Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 73 (1909)
- Issue
- Heft 51 (17.12.1909)
- Date
- 1909-12-17
- Page
- Seite 612 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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612 werden und ihren stillen Einfluß auf die Gemüter üben, wenn sie namentlich dazu dienen, die Teilnahmslosen aufzurütteln, so erfüllen, die Blätter ihre Aufgabe. Theorie, Ursprung und Geschichte der Friedensidee. Kulturphilosophische Wanderungen von Sam. Max Melamed. Stuttgart, F. Enke. (Preisgekrönt vom Internationalen Friedensbureau in Bern.) Aus diesem. Ludwig Stein gewidmeten Buche, einem Werke ernstester Arbeit und begeisterter Hingabe an eine große Idee, kommt für uns namentlich in Betracht der erste Abschnitt des Kapitels „Geschichte der Friedensidee, Judäa". In diesem wird die Ablenkung des Krieges, das Friedensverlangen, die Auffassung des Krieges als eine Strafe Gottes, wie sie in den alten jüdischen Schriften zum Ausdruck kommt, in schöner und gelehrter Weise dargelegt. Max Eisler. Von jüdischer Kunst. Jozes Jjsraels. Ein Bortrag. Köln und Leipzig. Jüdischer Verlag. Begeisterter und höchst pathetischer Vortrag, dem Leben eines großen Meisters gewidmet. Das Jüdische wird sehr stark hervorgehoben. Die vielfachen allgemeinen Bemerkungen und Deklamationen des Redners gehen oft gar zu weit. Das Schriftchen ist musterhaft gedruckt und mit schönen Bildern ausgestattet. Bernria. Gebete und Andachten für jüdische Frauen und Mädchen von Rabbiner Dr. Max Grunwald. Ausgabe für junge Mädchen. Wien 1909. Josef Schlesinger. . Sinnige Gebete und Betrachtungen für Alltage und Festtage' Prosa und Gedichte gemischt. Vieles rührt von dem Verfasser selbst her. manches ist von anderen jüdischen Schriftstellern und Schriftstellerinnen entnommen, die gewissenhaft genannt werden. Am Schluß steht ein Abschnitt: „Erkenne den Gott Deines Vaters", Aussprüche in Versen und Prosa meist von christlichen Schriftstellern, von Wilhelm v. Humboldt bis Nietzsche, allgemein moralischen und religiösen Inhalts. Auch Goethe ist mit einem Spruch gegen den Abfall vertreten. Das Buch ist wohl geeignet, in weiteren Kreisen treffliche Wirkung zu tun. Ein moderner Tannhäuser. Bekenntnisse und Reflexionen eines Dualisten, aus hinterlassenen Papieren gesammelt. Berlin, Heruiann Walther. Briefe und Betrachtungen eines anonymen Verfassers, Einzelnes auch über Moses und Spinoza, aber ohne eigentliche Bedeutung für ein jüdisches Publikum. Jüdische Sagen und Legenden für jung und alt, gesammelt und wiedererzählt von Tr. Bernhard Kuttner. Frankfurt a. M - I. Kauffmann. Die Tatsache, daß dieses Werk bereits in zweiter Auflage vorliegt, enthebt uns jeder Empfehlung. Die Geschichten, in, achtzehn Abschnitte verteilt, vielfach aus jüdisch-deutschen Quellen entnommen, sind durchaus ansprechend und entsprechend wiedergegeben. Festgeschichten für die reifere Jugend von F. Pulverinann. Verlag von Alfred Pulvermocher & Co.. Berlin W. 30; Geschichten verschiedener Art, meist,an jüdische Feste anknüpfend. §er Verfasser erzählt nicht ungewandt, ist bemüht, neuere wissenschaftliche Theorien anzudeuten, und fern davon, gegen andere Religionen zu polemisieren. Die Geschichten vermeiden unnötiges Moralisieren, aber eine gewisse Breite und Schwerfälligkeit macht sich oft unangenehm bemerkbar. Auch von Liebe wird mehrfach gehandelt, aber in einer Weise, daß es junge Gemüter nicht verletzt. Maria Stona: Rahel. Dresden Karl Reisner. Die Geschichte einer Mischehe, und zwar die des Dr. Kurt Günther Hagebrecht mit Fräulein Frida Veigelstock. Der Roman hätte ein sehr merkwürdiges Werk werden können, wenn das Problem vertieft, wenn der Gegensatz der Temperamente und der Eigenart der ans zwei