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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-05-26 · Heft 21 (26.5.1893) · p. Seite 252

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 21 (26.5.1893)
Date
1893-05-26
Page
Seite 252 (sequence 12)
Language
German
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252 Literarische Mittheilungen. I In unfcrcr Zeit dürfte kaum ein Werk wichtiger sein, das^die nicht geringe Aufgabe hat, alles Wissenswerthe in dem Schriftthume des Judenthums, der Bibel, der Apokryphen, der Talmuden und Midraschim mit ihrer sieben- und Nachlitteratur den weitern Kreisen in der Form eines Realwörterbuches zu erschließen, als die „Real-Encyclopädie für Bibel und Talmud" von Dr. I. Hamburger, Landesrabbiner in Strelitz (Mecklenburg), die uns in zwei Abtheilungeu und drei Supplementbänden vorliegt. Wie viel auch in den letzten fünfzig Jahren auf dem Gebiete der jüdischen Litteratur geschaffen und geleistet worden, es fehlte doch noch immer an einem Buche, das in geschickter Form die in dem genannten jüdischen Schriftthume enthaltenen Lehren, Gesetze, Berichte und Angaben iiber die Welt-, Länder- und Völkerkunde, die Ethik, das Recht, den Kultus, das Dogma n. a. m. nach den verschiedenen 'Anschauungen und 'Aussprüchen daselbst geschichtlich, wissenschaftlich behandelt und leicht faßlich darstellt, kurz, es fehlte an einem Reolwörterbueh „für Bibel und Talmud". Das biblische Realwörterbuch von Wiener (Leipzig, 2 Bände) genügte nicht, da es nur das Archäologische in der Bibel mit Ausschluß des Religiösen behandelt und das Talmudische dazu sehr wenig berührt. Da faßte Dr. I. Hamburger, damals noch Student auf der Universität in Breslau, den kühnen Entschluß, Materialien für ein derartiges „Biblisch-talmudisches Realwörterbuch" zu sammeln und 'Arbeiten dafür anzufertigen. In der Vorrede zur Abtheilung I, seiner „Real-Encyclopädie für Bibel und Talmud" lesen wir darüber: „Es waren die Jahre meiner Studienzeit auf den Universitäten in Breslau und Berlin, wo ich das Bedürfnis; nach einer „Real-Encyclopädie für Bibel und Talmud" zuerst fühlte, die das Wissenswerthe dieses Schriftlhums nach den Resultaten der wissenschaftlichen Forschung in leichtfaßlicher Darstellung wiedergiebt. Da kein solches Werk vorhanden war, fing ich an, Materialien dafür zu sammeln — in der Hoffnung, dieselben einst zu einem Ganzen zu verarbeiten." Schüchtern war sein erstes, öffentliches 'Auftreten Im Jahre 1857 wurde durch die unter Ludwig Philippson und Adolf Jellinek gebildete „Litteraturgesellschaft" ein Band seiner Vorarbeiten, gleichsam als Probe, veröffentlicht; es waren 'Artikel desjenigen Theils der Talmude, der den Namen „Agada" oder „Hagada" führt und im Gegensatz zur Halacha, die nur das Gegebene behandelt, die freie Reflexion in ihren Lehren und Aussprüchen walten läßt Dieser Band war betitelt: „Geist der Hagada" und er-freute sich einer sehr günstigen 'Aufnahme. Darauf hat der Verfasser seinen Plan bedeutend erweitert. Seine Arbeiten, die bisher nur das Talmudische behandelten, sollten auch das Biblische umfaffeu. Es war ein Riesenplan, von dem der sel. Professor Salomon Munk in Paris in einem Schreiben an den Verfasser (abgedruckt auf dem Umschlag des Heftes II dieses Werkes) sagt: „Es ist eine Arbeit, für die mehrere Mitarbeiter nicht zuviel wären, und da Sie dieselbe allein unternommen, beweisen Sie einen großen Muth. Es ist ein großartiger Entwurf, und ich bewundere in der That, welche Gelehrsamkeit Sie in dieser Riesenarbeit gezeigt haben. Tie verschiedenen Gegenstände sind mit großer Sorgfalt behandelt, und die Angaben der Quellen setzen den gelehrten Leser in den Stand, sich selbst von der Genauigkeit der angeführten Fakten zu überzeugen/' Mehrere Arbeiten in diesem erweiterten Plan ließ der Verfasser auch tu verschiedenen Zeitschriften, als z. B. in der „Zeitnng des Judenthums", in der „Wiener Neuzeit" von Szanto als Ankündigung veröffentlichen. So erschien von dieser Real-Encyclopädie in den Jahren 1865—1870 die Abtheilung 1, a-z die biblischen Artikel (71 Bogen stark mit 1102 Seiten Lexikonformat). Derselben folgte die Abtheilung 41, die Talmudischen Artikel in acht Heften a z in den Jahren 1875 — 1888 (83 Bogen, 1330 Seiten Lexikonformat). In den darauf folgenden Jahren wurde diese Real-Encyclopädie noch durch drei Supplementbättde vervollständigt. Wie es der Verfasser vermocht bat, in seinen Arbeiten über zwei Dezennien hinaus nicht zu ermüden—, darüber citiren wir seine eigenen Worte. In der Vorrede zuAbtheilungllsagter: „Nach vielen Jahren der Arbeit bin ich so weit, auch die zweite Abtheilung ldie talmudischen 'Artikel) meiner „Real-Encyclopädie für Bibel und Talmud" vollendet zu sehen. Die nicht geringen Opfer, die hierzu nöthig waren, sind willig dem Ganzen dargebracht; es war ein Jugendideal, das mich bis heute zum Aufwand von Zeit und Kräften hierzu erwärmt hat. Ich danke Gott, der mir Muth und Ausdauer verliehen; danke meinen Freunden und Gönnern, die mich dabei mit Rath und That unterstützt haben." Der Verfasser übereilte sich nicht, arbeitete lang sam, so daß jährlich nur ein Heft von 10 Bogen erschienen war. Ma Recht spricht darüber ein namhafter Gelehrter im „Bulletin«» ltalhu degli Studii orientali“ in Rom (vom August 1875, abgedruckt auf dcm Umschläge des 5. Heftes): „Die Zeit, welche der Verfasser von der Ver öffentlichung eines Fascikels bis zum anderen verstreichen ließ, läßt wissen, daß er weder mit unkluger Uebereilung, noch aus zweiter Hand gearbeitet, und diese Meinung bestätigt sich sehr durch das Lesen bic]V;> Buches." Vorarbeiten fand der Verfasser allerdings schon vor, wem, auch nicht immer wissenschaftlich und geschichtlich. Der Verfasser neu,! sie in seiner Vorrede zur Abtheilung I. Der halachische Theil der Tr!, müden, der von den Gesetzen handelt, fand schon im 12. Jahrhundnl Männer, die den Stoff desselben systematisch nach Inhalt und Fächer ordneten und zusammenstellten Wir nennen das Werk: „Jad Hachasal / in 4 Bänden von Moses Maimonides (1135-1204). Im 15 Jahr, hundert waren es Jakob Ascheri (1380) und später Joseph Karo (14-^ bis 1575), die mit Weglassung der Gesetze vom Opfer- und Tempelkulb eine neue systematische Umordnung der Halacha Vornahmen. Es!i, o dies die Werke „Turim" und „Schulchan Aruch." Dagegen blieb r r andere Theil des Talmuds, die Agada, arg vernachlässigt; sie erfror u sich nicht einmal einer systematischen Zusammenstellung. Erst in neuester Zeit wandte man derselben eine größere B achtung zu. Es erwachte hi vielen