elementarschulen und des jüdischen Lehrerinstituts in Wilna ernstlich erwogen werden, und zwar deshalb, weil diese jüdischen Schulen angeblich den Separatismus befördern. Der Plan soll bereits den Schulinspektoren der verschiedenen Rayons unterbreitet sein. Man schreibt uns: „Der gewesene russische Ackerbauminister, Senatsmitglied Jermolow, hielt, wie „Rjetsch" mitteilt, in einer Versammlung als Vertreter des Handels und der Industrie einen Vortrag, in welchem er die Notwendigkeit einer italienisch-russischen Handelskammer darlegte. Jermolow lobte hierbei „seinen alten guten Freund Professor Luzzatji, der nicht nur in Italien, sondern in der ganzen Welt berühmt ist und mit der Idee der Entwicklung der Handelsbeziehungen zwischen Italien und Rußland sehr sympathisiere". Mit feiner Ironie empfiehlt nun „Rjetsch", die geplante russisch-italienische Handelskammer nicht in Petersburg, sondern in Rom zu errichten, da Jermolow sicher sein könne, daß man ihn in Rom freundlich ausnehmen werde, während aber sein weltberühmter Freund, Minister Luzzatti, wenn es ihm einfiele, nach Petersburg zu kommen, im Verlauf von 24 Stunden ausgewiesen würde, und es Jermolyw sicherlich peinlich wäre, sich für Luzzatti einzusetzen, da er in diesem Falle, von seinen antisemitischen Leibblättern als Judenknecht würde verschrien werden." Aus der Türkei meldet die „N. I. K." „In Behrut und in Jerusalem sind in den letzten Tagen zwei Juden als Richter am Tribunal I. Instanz ernannt worden. Beide haben vor kurzem die juridische Fakultät in Konstantinopel absolviert. Die Mehrzahl der Richter vom alten Regime haben keinen regelrechten Studiengang durchgemacht. Jetzt ist die Regierung bestrebt, die Zahl der qualifizierten Richter zu vermehren. Beide jüdischen Richter (Sephardim) verstehen gut die hebräische Sprache." In einem Artikel^-Die türkische Regierung und die hebräische Sprache" wird ein Gespräch des türkischen Unterrichtsministers mit dem Schriftsteller Moise Cohen mitgeteilt, aus dem folgender Passus weitere Verbreitung verdient: „Sie lernen zu viele fremde Sprachen, besonders die französische. Das ist ja vielleicht sehr nützlich; aber diese Sprachen dürfen nicht die .nationale Sprache der türkischen Juden werden. Wir zweifeln keineswegs an dem Patriotismus der türkischen Juden, der sich schon so vielfach bewährt hat, und wir sehen mit Freuden, daß sie sich bemühen, die türkische Sprache sich zu eigen zu machen. Was ihre nationale Sprache anbetrifft, so sehe ich nicht ein, warum nicht die hebräische Sprache die Nationalsprache der türkischen Juden sein soll, die sie ja alle 'mehr oder weniger kennen, und die, wie man mir sagt, sich zu einer modernen Sprache entwickelt hat. Sie ist uns um so.sympathischer, als sie einerseits politisch die neutralste, anderseits eine uns sympathische semitische Sprache ist." $ Zur Ergänzung der Mitteilungen über die Dresd ener Hygiene-Ausstellung sei folgendes Expose des Herrn Dr. Max Grunwald hier wiedergegeben: Die jüdische Hygiene in Dresden 1911. Die Gruppe „Hygiene bei den Juden" auf der Internationalen Hygiene-Ausstellung in Dresden 1911 soll zum erstenmal an öffentlicher Stelle einen Ueberblick über Wertung, Gestaltung und Entwicklung der hygienischen Ideen im privaten und öffentlichen Leben des Judentums seit den ältesten Zeiten bis aus die Neuzeit bieten. Die Ausstellung soll zum Auge sprechen und darum ausschließlich anschauliches Material bieten. Die einschlägigen Stellen des jüdischen Schrifttums werden nebst Quellenangabe und deutscher Uebersetzung gedruckt und auf einzelnen Blättern systematisch geordnet ausgestellt. Auch besonders bemerkenswerte, den Gegenstand behandelnde Codices fallen in diese Rubrik, deren Einrichtung die Aufgabe eines Kreises von Fachgelehrten bildet. Gegenstände jeder Art, die das jüdische Leben früherer Zeiten unter dem Gesichtswinkel der Wohlfahrtspflege im weitesten Sinne zu beleuchten geeignet sind, werden im Original, in Nachbildung oder in Rekonstruktion von Museen oder privaten Sammlern erbeten. Das städtische Museum in Frankfurt a. M. und die jüdischen Museen in Hamburg und Wien haben bereits mitzuarbeiten sich bereit erklärt. Die humanitären Bestrebungen der Juden in der Neuzeit sollen dadurch zur Darstellung gelangen, daß die jüdischen Gemeinden und Vereine von den ihrem Einfluß unterstehenden Synagogen, Schulen, Armen-, Kranken-, Alten-, Waisenhäusern, Schlachthöfen, rituellen Badeanstalten und Friedhofsanlagen, Modelle, nur im Notfälle Photographien, sowie anschauliche Statistiken ihrer sozial-ethischen Budgets und des Vereinswesens einsenden. Zu diesem Zwecke empfehlen sich die Bildung von Lokalkomitees, wie sie für London und Wien zugesagt sind, oder Maßnahmen der großen jüdischen Verbände, von denen zunächst die Jewish Colonisation Association und die Großloge für Deutschland lU. O. B. B.) tatkräftig mitwirkten. Die Beschneidung, die rituellen Speisen, das Schächten usw. sollen durch Muster von Firmen, die für diese Zwecke Utensilien und

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.