Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 72 (1908)
- Issue
- Heft 50 (11.12.1908)
- Date
- 1908-12-11
- Page
- Seite 2 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Bodenkultur-Verein gibt außerdem 10000 Mark, die-als ersteHypothek eingetragen werden sollen, und zwar nach den 450OO Mark, die der' bisherige Besitzer einstweilen, auf dem Grundstück stehen läßt. Gegen das Projekt wird eine ganze Reihe ernster Bedenken . geltend gemacht, doch war man. im Prinzip mit einem Zusammengehen mit der Simonschen Stiftung einverstanden. Die Bedenken, die unter anderem von den Herren Sernau, Dr. Tuch, Hamburger und Brünn mündlich geltend.gemacht wurden und von Herrn Dr. Wittenberg- Hamburg auch schon schriftlich dem Vorstand unterbreitet waren, bezogen sich auf die Frage, ob das Gut bei Celle gerade das ge-" eignete Objekt sei, sowie auf die Form und Art der geplanten Beteiligungen der beiden Vereinigungen. Nach längerer Debatte entschied man sich dahin, noch nichteine feste Entschließung zu treffen. Es wurde vielmehr zunächst eine Doppelkommission ernannt, einmal eine'landwirtschaftliche und ferner eine kaufmännische Sachverstäudigen- Kommission. Tie erstere soll an Ort und Stelle sich über die Beschaffenheit des anzukaufenden Gutes und die Möglichkeit einer rationellen Bearbeitung informieren und dann den Verwaltungen der Vereinigungen Bericht erstatten. Die kaufmännische Sachverständigen-Kommission soll den vorgeschlagenen Modus und die Form der Beteiligung prüfen. Von dem Gutachten dieser beiden Sachverständigen-Kommissionen wird es abhängen, wie die Vorstände der beiden Vereinigungen sich entschließen werden. Zum Schluffe erfolgten die Vorstandswahlen; die alten Vorsteher wurden wiedergetvählt und mehrere Herren neu ausgenommen. Berlin, 7. Dezember. Am 3. d. M. starb hier im 80. Lebensjahre der Rentier und Stadtälteste Elias Sachs. Der Verstorbene stammte aus Oberschlesien und war lange Jahre Inhaber eines der .bedeutendsten Engrosgeschäfte der Kohlenbranche in Kattowitz. Er war Mitbegründer der Aktiengesellschaft Bismarckhütte, deren stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender er bis zu seinem Tode war; auch gehörte er dem Aufsichtsrat der mit obiger Gesellschaft jetzt verschmolzenen Bethlen-Falvahütte als Mitglied an. Elias Sachs war ein Kaufmann von großer Umsicht und Eeschäststüchtigkeit, der sich auch um Vas Wohl der Stadt Kattowitz, in deren Magistrat er bis zu seinem Fortzuge als Stadtrat saß. wohl bewährt hat. Seine Verdienste fanden in der Verleihung des Titels Stadtältester ihre gebührende Anerkennung. Sachs war ein guter Jude und ein edler Wohltäter. Ehre seinem Andenken! Schlochau, 36. November. Unter großer Beteiligung aller Vevölkerungsklassen feierte der Kaufmann Markus Rosenthal, langjähriger Repräsentant der hiesigen jüdischen Gemeinde, das 50jährige Geschäfts- und Bürgerjubiläum wie zugleich die goldene Hochzeit. Schon am frühen Morgen brachte die Stadtkapelle im Aufträge der Schützengilde, welcher der Jubilar schon seit 40 Jahren angehört und. wiederholt die Königswürde bekleidete, ein Ständchen dar. Im Laufe des Tages beglückwünschte der Bürgermeister Dr. jur. Strauß namens der Stadt das Jubelpaar und überreichte ein von der Stadt gestiftetes Ehrengeschenk in einem Sparkassenbuch über einen höheren Betrag. Als ältester Neffe dankte Rabbiner Dr. Gallandt dem Bürgermeister, gab der Freude Ausdruck über das herzliche Einvernehmen unter den Konfessionen seiner Vaterstadt und brachte ein Hoch auf den Bürgermeister und die Stadt aus. Gegen Abend fand die Einsegnung des Jubelpaares statt. Der Jubilar ist der Sohn des verstorbenen Lehrers Samuel Rosenthal, welcher als erster staatlich geprüfter Lehrer unserer Provinz schon vor 70 Jahren Hierselbst den Lehrberuf ausübte und ein biblisches Menschenalter hindurch in unserer Gemeinde wirkte. n. Breslau, 1. Dezember. Das hiesige jüdische Schwesternheim zu Kleinburg wollte zugunsten seiner wohltätigen Einrichtungen pyrr der Gemeinde-Einkommensteuer, zu der es in Höhe von 87 Mark jährlich veranlagt ist, befreit sein. In jenem Heim werden junge Damen als Krankenpflegerinnen oder zur Verwendung bei der Krankenpflege aus gebildet. Es gewährt ihnen nicht nur freie Station und freie Wasche, sondern zahlt ihnen auch noch einen Betrag für notwendige Ausgaben. Die Verwaltung machte dem Magistrat gegenüber geltend, daß sie weder ein Gewerbe betreibe noch ans ihrem Grundvermögen einen Nutzen ziehe, und daß sie somit als juristische Person nicht verpflichtet sei, Steuern zu entrichten. Der Magistrat verharrte jedoch auf