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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-01-29 · Heft 5 (29.1.1904) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 5 (29.1.1904)
Date
1904-01-29
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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68. Jahrgang. No. 5. Berlin, 29. Januar 1904. Der GemetndeSote. Beilage zur „Allgemeinen Leitung deß Judentums" Lorrelpondkn-rn und Kschrichtm. Deutschland. 8. Berlin, 20. Januar. Unter reger Beteiligung fand. heute abend die Mitgliederversammlung des „Verein sür jüdische Statistik" statt, der den Zweck hat, die Kenntnis der Verhältnisse aller Gruppen des jüdischer: Volkes durch Herstellung und stetige Vorführung einer systematischen Statistik und Demographie desselben zu ermöglichen. Der vom Generalsekretär verlesene Bericht des Vorstandes gibt einer: Ueberblick über die bisher vorn Vereirr geleistete Arbeit, welche durch die Publikationen des Vereins bereits zrrr Kenntnis der Leser unseres Blattes gelangt ist. Insbesondere zählt er die zahlreichen Arbeitsgruppen auf, welche der Verein in deutschen und außerdeutschen Orten durch seine äußerst rührige organisatorische Wirksamkeit bisher hat gründen können, und legt der: Arbeitsplan des Vereins dar. Der Bericht hebt ferner hervor, daß es den: Verein bei der Herausgabe seiner erster: Publikation „Jüdische Statistik Band I" unter wirksamster Förderung seitens der jüdischen Presse gelungen ist, zum erstenmal fast sämtliche große jüdische Organisationer: zu gemeinsamer Arbeit an dem gemeinnütziger:, dem Judentlrm gewidmeter: Werke zu vereinigen. Der Verein blickt nunrnehr auf eine anderthalbjährige Tätigkeit zurück; es ist ihn: möglich gewesen, alle Vestreburrgen auf dem Felde der jüdischen Statistik zr: konzentrieren und in den verschiedensten Ländern rrrrd Städter: Scharen von intelligenten, willigen und tätigen Kräften für die gute Sache zu gewinnen, tvelche bedeutendes zu leisten im stände sein werden. Die Rechnungslegung vom 1. Mai 1902 bis 1. Dezember 1903 ergibt als Einnahme 6173,33 Mark, als Ausgabe 4855,75 Mark, somit einen Ueberschuß von 1317,58 Mark. Der Barbestand beläuft sich augenblicklich auf 545,08 Mark. Der Vorsitzende des Vereins Dr. Alfred Nossig präzisiert die Stellung des Vereins dahin, daß derselbe kein Parteiverein sei, daß derselbe zwar nicht über der: Parteiei:, aber jenseits der Parteien stehe. Zum Arbeitsplan und zur Arbeitsmethode bemerkt er, daß entgegen der Ansicht anderer bewährter Statistiker, die nur für die Bildung von Vereinen sür Landesstatistik einträterr, die Gründung des hiesigen Vereins als eine m:erläßliche Notwendigkeit betrachtet werden müsse. Denn nur eir: solcher Verein könne sich mit der Statistik auch in jenen Ländern befassen, wo das Entstehen der Vereine für Landesstatistik auf Schwierigkeiten stoße, nur ein solcher Verein könne sich mit der sehr interessanten Statistik des fluktuierender: Weltproletariats beschäftigen, die zusammenstellende Statistik der einzelnen Länder besorgen, die Idee der jüdischen Statistik in-die Welt hinaustragen und endlich die neugebildeten und noch herumtastenden Komitees in zrveckmäßiger Weise informieren und ihnen fruchtbringende Initiativen geben. In der sich an den Bericht anschließenden Diskussion bezeichnet Sanitätsrat Dr. Maretzki die Gründung des Vereins als einen glücklichen Gedanken. Mit besonderem Nachdruck betont er, daß der Verein ohne jede Voreingenommenheit nur die tatsächlichen Verhältnisse werde erforschen müssen, daß er sich von jedweder Tendenz durchaus frei halten müsse. Er erachtet es als unumgänglich, daß der Verein die staatlichen statistischen Aemter der einzelnen Länder zur Unterstützung und zur Kontrolle seiner Arbeiten heranziehe und die Aufnahme besonderer konfessioneller Fragen in die allgemeinen Zählungen veranlasse. Insbesondere warnt er dringend, etwa schnell eine Masse Material zusammenbringen zu wollen, was nur zur Diskreditierung der Arbeiten und der ganzen Tendenz des Vereins führen könnte; er rät vielmehr, alljährlich einzelne Fragen zur Bearbeitung zu stellen, und empfiehlt als solche in erster Reihe einmal, eine allgemeine Gesundheitsstatistik des jüdischen Volksstammes auf Grund eines besonderen Schemas zu veranlassen. Herr Eliasberg bezeichnet Rußland als das wichtigste Land zur Erforschung der Lage derJuden und rät, mit