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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-11-10 · Heft 45 (10.11.1905) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 45 (10.11.1905)
Date
1905-11-10
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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grundlegenden Werke zur Geschichte der französischen Juden.'.überhaupt. Eine Reihe^wertvoller Einzelarbeiten haben ebenfalls ihren Ursprung in diesen Studien. Jii Deutschland. ist Gros; in weiten Kreisen , fern er durch sein „Lehrbuch . .der Israelitischen Religion für die oberen Klassen der Mittelschulen" bekannt geworden. Möge es ihm vergönnt sein, noch viele Jahre zu wirken und zu schaffen! % Gesterrejch-Nnssrn. □ Wien, 6. November. Nein, es ist nicht wahr: ganz dieselben Zustände herrschen' bei uns noch nicht wie im heiligen Rußland! Aber gar zu weit entfernt von denselben sind wir auch nicht. Zum mindesten werden die Juden in Böhmen und Mähren von den edlen Tschechen wieder einmal geprügelt; man schlägt ihnen die Fensterscheiben ein, plündert ihre Läden und bedroht ihr Leben. Es gelte aber nicht.^den Inden, so heißt es, sondern den Deutschen! Andererseits rührt sich aber im nie der österreichischen Landtag kein deutscher Mund, wenn die Christlich-Sozialen die Juden in unflätigster Weise beschimpfen und ihnen Porwerfen, daß die Ausschreitungen, die am 2. d. M. hier in Wien vorgekommen, ihr Werk, das heißt durch die Reden und Agitationen der jüdischen Sozialisten hervorgerusen seien. So werden die Juden von allen Seiten angegriffen und sind die Prügelknaben aller Parteien. — Dagegen lauten die Nachrichten aus Ungarn günstiger. Wie es heißt, hat das neue Ministerium Fejer- - Vary in seinem Programm die Befriedigung der Wünsche ausgenommen, welche die ungarischen Juden behufs der noch immer nicht vollständig durchgeführten Parität seit Jahren vergeblich Vorbringen. Das ist sicher ein politischer Schachzug — aber, weun er gelingt, so kann es uns recht sein. — Das Bndapester Amtsblatt meldet die Ernennung des Redakteurs und Schriftstellers Josef Veczi zum Honorar-Ministerialrat im ungarischen Ministerium. Josef Veczi war bisher Abgeordneter und legt sein Mandat nieder. Der neue Ministerialrat ist ein warmer Jude und hatte wiederholt Gelegenheit ergriffen, öffentlich für das Judentum einzutreteu. Von Osh und Fern. — Der Senior der Berliner Stadtverordnetenversammlung, Sanitätsrat Dr. Neumann, hat infolge schwerer -Krankheit sein Mandat niedergelegt. Ein Schreiben, worin er das mitteilte, verlas in der letzten Sitzung der Stadtverordnetenversammlung Vorsteher Dr. Langerhans. Er gedachte in bewegten Worten der Verdienste des Ausgeschiedenen" um die städtischen Interessen, insbesondere um die Selbstverwaltung, und regte die Ueberreichung einer Adresse an Sanitäisrat Dr. Neumann an. Diese Anregung fand ällseitige Zustimmung. — Zu Sanitätsräten wurden ernannt: Dr. Sebastian Levy und Dr. Salomon Steinthal in Berlin, Dr. Wilhelm Badt und Dr.'Selmar Peyser in Charlottenburg, Dr. S. Apfel in Köln. — Am 29. v. M. ist hier der Rentier Sim on Dienstag gestorben, der lange Jahre hindurch Vorsteher der jüdischen Gemeinde, in Schrimm war. — In gemeinschaftlicher Sitzung der städtischen Körperschaften zu Liegnitz wurde Herr Heinrich Cohn, der verdienstvolle Vorsteher der jüdischen Gemeinde, neben dein Oberbürgermeister zum Provinziallandtagsabgeordneten gewählt. — In Hamburg ist am 31. v. M. der allgemein geachtete Oberlehrer, der Talmud-Thora-Realschule und Rabbinatsverweser Dr. S. P. Nathan im 85.. Lebensjahre gestorben. Ehre seinem Andenken! — Der Provinzialausschuß der Provinz Hannover bewilligte in seiner gegenwärtigen Tagung den Betrag von 16 500 Mark für das lausende Etatsjahr an Beihilfen für das jüdische Synagogen- und Schulwesen in unserer Provinz. — Gegen den liberalen Block allein oder gegen die Sozialdemokratie allein hoffte der Antisemit Mampel in Baden mit Hilfe des Zentrums zu siegen, aber da sich die beiden Parteien vereinten, mußte er unterliegen. Der Sozialist, erhielt das Mandat und mit Mampels Sturz ist der Politische Antisemitismus. in Baden .am Ende. — In