Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 22 (2.6.1893)
- Date
- 1893-06-02
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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und diesen von kultm l historischem herüber, wie ez und iibev. 57. Jahrgang. Mr. 22. Der Gemeindebote. Gerlin, 2. Juni >893. WeiLcrge zur „Allgemeinen Zeitung des Iuöenthums". mein „Leben hnen herzlitz nähern Auvorn Dieil-' c der Völker^ •n Profeffme Berechtigung aber bo r, :et, und hen x Prutz un n hinzu, dun ie 1862-«m s Denkens", he Gedanken eanspruchen. der Schrift^ tete. Steinlhan i geschätzte i der hiesigen chtleistunge.l noch einma; zug nimm', ten, ist als lgen festsetz- Andererseits nicht. Die n in Redne Weiterem sich seßhcO' »nn er uich. ausdrücklich eigelassene;: ühte diesem ährte tz -l' ch noch av treitfall bc; Beschwerte ht bestehend ei gelassene: Regierung eine höhere nach dem mit einem Me meinen, ern zahlen Judenthum Gutfeld. litt. Korrespondenzen und Machrichten Drutschland. Djk- Berlin, 28. Mai. Herr Professor Dr. Steinthal hat folgenden Brief an das Komitee, welches sich zur Feier seines siebzigsten Geburtstages gebildet hatte, gerichtet: „Für die Ehrengabe, die Sie mir im Namen zahlreicher Glaubensgenoffen zu meinem 70. Geburtstage dargebracht haben, wie für die in Verbindung damit mir überreichte Adresse sage ich meinen innigsten Dank. Meiner guten jüdischen Gesinnung freilich bin ich mir bewußt; was aber „mein Leben Ihnen, meinen Glaubensgenossen, geworden > ist", das kann wohl weniger mir als Verdienst zugeschrieben werden, als vielmehr Ihnen selbst. Ungewiß, welchen Werth die ferneren Arbeiten, die mir noch gestattet sind, haben werden, erbitte ich für dieselben die freundliche Annahme, welche Sie den früheren geschenkt haben, in Rücksicht auf tneine Anhänglichkeit an unsere Religion. Berlin, im Mai 1893. Prof. Steinthal." An die Vereine für jüdische Geschichte und Litteratur und die Mendelss hn-Vereine in Deutschland hat Herr Prof. Steinthal folgendes Schreiben e nächtet: „An die „Vereine für jüdische Geschichte und Litteratur" und die Mendelssohn-Vereine in Deutschland.! *) 'n DtsDi! Ihre Vereine, meine Herren, gehören zu den Erscheinungen, die! mich eine schöne Zukunft für das Judenthum hoffen lassen.! Daß Sie mein Wirken so hoch anschlagen, beschämt mich, und! den mir gewidmeten kunstvollen Becher kann ich nur im Bewußtsein meines guten Willens annehmen. Empfangen Sie für denselben meinen herzlichen Dank. Berlin, im Mai 1893. Prof. Steinthal." 32 Berlin, 29. Mai. Der dirigirende Arzt des Krankenhauses j Moabit, Sanitätsrath Dr. Paul Guttmann, Dozent an der Universität U'rd als fachliche Autorität geschätzt und geehrt, ist am 24. d. M. ge- ’^vben. Sein Hinscheiden geht Berlin nahe an, weil sein gesammtes amtliches Schaffen Berlin zugute gekommen ist, und zwar zu seinem fl ößeren Theile den öffentlichen Heilanstalten Berlins, zuerst der medi- > nischen Poliklinik der Universität, später dem Stadtkrankenhause Moabit, tzodann nahm Dr. Guttmann den lebhaftesten Antheil an beit Arbeiten U '-d Verhandlungen der Berliner medizinischen Vereine und Körperschaften; r r Allem betheiligte er sich an allen Untersuchungen und Forschungen,! i denen es darauf ankam, durch Beobachtungen im Hospital Neuerungen l' der Heilkunde auf ihre Bedeutung hin zu prüfen. Zu eigen war (vuttmcmix, daß er überall, wo es ihm gerade angebracht erschien, und o es der Fortschritt der Wissenschaft gerade zu erheischen schien, mit - and anlegte. Daraus erklärt es sich, daß man aller Orten in der j -itteratur der innern Medizin auf Guttmanns Namen stößt, ohne daß! u'-an jedoch ein Gebiet bezeichnen könnte, auf dem er gerade Grund-! legendes geleistet härte. Hingegen ist die Zahl seiner Einzelarbeiten bej sonders groß. Guttmann stand int 60. Lebensjahre, Arzt war er seit!! 59, Universitätsdozent seit 1867. An der Spitze des Moabiter Krankenj Muffes stand Guttmann als Nachfolger von Curschmann (jetzt in Leipzig); 1879. Die Beerdigung fand gestern Nachmittag 2 Uhr von der j -eichenhalle des jüdischen Friedhofes in Weißensee statt. Die Betheiligung i l'.'ar namentlich seitens der Berliner Aerzte eine außerordentlich starke;! ^er Magistrat war durch die Stadträthe Borchardt, Dr. Straßmann! und Bail vertreten. Außerdem waren Korporationen der hiesigen! Studentenschaft in Wichs mit umflorten Bannern erschienen. Die