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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-03-23 · Heft 12 (23.3.1894) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 12 (23.3.1894)
Date
1894-03-23
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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-- 3 - die Oberärzte des Allgemeinen Krankenhauses, des Freimaurer-Krankenhauses, sowie des Krankenhauses der Deutsch-Israelitischen Gemeinde. Mannheim^ 18. März. Die hiesige Hebräische Schule (Lemle Moses'sche Klausstiftung) veröffentlicht ihren Jahresbericht für das Schuljahr 1893/94. Stadlrabbiner Dr. Appel, der bisherige Direktor, scheidet am 31. März d. I. aus seinem hiesigen Amte, um einem Rufe als Rabbiner nach Karlsruhe zu folgen. Derselbe legt auch die Direktion der Anstalt, welche er seit dem 1. Dezember 1886 geführt, mit dem Ende des Schuljahres nieder. Außerdem unterrichten gegenwärtig an der Anstalt die Herren: Rabbiner Dr. Fürst, Hauptlehrer Schweizer, Kantor Nettler- Lehrer Billigheimer, Lehrer Bessels (vertretungsweise). Die Zahl der Mädchenklassen beträgt 6, die der Knabenklassen 7; die Selekta wurde auch in diesem Jahre beibehalten. Die Zahl der Schüler betrug bei Eröffnung des Schuljahres 253 (126 Knaben und 127 Mädchen); im Laufe des Schuljahres traten 9 Schüler (5 Knaben und 4 Mädchen) ein. Orüerrrirh - Ungarn» J. Wien, 19. März. Seit dem Amtsantritte unseres nunmehrigen Kriegsministers F.-M. -L. Kriegshammer wurde eine Verfügung reaktivirt, die durch mehrere Decennien der Vergessenheit anheimgefallen war und durch deren Wiedererweckung das sittlich-religiöse Gefühl der Rekruten bedeutend gewonnen hat Es war nämlich bisher Usus, daß die Eidesleistung der zum Kriegsdienst tauglichen Mannschaft unmittelbar nach erfolgter Assentirung vorgenommen mm de; da aber die feierliche Ceremonie durch das bei diesem Erlasse stets gebräuchliche übermäßige Jns-Glas-Sehen von dem eigentlichen Zwecke viel eingebüßt hat, wurde die Verordnung erlassen, daß die Ablegung des Eides von nun an erst nach dem Einrücken, also theils im Herbst, lheils im März zu erfolgen habe. Nachdem nun im Oktober vorigen Jahres ein derartiger Akt sich vollzogen, wurde gestern die Eidesleistung der im Februar zur Truppe eingerückten Mannschaft vorgenommen. Nachdem im Tempel in der Seitenstettengasse die bezügliche Abtheilung der Sanitätstruppe versammelt war, wurde die erhebende Feier durch Absingung des „Na towu" sowie des Psalms „Lobet Gott den Herrn", welch' beide Oberkantor Singer mit Begleitung des Chorpersonales in bekannt vortrefflicher Weise zu Gehör brachte, eingeleitet, worauf Rabbiner Dr. Wolf in ausgezeichneter Rede den andächtig lauschenden Rekruten die hohe Bedeutung des Eides klarlegte und mit den Worten schloß, daß auch schon im alten Judenthum junge Leute vom zwanzigsten Lebensjahre an sich dem Kriegsdienst unterwerfen mußten, und es daher allen Anwesenden nun zur Ehre gereichen solle, im Dienste des erhabenen Monarchen, sowie des theuren Vaterlandes zu stehen. Mit den vor geöffneter Bundeslade zum Himmel gerichteten Segenswünschen für unseren obersten Kriegsherrn, sowie für das Kaiserhaus und hieraus folgender Exekutirung der Volkshymme wurde die feierliche gottesdienstliche Ceremonie beendet. T. Wien, 15. März. Unter überaus zahlreicher Betheiligung wurde gestern Vormittag Dr. Ludwig August Frankl v. Hochwart, der am Montag im 85. Lebensjahre verschiedene Dichter, zu Grabe getragen. Die Trauergäste versammelten sich in der schwarz drapirten Wohnung, in welcher zu erblicken waren: Generalmajor Ritter v. Arbter, Generalmajor Hucher, Fregatten-Kapitän Frankl, die Hofräthe Jeitteles, Prof. Nothnagel, Prof. Gomperz, Jos. M. Ritter v. Pfeiffer, Herz, Zimmermann, Polizeirath Frankl, Pfarrer Former), Herrenhausmitglied Nicolaus Dumba, die Abgeordneten Dr. Bloch und Dr. Ryck, Hofschauspieler Lewinsky, Bauräthe Goldschmidt und Stiaßny, zahlreiche Gemeinderäthe, der Vorstand der israelischen Kultusgemeinde, Direktor Heller vom Blindeninstitut, sowie zahlreiche Freunde und Verehrer des Verstorbenen. Oberkantor Singer exekutirte die rituellen Gesänge, während der Sarg auf den Leichenwagen gehoben wurde. Auf dem Centralfriedhofe, wohin sich die meisten im Hause anwesenden Trauergäste begaben, wurde nach Beendigung der von Oberkantor Singer unter Assistenz des verstärkten Chores in erhebender Weise zum Vortrage gelangten Trauerpsalmen die Ceremonie durch eine überaus gehaltvolle Rede des Oberrabbiners Dr. Güdemann fortgesetzt, worauf der Sarg in die