Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-12-11 · Heft 50 (11.12.1908) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 50 (11.12.1908)
Date
1908-12-11
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3228798-3228849--65162-3277259
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

' zum Kreisarzt, 1904 zum Geheimen Medizin alrat ernannt, und bei ■ Gelegenheit seines 50jährigen Doktorjubiläums erhielt er den Roten Adlerorden. Er war ein begeisterter Patriot, und eifrig bemüht für die Verbreitung des Deutschtums, dem. er, ein geborener Berliner, , mid ganzer Seele cmhing. Lange Jahre Präsident der Ortsgruppe ' des Deutschen Flottenvereins, im Vorstand des Kolonialvereins, Mitglied des Kriegervereins, verehrte den liebenswürdigen, humanen Mann jeder, der mit ihm in Berührung kam. In seinen Mußestunden pflegte er mit Talent Musik und Dichtkunst, und weit verbreitet sind seine Lieder .Elsaß, Du mein Elsaß" und der „Kaisergrüß". Seine große Herzensgute gewann ihm Einfluß auf die Gefangenen und Zöglinge der Anstalten, denen er ein Menschenalter Vorstand. In weitestem Kreise wird er unvergessen bleiben. M. Hamburg, 3 Dezember. Herr Jakob Nordheim, Seniorchef der gleichnamigenKausmannsfirma, ist im 84>Lebensjahre gestorben. . Der Dahingeschiedene, ein Bruder des verewigten Gemeindevorstehers Markus Nordheim, war ein weit über Hamburgs Mauern bekannter Wohltäter Ter Name Nordheim ist mit den bedeutendsten Wohltätlgkeitsinftitütionen eng verknüpft. Als Markus Nordheim vor mehreren Jahren das Zeitliche segnete, setzte er viele Millionen zu Wohltätigkeitszwecken aus, deren Bestimmung er seinem Bruder Jakob überließ. Es entstand die Nordheim-Mietestiftung, das Nordheim-Stift . in Duhnen für Tuberkulose und andere Stiftungen. Der verstorbene Jakob Nordheim war auch ein Förderer von Kunst und Wissenschaft, bedeutende Summen verwandte er auch für die Förderung des Jugendunterrichts. Sein Hinscheiden erregt in weiteren Kreisen unserer Vaterstadt allgemeine Teilnahme. Die Trauerfeier fand gestern im Krematorium in Ohlsdorf statt; hier hatte sich eine außerordentlich große Trauergemeinde eingesunden. Außer den Spitzen der Handels¬ und Finanzwelt hatten sich Deputationen der Stiftungsschule von 1815, vom Verein der freisinnigen Volkspartei, Fröbel-Verein, Verein für Sanitätswachen, Schulwissenschaftlichen Bildungsverein, Seehospiz, zahlreichen Bürgervereinen und vielen anderen gemeinnützigen Institutionen eingefunden. Unter den Leidtragenden bemerkte man auch eine Deputation des ehemaligen Hamburger Bürgermilitärs mit umflortem Banner. Die Kranzspenden waren in so großer Anzahl eingetroffen, daß der Sarg völlig mit Kränzen und kostbaren Palmen verdeckt war. Die Mozartsche Komposition: „Stille Deinen bitteren Kummer", gesungen von einem Doppelquartett, leitete die Trauerfeier stimmungsvoll ein. Sodann widmete der Präses der Stiftungsschule von 1815, Herr Dr. Saenger, dem Heimgegangenen einen tiefempfundenen Nachruf! Redner gedachte der Verdienste, die sich der Verstorbene um die Schule er-. worben habe. Er war ein Wohltäter im wahrsten Sinne des Wortes. Sein Wahlspruch war: „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut." Wo es galt, Not zu lindern und seinen bedrängten Mitmenschen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, da, war Jakob Nord- Heim stets alle Zeit bereit, als Helfer einzugreifen. Man dürfe deshalb auch ruhig sagen, ganz Hamburg trauert um einen schmerzlichen Verlust. — Der Vorsitzende des Vereins der freisinnigen Volkspartei, Herr von Eicken, erinnerte an die Verdienste, die sich der Verstorbene um das freisinnige Bürgertum erworben habe. Schlicht und wahr, war Jakob Nordheim ein echter freisinniger Mann und ein treuer Anhänger'der Volkspartei. Für alle Zeiten wird ihm deshalb der Verein ein ehrendes Andenken bewahren. — Herr Dr. Bradenhoeft widmete dem Heimgegangenen ebenfalls einen herzlichen Nachruf. — Nach dem Gesang: „Lasset mir die Klage", sprach der Kantor I. Mandl von der israelitischen Tempelgemeinde ein Gebet. Unter den Klängen des.Liedes: „Ueber allen Wipfeln ist Nutz", sank der Sarg in die Tiefe, und die sterblichen Ueberreste des Verewigten wurden den Flammen übergeben. o. Karlsruhe, -2. Dezember. Auf eine von der hiesigen Ortsgruppe des Verbandes der Sabbatfreunde gemeinsam mit den Ortsgruppen zu Freiburg i. B. und Mannheim an das Großherzogliche Ministerium des Innern gerichtete Eingabe, die badischen Vertreter im Bundesrate mögen