Milieus entstammenden Personen wahrhaft ausgearbeitet worden wäre. Aber dem Verfasser — oder ist es eine Verfasserin? — kam es öffenbar mehr darauf an, ein unterhaltendes und amüsantes Werk zu schreiben, in dem sehr verschiedenartige Typen einer Kleinstadt upd der Hauptstadt Wien: Adlige, Offiziere, bürgerliche Männer Vorkommen; liebreizende, abenteuerlustige Frauen mit ihren vertrockneten Ehegatten zu schildern —auch ein Fürst und ein wirklicher Großherzog kommen vor — als eine kulturgeschichtliche Aufgabe zu lösen. Der Held. Herr Dr. Hagebrecht, ist ein talentvoller Mann, der sich aber nicht zu konzentrieren vermag. Er war einmal verheiratet, mehrmals verlobt und unzählige Male verliebt. Für Frida hegte er die „große Liebe", die ihn, nachdem die Braut zum Christentum übergetreten ist, zur Heirat drängt. Er hält sich für einen großen Dichter, Frida beweist ihm. daß er ein Stümper ist; er ist ein Stimmungsmensch, Frida zwingt ihn liebreich zur Arbeit. Er wird nicht Kunstkritiker und Kunsthistoriker, wie Frida will, die darin das eigentliche Feld seiner Begabung sieht, sondern beteiligt sich heimlich, ohne daß seine Gattin eingeweiht ist, an einem Wettbewerb für ein großes Warenhaus und erhält den ersten Preis. Durch sein liebenswürdiges Wesen und seine reifen Urteile machte er auf einen reichen Konsul einen derartig günstigen Eindruck, daß dieser ihm den Bau einer großen Villenkolonie überträgt. So erhebt er sich aus einem beschäftigten Müßiggang zu einer zielbewußten Tätigkeit durch eigene Kraft, nicht durch die Anregung seiner Gattin und gelangt zum Ansehen auf einem Felde, das nicht von ihr als das seiner wirklichen Befähigung auserwählt war. Aber der Verfasser will wohl andeuten, daß die Energie der Frau den schwankenden Mann zur richtigen Erkenntnis seines Talents geleitet. Wollte der Verfasser nun etwa die gute Wirkung der Vermischung zweier aus verschiedenen Klassen stammenden Wesen zeigen, so hätte er dies doch in ganz anderer Weise erhärten müssen, als durch flüchtige Bemerkungen. So, wie der Roman vorliegt, ist er nur ein unterhaltendes Buch, aber weit entfernt davon die schwierige Frage der Mischehe gründlich zu erörtern und zu beleuchten. L. G. Lüchereinlauk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. Die Juden im Heere. Herausgegeben vom Verein zur Abwehr des Antisemitismus. Berlin. Druck von C. Sommer, Berlin. List of Books added to theJewish Sections of the Mocatta Library from 1905 to August 1909. London University College, 1909. President^ Address before the Central Conference of American Rabbi New York City, November 9. 1909 by Rabbi David Philipson D. D. Mitteilungen des Gesamtarchivs der deutschen Juden. Herausgegeben von Dr. Eugen Säubler. 2. Jahrgang. 1. Heft. Leipzig, Buchhandlung Gustav Fock G. m. b. H., 1909. Orientalisches Lied im alten hebräischen Gesangsstil für Violoncello oder Violine mit Begleitung des Pianoforte, komponiert von I. Epstein. Berlin. Schlesingersche.Buch- und Musikhandlung. Aus Israels Lehrhallen. Band 4. Kleine Midraschim zur jüdischen Ethik, Buchstaben- und Zahlensymbolik, zum erstenmal übersetzt von Aug. Wünsche. Leipzig. Verlag von Eduard Pfeiffer, 1909. Sxrechsaal. on sehr geschätzter Seite wird uns geschrieben: „Der sonst vorzügliche Aufsatz von Wallerfit ein-Straßburg in Nr. 48 leidet an einem Fehler: er beachtet nicht die 1908 von dem reichsländischen statistischen Amt veröffentlichte, ganz ausgezeichnete Verwertung der Volkszählung von 1905 für die Verhältnisse der elsaßlothringischen Bevölkerung." (Die Erklärung liegt darin, daß der Aufsatz seit 1905 liegen geblieben war. L. G.). Druck und Verlag von Rudolf Mosfe in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion'. Mar Bauchwitz in Berlin.