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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-12-11 · Heft 50 (11.12.1908) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 50 (11.12.1908)
Date
1908-12-11
Page
Seite 4 (sequence 18)
Language
German
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WohWitigkeit-allgemein geaMeter und/g'eschätzterMmrn-.d^VLfex-eS^ bekannten Künstlers Hermann Struck, nach langen: Leiden gestorben.- Ehre seinem Andenken! — Rechtsanwalt Ab ra.h am. in Rixd orf hat/ den Roten Adlerorden IV. Klasse erhalten. — Au: 2. d. M. feierte das S. SteinhardtscheEhepaar in Witzen Hausen unter allgemeiner Teilnahme sein 25jähriges Ehejubiläum. Ter Jubilar ist im Ehrendienste der Gemeinde und verschiedenen Vereinen eifrig tätig. -—In hohem Alter.starb. in Schwersenz der Kaufmann Tobias Katz, der an den Feldzügen 1866. und 1870/71 teilgenommen hatte und Begründer des hiesigen Kriegervereins war. An der Beerdigung beteiligte sich selbstverständlich dieser Verein. — In Pudewitz starb der 72 Jahre alte Kaufmann Herr Nathan W re sch n er. Der Dahingeschiedene war ein sehr geachteter Bürger und machte dem Judentums durch seinen streng frommen und gerechten Lebenswandel viele Ehre. — Der Ziegeleibesitzer Sch werfenz in H ohensalza stiftete 12 000 Mark für die Errichtung eines Standbildes für Kaiser Friedrich III. Die Stadtverordnetenversammlung nahm mit herzlichem Tank diese Stiftung an. — In No gasen wurde als Deputierter für den Kreistag Herr Natmann Jastrow wiedergewählt. — Ter Kultusbeamte Simon Schmuckler in Borek, welcher von der Synagogengemeinde zu Oftrowo zum zweiten Kantor gewählt wurde/ verliest am Ersten dieses Monats sein früheres Amt. An seine Stelle tritt Kantor Kirchstein aus Landsberg (Oberschlesien). — In Dresden starb an: 3. d. M. der Kommerzienrat und Konsul Max Arn hold, langjähriger Vorsteher der jüdischen Gemeinde. — Anläßlich der hundertjährigen Einführung der Städte-Ordnung wurde der Stadtverordnetenvorsteher Samuel Rothenburg, Seniorchef der mechanischen Weberei I. Schönheims Ww., zum Ehrenbürger von Bleicherode ernannt. — Der israelitische Kreisvorsteher I. D. Eoldschmidt in Gelnhausen feierte den 90. Geburtstag. Landrat von Groening überreichte dem alten Herrn den Kronenorden IV. Klasse. — Das israelitische Waisenhaus, das von der Synagogengemeinde Emden errichtet wird, ist äußerlich fertiggestellt. ' Es sollen an etwa 25 Kinder aus den Regierungsbezirken Osnabrück und Aurich ausgenommen werden. — In Würzburg ist der eremitierte Kultusbeamte Aron Rosenth al, der Vater des Rabbiners Dr. Rosenthal in Köln, ein frommer und allgemein geachteter Mann, im 69. Lebensjahre gestorben. Ehre seinem Andenken! —. Der ungarische Exmiuister Polonyi bereitet die Gründung einer Antisemitenpartei vor, die zunächst in der Stadtvertretung und dann im Parlamente nuftreten soll. Er verhandelt darüber bereits mit der klerikalen Volkspartei. — Der „Verband der rumänischen Handwerker" faßte den Beschluß, die jüdischen Schneider aus dem Verbände auszuschließen und den Mitgliedern die Annahme jüdischer Lehrlinge zu untersagen. — Der Nobel-Preis für Physik soll den: berühmten Physiker der Sorbonne Prof. Gabriel Lippmann in Paris verliehen werden. — Einerder tüchtigsten Offiziere des französischen Generalstabs, der Kommandant Ernest Picard, Vorsteher des geographischen Armeedienstes, ist zum Professor an der philosophischen Fakultät der Sorbonne ernannt worden. — In Warschau haben viele jüdische Studenten, denen die Aufnahme ander Universität verweigert wurde, die Taufe genommen und damit ihr Ziel natürlich erreicht. Da sich nun auf diese Weise die Zahl der „christlichen" Studierenden vermehrte — so .... eröffnet«: sich dementsprechend — in: Verhältnis der Prozentnorm, nach der Juden zugelassen werden! — zwei weitere Vakanzen für Juden, die auch sogleich besetzt wurden. — Ter Justizminister. Tscheglowitow richtete an das Petersburger Barreau der Rechtsanwälte die Anfrage über die Zahl der jüdischen Rechtsanwälte. Man bringt diese Erinnerung mit der Einführung einer Norm für die Juden in Verbindung. — Das Kriegsgericht in Lodz verurteilte einen Arbeiter zum Tode durch den Strang wegen des Mordes dreier Juden. — Aus Bender (Bessarabien) telegraphiert man, daß dort der populäre Gemeindevertreter, der Landessanitätsarzt Dr.Salomon Benderskh. verschieden sei. In Ausübung seiner Pflicht steckte er sich bei einem von ihn: behandelten Typhuskranken an. Die Nachricht von seinem tragischen Ende rief er in der dortigen Bevölkerung große Teilnahme hervor. — Die Vertreter der Odessa er Synagogen, in der Zahl von 97 Personen, erschienen vor dem Generalgouverneur