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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-02-08 · Heft 6 (8.2.1895) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 6 (8.2.1895)
Date
1895-02-08
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 vieler Tausende ''Armer, ohne Unterschied der Konfession, geworden, welche in großen Schaaren aus weitesten Entfernungen nach dort kommen, um sich zu sättigen. Hoffentlich wird sich dieser Segen auch in dem neuen Hause (Gormannstr. 3) bewähren Wir empfehlen dieses Institut werkthätiger Unterstützung auf das Wärmste. J. Breslau, 29. J.niuar. Am 27. d. Mts., Vormittag 11 Uhr fand in der Synagoge des hiesigen jüdisch-theologischen Seminars zum 41. Male die übliche Gedächtnißfeier für den bekannter! Wohlthäter der Breslauer Bevölkerung und Stifter des hiesigen Rabbinerseminars, des Konnnerzienraths Jonas Fränckel statt. Die Feier erhielt diesrnal erhöhten Glanz dadurch, daß gleichzeitig damit auch Königs Geburtstag gefeiert wurde Die Feier begann mit denr Vortrage des Gebets für den Kaiser, welches vom Seminarchor unter Leitung des Herrn Kapellmeister Pulvermacher ausgesührt wurde. Darauf verlas der derzeitige Vorsitzende des Lehrerkollegiums Herr Seminarrabbiner Dr Israel Lewy die schon vom jüngst verstorbenen David Rosin s. A. für diesen Fall aus gearbeitete Rede; dieselbe gedachte zunächst in warmen Ausdrücken des Landesfürsten, Sr. Majestät des Kaisers und Königs Wilhelm II., dessen Geburtstag heute im ganzen Lande festlich begangen wird Es folgte dann eine geistvolle Abhandlung über Anfänge und geschichtliche Entwickelung der Predigt in Israel Hierauf folgte die feierliche Ernennung dreier neuer Rabbiner, der Rabbinatskandidaten Dr. Israel Finkelscherer, Dr. Siegfried Silberstein und Dr. Salomon Posner, welche alle die theologisch-wissenschaftliche und die talmudisch-rabbinische Prüfung in diesem Jahre vorschriftsgemäß bestanden haben. Herr Dr. Israel Lewy hielt an die neuernannten Rabbiner eine feierliche Ansprache, in welcher er sie auf die hohe wichtige Ausgabe als Führer des Judenthums aufmerksam machte, worauf die feierliche Ueberreichung des Rabbinatsdiploms erfolgte. In seinem Namen, sowie im Namen seiner beiden Kollegen dankte Herr Rabbiner Dr. Salomon Posner den Lehrern für die ihnen zutheil gewordene geistige Förderung und verabschiedete sich von den Hörern des Seminars. Zur Bewerbung um den Joseph Lehmann'schen Preis ist als Aufgabe das Thema gestellt worden: „Verlauf des Kosakenkrieges unter Chmelnicki während der Jahre 1648/49 mit besonderer Berücksichtigung jüdischer Quellen." Es ging eine Arbeit des cand pliil K Thieberger ein, die, obwohl sie nicht vollendet war, doch in Anbetracht der gewandten Darstellung und Bearbeitung des mühsam und reichlich herbeigeschafften Quellenmaterials mit dem halben Preis gekrönt wurde. Mit dem Absingen des Psalms Kap 16 schloß die interessante Feier. Zum Schluß noch einige Worte über das Seminar selbst. Das Fränckelsche Rabbinerseminar zählt gegenwärtig 38 Hörer, von denen jedoch 5 bereits eine feste Anstellung erhalten haben, bevor sie noch für die Rabbiuatsprüfung designirt wurden. Im vorigen Jahre sind zwei Rabbiner