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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-02-12 · Heft 7 (12.2.1904) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 7 (12.2.1904)
Date
1904-02-12
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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68.-Jahrgang.- No. 7. Berlin, 12. Feln-uar 1904. Der Gemeindekmte. Beilage zur „Allgemeinen Leitung deF Judentums" ikorrrlponden?en und Kschrichtm. Deutschland. — Berlin, 7. Februar. In der gestrigen Sitzung des geschäftsführenden Ausschnsses des „H i l ss v er e i n s der Deutschen I n d e n" wurde ein Betrag von 10 000 Kronen jährlich bewilligt für die Erziehung jüdischer Knaben, welche in Galizien die Baron Hirsch- Schulen absolviert haben und in West-Oesterreich ein Handiverk erlernen werden. Ferner wurde dem Verein „Lemaan Zion" zum Kauf und Betrieb von Maschinen für künstliches Eis in Jerusalem eine Subvention von 500 Mark gewährt. Dagegen wurde der Antrag der „Jüdischen Orient-Gesellschaft" auf Betvilligung einer Subvention für Versuche in Cypern abgelehnt und ebenso einige Anträge wegen Subventionierung' der Herausgabe wissenschaftlicher Werke. Ten interessantesten Teil der Verhandlung - bildete die Besprechung der neuen Ausschreitungen, die in Marokko gegen die dortigen Juden vorgekommen sind. Allseitig wurde bedauert, daß die Nachrichten von dort so langsam fließen, daß man erst jetzt von den Exzessen, welche am 17. Dezember stattfanden, erfuhr, obwohl mehrere Schulen der Allianz in der Nähe liegen. Der Hilfsverein bewilligte 2000 Mark, welche an die Anglo Jewish Association in London geschickt und durch den englischen Konsul in Casablanka verteilt werden. Zugleich erklärt sich der Hilfsverein bereit, Spenden für diesen Zweck entgegenznnehmen. Sollte der Umfang des Unglücks nach dem Eintreffen genauer Nachrichten sich größer Herausstellen, als man gegenwärtig annimmt, so wird der Hilfsverein weitere Mittel zur Verfügung stellen. s. Berlin, 7. Februar. Bei der letzten Doktorpromotion nach altem Stil an der hiesigen Universität promovierte Frau Dr. Helene Herrmann, die Gattin des hiesigen Privatdozenten und Literarhistorikers Dr. Herrmann, mit ihrer Schrift „Die psychologischen Anschauungen des jungen Goethe". Unter den Thesen, die sie zu verteidigen hatte, war die zweite, daß die Hanptguelle von HeineS Hebräischen Melodien Michael Sachs' Werk „Die religiöse Poesie der Juden in Spanien" sei. Dieselbe tvurde von cand. phil. Erwin Kalischer angegriffen, von der jungen Frau Doktor aber geschickt verteidigt. Frau Dr. Herrmann ist die Tochter der bekannten Schriftstellerin Martha Helmuth-Schlesinger. Königsberg i. Pr., 8. Februar. Unsere Gemeinde hat einen großen Verlust erlitten: Stadtrat Michelly, Senior des Magistratskolleginms, Vorsitzender des Aufsichtsrats der „Königsb. Hart. Ztg.", Mitglied des Repräsentantenkollegiums unserer Gemeinde, ist am 3. d. M. gestorben. Er war einer der angesehensten Männer unserer Stadt. Mit hohen Ehren und außerordentlich zahlreicher Beteiligung aller Kreise der Königsberger Bürgerschaft ist er deshalb auch Sonntag mittag zur ewigen Ruhe bestattet worden. Die Regierungs- und Stadtbehörden, alle Korporationen und Vereine waren vertreten. Im Trauerhause hielt Rabbiner Dr. Vogelstein eine das ganze Leben und Schaffen des Mannes vortrefflich charakterisierende Gedächtnisrede. Dann sprach Justizrat Hagen namens der freisinnigen Volkspartei. Auf dem Friedhof fand dann in der reichgeschmückten Leichenhalle die eigentliche Trauerzeremonie statt. Nach einem von dem Männer-Singchor der Synagogengemeinde unter Leitung des Oberkantors Birnbaum vorgetragenen Choral nahm wiederum Rabbiner Dr. Vogelstein das Wort, um in längerer Rede noch einmal die Lebensarbeit und das Wesen Michellys zu würdigen, dessen Andenken unvergessen fortleben wird. e. Posen, 2. Februar. Am 27. v. M. beging der Stadtverordnete und Vorsitzende des Vorstandes der hiesigen Synagogen- Gemeinde, Herr Samuel Schoenlank, seinen 70. Geburtstag. Aus diesem Anlaß wurden dem Jubilar durch den Stadtverordneten- Vorsteher, Herrn Justizrat Salz im Namen des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung, welch letzterer Körperschaft Herr Schoenlank seit dem Jahre 1887 angehört, herzliche