Tolmatschew und überreichten ihm eine Adresse, worin seine Verdienste um die Stadt Odessa, und die jüdische Gemeinde hervorgehoben werden.' Derselbe^er7oiderk^Lv--Ä>epütatLo»» -folgendes: „Ich habe nie und werde auch nie einen Unterschied zwischen den Nationalitäten machen und möchte, daß der Wohlstand der Stadt der ganzen. Bevölkerung zum Nutzen dienen möge. Der Wohlstand der jüdischen Bevölkerung ist .mir nicht minder teuer als der Wohlstand , der übrigen Bevölkerung. Ich achte jede Religion, und kürzlich erst verbot ich eine Vorlesung, die den Zweck hatte, eine Religion zu kritisieren. Das Schicksal der jüdischen Anstalten interessiert mich? ungemein. Ich freue mich, daß in jenen Anstalten, in denen die .. Vertreter der Synagogenvorstände vertreten sind, wie die Rabbinatskanzlei, die Beerdigungsbrüderschaft in jeder Beziehung musterhaft sind. In derselben Art befindet sich jetzt das jüdische Krankenhaus, wo durch einigende und eifrige Arbeit des neuen Kuratoriums man vollkommen zusriedengestellt ist. Nach kurzer Zeit wird das Krankenhaus auch in wirtschaftlicher Beziehung musterhaft sein, Nur eines, ist zu bedauern, daß alle Anstalten die Quelle der Ernährung: die Fleischpacht (Korobotschny Sbor) haben, und dieselbe legt sich doch als Lost auf die arme, besitzlose Masse. Der „Lorobotsobny Sbor" must vernichtet werden, und man muß vorzeitig daran denken, denselben mit einer viel gerechteren und gleichmäßigeren Steuer zu ersetzen, an der hauptsächlich die besitzende Klasse teilnehmen solle." — Aus Za.r izin telegraphiert man, daß : die Untersuchung seitens der Beamten des Ministeriums des Innern über die Tätigkeit des hinlänglich bekannten Mönches Jliodor zugunsten des letzteren entschieden sei. — Ein Telegramm aus Neu-Buchara meldet, daß eine Bande bewaffneter Einheimischer einen Ueberfall auf Kaufleute machte und einen reichen bucharischen Juden töteten. Sie raubten ungefähr 100 000 Rubel. — Aus einer Kisch ine wer Korrespondenz des Odessaer „Listok" entnehmen wir folgende interessante Mitteilung: In der Hauptstadt Bessarabiens, berühmt durch das schreckliche Plehwesche Blutbad des Jahres 1903, ist der Bürgermeister, der große. Antisemitenhäuptling und Duma-Abgeordnete Sinadino ein Grieche. Welch edler Mann dieser Judenfresser ist, zeigt ein gewisser Pronin, der an denselben in einem offenen Briefe folgendes schrieb: „Sie, geehrter Herr, genierten sich nicht, selbst Gelder, die der Stadt nicht gehören, auszugeben. Gelder, die eine spezielle Bestimmung haben,, wie z. B. die Kapitalien von Tschufli, der jüdischen technischen Schule, das Kapital der Aganowitsch usw." Bis zum 1. September d. I. ist eine Summe von 204 000 Rubel verausgabt worden. Dann bringt er die Schulden der Stadt an die Regierung und andere Beträge in Erinnerung, die uns hier weiter nicht interessieren, und fährt fort: „Wie Sie sehen, sind diese Beträge ziemlich bedeutende. Wollten Sie vielleicht sich die Mühe geben, ehrlich und wahrhaft zu antworten, mit Dokumenten in der Hand, wohin und wozu diese Betrage verausgabt worden sind. Ich glaube, daß jeder Gemeindevertreter verpflichtet sei. Rechenschaft über seine. Tätigkeit in Gemeindeangelegenheiten zu geben, besonders über jene Handlungen, die Aufklärung fordern." Der Bürgermeister Sinadiuo antwortete mit Schweigen, aber eine Antwort .müßte eigentlich doch erfolgen! — In Warschau gibt es nach den: „Haint". nicht weniger als 5000 Juden, die Kohn heißen, abgesehen von den 1600 Juden, die auf den Namen Kahn hören. An zweiter Stelle kommt Schapiro mit 4500 Inhabern. Friedmann, Goldberg und Rosenberg haben je 3000 Träger. 2500 Mann heißen Bernstein.^ Silberberg und .Rubinstein, 2000 Goldstein, Levin, Schneider und Steinberg. . lieber .tausend Namensvettern vereinigen die Namen: Grünberg, Zuckermann, Nabinowitz, Silbermann, Goldmann, Hnrwitz, Finke.lstein, Rosenblum. Eisenberg und Neumann. — Im ersten War-. sch.auer.Regierungsgymnasium werden weder Polen noch Juden ausgenommen. — Der Minister der Volksaufklärung, der. reaktionäre Herr Schwarz, lehnte die Vorstellung der Petersburger Universitätsverwaltung um Aufnahme von 99 jüdischen Apothekergehilfen und fünf Realisten über der Norm ab. — In einem Eisenbahnwagen bei Tichorezk wurde der Arteltschik. (Kassenbote) des großen Pariser Hauses Louis Drehsus & Co. von vier Bewaffneten um sünszehntausend Rubel beraubt.— Schöne Zustände in jenem Lande! — Vier jüdische Abgeordnete wurden in das türkische. Parlament gewählt: die Rechtsanwälte E. E. Carasso in Salonichi, N. E. Mazliah in Smyrna und V. E. Faraggi in Konstäntinopel, ferner D. Sasson in Bagdad.

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