Gelehrten das Streben, die Aussprüche der Agada mit denen r i Weisen anderer Völker dieser Zeit zu vergleichen und geschichtlich zu o. örtern. Hierher gehören die Arbeiten des Asaria de Rossi (1511 — 157in seiner Schrift „Meor Enajim" u. a. m. Nach diesem Vorbilde arbeite! n in unserem Jahrhundert die Gelehrten Isaak Reggio, M. D. Luzza; , N. Krochmal, S. L. Rappaport, L. Zunz, Abraham Geiger. Z. Frank/, I Derenburg, Herzfeld, Grütz u. A. m. Mit der Abfassung eines talmudisch t Realwörterbuches versuchte es der schon genannte S. L. Rappaport, von dem jedoch nur die Artikel zum Buchstaben erschienen. Nicht weiter ta w ein anderer Gelehrte, Namens I. I. Levy, Rabbiner in Beuthen, d i ebenfalls von einem Realwörterbuch nur die Artikel des Buchstabens veröffentlichte. Dagegen gelang es unserm Autor, Herrn Dr. I. Hai. burger, allein bitrcl) Fleiß und Ausdauer in einem Zeiträume m-u 22 Jahren eine „Real-Encyclopädie für Bibel' und Talmud" auszuarbeu >i und vollständig herauszugeben; ein Werk, dem wir unsere Würdig;// nicht versagen können. Bescheiden spricht darüber der Verfasser in sein', Vorrede zur Abtheilung I : „Wie weit mir dieses gelungen, darin , mögen Andere urtheilen. Ich habe das Bewußtsein, nach Kräften /, arbeitet und für die Befriedigung eines weitgehenden Bedürfnisses gestr! zu haben." Mehr sprechen über den Werth und Brauchbarkeit bior Werkes andere Fachmänner. So Professor Franz Delitzsch in Leipzi g „Wie nutzbar es ist, Hobe ich nun seit 20 Jahren erprobt. Es ist e/,c wahre Fundgrube für Kenntniß des israelitischen Lebens in voru nachchristlicher Zeit, und mittelbar also für alt- und neutestamentlir. Schriftauslegung — eine jüdische Archäologie, wie sie nur ein dermaß-/> in der Talmud- und Midrasch-Litteratur heimischer jüdischer Gelehn; geben kann, ein wenn auch nicht mangelloses doch in seiner Art einzig Werk, welches seinen Werth behaupten und nicht so leicht verdräng werden wird." Herr Dr. David Cassel, Dozent an der Lehranstalt 6.; jüdische Wissenschaft in Berlin, schreibt dem Verfasser: „Ich fühle nn i) gedrungen. Ihnen auszusprechen, daß Sie durch die Abfassung bten Real-Encyclopädie sich ein bleibendes Verdienst nicht blos für bie Slexxntri' r> der Vergangenheit des Judenthmns, sondern für Alterthumskunde üh- Haupt erwarben. Die einzelnen Artikel sind mit Sachkenntnis;, Gnu - lichkeit und objektiver Würdigung abweichender Standpunkte gearbei!/.. Man sieht dem Ganzen an, daß Liebe und Hingebung für die Snö-c die Feder geführt haben." Dr. Leopold Zunz s. A. in Berlin sagte: „Bei m herrschenden Unkenntnis; der hebräischen Sprache und der noch größeren -u Bezug auf jüdische Geschichte und Litteratur ist es zeitgemäß, auf ein Wc4 aufmerksam zu machen, welches neben der Bibelkunde insbesondere d/ Litteratur und Alterthumskuude der Juden behandelt. Es ist dies die Ran encyclopädie für Bibel und Talmud, allsgearbeitet von dem Sanbrabbin v Dr. Hamburger in Strelitz." Leider gestattet uns der Raum nicht, einzeln? Proben aus diesem Werke zu geben - aber wir rathen allen Lesern, sich daselbe anzllschaffen. Es ist ein unentbehrliches Hilfs- und Nachschlagebuch. l / Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion. Max Bauchwitz in Berlin.

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