der dortigen jüdischen Intelligenz, die hauptsächlich in-Petersburg konzentriert sei, mehr Fühlung zu nehmen. Er empfiehlt auch die Ber:utzung des großer: statistischer: Werkes vor: Bloch. Dr. Nossig erwidert auf die Anregung Maretzkis, daß bereits beschlosser: rvorden sei, das Internationale Statistische Irrstitrrt zu bitten, die Regierungen der verschiedener: Länder zu beeinflussen, bei der: nächsten Zählungen die Frage rrach der Konfession zu stellen. Diese ärrßerst wichtige Reform werde' auch aus die Tagesordnung des in: September d. I. hier stattfindender: Internationalen statistischer: Kongresses gestellt werden. Ar: das Kaiserliche Reichsgesundheitsamt, welches sich eben jetzt mit der Aufstellung eines neuer: Formulars sür eine einheitliche Medizinalstatistik befasse, werde eine Eingabe abgehen, die Frage nach der Konfessior: aufzunehmen, und es sei begründete Hoffnung vorhanden, daß Deutschland diese Frage zu stellen geneigt seir: werde. Ir: Rußland hätten die Anregunger: des Vereins bisher noch feinen genügenden Anklang gefunden, weil dort alle Elemente mit der vor: der Ika veranlaßten statistischen Arbeit sich befasse::. Die Debatte schließt damit, daß auf eine Anfrage des Iustizrats Dr. Heinrich Meyer Cohn sestgestellt wird, wo sich überhaupt noch Exemplare des erwähnten Bloch'scher: Werkes befinde::, dessen Auflage bekantlich verbrannt worden ist. Der Vereir: wird ’ es sich zur Aufgabe stellen, ein vollständiges Exemplar dieses Buches, das freilich nach Angabe des Vorsitzender: jetzt völlig veraltet ist, zu eruieren. Die Satzungen des Vereins finden alsdann fast debattelose Annahme durch die Mitglieder; nur wird die Aufnahmefähigkeit ir: der: Verein von: 17. Lebensjahre auf das 18. Jahr heraufgesetzt. Zur finanziellen Basierung des Vereins, der für eine ersprießliche, streng methodische Arbeit die Errichtung von- Bureaus in verschiedener: Ländern und die Anstellung fachmännisch gebildeter Beamter als dringend erforderlich erachtet, wodurch nach einem provisorischen Anschlag etwa 20 000 bis 25 000 Mark jährliche Kosten entstehen werden, schlägt der Vorsitzer:de unter allgenreiner Zustimrrruirg der Versammlung vor, durch ein Memorandum alle Großgemeinden und die großen jüdischen Verbände, welche für das auf die gesamte Iuderrheit sich erstreckende Werk volles Verständnis und genügendes Interesse bekunden, zur Aufbringung der Kosten aufzuforderrr. Das Memorandum soll von einem Kuratorium ausgehen, das aus bekannten hiesiger: Persönlichkeiter: bestehen soll. Trotz der beamteten Kräfte wird der Verein, wie der Vorsitzende hervorhebt, nicht der Hilse von Volontären für die enorme Sichtungsarbeit entraten können, und somit ist die Meldung freiwilliger Kräfte dringend erwünscht. Zum Vorsitzenden des Vereins wird darauf wiederum Dr. Nossig, zun: Generalsekretär wiederum Louis Leopold, zum Schatzmeister Herr Eliasberg gewählt. Als Beisitzer werden die Herren Martin Buber, Berthold Feiwel, Dr. Zlocisti, Davis Trietsch empfohlen. Zu Revisoren werden die Herren Richard Cassel und Dr. Robert Hantke ernannt. Der Vorsitzende schließt die Versammlung mit der Mitteilung, daß monatlich zwei Versan:n:lui:ger: zur Verteilung der Arbeiten stattsindei: werden, und mit der dringender: Bitte, jüdische Zeitschriften vom Jahre 1890 ab an der: Verein zur Ueberweisung an die Arbeitsgruppen abzutreterr. 2/D Berlin, 25. Januar. Der IX. Deutsch-Israelitische Gemeindetag hat in seiner Sitzurrg am 23. Februar v. I.' aus Anlaß der bekannten Anträge des Rabbinerverbandes unter ar:deren folgenden wichtigen Beschluß gefaßt: „Zur Wahrung der religiösen Angelegenheiten und zur Hebung des Religionsunterrichts sollen Bezirksrabbinate gegründet werden." Ueber das Ergebnis einer kurz nach dem Gemeindetage an sämtliche ir: Betracht kommer:den Gemeinden gerichtete Rundfrage wurde seir:erzeit berichtet, ur:d irr: Anschlüsse darar: die Schilderung des Rabbiners Dr. Finkel aus Pasewalk über die Besserung der religiösen Zustände in Vorpömmern, wo der D.-I. G.-B. probeweise einen freiwilliger: Rabbiüatsbezirk ins Leben gerufen und subventioniert hat, publiziert. Neuerdings ist der „Verband der Synagogengemeinden des Regierungsbezirks Posen", in dessen Verwaltungsbereich die günstigsten Verhältnisse sür die Bildung freiwilliger Bezirksrabbinate vorliegen, weil in ihn: Rabbinergemeinden

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