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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-01-17 · Heft 3 (17.1.1908) · page 15

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 3 (17.1.1908)
Date
1908-01-17
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Der (iöemetndebate. Wetlsge zur „Alisrmetnen Leitung deß AudentumF". korrrlpondrn?rn und Kgchrichten. Deutschland. ^.Berlin, 12. Januar. Die erste Sitzung der Repräseniautenver samm lnng in diesem Jahre galt zunächst der feierlichen Einführung der aus den im November v. I. stattgehabten Wahlen hervorgegangenen Gemeindevertreter und stellvertretenden Repräsentanten. Mit Ausnahme der Herren Professor Geiger und des auf sechs Wochen beurlaubten Aron Hirsch, an dessen Stelle Herr Benas Levy einberufen ist, waren alle Gemeindevertreter zur Stelle. In körperlicher und geistiger Frische begrüßte der von längerer Krankheit genesene Vorsitzende des Gemeindevorstandes. Herr Julius Jaeoby, die Versammlung. Nachdem er in warmherzigen Worten der in der vorigen Session dahingeschiedenen Repräsentanten, der Herren Adolph Mayer, Louis Sieskind, Maurermeister Frankel und Kommerzienrat Julius Martin Friedländer, und deren Verdienste um die Wohlfahrt der Gemeinde gedacht hatte, wies er darauf hin, daß die bevorstehende Verwaltungsperiode an die Arbeitskraft der Gewählten große Aiijorderungen stellen werde. Ernste Fragen lägen vor, die ernster Arbeit bedürfen. Er betonte, daß auch die nächste Session im wesentlichen eine Bauperiode sei unter Hinweis auf den neuen Bau des jüdischen Krankenhauses, auf den Anbau des Gemeindehauses in der Oranienburgerstraße 28, in dem bekanntlich die jüdische Gemeindebibliothek endlich die ihrer Bedeutung entsprechenden würdigen Räume erhalten solle, auf den Bau der Synagoge Fasanenstraße, die. wenn kein Hindernis eintrete, bereits zu den hohen Feiertagen des Jahres 1909 eingeweiht werden solle. Nach Fertigstellung dieser Synagoge werde man daran gehen nrüssen, auch in anderen Stadtteilen der Synagogennot zu steuern. Schließlich läge auch die Notwendigkeit vor, für ein neues Friedhofsgelände im Westen der Stadt Sorge zu tragen. Auch die Neuanstellung von Rabbinern, die erforderlich sei, böte nicht zu unterschätzende Schwierigkeiten. Infolge der allzu weiten räumlichen Entfernungen der einzelnen Synagogen werde je länger je mehr die Frage einer zweckmäßigen Neuordnung der Verteilung der gottesdienstlichen Funktionen der Rabbiner aknt, die bisher dem Ermessen des Gemeindevorstandes anheinigestellt gewesen sei. Redner gibt dabei der Hoffnung Ausdruck, daß es gelingen möge, dieses schwere Problem zu lösen, wenn alle dazu in friedlicher und kollegialer Weise wie bisher dazu beitragen. Das Beispiel, das dadurch gegeben werde, fände Nachahmung in der Gemeinde selbst. Wenn hier Friede, so sei auch Friede in der Ge- 'neinde. Die Rede wurde mit allseitigem Beifall ausgenommen. Danach traten die neugewählten Gemeindevertreter nach der Reihenwlge ihrer Wahl zum Vorsitzenden des Vorstandes und wurden in u Rächer Weise durch Handschlag aus ihr Amt verpflichtet. Kraft Gii-.es Alters nahm sodann Herr Moritz Ma nheim er den Präsidentensib An, um die Konstituierung des Repräsentantenkollegiums vorzuneyn-en. In einigen Worten begrüßte er die Neugewählten und laau ihnen ans Herz, über den Parteien stehend stets das Wohl des G.-nzen im Auge zu behalten und jeder religiösen Richtung innerhalb Gemeinschaft Rechnung zu tragen. Die Konstituierung ging ul.dann durch Stimmzettelwahl ohne jeden Zwischenfall vonstatten. Vaf Vorschlag des Herrn Manheimer wurde Herr Louis Sachs einuunmig zum ersten Vorsitzenden gewählt. Herr Louis Sachs nahm Wahl dankend an und gab die Versicherung ab, das ihm zum . >1 itennial erwiesene Vertrauen durch strenge Unparteilichkeit zu 'Fertigen; ebenfalls einstimmig wurde Herr Geheimrat Blumen- . k hal zum ersten Vorsitzenden-Stellvertreter gewählt; zum zweiten j Vorsitzenden-Stellvertreter wurde Herr Dr. Minden ernannt, der diese Wahl mit Dank annimmt, dabei aber dem Wunsche Ausdruck gibt, i datz er, wie in der vorigen Session» dank der steten Gesundheit und [ Arbeirssreudigkeit der beiden erstgenannten Vorsitzenden, niemals