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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-02-10 · Heft 6 (10.2.1893) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 6 (10.2.1893)
Date
1893-02-10
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
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Lebensjahre verstorbenen Kaufmann Moritz Oppenheimer das letzte Geleit zu geben Den Trauerzng eröffnete ein Theil der hiesigen freiwilligen Feuerwehr, deren Kassirer und Schriftführer der allzufrüh Dahingeschiedene seit der Gründung gewesen. Daran schloß sich eine Deputation des Turner-Vereins mit umflorter Fahne, welchem Vereine er in früheren Jahren als Vorstand angehörte. Die Zipsel des Bahrtuches trugen die Mitglieder der israelitischen Kultus-Verwaltung, der er seit einer Reihe von Jahren durch Rath und That seine Dienste weihte.. Den Leidtragenden folgte eine unabsehbare Schaar von Freunden und Bekannten aus Rah und Fern, die Zeugniß ablegten von der allgemeinen Beliebtheit des Verstorbenen, deren auch unser verehrter Rabbiner Herr Dr. Cohn in dem vor dem Trauerhause gesprochenen Gebete erwähnte. Im Sinne des Heimgegangenen, dessen Bescheidenheit es nicht zuließ, wurde von Leichenreden Abstand genommen, doch Jeder, der ihn gekannt, war ohnehin des Lobes voll ob seines unermüdlichen, nur dem Wohle der Seinen und dem Dienste der Menschlichkeit gewidmeten Strebens, gepaart mit strengem Rechtlichkeitssinn. Wir werden Alle dem allzubald Verblichenen ein ehrendes Gedenken weihen. Der Dank für seine Mühewaltung in der Gemeinde folgt ihm über's Grab nach. Möge ihm die Erde leicht sein! Oesterreich-Angarn. ---- Wien, 4. Februar. Das Regierungsprogramm für die Bildung einer politischen Majorität giebt als leitende Grundsätze u. A. an: Die Regierung stehe unverrückbar auf dem Boden der bestehenden Verfassung und werde Aenderungen ihrer Grundgedanken nicht zustimmen. Es heißt sodann in dem Programm weiter: Da das Staatsleben auch ein friedliches Verhältniß der verschiedenen Konfessionen und Gesellschaftsklassen der Staatsbürger erheischt, wird die Regierung, die religiösen Ueberzeugungen achtend und schützend, Verhetzungen jeder Art entgegentreten. Die Regierung erachtet die Zurückstellung grundsätzlicher Aenderungen des Reichsvolksschulgesetzes im Interesse eines ruhigen Zusammenwirkens für erforderlich und wird bei Anwendung des Schulgesetzes den religiösen Gefühlen der Bevölkerung innerhalb der Gesetze Rechnung tragen. Hinsichtlich des religiösen Gefühles erkennt die Regierung an, daß lediglich die Gutachten der betreffenden Kirchenbehörden maßgebend sind, und wird deren Wünschen thunlichst entgegenkommen. M. K. Budapest, 5. Februar Der am 29 v. M. in Crailsheim verstorbene emerit Oberlehrer Alexander Elsässer, einer der ältesten Mitarbeiter dieser Zeitung, entstammte einer alten Gelehrtenfamilie. Sein Großvater gleichen Namens war ein bedeutender Talmudist, der mit dem Prager Oberrabbiner R. Ezechiel Landau in Briefwechsel stand, in dessen Gutachtensammlung „Roda Bijhuda" er mehrere Male genannt wird. Sein Vater, Baruch Elsässer, hat die erste öffentliche Volksschule in Württemberg gegründet Alexander, geboren im Jahre 1817 in Freudenthal (Württemberg) besuchte, nachdem er das Gymnasium in Stuttgart absolvirt hatte, das Lehrer-Seminar in Eßlingen und die Universität Tübingen Da er als Jude im höhern wissenschaftlichen Lehramte staatliche Verwendung nicht finden konnte, so war er gezwungen, eine Lehrerstelle anznnehmen. Er war von 1839 bis 1852 Lehrer in Oberdorf im Ries, von 1852 bis 1863 in Jebenhausen und von 1863 Ober' lehrer und Rabbiner-Stellvertreter in Laupheim. In letzterer Eigenschaft hielt er häufig Predigten, von denen mehrere gedruckt sind. Bei dem fünfzigjährigen Dienstjubiläum des Oberlehrers L. Liebmann in Eßlingen hielt er die Festrede, welche im Druck erschien (Eßlingen 1872). Elsässer, dichterisch veranlagt, lieferte poetische Beiträge für jüdische und nichtjüdische belletristische Zeitschriften. Auch schrieb er die Biographien mehrerer Zeitgenossen, so die Gabriel Adlers, Ludwig Philippsons, Bernhard Frankfurters u. a. m. Als tüchtiger Pädagog zeichnete ihn das württembergische Kultusministerium mehrmals aus und berief ihn im Jahre 1870 in die Kommission zur Entwerfung des Normalschulplans für die Volksschulen Württembergs. Mit der auch schon Heimgegangenen Dichterin Elise Henle stand er viele Jahre in freundschaftlichem