Trauer-! scker in der reichgeschmückten Leichenhalle war eine ergreifende. Einj l) Der Pokal trug nämlich die Inschrift: nHW1 D1D*! geleitet wurde der erhebende Akt durch Gesang des Männerchors der Snnago gengemeinde, worauf Herr Prediger Dr. Oppenheimer von der Reformgemeinde eine zu Herzen gehende Ansprache hielt. * Berlin, 29. Mai. Professor Rudolf v. Gneist hat sich in einem in der Wiener „Dsch. Ztg." abgedruckten Schreiben vom 29. April 1893 über den Antisemitismus dahin geäußert: „Als alter Parlamentarier habe ich mich jederzeit zu unseren: verfassungsmäßigen Grundsatz bekannt: „Die Freiheit des religiösen Bekenntnisses, der Vereinigung zu Religionsgesellschasten und der gemeinsamen Religionsübung wird gewährleistet. Der Genuß der bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechte ist unabhängig von dem religiösen Bekenntnisse." Zu diesem Grundsatz der heutigen civilisirten Nationen bekenne ich mich noch imb halte mich verpflichtet, dafür einzutreten, wo er verletzt wird. Seit einem halben Jahrhundert in richterlichem Beruf thätig, halte ich es für meine Pflicht, für das verletzte Recht des schwächeren Theiles einzutreten, sobald ich dazu veranlaßt bin, insbesondere auch in der Presse und im politischen Leben der Wahrheit und dem Recht zur Geltung zu helfen gegen vorsätzliche Entstellung und Verleumdung. Als alter Politiker habe ich die Erfahrilng gemacht, daß der Appell an den gemeinen Sinn der Menge zum Zwecke des Stimmenfangs nur kurzlebige Erfolge erzielt, welche in keinem Verhältniß stehen zu den nachhaltigen Verlusten der Partei, die sich zu solchen Verbrüderungen verleiten läßt. Dies sind die Nächstliegenden Gründe, aus denen ich dem Vereine zur Abwehr des Antisemitismus beigetreten bin und darin mitwnke, soweit es meine Kräfte erlauben". ££2 Berlin, 28. Mai. Der eben erschienene dritte Jahresbericht über die Darlehnskasse des Vereins der Hörer der Lehranstalt für die Wissenschaft des I u d e n t h n m s unter dem Protektorate des Herrn Rabbiner Dr. May bäum spricht zunächst das Bedauern darüber aus, daß das bisherige Wachsthum der Kasse hinter den berechtigten Wünschen und Erwartungen zurückgeblieben ist. In: Laufe des letzten Vereinsjahres wurden an 14 Hörer Darlehen gewährt. Die Einnahtnet: betragen 886 Mk., die Ausgaben 480 Mk, das Vermögen beläuft sich auf 1569 Mk. Wir empfehlen bei dieser Gelegenheit die „Darlehnskasse" allen Wohlthätern auf das Wärmste. Dieses Unternehmen verdient thatkräftige Unterstützung und Förderung seitens aller Derer, die sich für die Bildung eines tüchtigen Rabbinerstandes interessiren. Hc Berlin,28.Mai. Die israelitischeVolks-Speise-Anstalt, Klosterstraße 99 hat ihren Wirkungskreis mit dem Beginne des Sommers nicht wie andere ähnliche Institute eingeschränkt, sondern fährt fort, im Sinne der hochherzigen Gönner der Anstalt, auch jetzt, dort wo ernste Noth sich zeigt, helfend einzugreifen. Beinahe 200 beträgt inuner noch die Zahl derjenigen Hungernden, denen — aus allen Berufsklassen und ohne Unterschied der Konfession — jeden Mittag unentgeltlich Speise verabreicht wird. Bemerkenswerth scheint folgende Einrichtung. Auf Anregung eines Assistenzarztes des Herrn Professors Dr. Henoch werdet: aus der Kgl. Klinik für Kinderkrankheiten der Anstalt diejenigen Kinder, die in der Rekonvalescenz durch obwaltende Noth keine kräftige Nahrung zu Hause erhalten können, auf längere Zeit zur Verpflegung überwiesen. Es erhalten die Mütter für ihre Kinder alsdann täglich kräftige Suppen, Fleisch :c Die Anstalt ist bereit, auf ärztliche Empfehlung noch einer Anzahl Bedürftiger diese Wohlthat zu erweisen. 0a. Aus Schlesien, 22. Mai. Bei der kürzlich stattgehabten Neuwahl des Vorstandes des „Männer-Turnvereins" in Öls hat die große Mehrheit der Mitglieder ihrer Abneigung gegen die seit einiger Zeit auch hier hervorgetretenen antisemitischen Bestrebungen einen deutlichen Ausdruck dadurch gegeben, daß sie einige Vorstandsmitglieder, trotz ihrer allgemein anerkannten Verdienste um die Turnsache, nicht wiedergewählt hat, weit dieselben auch dem Vorstande des dortigen deutschsozialen (antisemitischen) Vereins angehören Da der Verein einer der stärksten der Stadt ist — er zählt nahe an 200 Mitglieder — so kann diese Kundgebung als ein schätzenswerrhes Symptom für die Stinunung gellen, welche in Kreisen der dortigen Bürgerschaft gegenüber den: Anti-