Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 68 (1904)
- Issue
- Heft 5 (29.1.1904)
- Date
- 1904-01-29
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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2 in. W. in größerer Zahl als anderwärts vorhanden sind, an den Ausschuß, herangetreten, seinen bezüglichen Bestrebungen tatkräftige Hilfe zu teil werden zu lassen. Der Ausschuß hat dem Anträge durch Bewilligung einer einmaligen Subvention entsprochen, jedoch unter Betonung seines grundsätzlichen Standpunktes, daß die Einführung von Bezirks^ rabbinaten Sache der Gemeindeverbände und der betreffenden Gemeinde selbst ist. Um eine generelle Durchführung dieser Angelegenheit anzubahnen, hat sich der Ausschuß mit dem nachfolgend«? Rundschreiben au sämtliche Provinzial- und Bezirks-Gemeindeverbände gewandt. An den Herrn Vorsitzenden des Ausschusses des Verbandes ... . zu . . Infolge des Beschlusses des letzten Gemeindetages, so-' wie einer erneuten Anregung von seiten eines Bezirksverbandes beabsichtigen wir, der Schaffung von Bezirksrabbinaten näher zu treten. Wir möchten hierbei einen löblichen Ausschuß ergebenst um fein Gutachten bitten, in dem er sich über die folgenden Fragen freundlichst äußere: 1. wie das Institut der Bezirksrabbiner bezw. Wanderprediger 31t: organisieren sei; 2. welche Pflichten und Rechte ihnen zu übertragen seien; 3. welche Kosten in Ihrem Wirkungskreise daraus erwachsen würden, und von wem solche zu tragen, seien. Bei der Bedeutung dieser Angelegenheit für die Weiterentwicklung der kleineren Gemeinden unseres Vaterlandes, deren Lage eine immer schwierigere und hilflosere wird, rechnen wir mit Bestimmtheit auf eine nicht allzu ferne und dabei gründliche Beantwortung unserer ergebenen Fragestellung.' Der Ausschuß des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes: Philippson, geschäftsführender Vorsitzender. 's. Berlin, 25. Januar. Der unter der verdienstvollen Leitung des Herrn Professors Dr. A. Berliner stehende hebräische Literaturverein „Mekize Nirdamimf versendet seinen Rechenschaftsbericht für das 18. Vereinsjahr, in welchen die Restansgabe ans dein Vorjahre mit 203,30 Mark eingestellt ist, während die Druckkosten für den ersten Teil des Leker Hai'ttim darin nicht anfgeführt werden, weil^ der Betrag für das ganze Werk, das erst' im 19. Jahrgänge zum Abschluß gelangt, in der nächsten Rechnung zur Verausgabung gelangen wird. Die Schriften des 19. Jahrganges befinden sich bereits unter der Presse. Das obenerwähnte Werk, dessen Bedeutung vielseitig anerkannt ist, wird sertiggestellt. Ebenso eine neue Lieferung des Diwan Iehuda Halevis. Hierzu kommt noch das Saumrelwerk b-eket «loscber, welches wichtige Beiträge zur Geschichte und Literatur der Juden Deutschlands gegen Ende des Mittelalters bietet, wie dies bereits ans. Dr. Güdemanns kulturgeschichtlichen Arbeiten und auch aus Berliners Buche „Aus dein Leben der deutschen Juden im Mittelalter" genügend bekannt ist. Beigefügt ist ferner ein Verzeichnis sämtlicher in den 18 Jahren des Bestehens des Vereins erschienenen Schriften. — Die Einnahmen verzeichnen an Mitgliedsbeiträgen ca. 3300 Mark, Erlös ans Verkauf älterer.Jahrgänge ca. 500 Mark, denen an Ausgaben^ gegenüberstehen: An Druck-, Papier-, Verwaltnngs- und Expeditionskonto ca. 2800 Mark, an Honorare ca. 700 und Rest aus dein Vorjahre mit ca. 200 Mark. Herr Professor Berliner bittet am Schluffe um baldige Erneuerung des Abonnements, eine Bitte, die um so eher Beachtung verdient, als dem unermüdlichen Leiter des Unternehmens ohnehin ungeheure Mühewaltung verursacht wird. Eine Förderung durch beit Beitritt neuer Mitglieder (Beitrag 10 Mark) wäre im Interesse der jüdischen Wissenschaft sehr verdienstlich. n., Berlin, 20. Januar. Am 15. d. Mts. ist hier, wie bereits kurz gemeldet, der Oberpostsekretär a. D., königlicher Rechnungsrat Adolf Goldstein im 69. Lebensjahre gestorben. Goldstein, der ans bescheidenen Verhältnissen hervorgegangen war, hatte sich durch fleißiges Selbststudium derart weitergebildet, daß ihm bereits im Jahre 1877 eine Stelle als Oberpostsekretär übertragen wurde. Nach langjähriger, postdienstlicher Beschäftigung in Danzig wurde Goldstein nach Berlin versetzt, wo er bei dem überaus wichtigen und verkehrsreichen .Briefpostamt bis zu seinem im Jahre 1901 erfolgten llebertritt in den wohlverdienten Ruhestand tätig war. Ehre seinem Andenken! Berlin, 25. Januar. Der „Deutsch-Israelitische Gemeinde-- bund" will die Regelung der Seelsorge für jüdische Strafgefangene und der rituellen Beköstigung prinzipiell übernehmen, in dem Ilmfange, wie es eine Enquete über die