Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 74 (1910)
- Issue
- Heft 12 (25.3.1910)
- Date
- 1910-03-25
- Page
- Seite 138 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3228907-3228920--66347-3278479- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
138 Präparüte erzeugen, vertreten sein. Hierfür ist eine Reitze von Lieferanten, z. B. in Bremen und Lübeck, schon gewonnen. Auch literarische Unterstützung' und Ratschläge in jeder Hinsicht werden mit Dank entgegengenommen. Ein ausführliches Programm und die Ausstellungsbedingungen stellt der Unterzeichnete bereitwilligstzur Verfügung. Rur durch das einmütige und. opferwillige Zusammenwirken aller Kreise, denen die Ehre des. Judentums und die Aufklärung über seine Lehre und Kultur am Herzen liegen, kann ein -Werk gelingen, das zur Festigung nach innen wie zum Schutz nach außen der Judenheit einen nicht unwichtigen Dienst zu leisten die Gelegenheit bietet. Michael ltzrrlch, k. u. fc. Lderlt. Von Moritz Frühling-Wien. H^or wenigen Jahren noch zählten wir in Oesterreich vier Oberste — Juden —, die in dieser Charge Regiments- Kommandos geführt: Eduard Ritter v. Schweitzer, Alexander Ritter v. Eiß, Heinrich Ulrich Edler v. Trenckheim und Simon Vogel. Sie dürsten sich auf diesen verantwortungsvollen Posten gut bewährt haben, zumal da Schweitzer, als erster und bisher einziger Jude, den Feldmarschalleutnantstitel, die letztgenannten drei Herren aber Generalmajorsrang erhielten. Nur zwei Obersten jüdischer Konfession befehligen heute noch Regimenter : Adolf Kornhaber imHonved- und Karl Schwarz im Landwehr-Jnfanterie- Regiment. Von den sonstigen höheren Stabsoffizieren, die zum Kommando von Truppenkörpern befähigt, jedoch aus verschiedenen, der Erörterung in einem Zeitungsartikel sich entziehenden Gründen frühzeitig aus den Reihen der Armee scheiden mußten, sei heute der k. und k. Oberst aä konores Michael Hersch genannt. Im Jahre 1851 zu Mediasch in Siebenbürgen geboren, wurde er am 14. März 1870 zum Infanterie-Regiment Nr. 31, auf die gesetzliche Dienstzeit assentiert, und rückte freiwillig, schon am 1. April desselben Jahres zum Regiments nach Fiume ein. Im Herbste schon wurde Hersch zum Besuche der damals bestehenden Vorbereitungsschule nach Agram kommandiert, und nach Absolvierung derselben kam er, ein Jahr später, in die k. k. Kadettenschule nach Nagyszeben, aus welcher er am 10. November 1873 als Kadett hervorgiug und seine Einteilung beim Stammregimente fand. Am 1. Mai 1875 zum Leutnant befördert, avancierte Hersch am 1. November 1879 zum Oberleutnant, in welcher Charge er durch drei aufeinander folgende Jahre als Kommandant und Lehrer der Unteroffiziersbildungsschule des Regiments fungierte. Am 21. Mai 1883 — zur Ehre . der von einem modernen und liberalen Geiste durchdrungenen österreichischen Armeeverwaltung, die keinen konfessionellen Unterschied kennt, sei es besonders hervorgehoben — hatte Hersch die hohe Ehre, als Interims - Kompagniekommändant seine Kompagnie in Bruck a. L. Seiner Majestät Kaiser Franz Joseph vorzuführen. Am 1. November 1887 zum Hauptmann ernannt, wurde er, nach noch nicht ganz sechsjähriger Hauptmannsdienstzeit, vorzeitig in den Stabsoffizierskurs entsendet, rückte nach Absolvierung desselben am 15. Januar 1894 wieder zum Regiment ein, und nachdem er von 1894 auf 1895 abermals Kommandant und Lehrer der Unteroffiziersbildungsschule war, erhielt er definitiv ein Feldkompagnie-Kommando und wurde am 1. Mai 1897, außer der Rangtour, zum Major im Infanterieregiment Nr. 63 befördert. Als solcher kommandierte er durch vier Jahre das detachierte Feldbataillon seines Regiments, und übernahm im Oktober 1901 das Ergänzungs-Bezirkskommando. Am 1. Mai 1903 rückte Hersch in die Charge des Oberstleutnants vor, und nach dreieinhalbjähriger Dienstzeit auf diesem Posten wurde Oberstleutnant Hersch am 1. Mai 1905 zum Infanterieregiment Nr. 62 transferiert. Hier fungierte er als Bataillonskommandant bis zu seiner, auf eigenes Ansuchen am 1. Juli 1906 erfolgten Versetzung in den Ruhestand, bei welcher Gelegenheit ihm der Titel und Charakter eines Obersten verliehen, und der Ausdruck der Allerhöchsten Zufriedenheit bekanntgegeben wurde. Oberst Michael Hersch hatte während seiner 36 jährigen Dienstzeit — 27 Jahre vom Infanteristen bis zum Major im selben Regiment — keine Gelegenheit, vor dem Feinde zu dienen. Das Kommando des 31. Infanterieregiments verabschiedete mit Regimentsbefehl Nr. 119, vom 29. April 1897, diesen wackern Offizier mit folgenden Worten: Herr Major Michael Hersch war durch 27 Jahre Mitglied des Regiments, hat als solches in Versetzung jedes Dienstes Hervorragendes geleistet und zur Festigung, der Kameradschaft im Offizierskorps mit seltener Hingebung und Opferwilligkeit beigetragen. Das Offizierkorps bewahrt dem scheidenden Kameraden, mit den wärmsten Wünschen für seine weitere Laufbahn, ein bleibendes Angedenken. Diese knappen biographischen Angaben genügen wohl vollkommen, um das militärische Bild des Obersten Hersch sestzulegen. Aber auch von seinen Glaubens- und Stammesgenossen verdient es dieser Offizier vollauf, mit berechtigtem Stolze genannt zu werden. ' Er war nicht nur ein musterhafter Offizier, auch im privaten Leben ein ehrenwerter Charakter und lehnte alle Versuchungen, seinem Judentum untreu zu werden, höflich und entschieden ab. Oberst Michael Hersch, noch jugendlich — rüstig, lebt in Budapest. A. ti. k. Oberst rMchael.Hersch.