Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 59 (1895)
- Issue
- Heft 6 (8.2.1895)
- Date
- 1895-02-08
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3228094-3228101--51498-3272247- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
59. Jahrgang. *lt. 0. üt!*♦ «crlin 8. JFcbruar 1895. Weitcrge zur „Atkgerneinen Zeitung des IuöentHurns". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. 35 Berlin, 6. Februar. Die Vorbereitungen für die von Herrn Rudolf Mosse begründete Erziehungsanstalt für Knaben und Mädchen sind nun vollendet, so daß die Eröffnung derselben Ostern dieses Jahres stattfinden kann. Die Wohlthätigkeitsanstalt ist in gesunder Lage in der Nähe des Grunewaldes gelegen und entspricht allen hygienischen Anforderungen der Neuzeit; sie ist bestimmt zur Ausnahme von hundert Knaben und Mädchen aus den gebildeten Ständen, vom sechsten bis sechzehnten Lebensjahr, Waisen oder solchen Kindern, deren Eltern durch Schicksalsschläge in mißliche Verhältnisse gelangt sind. Die Kinder werden unentgeltlich erzogen, verpflegt und bekleidet. Der Unterricht findet für die Zöglinge von sechs bis neun Jahren im Hause selbst statt, während die älteren Kinder bis zum sechzehnten Lebensjahre Gymnasien, Realschulen, höheren und mittleren Töchterschulen überwiesen werden, so daß die Knaben die Berechtigung zum Einjahrig-Freiwilligen, die Mädchen die Kenntnisse der oberen Klasse einer Töchterschule erwerben können. Kinder aus ganz Deutschland ohne Unterschied der Konfession finden in dieser Anstalt Aufnahme; die Einrichtungen sind derart getroffen, daß den religiösen Bedürfnissen der verschiedenen Konfessionen Rechnung getragen ist. Die Leitung der Anstalt ist Herrn Dr. Heinitz übertragen worden, der bereits acht Jahre an der Jacobsohn-Schule in Seesen als Lehrer gewirkt hat. Aufnahmegesuche sind an die Privat-Adresse des Herrn Rudolf Mosse (Berlin, Leipziger Platz 15) zu richten, welcher, unter Berücksichtigung der Bedürftigkeit und Würdigkeit der sich Meldenden, die Entscheidung in jedem einzelnen Falle sich vorbehält U. Berlin, 6. Februar. Der „Akademische Verein für jüdische Geschichte und Litteratur" an der Universität Berlin begeht Montag den 18. Februar im Luisenstädtischen Konzerthaus, Alte Jakobstraße 37, die Feier seines zwölften Stiftungsfestes durch Festkommers und Mimik. — Aus demselben Anlaß veranstaltet der „Verband alter Herren" Mittwoch den 20. d M. ein Festessen mit Ball im Hotel „König von Portugal", Burgstraße 12. — Am Dienstag den 5. d. M. sprach im Verein das Ehrenmitglied desselben, Herr Professor Dr. M. Philippson, über: Ein jüdischer Leibarzt Elisabeths von England und Shakespeares „Kaufmann von Venedig". Der Vortrag wurde von den zahlreich Anwesenden mit großem Beifall ausgenommen. 2xr> Berlin, 5. Februar. Der neue Verein für die innern Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde hat sich am 3. d. M. in einer Versammlung im „Hotel zu den vier Jahreszeiten" endgiltig konstituirt. Die Leitung besteht aus einem größern Ausschuß, aus dessen Mitte der geschäftsführende Vorstand gewählt wird, und aus Lokalausschüffen in allen Stadtgegenden. Der Ausschuß, der das Recht der Kooptation hat, besteht zunächst aus den Herren: Adolf Ginsberg, Dr. V. H. Simon, I. Simon, Dr Kronfeld, Prof. Dr. Geiger, Geh. Reg.-Rath Professor Dr. Aron, Wilh. Arnheim, I. M. Friedländer, Syndikus Dr. Georg Minden, Redakteur I. Landau, Karl Heymann, Oberlehrer Dr. M. Schaefer, Maurermeister S. Weile, Eduard Elkisch, Dr. G. Karpeles, Stadtrath Jsaae, Albert Levin, I. Rothstein, Emil Pincus, Dr. med. Pariser, Julius Cohn, Dr. Max Hirsch, Bernhard Behrens, A Ph. Meyer, Frd. Kaftan, Joseph Levy, Rechtsanwalt B. Breslauer. Karl Emil Franzos, Oberlehrer Dr. Btaschke, Hugo Heilmann, Dr. Gustav Kalischer, Julius Wagner, Dr. I. Ginsberg, Sanitätsrath Dr. Schwerin, Julius Haase. Den Vorstand des Vereins bilden: Rechtsanwalt Dr Kronfeld, Rechtsanwalt Dr. Hermann Veit Simon. Generalkonsul Eugen Landau, Dr. Gustav Karpeles, Karl Emil Franzos, Julius Martin Friedlander, Sanitätsrath Dr. Schlesinger, James Simon, Stadtrath Dr. Weigert. — Der 8 1 des Statuts lautet:! „Der