seiner Forderung und entgegnete, daß das Schwesternheim nicht zu'demjenigen Anstalten zähle, die "auf-Grund des Gemeinde-Einkommensteuergesetzes von der Steuerzahlung befreit i - seien. Der Bezirksausschuß, dem die Streitfrage zur Entscheidung? ' vorlag, hat sie im Sinne des Magistrats entschieden. k. Achim. Eine erhebende Feier fand am 15. November hier statt. , GM es doch, den Neubau der israelitischen Volksschule '' seiner Bestimmung zu übergeben. In herzlichen Worten ' begrüßte - Lehrer Rothschild die Erschienenen. Die Weiherede hielt. Herr Land'-/ rabbiner Dr. Gronemann-Hannover. In seinen Worten gab der Redner ein Gesamtbild der jüdischen Volksschule in der Provinz Hannover, schilderte den Segen dieser Schulen in religiöser Hinsicht ' und kam sodann auf die Veranlassung des Schulneubaues in Achim , - zu sprechen. Zum Schluß wünschte der Redner Gottes Segen auf die Schule, ihre Bewohner und Förderer herab. Hierauf nahm Landrat . von Roedenbeck das Wort, um die Versicherung abzugeben, daß er als Vertreter der Königlichen Staatsregierung gern der Einladung gefolgt sei. Voll und ganz schließe er sich den trefflichen Worten des Herrn Landrabbiners an und hege auch die gleichen Wünsche, d.ie dieser ausgesprochen. Herr Bürgermeister Hentze überbrachte die Wünsche der Ortsgemeinde, darauf hinweisend, wie die jüdischen Mitbürger in Achim niemals fehlten, wenn es sich um Hebung des Ortes und Förderung seiner Interessen handelte, und sprach den Wunsch aus, daß das schöne, einträchtige Verhältnis zwischen den verschiedenen Konfessionen auch weiterhin bestehen möge. Lehrer Braunsberg-Verden sprach die Glückwünsche der Lehrer-Fortbildungs- Vereinigung Bremen aus, dabei bemerkend, wie Herr Rothschild sich nicht nur seiner Gemeinde und Schule widme, sondern auch die Ideale des Lehrers in bezug auf Wissenschaft und Kollegialität in hinreichendster Weise pflege. Für den Verein jüdischer Lehrer der Provinz Hannover sprach Lehrer Katz-Nienburg. Deklamationen wie Gesänge ' der Kinder, vorzüglich zum Vortrag gebracht, und Gesänge des Lehrers. Mehrgut verschönten die Feier. Nachdem die offizielle Feier beendet war, fand die religiöse Weihe des Hauses statt. Anknüpfend an den tags zuvor verlesenen Wochenabschnitt von Abrahams Gastfreundschaft schilderte Herr Landrabbiner Dr. Gronemann in meister- ' Hafter Weise das religiöse Wirken und Walten in Haus und Familie im allgemeinen und im besonderen in diesem Hause, in welchem nicht nur eine große Schar von Gästen zur' Feier Unterkunft gefunden, ' sondern das auch einer Anzahl von Zöglingen die beste körperliche und geistige Pflege und Ausbildung biete. An die Feier schloß sich ein Rundgang der Gäste durch das Haus. Neben der Schule hat Herr Rothschild in seinem wirklich komfortabel eingerichteten Neubau ein Pensionat für Knaben besserer Stände, welches er schon seit mehreren Jahren betreibt. Nun hat er dasselbe vergrößert; in hellen, - luftigen, geräumigen Schlaf-, Wohn- und Unterrichtsräumen sind die Knaben untergebracht. Das Pensionat besteht aus zwei Abteilungen: einer Abteilung für Ausländer, welche eine gediegene Ausbildung in der deutschen Sprache erhalten, und einer Abteilung für Knaben, die einer streng individuellen Erziehung und ebensolchen Unterrichts bedürfen. Die Knaben werden nach ganz bestimmten pädagogischen Grundsätzen erzogen und unterrichtet. Die Knaben erhalten ^außerdem Unterricht in allen Elementarfächern auch Unterricht in Sprachen' und Musik. Wie Herr Dr. Gronemann in seiner Ansprache besonders hervorgehoben hat, wird'auch der Handfertigkeits- und Gartenbauunterricht erteilt; für den zuletzt genannten Unterrichtszweig steht ein" 1 Morgen großer, prachtvoll'angelegter Garten zur Verfügung. Zahlreiche Referenzen von Eltern beweisen, daß Lehrer Rothschild mit seiner Erziehungsmethode schon große Erfolge erzielt hat. — Abends fanden Ausführungen der Schüler und Tanz statt. J. G. Hamburg, 7. Dezember. Am 21. v. M. starb, wie schon gemeldet, zu Hagenau im Elsaß im 75. Lebensjahre Geheimer Medizinalrat Dr. Alexander Levy. einer der verehrtesten und angesehensten Bürger der Stadt. Das überaus feierliche Leichenbegängnis, an dem die Spitzen aller Behörden, viele der bedeutendsten Männer der Wissenschaft aus dem nahen Straßburg, die Bürgerschaft, die trauernden Armen teilnahmen, zeugte von der wahrhaften Beliebtheit, von der Popularität des edlen Toten. Er war der älteste deutsche Beamte, denn gleich nach Beendigung des Krieges 1870/71 wurde er als Anstaltsarzt an das Frauengefängnis zu Hagenau berufen und bei Gründung der Knabeubesserungsanstalt 1875 in