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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-06-02 · Heft 22 (2.6.1893) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 22 (2.6.1893)
Date
1893-06-02
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 semitismus herrscht. — Nach einer Mittheilung der „Oberschles. Grenzztg." wird gegenwärtig unter den breiten, polnisch sprechenden Schichten der oberschlesischen Bevölkerung ein polnisch geschriebenes, antisemitisches Blättchen verbreitet, welches die gemeinsten Schmähartikel bringt?' — Der Breslauer Fürstbischof Dr. Ko pp, der schon wiederholt seiner Abneigung gegen den Rassenhaß Ausdruck gegeben, that dies neuerdings in Fried eck gegenüber dem Vorstande der dortigen israelitischen Kultusgemeinde. Bezüglich dieser jüngsten Kundgebung des Kardinals wird Folgendes gemeldet: Gelegentlich der jüngsten Anwesenheit des Fürstbischofs Dr. Kopp in Friedeck erschien bei demselben zur Begrüßung auch der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde und dankte ihm dafür, daß er wiederholt Gelegenheit genommen, für den Frieden unter den Konfessionen einzutreten. Dr. Kopp erwiederte: „Sie haben mir zu viel Lobes gesagt, ich verdiene das nicht in solchem Maße. Ich danke Ihnen herzlichst für Ihre freundliche, mich sehr ehrende Begrüßung. Wir bauen ja auf demselben Boden und sind in gleicher Weise berufen, die Religiosität und Sittlichkeit unter den Menschen zu fördern. Ich freue mich ungemein, zu hören, daß hier Friede und Eintracht unter allen Konfessionen herrscht, mein Bestreben wird es immer sein, für Frieden und Eintracht zu wirken." Weiter erkundigte sich der Kardinal, ob Rabbiner Dr. Horowitz noch Beziehungen zu Breslau habe, ob er den dortigen Prediger Dr. Guttmann kenne, imd als Dr. Horowitz dies bejahte, bemerkte er: „Das ist ein ausgezeichneter Mann, ich kenne ihn schon lange, denn wir sind Beide aus Hildesheim." Mit den nochmaligen Versicherungen seines Dankes für die ihm zu Theil gewordene Begrüßung entließ sodann der Kardinal huldvollst die Deputation. r. Breslau, 30. Mai. Am 27. d. M. feierte Herr Dr. D. Rosin, der älteste Dozent an dem hiesigen jüdisch-theologischen Seminar, der vor ungefähr einem Jahre sein 25jähriges Dozentenjubiläum beging, seinen 70. Geburtstag. Am Sonnabend, dem eigentlichen Jubeltage, hielt in der Seminarspnagoge Herr cand. phil. L. Frankel, nachdem vom Vorbeter (Herrn cand. phil. Finkelscherer) Psalm 15 gesungen worden, die Festrede auf den verehrten Lehrer, indem derselbe unter Zugrundelegung des im Wochenabschnitt verlesenen Priestersegens den Jubilar in seiner Bedeutung als Bibelforscher und Lehrer einer von ihm ausgebildeten Homiletik, sowie als väterlichen Freund feierte. Herr Dr. R osin, welcher hierauf die Kanzel bestieg, dankte dem Redner für seine schöner: Worte, seinen Kollegen im kirnte für ihre Mitwirkung an der Stätte wissenschaftlicher Bildung und besonders dem Allgütigen für die oft bewährte Fürsorge und Leitung in der: Begebnissen seines Lebens. Mit der Absingung des 24. Psalms endete die schöne Zwischenfeier, worauf der Gottesdienst seinen Fortgang nahm. Eine große Anzahl von Verehrern, Freunden und Schülern beglückwünschte am genannten Tage den Jubilar und gab in großer Zahl durch Uebersendung oder Ueberreichung