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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-02-12 · Heft 7 (12.2.1904) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 7 (12.2.1904)
Date
1904-02-12
Page
Seite 2 (sequence 12)
Language
German
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itucf) die hiesige jüdische Gemeinde mit Stolz blicken, um so mehr, als Herr A. Herzfeld seit inehr als drei Jahrzehnten eine führende Stellung auch in ihr einnimmt, und zwar 17 Jahre lang als Vorsteher der Repräsentanten und seit 18 Jahren als erster Vorsitzender des Vorstandes. r. -Bojjanowo, 6. Februar. Der auch um die Leitung unserer Gemeinde so hochverdiente Herr Meier Miodowski wurde hier wieder zum Stadtverordnetenvorsteher gewählt. Anläßlich feiner 25jährigen Zugehörigkeit zum Stadtverordnetenkolleginm wurden ihm von seiten der städtischen Behörden große Ovationen dargebracht. Eine Herrn Miodowski zu Ehren veranstaltete Festvereinigung zeigte, wie man auch in unserer Zeit wahre Verdienste um das Gemeinwohl nnterschiedlvs allerkennt. Möge es dem durch seine Geistesgaben ulld seinen edlen Charakter gleich ausgezeichneten Jubilar vergönnt sein, lioch viele glückliche Jahre in Stadt und Gemeinde segensreich zu wirken. — Emden, 2. Februar. Der 15. Rechenschaftsbericht des Vereins zur Unterstützung und Erziehung armer, verwaister Kinder Esrath Jessomim, im Landrabbinatsbezirk Emden (begründet durch Landrabbiner Dr. Buchholz s. A.), vom 1. Oktober 1902 bis 1. Oktober' 1903, ist erschienen. Das Vermögen des Vereins betrug am 30. September d. I. 81 639,90 Mark gegen 68 968,45 Mark im Vorjahre. Rach Abzug der für den Bauplatz miteingerechrieten Summe von 10 794 Mark verfügt der Verein über ein Barvermögen von 70 890,90 Mark. Das Barvermögen des Vereins hat sich demnach gegen das Vorjahr um 12 671,45 Mark vermehrt und wird mit den am 1. Januar 1904 noch hinzukommenden Zinsen rund 74 000 Mark betragen. Wenn man jedoch in Betracht zieht, daß der Bair des Waisenhauses allein etwa 50 000 Mark kosten wird, so ist die noch übrigbleibende Summe zur Unterhaltung des Waisenhauses eine sehr rninimale. Um den Betriebsfonds zu erhöhen, lvurde in der am 18. November v. I. stattgehabten Generalversammlung beschlossen, für 20000 Mark zinsfreie Anteilscheine k 100 Mk. auszugeben und von diesen alljährlich eine eiltsprechende Anzahl zur Rückzahlung zu verlosen, um so die Schuld allmählich zu tilgen. Wenn sich die Mitgliederzahl in diesem Jahre auch um etwas erhöht hat, so sind von den 800 im Landrabbinatsbezirk Emden lvohnhaftell Familien immer noch kaum 200 Mitglieder des Vereins, alle anderen und auch manche Gemeinden stehen dieser Sache noch ziemlich fern. Der Bericht ruft daher zunächst allen im Landrabbinatsbezirke Emden wohnenden Glaubensgenossen zu: „Sorget dafür, daß in unserem Bezirke ein Haus errichtet werde, in welchem alle unsere armen verlassenen Waisen ein Familienheim finden, damit sie nicht oft unter großen Schwierigkeiten nach allen Windesrichtungen hin zerstreut zu werden brauchen! Sorget dafür, indem Ihr selbst Mitglieder unseres Waisenvereins werdet und Mitglieder anwerbet." Den geschäftsführenden Ausschuß bilden die Herren: Landrabbiner Dr. Löb, Vorsitzender, Jacob Pels, Beisitzer, Hauptlehrer Selig, Schriftführer. in. Bom Rhein, int Februar. Den sozialen Sinn, bei uns Juden „Rachmvnus" oder „Zedokoh" genannt, hat bei den Juden nicht erst die neue Zeit hervorgerusen. Diese schöne lautere Quelle des tnenschlichen Gemütes sprudelte bei ihnen von jeher und ohne Unterlaß. Auch diese Woche kamt ich Ihnen von neuen erfreulichen Aeußerungen des jüdischen Herzens von hier berichten. Der im Vorjahre in Köln verstorbene selige G. Neckarsulmer hat mit Legaten bedacht: Königswinter, seine Gebttrtsstadt, Hannover, die Geburtsstadt seiner Frau, Bonn und vor allem Köln. Es erhielten in letztgenannter Stadt: das Asyl für Kranke und Altersschwache 10000 Mark; das Lehrlingsheim zu Sparkasseneinlagett und zur Fortbildung der Zöglinge 10000 Mark; der Pensionsfond des .Vereins jüdischer Krankenpflegerinnen 10000 Mark; die Kinderbewähranftalt 5000 Mark; die Shnagogengemeinde ein Kapital von 40000 Mark, dessen Zinsen zur Aussteuer oder Versorgung weiblicher Artverwandten des Erblassers bestimmt sind. Ein Viertel der Zinsen aber sollen als Heiratsgnt oder Altersversorgung eines unbescholtenen und unbemittelten Mädchens ~ der Shnagogengemeinde verwendet werden. Auch der israelitische Asylverein in Aachen wurde mit 5000 Mark bedacht. — Die im Jahre 1878 in Köln errichtete jüdische Waisenstiftung, die in erster Linie dem Herrn Rabbiner Dr. Frank ihr Dasein verdankt, hat sich so günstig entwickelt', daß sie