Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 45 (10.11.1905)
- Date
- 1905-11-10
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3228636-3228682--62159-3276020- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
2 Lage sind, den gewöhnlichen Pensionspreis zu zahlen, eine halbe Freistelle. Bevorzugt werden Kinder (Knaben) aus der Provinz Posen. Bewerbungen sind zu richten an den Direktor der Anstalt Herrn Rosenbaum. Berlin, 3. November. Das Jubiläum der 25 jährigen Tätigkeit im Hause N. Israel beging am 1. d. M. Herr Marc Drielsma. Bereits am Dienstag abend begab sich in die Wohnung des Jubilars eine Deputation des Personals, die die Glückwünsche desselben aussprach sowie eine Ehrengabe, überreichte. In beredten Worten brachte der Führer der Deputation zum Ausdruck, wie hoher Wertschätzung und Beliebtheit sich Herr Drielsma seitens aller seiner Kollegen erfreue. Bei dem Souper, das dem Empfang folgte und das durch viele Reden gewürzt wurde, dankte der Jubilar in bewegten Worten. 8a. Hohenfalza, 25. Oktober. Der Israelitische Frauenverein hielt am Montag Abend 8 Uhr im Hotel Weiß seine ordentliche Generalversammlung ab, die von 55 Mitgliedern besucht war. Bor Eintritt in die Tagesordnung machte die stellvertretende Vorsitzende Frau Goldarbeiter Fanny Löwinsohn der Versammlung die Mitteilung, das die erste Vorsteherin Frau Kommerzienrat Eva Levy infolge Verlegung ihres Wohnsitzes nach Berlin den Vorsitz niedergelegt habe. Dies sei für den Verein ein herber Verlust. Um der geschätzten Frau seine Dankbarkeit zu beweisen, hat der Vorstand beschlossen, Frau Kommerzienrat Levy. zum Ehrenmitglieds des Vereins zu ernennen, imb wurde Frau Levy eine geschmackvolle Adresse, deren Inschrift Herr Gemeinderabbiner Dr. Kohn verfaßt hat. überreicht. .Nun hielt Herr Gemeinderabbiner Dr. Kohn eine Ansprache, in der er besonders rühmend hervorhob, daß der hiesige Frauenverein eine reiche Quelle der Wohltätigkeit und Barmherzigkeit ist; darauf gedachte der Redner zweier Mitglieder, die sich ganz besonders hervorragend um den hiesigen jüdischen Frauenverein verdient gemacht haben: es sind dies die Frau Kommerzienrat Eva Levy, die Begründerin des israelitischen Siechenhauses, und Herr Ziegeleibesitzer Bernhard Schwersenz, der dem hiesigen Frauenverein für die Zwecke des Siechenhauses in hochherziger Weise ein Haus geschenkt hat. Zu Ehren der beiden Mitglieder erhoben die Anwesenden sich von ihren Plätzen; auch das Andenken der verstorbenen Vereinsmitglieder ehrte die Versammlung durch Erheben von den Sitzen. Sodann erstattete Herr Rentier Louis Sandler den Jahres- und Kassenbericht. Demselben ist zu entnehmen, daß die Vermögenslage des Vereins eine sehr günstige ist. Der Reservefonds beläuft sich auf 12 567,57 Mark. Die Vorstandswahl ergab nachstehendes Resultat: Zur ersten Vorsitzenden wurde einstimmig gewählt Frau Fabrikbesitzer Assessor Dr. Levy, als stellvertretende Vorsitzende Frau Goldarbeiter Löwinsohn (wiedergewählt), als dritte Vorsitzende Frau Rosenseld, zur Rendantin wurde Frau Perser neugewühlt, das Amt der Schriftführerin wurde wiederum der Frau Rabbiner Dr. Tietz übertragen; ferner wurden gewählt als erste Krankenvorsteherin Frau Louis Sandler, als deren Steüvertreterin Frau Heinrich Cohn und als dritte Vorsteherin Frau Meyer, als weitere Vorstandsmitglieder wurden gewählt: Frau Moritz Hendelsohn, Frau Rabbiner Dr. Kohn, Fran Schwersenz, Frau Louis Markus, Frau Joseph Cohn, Frau Sanitätsrat Dr. Warschauer, Frau Alex Cohn. Endlich wurden als Beisitzer gewählt die Herren: Rentier Louis Sandler. Fabrikbesitzer Assessor Dr. Levy und Ziegeleibesitzer Bernhard Schwersenz. — In gemeinschaftlicher Sitzung des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung wurde bei der Ersatzwahl des sechsten Kreistagsdeputierten an Stelle des Herrn Vergrat Ertel, der sein Mandat freiwillig niedergelegt hat, durch Zettelwahl zum Kreistagsdeputierten der Ziegeleibesitzer Stadtverordneter Bernhard Schwersenz gewählt. — Breslau, 2. November. Der Verein Jüdischer Studenten an der Universität Breslau kann das verflossene zwölfte Semester als ein sehr erfolgreiches bezeichnen. Die altbewährten Bahnen wurden weiter ausgebaut und dadurch das Tätigkeitsgebiet erweitert. Das Semester begann am 2. Mai mit dem Antrittskonvent; hieran schloß sich einige Tage daraus eine große, zahlreich besuchte Antrittskneipe, auf der sich sechs neue Füchse aktiv meldeten. In der Generalversammlung des Zentralvereins Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens wurde wie bisher ein Vertreter des