Verkehr. # Budapest, 81. Januar. So sicher, wie die Umlaufszeit eines Planeten, läßt sich die Aufnahme des alten sihlinunen Liedes „Haut die Juden" in das Repertoir der alten Krönungsstadt Preß bürg berechnen. Kluge Auguren haben es auf Tag und Stunde vorausgesagt, was da kommen wird, wenn die Preßburger Religionsgemeinde zum Bau eines Tempels jchreiten wird — Der Umstand, daß das zu diesem Zwecke auserseheue Grundstück in der Nähe des Domes liegt, veranlaßte all mnjorem ^lorium Dei die kalholischen Gläubigen, gegen den Bau zu protestiren. Unumstößlich klare gesetzliche Bestimmungen wurden angezweifelt, Grundlehren und Grundbegriffe des Eigenthnmsrechtes verdunkelt, mehrfache Gesetzesverletzungen, begleitet von dem wüthenden Feldgeschrei des Herrn Kraxelhuber, wurden zu Hilfe genommen, und endlich die Frage als eine solche dargestellt, die das religiöse Gefühl verletzt und die innerhalb der geltenden gesetzlichen Schranken ihre Lösung nicht finden könne. — Dieser Tage beschäftigte sich mit diesem Proteste eine gemischte Kommission, die sich den Erörterungen der Protestpartei anschloß und zum Beschlüsse erhob, daß die Religionsgemeinde in der Nähe des Domes wohl eine Zinskaserne, aber kein Gotteshaus bauen dürfe. — Nun ist die Religionsgemeinde gezwungen, den Rechtsweg zu betreten, um ihrem unantastbaren Rechte Geltung zu verschaffen. — Die hiesigen Tagesblätter brachten eine unglaublich klingende Nachricht, laut welcher acht Zöglinge des Landeslehrerseminars mit der Begründung ausgetreten wären, daß sie das ungarische Rabbinerproletariat nicht vergrößern wollen. Diese Nachricht wurde nicht dementirt, denn es ist eine allgemein bekannte Thatsache, daß, wenn auch keine Ueberproduktion merkbar ist, doch mehrere junge Rabbiner in Ungarn keinen Wirkungskreis finden Die ungarländischen Gemeinden betreiben nämlich seit einigen Jahren eine Wartepolitik, die in keinem Falle Berechtigung hat. Gemeinden, wie Veszprem, Papa, Neutra, Tyrnau, Tapolcza, Kula u. a. m., ja sogar viele Gemeinden in den einzelnen Komitaten wie Trencsin, TurOcz u s. w. stehen ohne Rabbiner. — Obzwar ein Ministererlaß nur eine Wartezeit von sechs Monaten gestattet, so wird von den Gemeinden in den selte ,sten Fällen innerhalb dieser Zeit ein Rabbiner angestellt. — Dies ist die Ursache, daß auch die jungen Rabbiner eine gewisse Wartezeit durchmachen müssen. — Im Landesrabbinerseminar wurde gestern drei Herren, den Herren Dr. Anton Rudolfer, Dr. Leopold Goldschmidt und Dr. Julius Diamant, das Rabbinerdiplom feierlichst überreicht. Frankreich. Paris, 29. Januar. Die Societe des Rtiules juives hat gestern ihre jährliche Generalversammlung abgehalten. Hr. Theodor Rein ach, der Vizepräsident, führte den Vorsitz und eröffnete die Sitzung durch eine Ansprache, in der er in bewegten Worten das Andenken der verstorbenen Mitglieder feierte, darunter Isidor Loebs, Michael Erlangers und Leonce Lehmanns. Der Schatzmeister Herr Mojes Schwab stattete darauf den Rechnnngsbericht ab, der gegen den des Vorjahres erfreuliche Resultate aufwies. Der Generalsekretär der Gesellschaft Herr Vernes gab darauf eine Uebersicht über die in der Revu veröffentlichten Arbeiten. Hiernach wurde das Ergebniß der Neuwahlen des Vorstandes verlesen. Herr Hartwig Derenburg, Professor an der Hochschule für orientalische Sprachen, ist zum Präsidenten, Herr Schwab zum Schatzmeister für 1893 erwählt worden. Unter den neuen Vorstandsmitgliedern sind ferner zu erwähnen die Herrn Obberrabbiner Dreyfuß, Rubens Duval, Eduard von Goldschmidt, Lucien-Lazard und Henry v. Rothschild. Endlich sei hervorgehoben, daß Herr Rabbiner Israel Levy mit der Redaktion d:r bibliographischen Abtheilung der Revu betraut worden ist. Großliritnruiirn. H London, 30. Januar. Auf die bereits mitgetheilte Aufforderung des Barons von Hirsch hat der Rath der Anglo-Jewish-Association die folgenden Beschlüsse gefaßt: „Der Rath aeeeptirt das Geschenk des Baron von Hirsch unter den in dem Schreiben an Sir Julian Goldsmid vom 29. Dezember 1892 gestellten Bedingungen, Vorbehaltlich die Genehmigung des Baron Hirsch sind Six Julian Goldsmid, Herr Ellis A. Franklin und Herr Leopold Schloß ernannt, als Vertrauensmänner die Anglo Jewish-Assoeiation zu vertreten und die Antheilscheine in deren Namen zu übernehmen. Ohne Zustimmung des Baron Hirsch dürfen sie bei dessen Lebzeiten diese Uebertragung nicht registriren."

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