Verein bezweckt, die religiöse Entwickelung innerhalb der jüdi-! schen Gemeinde zu Berlin zu fördern und darauf hinzuwirken, daß die Verwaltung dieser Gemeinde in liberalem Sinne geführt werde." Um beabsichtigten oder unbeabsichtigten Mißdeutungen vorzubeugen, bemerken wir hier Zugleich, daß alle politischen Bestrebungen irgendwelcher Art von dem neuen Verein streng ausgeschlossen sind. Es handelt sich, wie gesagt, ausschließlich um die religiöse Entwickelung und liberale | Verwaltung der innern Gemeindeangelegenheilln. Wie wir hören, wird! der Vorstand schon in nächster Zeit eine große, allgemeine Versammlung l einberufen. £2 Berlin, 6. Februar. Einer der ältesten und segensreichsten unter den hiesigen Wohlthätigkeitsvereinen ist die Miethe-Unter-! stützungs-Anstalt der jüdischen Gemeinde (Chebrat Ohel; Jescharüu), begründet 1708 zu dem Zweck, Armen der hiesigen jüdischen j Gemeinde eine Miethe-Unterstützung zu gewähren. In einem Aufruf,; den der Vorstand neuerdings versendet, heißt es: „Ihre fast 100jährige! Wirksamkeit ist eine reich gesegnete gewesen; allein die zu Gebote stehenden j Mittel sind nicht im Verhältnis zur Zahl der'Armen unserer Genwinde? gewachsen, und oft müssen wir mit Betrübniß wahrnehmen, daß mit! den zur Verfügung stehenden Geldern keine ausreichende Hilfe gewährt - werden kann. Auch wird die Lage unserer armen Glaubensgenossen : nicht geändert durch jenen andern Verein, welcher einen dem unsrigen! fast gleichlautenden Namen führt. Die Bemühungen, eine Verschmelzung : mit diesem Verein herbeizuführen, waren erfolglos. Unsere Anstalt steht! unter der Aufsicht des Vorstands der jüdischen Gemeinde und in engster Verbindung mit unserer Armen-Kommission sowie den sonstigen Wohlthätigkeits-Jnstituten unserer Gemeinde. Dieselbe bietet daher die größtmöglichste Gewähr für eine sachgemäße, gerechte und von dem Geist der Milde durchdrungene Vertheilung der Gaben. Wir sind in der Lage, die Würdigkeit und Bedürftigkeit der Bittsteller auf das Gewissenhafteste j zu prüfen und können häufig durch schnelle Unterstützung derjenigen j Armen, welche nicht im Stande sind, pünktlich ihre Miethe zu bezahlen, i manche bedürftige Familie vor dem Untergang bewahren. So wenden; wir uns denn gewiß nicht vergeblich an den nie versiegenden Wohlthätigkeitssinn unserer Glaubensgenossen und bitten herzlich, ehien Jahres-! beitrag oder ein einmaliges Geschenk auf beiliegender Karte zu verzeichnen und solche an ihre Adresse gelangen zu lassen. Auch ist jeder der Unterzeichneten bereit, Beiträge entgegen zu nehmen. Das Kuratorium der Miethe-Unterstützungs-Anstalt der jüdischen Gemeinde. Gustav Löwenberg, Oranienburgerstr. 67. Moritz Heilmann, Oranienburgerstr. 33. Herrmaun Lehmann, Viktoriastr. 13. Martin Lesser, Genthinerstr. 8. Emil Pincus, Hohenzollernstr. 4. Oscar Rathenau, Bendlerstr. 25. , Siegfried Sachs, Taubenstr. 7. Wir empfehlen diesen Aufruf auf das Wärmste! L2 Berlin, 3. Februar. Die Verwaltung der israelitischen Volksküche (Alte Jakobstraße 57/59) versendet soeben an weitere Kreise ihren Jahresbericht, aus dem wir bereits in Nr. 4 einen ausführlichen Auszug gebracht haben. Die israelitische Volksküche blickt auf eine dreijährige segensreiche Wirksamkeit zurück. In den weitesten Kreisen haben die Leistungen dieses gemeinnützigen und humanen Institutes Anerkennung! gefunden. Dank der thatkräftigen und menschenfreundlichen Unterstützung! unserer edlen Glaubensgenossen konnten 227,773 Portionen warmes Mittag- und Abendessen an Nothleidende, arme jüdische Studenten, stellenlose junge Kaufleute, arbeitslose Handwerker und sonst in Noth gerathene jüdische Familien unentgeltlich vertheilt werden, während in > dieser Zeit ca. l:>,/4 Millionen Portionen zu denl ungefähren Selbstkostenpreise von 3—15 Pf. verabreicht wurden, lim nun Jedermann, und selbst dem Aermsten der Armen, Gelegenheit zu geben, sich durch ein warmes Essen zu sättigen, wurde der Preis der Portionen, Suppe oder Gemüse, auf 5 Pf. ermäßigt. Von der Wohlthat, sich für 5 Pf. zu-; sättigen, haben im letzten Jahre allein Mittags und Abends über z 300,000 Personen Gebrauch gemacht. So ist dieses Haus zum Segen