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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-01-17 · Heft 3 (17.1.1908) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 3 (17.1.1908)
Date
1908-01-17
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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2 der deutschen Juden weiß von einer bedeutenden Vergrößerung des ihm!, übergebenen Aktenmaterials zu berichten.— Den „Mitteilungen" ist je ein Nachtrag zum „Handbuch der jüdischen Gemeindeverwaltung" und zur „schwarzen Liste" beigefügt. L2 Berlin, 14. Januar. Wie seit Jahrzehnten, veranstaltet auch in diesem Jahre das Kuratorium der Lehranstalt für - die Wissenschaft des Judentums eine Reihe von Vorlesungen zum Besten des Stipendienfonds dieser Anstalt. Die Vorlesungen finden zum erstenmal in der Aula des neuerbauten eigenen Heims der Lehranstalt, Artilleriestraße 14, an den folgenden Montagen, abends 8 Uhr, statt. Es spricht am 20. Januar der Geheime Oberregierüngsrat Professor Dr. Eduard Sachau über das Thema: „Eine Korrespondenz der jüdischen Gemeinde zu Elephantine in Oberägypten mit dem Statthalter Bagoas von Judäa im Jahre 407 vor ^Christi Geburt", am 3. Februar Dr. Julius Hülsen aus Frankfurt a. M. über den alten jüdischen Friedhof in Frankfurt a. M. (mit Lichtbildern), am 17. Februar Professor Dr. Ludwig Geiger über Berthold Auerbach, am 2. März Rabbiner Dr. Vogelstein aus Königsberg i. Pr. über Volksbildung im Judentum zur Zeit des zweiten Tempels, am 23. März Rabbiner Dr. I. Eschelbach er über Michael Sachs, am 6. April Dr. jur. Alfred Apfel aus Köln über die christlichen Förderer der Judenemanzipation. Einlaßkarten a 5 Mark für den ganzen Zyklus, a 1 Mark für eine Vorlesung, sind zu haben hei den Herren Hofjuwelieren Gebr. Friedländer, Unter den Linden 28, bei Herrn Hofjuwelier Eugen Markus, Unter den Linden 39 und am Eingang in den Saal. K. Posen, 7. Januar. Der Rechenschaftsbericht des Vereins „Frauenhil fe" für das sechszehnte Vereinsjahr 1906/1907 weift nachstehende Einnahmen nach: Ueberschuß vom Rechnungsjahr 1905/1906 2630,84 Mark. Mitgliederbeiträge 2232- Mark, Spenden von 5 bis 300 Mark — 2321 Mark, Beiträge der israelitischen Krankenverpflegungsgesellschaft 100 Mark, Erlös von Büchsensammlungen 64 Mark, Zinsen 191,70 Mark. Im ganzen 7539,54 Mark. Die Ausgaben beliefen sich auf 4805,74 Mark. Mithin verblieb ein Ueberschuß von 2733.80 Mark. Der Verein „Frauenhilfe" gehört mit zu den größten Wohltätigkeitsinstituten innerhalb derjüdischenGemeinde. Den Vorstand bilden die Damen: Frau Rabbiner Dr. Feilchenfeld, Vorsitzende, Frau Lea "Calvarh, stellvertr. Vorsitzende, Frau Cobliner, Frau Jenny Stranz, Frau Amalie Baer, Frau Ephraim und Frau Kucz ynsk i. — Nach kurzem Krankenlager verschied am 3. d. M., 56 Jahre alt, der Sekretär und Rendant der Synagogengemeinde, Herr Mendel Selka. Während eines zwölfjährigen Zeitraumes hat der Verstorbene mit großer Sachkunde, unermüdlichem Eifer und vollster Hingebung seinem Amte vorgestanden, stets hat er mit Treue und Gewissenhaftigkeit das Interesse der Synagogengemeinde wahrgenommen. Den Beamten der Synagogengemeinde war er allezeit in seiner amtlichen Tätigkeit ein Vorbild strengster und gewissenhaftester, mit Menschenliebe und Wohlwollen vereinigter Pflichterfüllung. Die Verwaltung der Abraham und Henriette Rohrschen Stiftung zur Förderung des Handwerks unter den Juden verliert in dem Dahingeschiedenen einen treuen und gewissenhaften Beamten, welcher mit regem Eifer dem Interesse der Stiftung gedient hat. Auch als Armenrat in der städtischen Verwaltung war er längere Zeit tätig. — Zwei Tage darauf wurde die Kaufmannsfamilie Nathan Warszawsky ebenfalls durch Todesfall in tiefe Trauer versetzt. Nach kurzem, schwerem Leiden verschied der Gatte und Vater. Derselbe leitete ein umfangreiches Geschäft und hatte noch Zeit, sich der Wohlfahrt für seine Mitmenschen zu widmen. Dreizehn Jahre.hat er unentwegt als Vorstandsmitglied für den Verein „Ansclie Chessed“ gewirkt und durch seine rege Tätigkeit denselben zu seiner jetzigen Blüte emporgebracht. Sein liebenswürdiges persönliches Wesen, seine Bescheidenheit, stete Hilfsbereitschaft und. Lauterkeit seiner Gesinnung sichern ihm in unserer Mitte für alle Zeiten ein dauerndes Gedenken. B. Siffrt i. P., 13. Januar. Im September v. I. bildete sich hier auf Betreiben des Fräulein Herbst, der Tochter des bekannten Hauptlehrers Herbst, ein jüdischer Jungfrauenverein. Die Erwägung, daß für junge jüdische Mädchen hier auf dem Gebiete des Vereinswesens noch gar nichts geschehen war, bewog die junge Dame zu der Anregung, einen jüdischen