Anstalten, wo sich jüdische Strafgefangene befinden, ergeben wird. Der Dezernent für das Gefangenenwesen im Ministerium des Innern soll um Zurücknahme der Erlasse vom'20. Mai und 6. Oktober 1897 angegangen werden. Um dieses Ansuchen juristisch und ethisch zu begründen, soll eine von dem berühmten Berliner Kriminaljuristen Professor v. Liszt empfohlene Persönlichkeit vom Ausschuß mit der Abfassung einer Denkschrift betraut werden. Von diesen Beschlüssen ist der erste ausgeführt^ das durch eine Enquete beschaffte Material befindet sich seit einiger Zeit in den Händen eines Fachmannes. Nach Eingang der Denkschrift soll unverzüglich an die maßgebende Stelle herangetreten werden. s. Kolberg, 25. Januar. Der 29. Bericht über die Verwaltung des jüdischen Knrhospitals konstatiert wieder ein an Sorgen und Arbeiten, aber auch an günstigen Erfolgen reiches Jahr. Zahlreiche Wohltäter haben die Betriebsmittel zur Unterhaltung des Hauses durch freiwillige Beiträge so reichlich zur Verfügung gestellt, daß die Jahresbeiträge trotz empfindlich namhafter Ausfälle, die auch in diesem Jahre nicht erspart wurden, nicht nur hinter denen des Vorjahres nicht zurückgeblieben sind, sondern sogar überholt wurden, obschon die Beitragshöhe des zweiten Vorjahres noch lange nicht erreicht ist. Dagegen wurde das bisher noch immer recht geringe und im Verhältnisse zum großen Betriebe ganz unzureichende Grundkapital im abgelaufenen Berichtsjahre durch eine Anzahl ihm zugefallener Stiftungen und Vermächtnisse ganz besonders gekräftigt. Mit dem Wachstum der Gebenden war aber auch das der Empfangenden zu verzeichnen; wieder war das Kuratorium in der erfreulichen Lage, die großen Aufgaben glücklich zu löfcit, die Segnungen des Hauses wieder weiter auszndehnen und einer noch größeren Anzahl von Pfleglingen zuzuweuden. Da den Einnahmen 2935,59 Mark als Kassenbestand aus dem Vorjahre vorgesetzt sind, so ergeben sich als reine Einnahmen 40 375,20 Mark gegen 31 241,75 Mark im Vorjahre. Hiervon waren jedoch 9305 Mark Grundkapital-Zuwendungen, während 31070,20 Mark dem Anstaltsbetriebe zur Verfügung standen. An Jahresbeiträgen! wurden 16 473,30 Mark gegen 15 994,50 Mark im Vorjahre aufgebracht, so daß die Höhe der.laufenden Jahresbeiträge um 478,80 Mark gewachsen ist, während sie im Vorjahre um 1067 Mark znrückgegangeu waren. Zn den Jahresbeiträgen gehört auch eine Subvention von 800 Mark von der jüdischen Gemeinde zu Berlin. Ganz besonders günstig ist im Berichtsjahre das Ergebnis der Kapital-Zuwendungen in Höhe von 9305 Mark. Den Einnahmen stehen die Ausgaben mit 22 354,72 Mk. gegenüber. Tie Anstalt war im Berichtsjahr vom 25. Mai bis zum 28. September in Betrieb. Um Aufnahme haben 973 Personen nachgesucht. 457 wurden berücksichtigt, aber nur 405 Pfleglinge sind wirklich eingetreten. In Freistellen sind 270 Personen ganz unentgeltlich verpflegt worden; 131 haben einen größeren oder geringeren Teil der Selbstkosten und nur 4 Personen die Vollen Selbstkosten gezahlt. Der Vorstand besteht gegenwärtig aus folgenden Herren: H. Bernhardt, Vorsitzender, Rabbiner Dr. S. Goldschmidt,.Schriftführer, M. Friedlaender, G. Paechter, Stadtrat Paul Lindenhahn, M. Loepert, Kafsenführer; Dr. Heinrichsdorff, dirigierender Arzt. Das Kuratorium bilden: G. Loewenberg, Berlin, Vorsitzender; Frau. Salomea Ginsberg, Frau Ida Seeler, Greifenberg i. P., Kommerzienrat Hermann N. Israel, Sally Brilles, Berlin, Julis Hirsch, Dresden, S. I. Leszhnskh, Berlin, Ehrenmitglieder; Oskar Goldschmidt, Berlin. Schriftführer; Moritz Heilmann', Joseph Heymann, Herm. Landsberger, Gustav Mosler, Adolph Salomon, Manuel Schwarz, James Simon, Martin Sillton, Rabbiner Dr. Ungerleider, Rabbiner Dr. Philipp Bloch, Posen, Hermann Lehntann, Frankfurt a. M., Hermann Neustadt, Breslau, Rabbiner Dr. Vogelstein, Stettin. Posen, 24. Januar. Wie notwendig die Ueberwachung der polnisch - antisemitischen Presse ist, geht ans folgender Mitteilung des polnischen Blattes „Postep" hervor: „Am 30. September d. I. wurde vor dem Schöffengericht gegen den verantwortlichen Redakteur des „Postep", Herrn E. Olejniezak verhandelt, der vom Kaufmann Ehrenfried aus Wreschen wegen Beleidigung angeklagt wurde. Seinerzeit brachten wir nach dem Graudenzer Blatt („Gazeta Grudziadzka") die Nachricht, daß Ehrenfried auf der deutschen Wahlversammlung in Wreschen feindlich gegen die Polen aufgetreten sei. Herr Ehrenfried verklagte den „Postep" sowie andere Zeitungen, welche eine solche Nachricht brächten. Auf Grund der Zeugenaussagen verurteilte man trotz der geschickten Verteidigung des Anwalts Chrzanowski unseren Redakteur zu zwei Wochen Gefängnis. In