angewiesen werden, bei, der Neuregelung der Sonntagsruhe-Gesetzgebung für eine Rücksichtnahme auf die Interessen und Wünsche der sabbatfeiernden Geschäftsleute. einzutreten, ist der hiesigen Ortsgruppe durch-Vermittlung des Großherzoglichen Oberrats der Israeliten ein günstiger Bescheid zuan uns gelangten Mitteilung des Großherzoglichen Ministeriums der Justiz, des Kultus und Unterrichts, welches nach unserem Anträge > seine Vermittlung hat eintreten lassen, sind vom Großherzoglichen Ministerium des Innern Schritte zugunsten einer der in Rede stehenden Interessen Rechnung tragenden Regelung geschehen. Dabei ist die Zulassung von zwei bis drei. Stunden Konto rarbei t an den Sonntagen durch das dem israelitischen Bekenntnis angehörende Personal ins Auge gefaßt." Wir begrüßen diesen Erfolg, der auch in anderen Bundesstaaten erreicht werden sollte. Gesterreich-Nngarn. LH Wien, 7. Dezember. Ein reicher Ordenssegen' hat sich anläßlich der Kaiserfesttage auch über unsere Glaubensgenossen in allen Provinzen Oesterreichs ergossen. Es würde zn weit gehen, alle Auszeichnungen im einzelnen auszuführen. Ich erwähne nur, daß auch ein Rabbiner — Jsaac Horowitz in Brody — einen Orden und ein Kantor — Josef Singer, hier — den Titel eines Kaiserlichen Rats erhalten hat. Außerdem wurden viele jüdische Gemeindevorsteher in ihrer Eigenschaft als solche dekoriert. — Den Ausfall der Gemeindewahlen habe ich Ihnen bereits berichtete Ueber die Vorgänge im einzelnen ließe sich ein Buch schreiben. Aber das folgende „Eingesendet" eines hiesigen Blattes spricht selbst Bände: „Wenn Sie einen gewandten Redaktionszeichner haben, lassen Sie sich das interessante Bild nicht entgehen, welches vielen Teilnehmern an der Kultuswählerversammlung bei der „Schönen Schäferin" am 16. d. M. einen lustigen Anblick bot. Man sah gegenwärtige „Führer" der Wiener Zionisten, wie sie beim behaglichen Verzehren eines ansehnlichen Schweinsbratens den Kultusvorstand wegen Vernachlässigung des jüdischen Religionsunterrichtes heftig anklagen. Unsere Wiener Zionisten sind in allem durchaus originell. Ein alter Jude." — In einer kürzlich in Pest abgehaltenen Versammlung wurde über das „Anwachsen des Judentums"un der. ungarischen Hauptstadt geklagt. Laut der amtlichen Statistik gab es im Jahre 1869 in Budapest 194 600 Katholiken. 14 316 Evangelische, 13 000 Reformierte, dagegen 45 000 Juden. Der Prozentsatz der Juden betrug daher 16,6 Prozent. Demgegenüber sei im Jahre 1906 die Zahl der Juden auf 186 000, das ist 23,6 Prozent, angewachsen. Wohl hatten die Juden in keinem einzigen Bezirk die absolute Majorität, allein bei den städtischen Wahlen stehe das anders, denn von zweihundert gewählten städtischen Repräsentanten seien hundertachtundsiebzig Juden, abgesehen von 31 jüdischen Ersatzmitgliedern. In einem Bezirk gebe es aber über-- Haupt keinen christlichen Stadtrepräsentanten. Selbstverständlich ist diese Statistik, wie jeder von selbst schon sich gesagt haben wird, absolut falsch. . üuszlMd. i. Warschau, 3. Dezember. Gestern, ist hier im 67. Lebensjahre nach langem und schwerem Leiden der Prediger Dr. Zsaak Cylkow gestorben. Der Heimgegangene, ein Pole von Geburt, studierte in Berlin; er war ein Schüler von R. Michael Landsberg und Michael Sachs. Dann wurde er als erster polnischer Prediger an die neuerbaute große Synagoge in der Tlomacka-Straße engagiert. Bis dahin hatte die fortschrittliche Richtung nur deutsche Prediger, wie Gotdschnüdt, Jästrow und andere. Cylkow war ein bedeutender Gelehrter und Redner; er war ein wahrhaft fortschrittlich gesinnter Mann. Leider waren seiner Wirksamkeit durch die politischen und anderweitigen Verhältnisse enge Grenzen gezogen. In den letzten Jahren engagierte die Gemeinde noch einen zweiten Prediger in der Person des bekannten Gelehrten Dr. S. Poznanski. Cylkows Lebensarbeit war der Uebersetzung der Bibel ins Polnische gewidmet. Er selbst war ein Meister des polnischen Ausdrucks, und die bisher erschienenen Teile seiner Uebertragung fanden allgemeinen Beifall und hohe Anerkennung. Cylkow war ein guter und friedliebender Mann, der sich in allen Kreisen und bei allen Konfessionen hoher Achtung zu erfreuen hatte. Sein Andenken sei gesegnet! Vvn Mäh und jfrrn. — Der Arntsgerichtsrat Pollack ist zum Geh. Justizrat ernannt . worden. — Am 6. d. M. ist hier im 71. Jahre seines reichgefegneten Lebens Herr David Struck, ein wegen seiner Frömmigkeit und y§üi

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.