sinnreicher Gaben ihrer Liebe und Hochachtung für den Gefeierten lebhaften Ausdruck. Im Flamen der „Industrieschule für israelitische Mädchen" statteten der Direktor der Anstalt, Herr Oberlehrer Alexander, und Herr Laqueur Herrn Dr. Rosin, dem Vorsteher der genannten Schule, ihre Gratulationen ab, wobei eine Schülerin (Wolf) eine von ihr selbst verfaßte und kalligraphirte Adresse der Schülerinnen verlas und überreichte. Am darauffolgenden Sonntag fanden die offiziellen Besuche statt, wobei dem Jubilar eine Reihe von Adressen überreicht wurden; so vom Kuratorium der Fränkel' schen Stiftungen eine solche mit einen: Check von 300 Thalern (Obligation von 1801) zur Begründung einer Stiftung, vom Dozenten - k o l l e g i u m d e s S e m i n a r s (Sprecher: Herr Seminarrabbiner Dr. Lewy), von den gegenwärtigen Schülern (Herr Dr. Pinkus), vom homiletischen Verein (am Seminar) ein Diplom über die Ernennung zum ersten Ehrenmitglied des seit 27 Jahren bestehenden Vereins (Herr cand. phil. Fränkel). Sodann beglückwünschte Herrn Dr. Rosin Herr Rabbiner Dr. Rosenthal in: Namen des hiesigen Rabbinats, Herr Rabbiner Dr. Guttmann in: Namen des Rabbinerverbandes (und der älteren Schüler), Herr Dr. Eugen Meier vom Liwjath-Chen-Verein, dessen Ehrenmitglied der Jubilar ist, Herr Pringsheim im Namen der Gemeinde und Herr Geheimer Sanitätsrath Dr. Wollner (mit Herren Dr. Brann und Buchhändler Jacobsohn) vom „Verein für jüdische Geschichte und Litteratur". — Am Abend nahm im „Erholungssaale" (Weidenstraße 5) in der neunten Stunde das Festmahl seinen Anfang, zu dessen Verschönerung eine Musikkapelle konzertirte und Herr Freyhan ein Tischlied verfaßt hatte, in welchem die im Jubilar vereinigten Charaktereigenschaften, Bescheidenheit, Frömmigkeit, Liebe und Freude, als die allein dem Feste beiwohnenden „Damen" priesen wurden. Eine große Anzahl von Toasten würzte das Mahl, trotzdem dasselbe nicht länger als drei Stunden währte. Zuerst brarhn Herr Stadtrath Mi lch (Vorsitzender des Curatorii) den Kaiserleaß j aus; sodann feierte Herr Seminarrabbiner Dr. Lewy den kollegialen j Jubilar wegen seiner wissenschaftlichen Leistungen. In der Erwiederung i gab Herr Dr. Rosin eine kurze Geschichte seines Lebens, gedachte da I in warmer Anerkennung seiner Lehrer, Michael Sachs, Rapaport, Reh- > fisch und Joel, und brachte schließlich einen Toast auf das Seminar am. j Herr Rabbiner Dr. Guttmann pries sodann des Jubilars wissenschm-! liche Thätigkeit, seine Bescheidenheit und Gutmüthigkeit und gedachte auch! des Sohnes desselben, des Herrn Dr. med. H. Rosin (gegenwänig! Assistenzarzt bei Prof. Senator-Berlin): Herr Rabbiner Dr Rosentbal! feierte ihn als Menschen, erzählte, wie ihm (Dr. R.), der während m | ersten Zeit seines Berliner Studiums gar arge Noth gelitten, Dr. Rom:! die erste materielle Unterstützung zugeführt, und gedachte schließlich >a | wackeren „ansche maasso“ (Männer Der That), der Kuratoren. Herr j Stadtrath Milch erwiederte den Toast, indem er erwähnte, daß | Kuratorium bei der geistigen Versorgung der Anstalt sich gern an dna Rabbinat zu wenden Gelegenheit genommen, an sie, die „Männer r? Wortes", denen er sein Glas weihe. Nun feierte Herr Dr. S. Freu a (Hörer des Seminars, am Wochenfest zun: Rabbiner der Gemeium j Czarnikau gewählt), die