Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 45 (10.11.1905)
- Date
- 1905-11-10
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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3 tu beut schönen Gotteshause,. bas, wie an den höchsten religiösen Festen, glänzend erleuchtet war. Unser Rabbiner, Herr Max Elljuther, gedachte in einem einfachen Gebete aller Männer und Frauen, welch«, während ber letzten 25 Jahre von uns gegangen waren. Frau Goldberg erfreut uns mit einent herrlichen Gesänge und ergriffett lauschte die vollzählig erschienene Gemeinde den alten Weisen unserer altehrwürdigen Gebete. Der Vormittag fand uns alle ans dem aus einer Anhöhe liegenden, friedlich idyllischen Gottesacker vereinigt, wo wir der herzlichen Ansprache unseres verehrten Herrn Rabbiners lauschen bürsten, ber die Geschichte des Vereins in kurzen Zügen schilderte und daran die Mahnung knüpfte, seinen Tendenzen immer treu zu bleiben, besonders aber darauf zu achten, daß im Verkehre mit anderen nicht die letzte Ehre die erste und einzige sei, das; man dem Nächsten auch int Leben Ehre erweisen müsse; ein erhebender Gesang unseres Kantors Herrn Alexander Schüftan begann und schloß die Feier, worauf unter Vorautritt des Herrn Rabbiners ein gemeinschaftlicher Nundgang ttm die Gräber erfolgte; Gebete in hebräischer Sprache wurden hierbei verrichtet, und am Schlüsse des Nundganges betete der Herr Rabbiner ein ergreifendes Gebet, das alle tief berührte. Mittags erschienen die Eemeindevertretttngen, eine Deputation des Frauenvereins und der Vorstand der Chewra Kadischa mit ihreut Vorsitzenden, Herrn Jakob Guttmann, an der Spitze im Hause des Herrn Oskar Goldmann, um diesem seit 25 Jahren tätigen Vorsteher der Chewrah ein Diplom zu überreichen, welches ihm die Erwählung zum Ehrenmitgliede verkündete. In bewegten Worten dankte Herr Goldmann den Erschienenen für die ihm zuteil gewordene Ehrung. Ein solennes Frühstück hielt die Gratulanten einige Stünden zusammen. Der Abend brachte den Abschluß in einem großen Festmahle, an welcheut wiederum unsere ganze Genteinde keilttahm. Herr Dr. med. Soetui) sprach den Kaisertoast, der Vorsitzende der Chewrah, Herr Jakob Guttmann, gab in längerer Rede einen Bericht über die Tätigkeit des Vereins. Herr Rabbiner Ellguther sprach in zündender Rede auf die Chewrah, Herr Rechtsanwalt Lewinsky, der Präsident der Humboldtloge, toastete auf den Vereinsvorstand, Herr Fabrikbesitzer M. Bloch auf das Wohl unseres Rabbiners und Herr Dr. Kohn-Ottmachau auf das neue Ehrenmitglied. Tafellieder und eine große Anzahl von Tischreden trugen zum Wohlbehagen erheblich bei, so daß wir den Gesamteiudruck des Tages in die kttrzeir Worte zusammenfassen können: ES war ein wahrer Festestag. Mögen freudige Ereignisse in Fülle unserer lieben Genteinde weiterhin beschieden sein. 1 Leipzig, 1. November. Heute ist hier der allgemein bekannte Kammersänger Albert Goldberg, Oberregisseur der Oper anr Stadttheater, nach schwereut Leiden gestorben. Er war 1847 in Brannschweig als Sohn des dortigen Kantors geboren und wandte sich zuttüchst auf Wunsch seiner Eltern dem kaufmännischen Berufe zu. Dem achtzehnjährigen Jünglinge drängte sich aber die Erkenntnis, daß er Künstler werden tnüßte, so stark auf, daß er 1865 ins Leipziger Kouservatorium trat, wo seine Baritonstimine Professor Götze ausbildete. Am 2. Mai 1869 debütierte Goldberg als Oberbrahmine in Meyerbeers „Afrikanerin" auf der Münchener Hofbühne. Dann kam er über Mainz, Bremen, Neustrelitz, Straßburg, Augsburg nach Königsberg, wo er am dortigen Stadttheater des Direktors Max Staegemann nicht nur als erster Bariton, sondern auch als Regisseur mehrere Jahre hindurch, bis 1886, wirkte. Nach Staegemanns Uebersiedlung nach Leipzig wurde Goldberg sogar Direktor des Königsberger Stadttheaters, welchen Posten er aber nach drei Jahren aufgab, um am Leipziger Stadttheater, dessen Direktor Staegemann inzwischen geworden war. den Posten als Oberregisseur der Oper zu übernehmen. Was Goldberg in den 22 Jahren seines Wirkens iu Leipzig geschaffen hat, gehört in die Geschichte unserer Oper. Vor allem rühmte man seine feinsinnigen Inszenierungen Wagnerscher Opern, die ihm den Ruf eines der ersten deutschen Opernregisseure verschafften. Alle Blätter rühmen heute seine gedeihliche Wirksamkeit, seinen Eifer für die Kunst und seine ungewöhnliche Begabung für dieselbe. Goldberg war und blieb auch ein guter Jude. Gesegnet sei sein Angedenken! Minden i. W., 3. November. Am 25. v. M. verstarb nach ängerem Leiden im 84. Lebensjahre Herr Moses Lilieuthal. Ueber 50 Jahre wirkte der Verblichene mit unermüdlicher Pflichttreue als Vorsteher der Synagogengemeinde, darunter 23 Jahre als Vorsitzender des Vorstandes. Was er in dieser langen Zeit auf allen Gebieten des Gemeindelebens geschaffen, sichert ihm unsere unauslöschliche Dankbarkeit. Wie angesehen der Verstorbene in allen Kreisen der Bevölkerung war, beweist, daß ihn das Vertrauen seiner Mitbürger zwölf Jahre lang in die städtische Vertretung entsandte. Sein Begräbnis gestaltete sich zu einer imposanten Trauerkündgebung. Der Sarg war in der tranerdekorierten Synagoge aufgebahrt. Anknüpfend an Jeremias 13. 