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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-04-22 · Heft 17 (22.4.1904) · p. Seite 198

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 17 (22.4.1904)
Date
1904-04-22
Page
Seite 198 (sequence 6)
Language
German
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m NWWMM 198 schließung war er genötigt, den ihn ehrenden Auftrag einer Dienstreise nach Indien, Australien, Brasilien und Aegypten auszugeben. 1871 kehrte er nach London zurück und nahm seine Tätigkeit in der Pressegallerie des Parlanrents wieder aus. 1882 und 1887 war er Präsident des Verbandes der Parlamentsjournalisten. Heckscher ist der Begründer des Londoner Presseklubs und war vier Jahre lang dessen Vorsitzender. 1885 wurde er beratendes Mitglied der Newspape: Press Fund, in welcher Eigenschaft er schon vielen jungen journalistischen Talenten ein weiser Berater und Förderer geworden ist. — So gehört denn Mr. Heckscher zu den stillen großen Arbeitern, die, ungenannt, uns täglich mit Wissen bereichern und viel dazu beitragen, uns den letzten Schliff des Kulturmenschen zu geben. Wer diesen Mann kennt, wie er noch heute mit jugendfrischer Elastizität, Fleiß und Ausdauer seinen verantwortungsvollen, täglich zur Kritik herausfordernden Posten bekleidet, wie er mit seinem liebenswürdigen Lächeln die Herzen aller erobert, für jeden ein treffendes Wort, jedem mit Rat, manchen: mit Tat beisteht, der wird vielleicht erstaunt sein, durch diese Zeilen zu erfahren, daß Mr. Heckscher in diesen Tagen schon seinen 70. Geburtstag feierte. Emsig bei der Arbeit, kühl berechnend, vor keiner Strapaze und Schwierigkeit in seinem Dienste zurückschreckend, ist Mr. Heckscher in seinem gemütlichen Heim ein angenehmer und liebenswürdiger Gesellschafter, der es im Laufe der Jahre verstanden hat, aus seinem Salon in London einen Zentralpunkt der Geistes- und Finanzaristokratie ' zu schaffen. Obwohl Heckscher über 36 Jahre in englischen Diensten steht, ist er im Herzen doch gut deutsch geblieben und hängt mit großer Liebe an seinem Vaterlande, dem er die höchste Bewunderung zollt. Die hmidrrtjshrkeier des Milsntropins. Von M. Friedeberg. III. Das Frankfurter Philantropin. n den älteren Jahrgängen der Zeitung des Judentums wird der Entwicklung des Philantropins mit Teilnahme öfters gedacht. Wie es bei einer periodischen Zeitschrift natürlich ist, liefen mitunter auch Korrespondenzen aus Frankfurt ein, welche gegen die Schule im Prinzip Front machten. Einmal, in der Nummer vorn 1. April 1844, wird in einer Privatmitteilung aus Frankfurt, in Anknüpfung an das Programm des Oberlehrers Dr. Heß, die Aufhebung des Philantropins verlangt, weil — die Juden solche Schulen nicht mehr nötig Hütten. In der wunderlichen Zuschrift wird alles das bemängelt, was der Leiter des Philantropins Heß von dem Verhalten der Eltern zu Erziehungsfragen im Programm von 1844 sagt und dann heißt es wörtlich weiter: „Gerade hier, wo der Judenhaß noch so mächtig ist, sollte man daraus bedacht sein, die Separatschulen aufzuheben, damit die Jugend wenigstens den Haß verlerne." Diese über das Ziel hinauschießende Kritik blieb nicht ohne Widerlegung. Ein anderer Frankfurter trat für die Ehre des Philantropins in der „Zeitung des Judentums" in einer längeren Zuschrift in die Schranken. Er führte aus: „Ein Ganzes will nur als Ganzes verstanden, will nach den Resultaten, die sich aus einem längeren Zeitraum ergeben, beurteilt sein. Früher ging die israelitische Jugend bei sogenannten „Rebunem" in den Unterricht. Da errichtete der selige Siegmund Geisenheim das Ph ilanthropin, später Kaxlsschule, jetzt israelitische Bürger¬ und Realschule genannt, mit 8 Kindern, jetzt zählt sie nähe an; 500 ... Der Frankfurter Israelit ist nicht zudringlich zu christ-? lichen Gesellschaften, man muß ihn suchen." Soweit die Zuschrift. In der Tat steht der bei allen jüdischen Schulen von gewisser Seite auftretende Vorwurf der : Separationssucht mit den geschichtlichen Tatsachen in Widerl spruch. Bei Eröffnung der Musterschule in Frankfurt 1803 bej stand der vierte Teil der gesamten Schülerzahl aus Juden.! Trotz der Gründung des Philantropins waren aus Frankfurt \ von Januar 1804 bis Januar 1807 dreizehn jüdische Knaben in die Jakobsohnschüle nach Seesen geschickt worden, dann verbot die neue Stättigkeit das Verschicken jüdischer j Knaben in auswärtige Schulen. Man hatte in Frankfurt damals im Schulwesen und in der Synagoge nicht minder. wie in Berlin nach zwei Fronten zu kämpfen. Einzelnen j: Führern der Reform gingen die „Neumodischen" nicht weit! genug, und der Reaktion wieder hießen die Anhänger einer modernen Pädagogik schon „Abtrünnige". Hatte doch in : Frankfurt Rabbi Pinchas Horowitz, einer der größten Talmudgelehrten seiner Zeit, nicht nur die Mendelssohnsche Pentateuchübersetzung verboten, sondern am Montagden 8. Dezember -1794, die beabsichtigte Schulgründung sogar mit dem Banne l belegt. Das städtische Archiv bewahrt den Wortlaut aus, mit j dem der Rabbiner bald danach, am 18. Dezember, den Bann j bei der Morgenandacht widerrief. Die Ansprache lautete: „Höret, daß auf Befehl Eines wolregierenden Aelteren Bürgers meisters der wegen des Lehrinstitutes verhängte Bann! wieder aufgehoben sei." Heß, der die Morgenröte der neuen Zeit heraufführen darf, hatte mancherlei Aneindungen seitens der Rückschrittler zu erdulden und manchem Gegner der „Separatschule" konnte er es auch niemals recht machen. Heute gibt im Schulgarten des Philanthrvpins sein - Denkmal, das der Bildhauer von der Launitz geschaffen, der j Nachwelt Kunde von dem um die Schule an: :neisten verdienten Lehrer und Führer. Heß starb an: 26. Februar 1860. j Von den Mitarbeitern ist zunächst der Religionslehrer der i Schule Joseph Johl so n, zu nennen, der zu den be- | gabtesten Lehrern der nachmendelssohnschen Epoche gehört. \ Johlson hat den Religionsunterricht und die Schülandacht durch Abfassung eines Lehrbuches und eines Gesangbuches gefördert und den Gottesdienst in erhebender Weise eingerichtet. | Johlson überreichte im März 1814 dem Schulrat den Entwurf einer Sabbatandacht mit deutschen und hebräischen Gei beten. Verlesen und Uebersetzen des Wochenabschnittes aus der j Thora und deutscher Predigt. Er konnte in seiner Eingabe . | bemerken, daß sein Plan die volle Billigung des Oberrabbiners Hirsch Horowitz besitze. Die Abhaltung der Andachtstunde; bildete seitdem einen wesentlichen Teil der Aufgabe, der Schule, seit jener Zeit, in der die Jugend an der damaligen s Art des Gottesdienstes-in der „Schule" weder Erbauung noch Belehrung fand. - J Die Berufung Michael Creizenachs (1825) erwies sich g gerade nach dieser Richtung hin ganz besonders segensreich. 1 Seine Predigten übten eine große Anziehungskraft aus. Die Andacht gewann eine inuner größere Bedeutung für die Gemeinde und diese entschloß sich bald dazu, einen eigenen würdigen Raun: für sie zu schaffen. Das Andenken Michael Creizenachs lebt am Philanthropin dadurch fort, daß die Witwen- und Waisenkaffe den Namen Creizenach-Stiftung führt. Creizenach wirkte am Philanthropin von 1813—1830. Seine wissenschaftliche Bedeutung , wird in der „Allgemeinen Deutschen Biographie" Band 47 gewürdigt. Von besonderen: Interesse sind in der vorliegenden Festschrift

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