aus oer Anstalt hervorgegangen, an ihrer Stelle traten 7 neue Hörer ein: der gesammte Unterricht wurde im verflossenen Jahre von 3 Dozenten, den Dr. Dr. Brann, Lewn und Rosin, getragen. Von diesen hatte jüdische Geschichte und Litteratur nebst Kalenderkunde Herr Dr. Marcus Brann vorgetragen. Bibelexegese, Exegetische Litteratur, Hebräische Grammatik, Religionsphilosophie, Homiletik und Erziehungslehre der bienenfleißige Dr. Rosin s. A, während das Studium von 2V in welchem seit der Berufung des Tr. Lewy an das hiesige Rabbinerseminar an die Hörer mit Recht sehr große Ansprüche gestellt werden sollen, von allen drei Dozenten geleitet wurde. Der Unterricht hat durch den Tod David Rosins keine weitere Störung erfahren. In die durch den Tod gerissene Lücke ist einstweilen opferfreudig der Rabbiner der hiesigen Synagogcngemeinde Herr Dr. Jakob Guttmann gesprungen, dem die Herren Tr Brann, Dr. Lewy sowie der neuernannte Rabbiner Dr. Israel Finkelscheer (Talmudische Vorlesungen für die jüngern Studirenden) assistiren. Die eifrigste Thätigkeit zur Unterstützung der jüdischen Theologen, welche wie die Studirenden der evangelischen und katholischen Theologie Kinder armer Eltern sind, hat der Verein Livjath-Chen, dem wohl alle früheren jetzt in gesicherter Lebensstellung sich befindenden Zöglinge des Breslauer Seminars angehören, entfaltet. So hat im verflossenen Berichtsjahre Herr Rabbiner Dr. Münz-Gleiwitz 213 M. und Rabbinatsverweser Dr Eug. Meyer-München gar 400 M. für diesen Verein gesammelt. Dem Verein steuern 35 Herren aus Breslau, sowie 7 Bne-Derith-Logen bei. Dennoch übersteigt das Bedürfniß erheblich die Einnahmen, und das Lehrerkollegium ist in der Lage, besonders an die aus dem Seminar hervorgegangenen Rabbiner, welche die unentbehrliche Wirksamkeit des geräuschlos und segensreich wirkenden Vereins in „unmittelbarer Nähe" erkannt haben, die Bitte zu richten, daß sie sich des Vereins kräftig annehmen. Sie werden den Appell der Mutteranstalt in Breslau nicht wirkungslos verhallen lassen. Fg. Muttster, 24 Januar. Die Marks-Haindorf'sche Stiftung zur Bildung von Elementarlehrcrn und Beförderung von Handwerken und Künsten unter den Juden versendet ihren 37. Bericht Die Stiftung verwaltet das befaimte Lehrerseminar hierorts, von dem bisher im Ganzen 320 Seminaristen als völlig vorbereitet entlassen sind Jni letzten Berichtsjahr hatte das hiesige Institut 80 Schüler, von denen 14 die Seminar-, 34 die Elementar- und 32 die Religionsklassen besuchten, wovon ganz unentgeltlich 31 Schüler das Seminar nebst Alumnat besuchten. Neben der geistigen Pflege der Zöglinge widmet das Seminar der körperlichen Ausbildung derselben die größte Aufmerksamkeit und legt besonderen Werth auf einen geregelten Turnunterricht und das erfrischende Element in demselben. Frau Stadtrath Mat Hilde Weigert geb Meyer in Berlin hat zur Veranstaltung von Turnfesten und Belohnung von Turnschülern eine entsprechende Summe mit der Begründung zur Verfügung gestellt, damit das Andenken ihres verstorbenen Vaters, des früheren Kurators Herrn Elias Meyer, der ein besonderer Freund der turnerischen Sache war, ehren zu wollen. — Mit dem 1. April dieses Jahres (1895) werden