den b adi.schen . Landtag sind in' der Stichwahl Rechtsanwalt Dr. Frank und L. Süskind-Mannheim gewählt worden. — Der Tabakgroßhändler, Stadtrat und Kommerzienrat H ersch e l hinterließ der Stadt M a n n h eim letztwillig 500 000 Mark zur Erbauung eines Hallenschwimmbades. — Der Ort Bassenberg (Kreis Schlettstadt) war noch vor 20 Jahren das Zentrum der jüdischen Bevölkerung des Weilertales. Daher war auch dort die Synapoge und der Gottesdienst für die jüdische Bevölkerung des Tales. Es wohnten da über 50 jüdische Einwohner. Ihre Zahl hat aber seitdem immer mehr abgenommen, und nun wohnen nur noch zwei solcher Familien mit neun Köpfen in Bassenberg, welche auch dem Zuge nach der Stadt, dem die anderen bereits gefolgt sind, folgen wollen. Die dortige Synagoge ist mangels Besucher deshalb geschlossen worden und ist zum Verkaufe an den Meistbietenden ansgesetzt. — Die Königin von Holland weilte vor kurzem mit dem Prinz-Gemahl in Leen war den. Zur Hoftafel war auch der Oberrabbiner Dr. Löwenstein geladen. Die Königin hatte angeordnet, daß von einem.jüdischen Koch für den Oberrabbiner koscher gekocht wurde; der Koch bediente auch den Oberrabbiner bei der Tafel. — In seiner nahe bei Reggio gelegenen Besitzung ist der Baron Raynrondo Franchetti, einer der reichsten Grundbesitzer und Industriellen Italiens, gestorben. Er hat ein Alter von siebennndsechzig Jahren erreicht und war seit 1858 mit der Freiin Luise v. Rothschild aus der Wiener Linie der Familie verheiratet. — In Rouen ist der Rabbiner Benjamin Cahen im 69. Lebensjahre nach langer Krankheit gestorben. — Baron Eduard v. Rothschild wurde an Stelle seines verstorbenen Vaters in Bordeaux zum Mitglied des französischen Zentralkonsistoriums gewählt. — Mlaude Montefiore wurde einstimmig zum Präsidenten der Anglo Jewish Association gewählt: — Das Viertel-Millenium-Jubiläurn der ersten Niederlassung der Juden in Newyork wird in ganz Amerika am 30. d. M. festlich begangen werden. Die Hauptfeier findet in der Carnegie-Hall in Newyork statt. Gleichzeitig soll aber in allen Synagogen und den Sabbatschulen der Vereinigten Staaten Gottesdienst abgehalten werden. Selbst dort, wo es keine Synagoge gibt, werden die Juden zu einer größeren Feier zusammentreten. Auch ein großer Teil der jüdischen Vereine will diesen Tag festlich begehen. Das Festkomitee besteht außer dem 17 Mitglieder zählenden Exekutiv komitee in Newyork noch aus weiteren 237 Mitgliedern, welche über 52 Staaten des Sternenbanners zerstreut sind. — In Newyork allein sind gegen 900 jüdische Postbeamte. Um so betrübender ist die Tatsache, daß der Generalpostmeister von Newyork, Cortelyor, seinen jüdischen Beamten bei Strafe der Aussperrung für mehrere Tage verboten hat, den Jom Kipur zu feiern. Er resp. sein Stellvertreter motivierte es mit der großen Zahl der jüdischen Postbeamten, durch deren Abwesenheit an einem Tage das ganze Verkehrswesen leiden würde. — Die amerikanische Presse veröffentlicht eine Liste der hundert reichsten Menschen, die zusammen über 28^2 Milliarden Mark besitzen. Unter diesen befinden sich nur wenige Juden, und zwar drei Rothschilds, die an 19.. an 53. und 62. Stelle mit 300, 128 und 112 Millionen Mark figurieren. Der einzige amerikanische Jude ist Jakob H. Schiss, und er ist auch der letzte Jude. Man sieht, es ist durchaus nicht richtig, die Juden als die Hauptkapitalisten in der Welt zu bezeichnen. — In Philadelphia ist David Teller am 10. v. M. gestorben. Er war der langjährige' Präsident der Nodos Scholem-Gemeinde seit 1879. Daneben beteiligte er sich an zahlreichen anderen jüdischen Vereinen in und außerhalb Philadelphias sowie an vielen nichtjüdischen Vereinen, in denen er eine hervorragende Stellung eiynahm. — In Chicago feierte am 15. v. M. Dr. Emil G. Hirsch, der bekannte Rabbiner der Sinaigemeinde, sein 25 jähriges Jubiläum. Es fand im Sinaitempel ein Festgottesdjenst statt, bei welchem von dem Rektor. Dr. K. Köhler, Harry Hart, dem Präsidenten der Gemeinde, und dem Jubilar der Gelegenheit entsprechende Ansprachen gehalten wurden. Auch gelangte ein prächtiges musikalisches Programm zur Aufführung.

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