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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-01-29 · Heft 5 (29.1.1904) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 5 (29.1.1904)
Date
1904-01-29
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 derselben Angelegenheit wurde der Redakteur des „Wielkopolanin"! Herr Sznryt nur zu 60 Mark Geldstrafe verurteilt,. weil -seine Korrespondenz gelinder ab gefaßt war. Mögen dies unsere Korrespondenten sich zu Herzen nehmen, und sich, bevor sie uns über eine An- . gclegenheit berichten, von der Wahrheit überzeugen." —. In einer späteren Nnmnrer wiederholte der „Postep" dieselbe Bitte und fügte hinzu: „Unsere Korrespondenten ersuchen wir, daß sie besonders in jüdischen Angelegenheiten uns die reinste Wahrheit berichten und nichts übertreiben. .Manche.Korrespondenten ärgern sich sehr, 'wenn man ihre Einsendungen nicht veröffentlicht, bedenken aber nicht die schlimmen -Folgen, welche für das Blatt entstehen können." Man müsse nämlich hierbei wissen, daß die Inden sich bei einer Veröffentlichung von Berichten über sie, die sie im unvorteilhaften Lichte erscheinen lassen, nicht beruhigen, so meint das edle Polenblatt weiter. Es läge ja „Uebersluß an Material gegen die Inden" vor, und man brauche nicht nach unglaubwürdigen und übertriebenen, Nachrichten zu gleisen. „Wenn ein Blatt schon manches Mal den Nacken Hinhalten muß, muß schon die Sache entsprechend so wichtig sein, daß aus ihrer Beleuchtung ein allgemeiner stützen zu ziehen ist und daß es lohnt, Kosten und Mühe zn opfern." Da es ja kaum anzunehmen ist, daß die würdigen Mitarbeiter jener Blätter diese Mahnung beherzigen, so mögen dies die Inden selbst tun und in der Tat in jedem einzelnen Falle den Kampf ums Recht aufnehmen. Kp. Aus der Provinz Posen, im Januar. Im Alter von 61 Jahren ist neulich in Schnei de mü hl der Rentier Gustav Asch gestorben. Derselbe gehörte dem dortigen Stadtverordnetenkolltzgimn 22 Jahre hindurch als Mitglied an. — Lehrer Frankenstein in Krone a. Br. feierte neulich sein 25jähriges Jubiläum als Lehrer der dortigen simultanen Bürgerschule. — Kaufmann Iaeobvwiez ist zum. Vorsitzenden des israelitischen Bürgervereins in Ostrowo wiedergewählt worden. - In Bo ret ist im Alter von 82 Jahren der Rentier Salomon Neustadt gestorben. Derselbe war langjähriges Mitglied des Nepräsentanteukollegiums daselbst und Ehrenbürger der Stadt Borek. - Iustizrat Asch in Plescheu ist im Alter von 46 Jahren plötzlich am Herzschlag gestorben. Derselbe war Beigeordneter daselbst und vertrat auch andere Ehrenämter in der Stadtverwaltung. — Eine Generalversammlung des israelitischen Krankenpflege- und Leichenbestattnngsvereins in Ko sch IN in wählte neulich Herrn Meyer Fuchs zum ersten Vorsitzenden. Der Verein verfügt über einen Barbestand von über 2000 Mark. — Die Einnahme des Vereins „Chewra Kadischa" in W res che n hat im letzten Jahre sich auf 234,65 Mark und die Ausgabe auf 38,59 Mark belaufen. Zum Vorsitzenden wurde Herr Kaufmann Hermann Ziegel wiedergewählt. Der Verein verfügt über einen Sparfonds von 660 Mark. — Der seit 12 Jahren an der Simultanschule zu Obornik wirkende israelitische Lehrer A. Guttmann ist zum 1. April d. I. an eine Gemeindeschule zu Posen berufen worden. — Hotelbesitzer Tobias in Schönlanke ist in den Vorstand des dortigen Vorschußvereins neugewählt worden. — Die durch Pensionierung des Lehrers Ksinski freigewordene jüdische Lehrerftelle an der Simultanschule zu Kempen ist dem Lehrer Goldberg zu Kurnik übertragen worden. — Kantor L. Schnittkin in Posen ist im Alter von 54 Jahren gestorben. Derselbe war 20 Jahre hindurch Kantor der Neuen Betschule dortselbst. — Lehrer Lachmann in Flatow ist als Erzieher nach Wolfenbüttel berufen worden. — Dem jüdischen Ortsvorsteher Hirschel in Kobylagora ist das Allgemeine Ehrenzeichen verliehen worden. Hirschel bekleidet das Amt eines Orts-Gemeindevorstehers daselbst bereits seit 25 Jahren in zufriedenstellendster Weise. —Der Stadtälteste Alexander Cohn in Crone a. Br. beging neulich das 25jährige Jubiläum als Magistratsrnitglied. Seit längerer Zeit ist Herr Cohn stellvertretender Bürgermeister daselbst. Aus Anlaß des Jubiläums überbrachte ihm der Magistrat ein prachtvolles Blumenarrangement. — Die Synagogengemeinde in Obornik hat beschlossen, sich an das Rabbinat in Samter anzuschließen, nachdem Rabbiner Dr. Wreschner sich entschlossen hatte, gegen eine Entschädigung von 200 Mark jährlich daselbst religiöse Vorträge zn halten und die Gemeindeinftitntionen zn überwachen. ---- Hannover, 24. Januar. Um jüdischen Mädchen Gelegenheit