eingreifende Veränderungen in dem Lehrkörper der Anstalt eintreten, indein der Seminardirigent Herr Dr. Steinberg, und der erste Lehrer, HerrA Treu, nach langjähriger Lehrthätigkeit in den wohlverdienten Ruhestand übergehen. Herr Dr. Steinbera, welcher auf eine 58jährige Lehrer-Laufbahn zurückblickt, wovon er allein 43 Jahre der hiesigen Anstalt gewidmet hat, hat bei Gelegenheit des 50jährigen Amtsjubiläums den Kronenorden erhalten. Auch der erste Lehrer, Herr A. Treu, hat eine Amtsthätigkeit von 46 Jahren und davon 37 Jahre an der Anstalt gewirkt. Die vom Kuratorium gewählten Herren, Herr Dr. phil. Jos. Gutmann, z. Z. in Berlin, als Nachfolger des Seminardirigenten, und Herr Bonnevit Coblenz z. Z. in Wolfenbüttel, haben die Bestätigung des Provinzialschulkollegiums erhalten. Innerhalb des Kuratoriums haben die Herren Fabrikant A. Löwenstein-Berlin und Prediger M. Blumenfeld, seither Kurator in Essen, ihre Ehrenämter nach längjähriger Tbätigkeit aus persönlichen Gründen niedergelegt. Das Kuratorium besteht z. Z. aus dem Herrn F. Blumenfeld-Münster als Präses und den Herren Bankier M Katzenstein - Bielefeld, C. S. Lehmann - Köln, Bankier Jos. Jsaac- Dortn.und, Justizrath Hertz-Münster, Bankier M Beer-Essen und Fabrikant F Meyer-Aachen. Das Kuratorium spricht dem Ausschuß des D. I. G. B., welcher durch Gewährung von Stipendien aus der Herxheimer'schen Stiftung mehreren Seminaristen Unterstützung angedeihen ließ, seinen Dank aus. Der Kassenbericht balancirt im Berichtsjahr mit 20,493 M. gegen 47,971 im Vorjahr, die Gemeindekassenbeiträge sind von 4057 M. auf 3756 M. zurückgegangen, aus dem Judenschaftsfonds des ehem. Herzogthums Westfalen kommen hinzu 170 M., an Zinsen ferner 3892 M. Die Ueberschüsse des Reservefonds werden, soweit die Tilgung der Bauschulden des sehr repräsentabeln Seminargebäudes es gestattet, zur Bildung eines „Lehrer-Hilfs- und Pensionsfonds" verwendet werden. A. F. Weilburg, 1. Februar Am 30. Dezember v. I. hielt der Verein zur Unterstützung armer durchreisender Israeliten seine diesjährige ordentliche Generalversannnlung ab. Der Vorsitzende Herr Dr. Landau und der Rendant Lehrer Fröhlich erstatteten ihren Jahresbericht, dem wir entnehmen, daß die Kasse durch Jahresbeiträge 710 Mark, durch Spenden 18 Mark einnahm, wozu der vorjährige Bestand von 20 95 Mark kommt, so daß die Gesammteinnahme 748.95 beträgt. Verausgabt wurden an 378 durchreisende und im Bezirke wohnende Arme, und zwar an 339 Männer und 39 Frauen 678.50 Mark, so daß sich ein Bestand von 70.45 Mark ergab. Bei der Neuwahl des Vorstandes wurden die Herren Dr Landau und Lehrer Fröhlich per Akklamation wiedergewählt. — Am Chanukafeste veranstaltete der Synagogen-Gesangverein unter der Leitung seines Dirigenten Lehrer Fröhlich eine Abendunterhaltung Herr Rabbiner Dr. Landau sprach über die alten Parteien im Judenihum. Die Fülle des wissenschaftlichen Materials, vom Vortragenden in allgemein verständlicher Weise behandelt, verfehlte nicht ihre tiefe Wirkung auf die zahlreich erschienenen Zuhörer, welche dem Redner wohlverdienten Beifall zollten. Hierauf folgten Ehorgesang, Deklamationen, Lieder-, Klavier- und

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