V. I. St. in den Vorstand gewählt. Aber auch die innere Arbeit ruhte nicht. In den.Fuchsenstunden wurden neben rein studentischen Fragen jüdische Fragen lebhaft besprochen. Jüdische Geschichte und Literatur wurden gepflegt, und allwöchentlich fanden Vortrüge über jüdische Themen statt, an die sich lebhafte Diskussionen knüpften. Hieran schlossen sich feuchtfröhliche Kneipen. Folgende Vorträge wurden im Sommersemester gehalten: 1. Die Strömungen im heutigen Judentume; 2. Kritisches Referat über Fromers „Wesen des Judentums"; 3. Geschichte der Entwicklung unserer palästinensischen Kolonien 4. Die Bedeutung der Speisegesetze; 5. Oppenheimersche Siedlungsgenossenschaften in Palästina (2 Teile). Gab der Verein so seinen Mitgliedern das geistige Rüstzeug, um sie zu geraden, offenen und selbstbewußten Juden zu erziehen, so sorgte er auch für ihre kvrper" liche Ausbildung durch tägliches Fechten und allwöchentlichen Turnunterricht. In dem Kampfe um die sogenannte akademische Freiheit hat unser Anfang Juli in Berlin tagender Kartelltag durch eiue Resolution Stellung genommen, die bereits bekannt ist.. Ferner wurde aus dem Kartelltage die Einrichtung eines jüdisch-akademischen Arbeitsamtes für die östlichen Provinzen mit dem Sitz in Breslau beschlossen. Dieses Arbeitsamt soll dazu dienen, jüdischen Akademikern geeignete Positionen zu verschaffen und gleichzeitig dem Rückgänge der jüdischen Bevölkerung, besonders in den kleineren Städten, durch Heranziehung von Vorkämpfern für ihre Interessen entgegenzuarbeiten. Außerdem beteiligt sich der B. I. C. auf Aufforderung des Verbandes der Deutschen Juden an der im Werden begriffenen Organisation zur Gründung eines jüdisch-akademischen Arbeitsamtes für ganz Deutschland. Schließlich seien noch die im Sommer bereits begonnenen jüdischen Arbeiterkurse erwähnt, die dazu dienen,, den des Deutschen nicht mächtigen ausländischen jüdischen Arbeitern durch Unterricht in der deutschen Sprache, Lesen usw. das Fortkommen zu erleichtern, und die nach dem Vorbilde der Berliner Arbeiterkürse weiter ausgebildet werden sollen. Gleiwitz, 1. November. Die in dem altbewährten Soolbade i Königsdorff-Jastrzemb im Jahre 1890 gegründete Israelitische Kinderheilanstalt blickt aus eine fünfzehnjährige, überaus ersprießliche Wirksamkeit zurück. Die beiden festen Säulen, auf die das Werk in hoffnungsfreudiger Zuversicht errichtet wurde — göttliche Hilfe und werktätige Nächstenliebe — haben das gemeinnützige Unternehmer in den wechselvollen Zeiten sicher getragen und es an Kraft und Segenssülle zunehmen lassen. In der verflossenen Kurzeit 1905 mußte der Betrieb der Anstalt etwas eingeschränkt werden. Infolge der in Oberschlesien herrschenden Genickstarre, die jetzt bereits erloschen ist, wurde von der königlichen Regierung zu Oppeln die Anordnung getroffen, daß nur solche Kinder ausgenommen werden durften, die durch ein polizeiliches Attest Nachweisen konnten, daß in den letzten vier Monaten in ihrem Wohnhause und in den nächsten Nachbarhäusern Erkrankungen an Genickstarre nicht vorgekommen sind. Der strengen Durchführung dieser Verfügung ist es mit zu verdanken, daß in der. Anstalt keinerlei verdächtige Erkrankung sich gezeigt hat, und daß alle Pfleglinge gestärkt und wohlbehalten die Kinderheilstätte verlassen konnten. Immerhin ist durch diese Einschränkung die Zahl der Pfleglinge in dieser Saison eine geringere gewesen. Während in den Vorjahren die Anstalt 115 bis 120 Kinder beherbergte, haben diesmal nur 94 Kinder Aufnahme gefunden. — Bei allen Kindern war ein durchaus günstiger Heilerfolg zu verzeichnen. Die Gewichtszunahme der Kiinder betrug durchschnittlich drei bis sieben Pfund. Die segensreiche Anstalt, die auch in dieser schweren, sorgenvollen Zeit sich glänzend bewährt hat, wird durch milde Beiträge erhalten und ist der Förderung edler Menschenfreunde würdig. Nähere Auskunft erteilt der Vorsitzende Rabbiner Dr. Wilhelm Münz hier. 1. Neitze, 5. November. Unsere verhältnismäßig kleine, aber qualitativ hervorragende Gemeinde hat'es bis jetzt verabsäumt, der Oeffentlichkeit von ihren Institutionen und Vereinsgründungen, von ihrem inneren Leben und Treiben, Kenntnis zu geben, weil sie die selbstverständlichen, ihr obliegenden Pflichten nicht als Gegenstand öffentlicher Erörterungen betrachtete. Um so mehr freuen wir uns heute, von einem überaus herrlichen Festtage zu erzählen, der noch lange in unserer Erinnerung fortleben wird. Unsere Ehewra Kadischah feierte am 1. November den Gedenktag ihres 25jährigen Bestehens. Die frühe Morgenstunde sah unsere Gemeinde vollzählig