18: „Gefallen ist die Krone Eurer Pracht von Euren Häuptern", schilderte Herr Prediger Lippmannssohn die tiefe Religiosität, die Herzensgüte und nie versagende Pflichttreue des Eutschlafetten und schloß mit der Mahnung, daß ein jeder nach dein Vorbilde des Heimgegangenen mit aller Kraft an der Erhaltung des Friedens in der Gemeinde, an dem Ausbau der religiösen Einrichtungen arbeiten möge. In tiefer Ergriffenheit folgte die zahlreiche Trauerversammlung den Worten des Redners. i. Dortmund, 3. November. Ter Jahresbericht des Kuratoriums für jüdische Krankenpflegerinnen ist erschienen Dieses Kuratorium besteht aus folgenden Herren und Damen: Sally Flörsheim, Mitglied des Ausschusses zur Heranbildung jüdischer Krankenpflegerinnen in Deutschland, in Berlin, Vorsitzende; Frau Salom. Elkan, als stellvertretende Vorsitzende; Frau Julie Alsbach. Frau Salomon Goldschmidt, Frau Ludwig Lilienthal, Sanitätsrat Dr. Blankenstein, L. Cohen, Dr. med. Friede. Fischbein, Josef Friede, Hugo Heymann, Louis Sternau, I. N. Wolff, Joseph Svndheim- Hörde, Julius Ildewald-Hörde, Dr. tned. Paul Marx-Witten. Das Arbeitsfeld des Vereiits hak sich erweitert,' die Zahl der beitragszahlenden Mitglieder hat erheblich zugenommen und die ganze Sache sichtlich an Boden gewonnen. Dieses erfreuliche Ergebnis muß der Tätigkeit der Schwestern zugeschrieben werden, die in allen Kreisen volle Würdigung findet, zum Teile aber auch der am 1. Oktober v. I vollzogenen Beseitigung der Berechnung von Pflegegebühren. Während im Betriebsjahre 1903/04 nur 15 Pfleget: geleistet wurden, konnten vom 18. Juli 1904 bis 30. Juni 1905 deren 36 bewältigt werden, und doch immer erst ein Bruchteil des an den Verein herantretenden Begehrs! Durchschnittlich veranschlagt, hätte der Verein gut vier bis fünf Schwestern, anstatt ztvei, das Jahr hindurch beschäftiget» können. Der Verein verdient die wärmste Unterstützung seitens aller Glaubensgenossen in Westfalen. z. Kassel, 1. November. Unter dem Vorsitz des Provinzialschulrats Geheimrat Otto wurde am hiesigen Lehrerseminar heute die zweite Prüfung beendet, die drei Lehrer bestanden: Mannsberg aus Nesselröden, Katzenstein aus Wanfried und Reinhardt aus Andernach. In der schriftlichen Prüfung war „die Einführung in den Zahlenkreis 1—5" zu bearbeiten. Lehrproben waren: Religion (Hephata), Deutsch („Der Sänger" von Goethe); Geschichte: Friedrich II. von Hohenstaufen; Rechnen: „Addition ungleichnamiger Brüche." — Die hiesige Nabbinerstelle wird zur Zeit von Herrn Dr. I. Gut-. mann ans Breslau verwaltet. — Int Frühling nächsten Jahres gedenkt das hiesige Waisenhaus sein 50jähriges Bestehen festlich zu begehen. 1. Augsburg, 3. November. Unser allgemein verehrter Rabbiner. Herr Dr. Heinrich Groß, feiert am 6. d. M. seinen 70. Geburtstag. Brauche ich Ihnen etwas über die Bedeutung des Mannes zu sagen? Jeder weiß, daß er einer unserer angesehensten und gelehrtesten deutschen Rabbiner ist. Er zählt zu den Männern, die die Wissenchaft des Judentums in erste Reihe stellt. Nur von seinem Lebenslauf will ich einiges erzählen. Die Schilderung der Festlichkeiten zu Ehren unseres Herrn Rabbiners sende ich Ihnen das nächste Mal. In Szenitz in Ungarn wurde Dr. H. Groß 1835 geboren. Er besuchte schon als Knabe die berühmte Jeschiba der R. Jehuda Aßod. Dann bezog er das Breslauer Seminar. Nach Beendigung seiner Studien wurde er auf Empfehlung Zacharias Frankels von Baron Hvrace de Günzburg in Paris als Hauslehrer genommen. 1870 erfolgte dann seine Ernennung zum Rabbiner von Groß-Strehlitz in Schlesien, wo er fünf Jahre blieb, um dann dem Rufe unserer Genteinde Folge zu leisten. Die Haupttätigkeit des Gelehrten liegt auf dem Gebiete der jüdischen Literaturgeschichte, insbesondere war es die der französischen Juden des Mittelalters, die ihn besonders anzog. Sein 1897 erschienenes Werk: Gallia Judaica, ist eines der