seines Amtes zu walten hofft. Zum ersten Schriftführer wurde Herr Dr. Ignatz Cohn I, zum Stellvertreter Herr Willibald Loewenthal ernannt. Hieran schloß sich die Konstituierung der Ausschüffe. Es wurden in den Ausschuß 1 neun Mitglieder gewählt, und zwar dieHerrenBodeustein, Dr. Ginsberg, Dr. Kalischer, Loewenberg, Manheimer, Gerson Simon, Dr. Weigert, Weile. Weinberg; in den Ausschuß II, bestehend aus sieben Mitgliedern, wurden die Herren Bodenstein, Emil Cohn II, Hirsch, Lewinski, Willibald Loewenthal, Gerson Simon, Mauermeister Weile gewählt, in den AusschußIII, bestehend aus neun-Mitgliedern. die Herren Blumenthal, Blaschke, Cohn I, Geiger, Hirsch, Minden, Sachs, Senator, Veit Simon. Nach Schluß der Sitzung konstituierten sich alsdann die Ausschüsse unter sich. Berlin, 13. Januar. Der stenographische Bericht über die denkwürdige zweite Hauptversammlung des Verbandes der deutschen Juden am 13. Oktober v. I. in Frankfurt a. M. ist soeben erschienen. Er enthält hauptsächlich die drei großen Reden von Cohen, Philippson und Loeb, um derentwillen der Bericht die weiteste Verbreitung in allen Kreisen verdient und erheischt. Dell Abschluß bildet die Liste der Teilnehmer am Frankfurter Judentag, der allen, die dort gewesen, in unvergeßlicher Erinnerung sortleben wird. 8. Berlin, 12. Januar. Die soeben erschienene Nummer 09 der „Mitteilungen" vom Deutsch-Israelitischen Gemeindebuude weist einen reichhaltigen Inhalt auf. Weite Interessentenkreise werden durch die Nachricht erfreut werden, daß der Bau der Israelitischen Erziehungsanstalt für geistig zurückgebliebene Kinder, die auf Grund eines Allerhöchsten Erlasses vom 8. August 1907 die Namen „Wilhelm- Auguste Victoria-Stiftung" führen darf, schon begonnen ist, und daß die Eröffnung der für 40 Kinder beiderlei Geschlechts bestimmten Anstalt im Herbst dieses Jahres zu erwarten ist, sofern es dem mit der Leitung der Anstalt zu betrauenden Vereine gelingt, den auf 20 000 Mark veranschlagten Jahresetat durch Mitgliederbeiträg'e zu beschaffen. Die architektonische Anlage wird bei Vermeidung allen äußeren und inneren Prunkes den hygienischen Anforderungen der Neuzeit gerecht werden. — Die aus Mitgliedern des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes und des Verbandes der deutschen Juden zusammengesetzte „gemischte Kommission" zur Ausarbeitung eines Organisationsgesetzes der Synagogengemeinden Preußens hat in fünf stark besuchten Sitzungen die zweite Lesung beendet. Eine ans hervorragenden Juristen zusammengesetzte „Redaktionskommission" ist mit der Formulierung des Ergebnisses beschäftigt. Bevor in die dritte Lesung eingetreten wird, soll der Entwurf der Oeffentlichkeit zur Besprechung übergeben werden, damit das Urteil der Beteiligten und Sachverständigen für die dem Gemeindetage 311 unterbreitende Fassung verwendet werden kann. — Der Realkatalog der 6000 Werke umfassenden Bibliothek des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes ist im Manuskript fertig gestellt. — Durch die Veröffentlichung einer Normal-Friedhofs' ordnung nebst einleitenden Erklärungen und angefügten Formular, entwürfen wird dem vielseitig geäußerten Wunsche der Gemeinden entsprochen.— Die „Lehrabteilung" veröffentlicht die Bedingungen eines Preisausschreibens über die „Methodik des jüdischen Religionß- Unterrichtes". Der Verfasser der besten Arbeit erhält 800 Mark. Ferner empfiehlt die Lehrabteilnng eine von Herrn Rabbiner Dr. Beermann in Insterburg verfaßte Schrift „Mein Werk dem Könige", Andachtsbuch für jüdische Soldaten. Dem Verfasser sind Anerkennungsschreiben aus dem Kabinette Sr. Majestät des Kaisers sowie von seiten des Herrn Reichskanzlers zugegangen. Auch das Kriegsministerium empfiehlt das für seinen patriotischen Zweck wohl, geeignete Buch. — Die wachsende Zahl von Unterstühungsgesuchen bedürftiger Gemeinden hat zur Vergrößerung der Gemeinde- Unterstützungskommission und zur Ausarbeitung einer neuen Geschäftsordnung geführt. Wie sich in den Fürsorge-Erziehungsanstalten 31t Repzin und Plvtzensee das innere Leben während der Wintermonate, gestaltet, wird in einem eingehenden Artikel erzählt.—Das Gesamtarchiv

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