Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 6 (10.2.1893)
- Date
- 1893-02-10
- Page
- Seite 2 (sequence 16)
- Language
- German
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2 welche ihre ganze Thatkraft bem Gedeihen und der Leitung des Instituts widmen. Daneben walten 67 Ehrendamen ihres mühevollen Amtes. Außer verschiedenen Spenden an Materialien haben 840 Personen Jahresbeiträge in Höhe von fast 7000 M. gezeichnet, während die Summe der einmaligen Spenden 2960 M, der Ertrag aus Wohlthätigkeitsveranstaltungen 12,866 M. beträgt. — Aus dem statistischen Material sei noch hervorgehoben, daß die Summe der verabreichten Portionen während der 13 Monate, über welche der Bericht Aufschluß giebt, sich auf 571,243 beläuft. — Zum Schluß wollen wir nicht verfehlen, unsere Leser zur Unterstützung dieses volkswirthschaftlich so bedeutenden Unternehmens aufzufordern, und ihre Beitragszeichnungen an Herrn Hermann Abraham, Alte Jakobstraße 57 59 gelangen zu lassen. (Siehe auch „Nah und Fern"). ss. Berlin, 6. Februar. Der in der vergangenen Woche bestattete Herr Adolf v. Liebermann zeichnete sich durch hervorragende Wohlthätigkeit aus. Für das Auerbach'sche Waisenhaus hatte er bereits am 11. November 1859, zu Ehren seiner Gattin Rina v. Liebermann, geborene Strauß, eine Stiftung für Zöglinge der Knaben- und der Mädchenanstalt ins Leben gerufen, deren unantastbares Grundkapital jetzt über 19,000 Mark beträgt. Die Zinsen werden zur Hälfte alljährlich am 10. März, als an dem Geburtstage der am 30. Januar 1880 verstorbenen Frau v. Liebermann, je einem Waisenmädchen und am 13. November, dem Tage der Aufnahme des ältesten Sohnes des Herrn v. Liebermann in den Bund des Judenthums, je einem Zögling der Knabenanstalt zuerkannt. Die Herren Dr. jur. Paul, Dr. phil. Willy und Dr. med. Fritz v. Liebermann erweitern alljährlich, anläßlich des wiederkehrenden Todestages ihrer seligen Mutter, den Fonds der Stiftung durch weitere Zuwendungen. Der aus kararischem Marmor hergestellte Sarkophag der Frau Nina v. Liebermann auf dem Friedhofe in der Schönhauser Allee wird als das künstlerisch werthvollste Grabmal dieses Friedhofs vielen Lesern bekannt sein. In diesem Erbbegräbniß ist and) A. v. Liebermann jetzt beigeseht worden. In dem Testament des Herrn A. v. Liebermann, der als Ritter des österreichischen Ordens der eisernen Krone das Adelsprädikat verliehen erhielt, sind viele Stiftungen unserer Gemeinde mit Zuwendungen bedacht. Oa. Aus Schlesien, 25. Januar. Am jüngsten Sonnabend hielt in Ratibor Herr Rabbiner Dr. Blumenthal im dortigen Privatbeamtenverein einen Vortrag über „Die Freundschaft". Der Saal war überfüllt. Der Vortrag stellte sich als eine geistvolle, ästhetische Plauderei dar, welche im Spiegel der Weltlitteratur das Wesen der Freundschaft in allen ihren Ausstrahlungen betrachtete. An der Hand der morgenländischen Spruchsammlung, der klassischen Philosophen und modernen europäischen Dichter behandelte der Redner die immer zeitgegemäßen Fragen, wie wir Freunde gewinnen und verlieren, wie wir gegen Freunde denken, sprechen und handeln sollen und zwischen welchen Menschen allein Freundschaftsbündnisse möglich sind. Der Redner schloß mit dem