Lehrer der Anstalt, in deren Namen! Dr. Bran n erwiedernd auf die Schüler des Seminars toastete. Alsda;n j meihte Herr Prof. Dr. Bad t (Oberlehrer am Johannesgymnasium) deni j Vorstand der hiesigen Gemeinde sein Glas, Herr Rabbiner Dr. Knolle:! feierte in schöner, gebundener Rede den Jubilar, während Herr Star!! verordneter Pringsheim mit seinem Toaste auf die Gemeinde die Reine i der Reden schloß. Das Tischgebet sprach, einer Aufforderung des Her n I Dr. Rosin Folge leistend, Herr Prof. Dr. Fränkel. Somit hatte u | der zwölften Stunde das schöne Fest sein Ende erreicht und hinterließ n den (ungefähr 80) Teilnehmern eine durchaus frohe Erinnerung, gepaart mit den: aufrichtigen Wunsche, daß den: rüstigen Jubelgreis noch eine rcdii lange Reihe gesunder Jahre beschieden sein möge! Erwähnt sei noch, d-.n;! von den ehemaligen Schülern des Jubilars Herr Rabbiner Dr. Theodor ' Bojanowo und Landesrabbiner Dr. Prager dem Feste beiwohüten.H * Breslau, 23. Mai. Bekanntlich erfüllten schon vor Jahren dy staatlich geprüften und an einer öffentlichen Volksschule wirkendem Lehrer ihre Militärpflicht durch eine sechswöchige Dienstzeit. Vnn dieser Berechtigung wurden diejenigen ausgeschlossen, welche zwar staatlich geprüft sind, aber nicht an einer öffentlichen Schule wirkte!. Anfangs wurde seitens der Aushebungsbehörden den an nicht öffentlich :t Gemeindeschulen wirkenden jüdischen Lehrern die Vergünstigung d r kürzeren Dienstzeit eingeräumt. Bald wurde jedoch von dieser Prar n mehrfach Abstand genommen, indem man die Betreffenden hier und da ,-n einer dreijährigen Dienstzeit heranzog. Alsdann erließ das Kriegsministeriu n infolge einer Petition eine Verfügung, wonach solche Lehrer, welche zu: 'Anstellung an einer öffentlichen Schule berechtigt sind, aber ohne eigenes Verschulden eine öffentliche Schulstelle noch nicht gefunden habe, auch, gleich den öffentlichen Lehrern, berechtigt sein sollen, auf die Ve: günstigung der kürzeren Dienstzeit Anspruch zu erheben. Dagegen wurde, wie verlautet, in neuerer Zeit den Petitionen um allgemeine Bewilligm i der kürzeren Militärzeit für jüdische Volksschullehrer, welche an ein r jüdischen Religionsschule wirken, keine Folge gegeben, es wurmvielmehr in jedem einzelnen Falle geprüft, ob besondere Umstände obwalte welche eine Ermäßigung der Militärdienstzeit des betreffenden Lehre..' rechtfertigen lassen. * Kattowitz, 25. Mai. Ein Bild von dem Jammer der au.e Rußland ausgewiesenen Juden giebt folgendes aus dem hiesige. Polizeigewahrsam an die Synagogengemeinde daselbst gerichtete Schreiben! „Hierdurch theilen wir Ihnen ergebenst mit, daß sich gegenwärtig in Kattowitzer Polizeigewahrsam dreißig Israeliten befinden, darunter einin? Frauen mit kleinen Kindern. Man giebt uns täglich zwei Stückchen Brol bei welchen, da wir die anderen für uns Juden verbotenen Speisennie? essen dürfen, man verhungern kann. Und doch wissen Sie, daß wir fein Verbrechen begangen haben. Unter uns befinden sich fünf Männer, welche einiges Geld bei sich hatten, dieses wurde ihnen abgenommen. Daher ') Auch wir sprechen dem verehrten Jubilar die herzlichsten uni' wärnfften Glückwünsche aus. Die Red. bitten r uns etn um sich hafteten entsproc hi. lt an „ahmen Tr. Co aus Ko?obschi Tr. 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