zu bieten, den Haushalt zu erlernen und ihre Gesundheit zn kräftigen, wurde vor Jahresfrist in der.Israelitischen Erziehungsanstalt zu Ahlern eine Mädchenabteilung begründet, in welcher vorerst Waisenkindern und Mädchen aus der minderbegüterten Klasse schon vom schulpflichtigen Alter an planmäßiger Unterricht in allen Zweigen des Haushaltes erteilt wird. Da sich diese Einrichtung recht gut bewährt und sich bereits 'jetzt Töchter wohlhabender Eltern unter den Zöglingen befinden, soll nunmehr ein weiterer Schritt in der Entwicklung und deni Ausbau der Anstalt getan werden. Cs soll nämlich für erwachsene Töchter wohlhabender jüdischer Familien eine besondere Abteilung eingerichtet werden, in welcher die jungen Mädchen die verschiedenen Zweige der Haushaltung erlernen und zugleich bei rationeller, guter Ernährung und in der schönen frischen Luft ihre Gesundheit kräftigen können. Bei dem Ban des neuen Mädchenhauses war dieser Plan schon vorgesehen worden, indem im zweiten Stock des aus einer Anhöhe schön und gesund belegenen Gebäudes eine Anzahl größerer und kleinerer Zimmer angelegt wurde. In dein das Hans umgebenden Garten sollen sie auch Unterricht in Gartenarbeiten erhalten; Kurse in der Kinderpflege sollen sich daran anschließen. Ein dafür zn entrichtender, mäßiger Pensionspreis soll die entstehenden Kosten decken. Wir machen aus dieses neue Unternehmen namentlich Eltern schwächlicher, junger Mädchen aufmerksam, bei denen die Beschäftigung mit häuslichen Arbeiten, besonders das Leben in frischer, gesunder Lust sicher vom günstigsten Einfluß auf deren Gesundheit begleitet sein wird. Anmeldungen resp. Vormerkungen werden schon jetzt von dem Vorstand der Israelitischen Erziehungsanstalt in Ahlem bei Hannover, Mädchenhaus, entgegengenommen, wo auch die näheren Bedingungen zn erfahren sind und Anfragen gern beantwortet werden. — Friedrichstadt, 17. Januar. Die israelitische Gemeinde, die seit dem 1886 erfolgten Tode des Lehrers ihre Kinder in die lutherische Schule gegen Entgelt von 30 Mark für das Kind und das Jahr gehen ließ, hat den Beschluß gefaßt, zum 1. April d. I. wieder eine eigene Schule zu errichten und ist in dieser Angelegenheit bei der königlichen Regierung vorstellig geworden. Die Gemeinde zahlt gegenwärtig 28 Familien. Die Seelenzahl betrug bei der letzten Volkszählung 1900 109, vor etwa 50 Jahren aber 422. Die Städte Friedrichsstndt, Rendsburg und Altona waren früher sogenannte Freistädte in den Herzogtümern, und zur Zeit der dänischen Regierung durften sich andere Religionsgemeinschaften nur in diesen Orten niederlassen. Bei dem Uebergang an Preußen trat die Freizügigkeit ein, weshalb zahlreiche Israeliten seit dieser Zeit die Stadt verlassen haben. Hieraus erklärt sich die Abnahme der Seelenzahl dieser Gemeinde. t. Dortmund, 22. Januar. Der hiesige Franenv er ein, an dessen Spitze Frau Julie Alsbach als Ehrenvorsitzende, Frau Leser Cohen, Frau Hugo Heimann, Frau Lehrer Steinweg und Frau Elkan höchst segensreich wirken, beging vor kurzem wie alljährlich um diese Zeit sein Stiftungsfest. Von dem sonst üblichen Programme war man diesmal abgewichen, indem man eine Theateraufführung veranstaltete und danach einen Jahrmarkt inszenierte. Die Leitung dieser Aufführung hatte in anerkennenswerter Weise Herr Siegfried Freund übernommen und mit größtem. Geschicke und Erfolg, wie man das bei einem so bewährten Manne von jeher gewohnt ist, durchgeführt. Alles war des Lobes über Herrn Freunds Leistungen voll. Die Veranstaltungen brachten der Kasse des Frauenvereins zu gunsten unserer Armen ein erkleckliches Sümmchen ein. — Am 1. Juli v. I. wurde von der hiesigen nrärkischen Loge (H. O. B. B.) eine jüdische Schwester (Krankenpflegerin) installiert. Schon heute nach halbjähriger Tätigkeit darf man sagen, daß sich die -Einrichtung allgemeiner Sympathie zu erfreuen hat. Nicht in letzter Hinsicht liegt das auch daran, daß die Schwester durch ihr freundliches liebevolles Wesen überall, wo sie erscheint, die Herzen gewinnt. Sowohl in jüdischen wie in christlichen Familien, wo sie bisher pflegte, hat sie sich ein liebevolles Gedenken gesichert. Nicht unerwähnt soll bleiben, daß die Schwester in ihrer freien Zeit im hiesigen Städtischen (evangelischen) Krankenhause beschäftigt wird, wo sie mit den christlichen Schwestern gemeinsam jedweden pflegt (ohne Unterschied des Glaubens), der eben der Pflege bedarf. In Bezug aus die äußeren Verhältnisse, die vorbildlich, für andere Gemeinden werden dürsten, sei erwähnt, daß sich ein aus fünf Herren und drei Damen

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