jetzt ein eigenes Institut begründen kann. Bisher wurden die Zöglinge, zum Teil Waisen, zum Teil Verwahrloste, auf Kosten der Stiftung in Familien oder auswärtigen Anstalten nutergebracht. In den Statuten ist bestimmt worden, daß grundsätzlich die aus der Anstalt entlassenen Knaben zu tüchtigen Handwerkern ansgebildet werden sollen, während die Mädchen eine entsprechende Ausbildung in Haus- und Handarbeit erhalten. Als Vorsteherin ist Fräulein Johanna Lichtenfeld, bisher an der „Israelitischen Waisenknabenanstält" in Posen tätig, ernannt tvorden. — Der jüdische Verein für Ferienkolonien in Essen veranstaltete in dem der jüdischen Gemeinde zugehörigen Kasino einen Bazar, der ein glänzendes Resultat erzielte, da er über 4500 Mark zu Gunsten erholungsbedürftiger Kinder abwars. Herr Oberbürgermeister Zweigert und Gemahlin beehrten das Fest durch ihre Anwesenheit und sprachen sich sehr anerkentiettd über das Gebotene aus. — In Wesel feierte die Chewra Kadischa dieser Tage das Fest ihres 125jährigen Bestehens. n. Cöl«, 5. Februar. Von einer erfreulichen Kundgebung zur Erhaltung des konfessionellen Friedens und der Toleranz ist aus der letzten Sitzung der hiesigen Handelskammer zu berichten. Auf eine vor einiger Zeit von zwei jüdischen Mitgliedern erhobene Beschwerde, daß infolge antisemitischer Hetzereien drei israelitische Studenten aus einer akademischen Verbindung der hiesigen Handelshochschule ausgetreten seien, hat das Kuratorium eine eingehende Untersuchung der Angelegenheit veranlaßt, deren Ergebnis im folgenden von der Kantmer angenommenen Beschlußantrag enthalten ist: „Die Handelskammer hat mit Genugtuung Kenntnis davon genommen, daß von einer antisemitischen Strömung an der hiesigen Handelshochschule keine Rede sein könne und daß die Beziehungen zwischen den christlichen und den israelitischen Studierenden durchaus befriedigende, zum Teil sogar freundschaftliche sind. Sie erkennt gertt an, daß der Studiendirektor der Hochschule, Professor Dr. Schumacher, es sich angelegen sein läßt, den Geist wahrer Toleranz unter den Studierettden zu verbreiten, und sie erhofft, daß es ermöglicht werde, uttdnldsame Strömungett, welche mit dem Geiste, der an keiner freien Handelshochschule herrschen sollte, unvereinbar sind, fernzuhalten und insbesondere Bestrebungen zu verhindern, welche einzelne ihres Glaubens wegen von allgemeinen Einrichtungen ausschließen." r. Bonn, 3. Februar. Die israelitische Gemeinde hat am Samstag das silberne Jubiläum ihrer Synagoge in festlicher Weise begangen. Nachdem die Gemeindemitglieder sich schon am Freitag abend zu einem. Gottesdienste in der Synagoge vereinigt hatten, fand gestern vormittag unter starker Beteiligung der Festgottesdienst statt. Rabbiner Dr. Kalischer wies in seiner ausgezeichneten Predigt daraus hin, daß der Jubeltag so recht geeignet sei zum Rückwärtsschauen auf das Erreichte und zum Ausblick auf das Kommende. Er führte im Bilde die ganze Geschichte der Gemeinde an seinen Hörern vorüber und sprach zum Schlüsse die Hoffnung aus, daß der Tempel immer mehr das werde, was feine Gründer von ihm erhofft: ein in allen Lagen des Lebens mit unüberwindlicher. Sicherheit ausgesuchter Zufluchtsort für die gesamte Gemeinde. — 9lm Abend fand im Stern ein Fest der Gemeinde statt. Ein Prolog von Fräulein Lina Höchster eröffnete die Feier. Dann folgten Toaste der Herren Robert Goldschtnidt, D. Kalischer, Max Herschel und andere. Der Synagogenchor sang unter Leitung seines Dirigenten Herrn Organisten Köhler drei sehr beifällig aufgetiotitmene Lieder. Gemeinschaftlich gesungene Lieder und noch mancher Toast würzten die schone Feier. — Frankfurt a. M., 24. Januar. Unerwartet rasch ist gestern tiachmittag im Alter von 76 Jahren Herr Rudolf Sulzbach einer kurzen Krankheit erlegen. In ihm verliert die Frankfurter Banktvelt eine ihrer ältesten und hervorragendsten Persönlichkeiten, einen Finanzmann, dessen Ruf und Ansehen iueit darüber hinausgingen, wie er sich auch in der Entwickluttg des deutschen Aktienwesens vielfach betätigt hatte. Das Bankhaus Gebrüder Sulzbach, dessen Seniorchef er war und dem er seit dessen Begründung im Jahre 1854 angehörte, wirkte bereits 1856 an der Errichtung der Mitteldeutschen Kreditbank mit, die bis 1875 auch als Nebenbank fungierte, ferner 1862 an der Schaffung der Deutschen Hypothekenbank Meiningen, später an Begründung der Deutschen Bank, der Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft (Edison) und einer ganzen Reihe anderer Unternehmungen, wie das Haus, natnenlich vor dem Aufkotttmett der Großbanken, auch in russischen uttd anderen großen Finanzgeschäften hervorragend sich be-

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