Glückwünsche, begleitet von einem knnst- und geschmackvollen Blumenarrangement, dargebracht. Seitens der'Synagogengemeinde wurde dem ', Jubilar eine reich ausgestattete Adresse geividmet, in welcher seiner großen Verdienste um die Synagogengemeinde gedacht und unter herzlichen Glückwünschen dem Danke für die in Folge feiner mehrals zwanzigjährigen Amtstätigkeit bewirkte Förderung der Gemeindeinstitntionen Ausdruck gegeben wird. Die Mitglieder des Vorstandes und der Reprasentantenversammlung überreichten dem Jubilar als Andenken eine mit entsprechender Widmungsinschrift versehene, durch Kostbarkeit und künstlerischen Fignrenfchmnck sich anszeichnende, mit schönem Blumenarrangement versehene Jardiniere in Silber. In der Behausung des Jubilars fanden sich die Vertreter der städtischen Behörden sowie die Mitglieder des Vorstandes und der Repräsentantenversammlung und das Rabbinat der Synagogengemeinde ein, und hier hielten der stellvertretende Vorsitzende des - Vorstandes, Herr Justizrat Salz, sowie der Vorsitzende der Repräsentantenversammlung, Herr Geheimer Kommerzienrat und Stadtrat Herz und Herr Gemeinderabbiner Dr. W. Feilchenfeld an den Jubilar inhaltreiche und warm empfundene Ansprachen, in welchen der Dank für sein Wirken für die Stadt und für die Syuagogengemeinde in meisterhafter Weise zuin Ausdruck gebracht wurde. Herr Bankier Ignatz Goldschmidt namens der Jüdischen Alterversorgungsanstalt zu Bvjanowo und namens des Verbandes der Synagogengemeinden des Regierungsbezirks Posen sowie die Vertreter hiesiger Wohltätigkeitsvereine hielten' gleichfalls beglückwünschende Ansprachen an den Jubilar, welcher auch; die Freude hatte, die Glückwünsche des Herrn Bürgermeisters Künzer : und des Herrn Rabbiners Dr. Bloch entgegenzunehmen. Auch die; Bureaubeamten der Synagogengemeinde, sowie zahlreiche Verehrer i und Freunde des Herrn Schoenlank fanden sich eilt, um ihre Glück-! wünsche darzubringen. Der Jubilar, umgeben von den Mitgliedern - seiner Familie, sprach allen Rednern in eingehender Ausführung und! herzlicher Weise seinen Dank uns.! Lp. Aus der Provinz Posen, im Februar. Das Fischer! Abraham'sche Ehepaar in Samter beging neulich das Fest der I goldenen Hochzeit. — Der Ziegeleibefitzer Samuel Krause in Wollstein ist zum Beigeordneten in den dortigen Magistrat i gewählt worden. — Das langjährige Vorstandsmitglied der i Synagogengemeinde Grätz, Kaufmann M. Byk, ist gestorben. — Der israelitische Krankenpflege- und Leichenbestattungsverein in : Wöllstein beging neulich sein 162. Stiftungsfest. Lehrer Becker hielt j die Festrede. Der Verein zählt 44 Mitglieder und verfügt über einen I Kassenbestand von 1500 Mark. — Das Buchhändler E. Peiser'sche : Ehepaar in O str o w o beging neulich das Fest der silbernen Hochzeit.—; Die Verwaltung der vakanten jüdischen Volksschullehrerstelle in Kurni k : ist dem Religionslehrer Theodor Kaatz ans Schwerseuz übertragen worden. — Lehrer A uer b a ch ans Neustadt a. W. ist in den Posener Gemeinde-Schuldienst berufen worden.. —In Krojanke wurde Kaufmann Moritz Cohn zum Rntsmann einstimmig wiedergewählt. Herr Cohn ist außerdem schon viele Jahre Mitglied der Schuldeputatiou und bekleidet auch das Amt eines Beigeordneten, was gewiß selten ist. n. Grätz, 1. Februar. In der ersten diesjährigen Stadtverordnetensitzung wurde der Kaufmann A. Herzfeld, wie bereits gemeldet, zum 25. Male als Stadtverordnetenvorsteher gewählt. Bürgermeister Howe feierte in längerer Rede die vielen Verdienste, die sich der Jubilar als Stndtverordnetenvorsteher wie in seiner Tätigkeit als Kreistagsabgeordneter, Handelskammermitglied nnd Industrieller um unsere Stadt erworben. Namens der Stadtverordnetenversammlung beglückwünschte Postmeister Braun den Jubilar und wünschte, daß dessen segensreiches Wirken unserer Stadt noch lange erhalten bleiben möge. Der Jubilar dankte dem Magistrat wie der Stadtverordnetenversammlung, versicherte, daß er auch in Zukunft alle seine Kräfte dem Gedeihen der Stadt widmen werde, und erklärte, es fei eine ganz besondere Ehre für ihn, heute feststellen zu können, daß er in den 25 Jahren 21 Mal einstimmig und 4 Mal fast einstimmig zum Vorsitzenden gewählt worden sei. Auf diese seltene Auszeichnung kann

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