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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-02-08 · Heft 6 (8.2.1895) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 6 (8.2.1895)
Date
1895-02-08
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 Violrnvorträge, bei denen die in dankenswerther Weise Mitwirkenden den reichsten Beifall ernteten. Eine hübsche Gabenverloosung bildete den Schluß der Feier. — Vor Kurzem wurde dahier ein Franeuverein ins Leben gerufen, dem heute schon 38 Mitglieder angehören. Zweck dieses Vereines ist, die religiösen Liebesdienste bei sterbenden Glaubensschwestern, die dem Verein angchörten, sowie auch bei unbemittelten Nichtmitgliedern bis zu ihrer Bestattung verrichten zu lassen und für die Unterstützung und Pflege hiesiger armer Patientinnen Sorge zu tragen. — Im Monat Mai d. I. begeht die hiesige Gemeinde das 50jährige Jubiläum ihrer Synagoge. In der am letzten Sonntag abgehaltenen außerordentlichen Generalversammlung wurde der Beschluß gefaßt, dieses Fest durch Abhaltung eines Festgottesdieustes mit Festpredigt in der zu dckorirenden Synagoge ju begehen und außerdem eine Abendunterhaltung zu veranstalten. L. Homburg, v. d. H., 1. Februar. Am 29. Januar hielt Herr Dr. Lewin aus Frankfurt a. M. einen Vortrag im hiesigen „Klub Freundschaft" über den 1832 gestorbenen Gelehrten und Grammatiker Wolf Heidenheim s.A. Obschon der verdienstvolle Mann noch keinen Biographen gefunden, so verstand es doch der Redner, seinen Zuhörern ein abgerundetes Bild des Verewigten vor die Seele zu führen Lebhafter Beifall lohnte den Redner. — Durch solche Vortragsabende hat der Klub „Freundschaft", der eigentlich nur die Geselligkeit anstrebte, nunmehr einen weiteren Schritt zur nützlichen Anwendung der Winterabende gethan. F. Eßlingen, 2. Februar. Der Vorstand des „Vereins zur Unterstützung von Wittwen und Waisen armer israelitischer Lehrer und Vorsänger Württembergs" versendet seinen Bericht über das abgelaufene 32. Rechnungsjahr. Der Verein verlor in demselben leider seinen Begründer und langjährigen Vorstand, den Oberlehrer a. D. Leopold Liebmann in Stuttgart, wo er seit 1873 im Ruhestand lebte, vordem in treuer Arbeit in hiesiger Gemeinde und an unserer israelitischen Waisenanstalt. Am 15. Mai des abgelaufenen Jahres fand die letzte Vereinssammlung in Stuttgart statt, gleichzeitig mit dem Allgemeinen Deutschen Lehrertag. Herr Kirchenrath Dr. Kroner erschien bei dieser Gelegenheit zum ersten Mal in der Mitte des Vereins, der wie seither alle israelitischen Lehrer und Vorsänger des Landes umfaßt. An Vermögen (Grundstock) besitzt der Verein 44,357 Mk. Die laufenden Einnahmen beliefen sich aus 3992 Mark, worunter sich als Beiträge von Gemeinden 1774 Mark befinden. Die Königin von Württemberg hat dem Verein eine außerordentliche Spende zugewendet, der Deutsch-Israelitische Gemeindebund hat dem Verein einen Beitrag von 30 M. übersandt. An Unterstütznngsgaben konnten im abgelausenen Rechnungsjahr 1800 Mark verwandt werden. Oesterreich - Ungarn. □ Wien, 5. Februar. Im Verein der Fortschrittsfreunde, der unter Vorsitz des Vizebürgermeisters Matzenauer seine Generalversammlung abhrelt, bildete die allgemeine politische Situation den Gegenstand ernstlicher Erörterung. Reichstagsabgeordneter Noske gab seinem Bedauern Ausdruck, daß die Koalitionsregierung noch immer eine entschiedene und offene Stellungnahme gegen den Antisemitismus vermissen lasse. „Wir wollen nicht die Polizeigewalt," sagte Neichsrathsabgeordneter Noske, „obwohl sie möglicherweise diesem Treiben gegenüber mindestens ebenso berechtigt wäre, wie gegen andere Ausschreitungen, aber was wir wollen, üst ein klares, unzweideutiges und entschiedenes Wort, durch welches die Regierung dieses Treiben, das ihrer eigenen Autorität doch auch nahe tritt, verurtheilt und die stille Duldung derselben ablehnt. Die Bevölkerung der durch diese Verhältnisse rneistgeschädigten Reichshauptstadt Wien hat das Recht, ein solches Wort der Abwehr endlich zu verlangen. (Lebhafter Beifall). — Die jüdischen Reichsraths- und Landtags-Abgeordneten Galiziens baden sich auf Anregung des Abg. Dr. v. Rapoport in einer heute hier abgehaltenen Versammlung, in der die überhandnehmende Nothlage der jüdischen Bevölkerung Galiziens eingehend besprochen wurde, als Hilfskomitee konstituirt, dessen Aufgabe es sein wird, der nothleidenden jüdischen Bevölkerung Arbeit zu verschaffen und neue Erwerbsquellen zu eröffnen, ferner der jüdischen Jugend die Möglichkeit zur praktischen Ausbildung als Landwirthe, Handwerker und in verschiedenen Gewerben zu bieten. Es wurden zum Obmanne