von Frankl vor Jahren selbst erwählte Gruft gesenkt wurde, an welcher noch Negierungsrath Winternitz Namens des Journalisten- und Schriftsteller-Vereins „Concordia", welchem der Verblichene seit langer Zeit angehörte, einige Worte des Abschiedes sprach, sodann trat Dr. Alfred Freiherr von Berger, der ehemalige Direktor des Hofburgtheaters, im Namen der Schiller-Stiftung, vor, um die vielen Verdienste Frankl's zu würdigen, und schließlich rief noch ein Student dem dahingeschiedenen Sänger der Universität das letzte „Lebewohl" zu. Wien, 20. März. Kaum einige Wochen sind seit dem Hinscheiden Adolf Jellineks dahingegangen, und schon trauern wir wieder an der Bahre eines Großen in Israel! Sie haben bereits über das Scheiden und auch über das Leichenbegräbniß des Dichters eingehend berichtet. — Auch von den Kämpfen und namenlosen Jntriguen sind Ihre Leser schon unterrichtet, die die hiesigen Antisemiten anläßlich der Bügermeisterwahl inscenirten. Anfänglich wurde der erste Vizebürgermeister Dr Albert Richter bestimmt, dem widersetzten sich aber die Antisemiten, weil sie hofften, vielleicht doch noch ihren geliebten Lueger als Bürgermeister von Wien zu sehen, und sie ließen nichts unversucht; um den Kandidaten zu stürzen, verbanden sie sich mit der Geistlichkeit, die dem Dr. Richter, der in Civilehe mit einer Jüdin vermählt und konfessionslos ist, nicht gestatteten, sich vor der Wahl (wie er es beabsichtigte) kirchlich trauen zu lassen. Dr. Richter hat auf die Kandidatur verzichtet — und gewählt wurde mit großer Stimmenmehrheit der bisherige zweite Vizebürgermeister Dr. Raimund Grübl, während auf Lueger die 41 Stimmen der Antisemiten fielen. — Der neue Bürgermeister war gleichfalls mit einer Jüdin vermählt, seine Gattin, die er durch den Tod verlor, war eine Nichte des kürzlich verstorbenen Dr. Jaques. — Wie der geistvolle Verfasser Ihrer „Wiener Briefe" schon vor Jahren melden konnte, hat nunmehr die israelitische Kultusgemeinde den Oberrabbiner Dr. Güdemann zum Nachfolger des verstorbenen Dr. Adolf Jellinek ernannt. Zum Oberrabbiner im Tempel der Leopoldstadt wurde Dr. Schmie dl, bisher in Fünfhaus, zum Rabbiner in Fünfhaus Dr. Jonathan Wolf, bisher substituirender Rabbiner im Tempel in der Seitenstettengasse, ernannt. Diese Ernennungen werden hier in sehr verschiedenartiger, keinesfalls aber in einer für den Vorstand schmeichelhaften Weise besprochen. Man sieht in denselben allgemein nur eine Ausflucht, eine Vertagung der brennenden Prediger-Frage und meint, daß eine solche Vertagung für unsere religiösen Zustände nichts weniger als gedeihlich wirken kann. Nußland. X Petersburg, 14. März. In Folge der Polizeimaßnahmen gegen Ausländer jüdischer Herkunft, die Rußland zu Handelszwecken besuchen und von russischen Botschaften oder Konsulaten visirte Pässe besitzen, gelangten an das Ministerium des Innern fortgesetzt Klagen, über die dieses, wohl in Anlaß des Handelsvertrages mit Deutschland, sich endlich zu äußern für angezeigt findet. Bisher ließ die Centralregierung ausländische Juden ruhig vor Ablauf ihres vistrten Passes aus Rußland ausweisen oder ihnen gar das Betreten russischen Bodens verwehren. Neuerdings zog das Ministerium Erkundigungen über die Gründe des harten Vorgehens der Polizei ein und erfuhr (!), daß diese von ausländischen Juden außer einem visirten Paß auch noch ein Dokument verlangte, aus dem hervorgehe, daß sie mit Genehmigung des Ministeriums des Innern nach Rußland kamen. Selbstverständlich fehlte in den meisten Fällen ein derartiges Schriftstück, da ein Nichtrusse schwerlich glauben konnte, das Visum eines Organs des russischen auswärtigen Amts sei ungenügend. Vor wenigen Tagen erließ nun der Minister des Innern ein Rundschreiben an die Gouverneure, worin diesen vorgeschrieben wird, den ihnen unterstellten Polizeibehörden klar zu machen, daß russische Botschaften und Konsulate ohne vorher eingeholte Genehmigung des Ministeriums des Innern Reisepässe für eine gewisse Kategorie von ausländischen Juden nach eignem Ermessen zu visiren berechtigt sind, und die Polizeibehörden demzufolge kein Recht haben, ausländische Juden mit visirten Pässen irgendwie zu behelligen. Petersburg, 16. März.. Der Oberprokuror des heiligen russischen Synods, Geheimrath Konstantin Probedvnoszew, hat dem Zar den Rechenschaftsbericht des Synods über die Thätigkeit der orthodoxen Kirche im abgelaufenen Jahre unterbreitet. Der Bericht befaßt sich auch eingehend mit den in Rußland vertretenen nicht orthodoxen

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