Jungfrauenverein zu bilden. Eine erhebliche Anzahl Vorträge wurde seitdem gehalten, einige von der Gründerin und Leiterin selbst. Alle leistungsfähigen Mitglieder wurden zur Mitwirkung herangezogen. Neben ernsten, belehrenden Vorträgen wurden auch Vorlesungen, Deklamationen, Klavierspiel, Gesang und Spiele gepflegt. Hierdurch wurde unter der geschickten und zielbewußten Leitung der Gründerin der Verein, welcher den Namen „Deborah" erhielt, binnen kurzem zu seltener Blüte, gebracht. Nunmehr scheidet Fräulein Herbst aus dem Verein, weil sie ein größerer Wirkungskreis erwartet. (Am 22. d. M. vermählt sie sich mit deni ersten Rabbiner von Pilsen, Herrn Dr. Golinski.) Der Verein hat in . dankbarer Anerkennung dessen, was er der Gründerin und Leiterin zu danken hat, am vorigen Sonntag ihr zu Ehren eine Abschiedsfeier veranstaltet und der Scheidenden in sinniger Weise die herrliche Reproduktion des R. Sichelschen Bildes, der ebenso kriegswie sangeskundigen Prophetin Deborah, als Andenken in ihre junge Ehe überreicht. . Die Damen trugen zum Schluß der erhebenden Feier das „Comitat" von F. Mendelssohn-Bartholdy vor. ,n. Breslau, 12. Januar. Am 2. d. M. beging ein in den weitesten Kreisen, unserer Stadt bekanntes Gemeindemrtglied, Herr Louis Burgfeld, seinen 80. Geburtstag. Durch Lauterkeit der Gesinnung wie durch Menschenfreundlichkeit, die sich durch eine ausgebreitete Wohltätigkeit in hervorragender Weise bekundet, gleich ausgezeichnet, erfreut sich der Jubilar der wärmsten Sympathie und genießt eine große Popularität in allen Schichten der Gesellschaft, Herr Burgfeld blickt auf eine reich gesegnete Tätigkeit im Leben zurück. Sein Verdienst ist es vorzugsweise, wenn ein bedeutender Industriezweig, die Strohhutfabrikation, durch die sich unsere Stadt einen großen Ruf erwirkt und die Hunderte von Arbeitern und Arbeiterinnen jetzt Beschäftigung gewährt, hier eine bleibende Stätte sich verschaffen. Als humaner Arbeitgeber geschätzt und beliebtbewahren ihm noch heute, obwohl fast drei Jahrzehnte vergangen sind, seitdem Burgfeld sich vom Geschäftsleben zurückgezogen hat, die bei ihm beschäftigt gewesenen Arbeiter ein treues und dankbares Andenken, rühmen seine Liberalität, sein menschenfreundliches, gütiges Entgegenkommen. Ein innig-freundschaftliches Verhältnis bestand zwischen dem Jubilar und dem sel. Seminar-Dozenten Dr. Rosin, beide aus demselben Orte — Rosenberg in Oberschlesien — gebürtig. Für alle Fragen des Judentums und unserer Gemeinde hat Herr Burgfeld stets das lebhafteste Interesse bekundet. . Die ihm übertragenen Ehrenämter wurden von' ihm mit seltenem Eifer und großer Umsicht verwaltet. Als langjähriger Repräsentant, dann als Vorsteher der Gemeinde wie als Vorsitzender ihrer Armenkommission, ferner als Vorsteher der israelitischen Waisen-Anstalt u. a. hat er segensreich gewirkt. Namentlich als Vorstandsmitglied der Industrieschule für israelitische Mädchen erwarb er sich große Verdienste um die Ausgestaltung und Erhaltung der Anstalt. Wir wüßten wohl keine gemeinnützige Institution in Stadt und Gemeinde zu nennen, der der Jubilar seine werktätige Hilfe nicht gern angedeihen läßt. An ihn wendet man sich zunächst, wenn es gilt, ein Werk der Menschenliebe zu schaffen und fast nie versagt seine Hilfsbereitschaft. Den ihm zugedachten Ovationen, dessen Mittelpunkt eine Schulfeier in der Industrieschule bilden sollte, hat sich der Jubilar in der ihm eigenen bescheidenen Weise durch eine Reise entzogen, es sich jedoch nicht nehmen lassen, die Zöglinge.jener Anstalten, deren Vorsteher er ist, durch eine von ihm gestiftete Festlichkeit zu erfreuen, Genüge darin findend, wenn andere, namentlich die Kinder, an seinem Jubeltage sich erfreuen. — In Würdigung der großen Verdienste, welche sich Herr Burgseld rtm unserer Gemeinde erworben, hat der Synagogen- Vorstand beschlossen, eine Louis Burgfeldsche Stiftung ins Leben zu rufen und dazu ein Kapital von 5000 Mark bestimmt, dessen Zinsen an würdige Arme unserer Gemeinde zur Verteilung kommen sollen. Verschiedene Körperschaften haben den Jubilar zum Ehrenmitglied ernannt, andere durch Uebersendung einer Adresse ausgezeichnet. Möge dem allverehrten edlen Manne noch eine lange Reihe ungetrübter Lebensjahre beschieden sein! H. Z. Elberfeld, 10. Januar. Unter starker Beteiligung von seiten der Gemeinde fand am 5. d. M. die Feier des 50 jährigen Bestehens des hiesigen Wohltütigkeitsvereins Vemilat Chassodirh statt. Um 5 Uhr nachmittags war Festgottesdienst; die kantoralen Funktionen versah Herr Wetzstein, während Herr Bernthal die Chöre dirigierte.

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