des Komitees Dr v Rapoport, zu dessen Stellvertreter Abg. Dr. Byk und zum Kassirer Abg. Dr. Goldmann gewählt Das Komitee versendete sofort an viele einflußreiche und hervorragende Persönlichkeiten des Landes einen Fragebogen über die Erwerbsverhältnisse der Juden, in Galizien und l traf Maßregeln zur Hebung der Tallesweberei in Kolomea. — In Graz wurde im Allgemeinen deutschen Turnverein der von antisemitischer Seite gestellte Antrag, aus der deutschen Turnerschaft auszutreten und sich dem antisemitischen Turnerbunde anzuschließen, nach einer lebhaften Debatte abgelehnt. — Beim Jndustriellenball erkundigte sich der Kaiser bei Herrn Benno Schefftel, Direktor der Baron Königswarter'schen Eentralkauzlei, ob der Grundbesitz der Familie Königswarter getrennt oder central verwaltet werde. Herr Schefftel erwiederte, daß sich der gesammte Besitz in den Händen des Universalerben vereinige, daß wohl jede Domäne ihre Verwaltung habe, jedoch der Wiener Eentralstelle unterstehe. Er bemerkte ferner, daß die Tugenden des verstorbenen Barons auf die Söhne übergegangen seien und dieselben eifrig philanthropisch wirken. Der Monarch erwiederte darauf: „Ja, der alte Herr hat viel Gutes gethan." — Hier verschied im 75. Lebensjahr der Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Max Landesberger, ein Mann van rühmlicher politischer Vergangenheit. Er gehörte seit Beginn der fünfziger Jahre dem Gemeinderathe seiner Vaterstadt Lemberg, später dem Vorstand der Lemberger israelitischen Kirchengemeinde und seit 1865 dem ga-izischen Landtag an, der ihn im Jahre 1867 in den Reichsrath wählte. In allen diesen Körperschaften erfreute er sich großen Ansehens und im Reichsrathe wirkte er bei der Schaffung zahlreicher Gesetzesvorlagen, so namentlich der Advokaten- und Konkursordnung mit. Seit dem Jahre 1873 zog er sich vom politischen Leben zurück und widmete sich seinem Beruf, in dem er besonders als „Beamtenvater" vor dem Reichsgericht hervortrat. — Der zu Auscha verstorbene Herr Karl Schwarz hat dem „Verein zur Abwehr des Antisemitismus" testamentarisch den Betrag von 100 Gulden hinterlassen. B. Budapest, 29. Januar. Die Erllärung des Ministers Dr. Wlassics, der in seiner Programmrede die Integrität der Grundprinzipien nicht berührende Modifikationen anmeldete, gab zu verschiedenen Mißverständnissen Anlaß. Die ganze öffentliche Meinung war der Ansicht, daß diese Anmeldung das Fallenlaffen des Uebertrittsparagraphen der Rezeptionsvorlage bedeute. Der Minister erklärte aber heute im Abgeordnetenhaus, daß die Regierung auf dem Standpunkt stehe, daß die israelitische Religion den übrigen rezipirten Religionen vollkommen gleichgestellt werden müsse, und daß nichts statuirt werde, was einer Inferiorität dieser Konfession gleich käme. Diese ministerielle Erklärung wirkte ganz beruhigend auf die öffentliche Meinung. — Auch der Minister Perczel erklärte vor seinen Wählern, daß bezüglich der noch in Form von Entwürfen der Legislative vorliegenden zwei kirchenpolitischen Fragen, nämlich der freien Ausübung der Religion und der Rezeption der jüdischen Religion, der entschiedene Standpunkt der Regierung der ist, hinsichtlich der Prinzipien diese Vorlagen unbedingt aufrecht zu halten. An den Text, an die Worte aber klammere sich die Regierung nicht, denn der Hauptzweck ist, daß diese Prinzipien Gesetzeskraft erlangen, und je eher in das Gesetzbuch ausgenommen werden. BF. Ezernowitz, 4. Februar. Unter der Spitzmarke „Schlägerei im Gottes hause" brachte die „W.A.Z." vom 2!).Januar ein Telegramm: „In die Synagoge in Sadagura drang während des Gottesdienstes eine - Kommission der Finanzwache ein, um eine Durchsuchung vorzunehmen. I Ter Gottesdienst wurde unterbrochen. Es entstand eine Schlägerei, wo- : bei mehrere Betende arge Schläge davontrugen. Neun Personen wurden! verhaftet (darunter auch Frauen) und dem Gerichte eingeliefert. Abj geordneter Stocki brachte wegen des Vorfalls eine Interpellation im j Landtage an den Regierungs-Kommiffar ein." — Zur Richtigstellung j kann Ihnen ein gelegentlicher Korrespondent aus bestunterrichteter Seite! den Vorgang, wie er sich abgespielt, schildern. Die Verhaftung des j Vorbeters Jsak Gaber, Leib Gottlieb, deffen Frau und Sohn,. Abba Pasola und Frau, Jossel Horner, Luser Raresst und Jaukel Noselffeld fand nicht in der Synagoge, sondern in einem Privathause, in welchem allerdings ein Gottesdienst abgehalten wurde, statt. Motiv zu diesen Verhaftungen ist der Verdacht des Tabakschmuggels. Nur bei dem letztgenannten Verhafteten fand mail ein kleines Päckchen Schnupftabak

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