ergreifenden talmudischen Satze, deren Lehre lautet: Gesellschaft oder Tod! Die Wege der Menschen sind verschieden; aber alle sind gebildet aus eines Schöpfers Hand, alle Kinder eines Vaters und alle kehren zu der einen Mutter Erde einst zurück. Daher sei es heilige Pflicht aller Gebildeten, in großen Dingen, im Dienste der Welt, des Vaterlandes und der Menschenliebe sich die Hand zu reichen und Freunde zu sein. Die Versammlung brach am Schlüsse in lebhaften Beifall aus und erhob sich zu Ehren des Redners von den Sitzen. — Alsdann ward dem scheidenden Vereinsvorsitzenden Herrn Grünbaum unter herzlichen Dankes- und Abschiedsworten ein Ehrenpokal überreicht. — Wie verlautet, soll Herr Kantor Rosenthal von der Synagogen- Gemeinde in Ratibor Aussicht haben, als Oberkantor an die neue Synagoge in Breslau berufen zu werden. — Nach dem Verwaltungsberichte des israelitischen Krankenpflege- und Beerdigungs- Vereins in Myslowitz betrug die Einnahme aus dem Jahre 1892 2925,69 Mk. Hiervon sind verausgabt worden 2700 47 Mk. Das Ge sammtvermögen beläuft sich zur Zeit auf 11,744.15 Mk. Die Mitgliederzahl ist auf 126 gestiegen. — Der gleichen Bestrebungen gewidmete Verein in Kattowitz versendet gleichfalls seinen Kassenverwaltungs- Beri cht für das Geschäftsjahr 1891/92 (Oktober 1891 — ult. September 1892). Die Gesammt-Einnahme des den größten Theil der Gemeindebezirks-Mitglieder umfassenden Vereins beträgt 9378.54 Mk., wovon 563.53 Mk. als Eoursdifferenz bei der Anschaffung von Effekten in Abzug kommen. Die Gesammtausgabe beläuft sich auf 3559.18 Mk., sodaß ein Bestand 5255.18 Mk. (545 45 Mk. mehr als im Vorjahre) verbleibt, der zum größten Theile in Staatspapieren angelegt wurde; der Gesammtbesitz von Effekten hat die Höhe von 11,000 Mark. — Der vor einiger Zeit von Kattowitz nach Breslau verzogene Bankier, Herr E. Sachs, dem bei seinem Scheiden der Ehrentitel eines „Stadtältesten" beigelegt wurde, hat neuerdings der Stadtverwaltung seines früheren Aufenthaltes den Betrag von 5000 Mark als Geschenk überwiesen. - In Görlitz hielt Herr Rabbiner Dr. Freund im dortigen Handwerkerverein am 24. d. M. einen recht interessanten Vortrag über das Thema: „Das Blut im Aberglauben des Volkes." * Liegnitz, 3. Februar. Während von einem Theile der Konservativen in dem Wahlkampfe um den hiesigen Kreis ein eigener Kandidat aufgestellt worden ist, hat ein anderer Theil sich nicht enthalten können, bereits jetzt ins antisemitische Lager mit klingendem Spiel überzulaufen. Da die Herren jedoch immer noch eine gewisse Scheu davor tragen, sich öffentlich zum Ahlwardtismus zu bekennen, so ist der betreffende Beschluß — auf Antrag des Hrn. von Nickisch-Nosenegk — folgendermaßen verklausulirt worden. „In Erwägung, daß der vorgerückten Zeit wegen die Aufstellung eines eigenen Kandidaten aussichtslos erscheint, in fernerer Erwägung, daß die deutsch-soziale Partei für die Landtagswahl die Unterstützung der konservativen Kandidatur zugesagt hat, in Erwägung endlich, daß in der Vertretung des Wahlkreises durch den konservativ gesinnten Rechtsanwalt Hertwig eine wesentliche Verbesserung gegen früher immerhin erblickt werden muß, beschließt die konservative Partei, von der Aufstellung eines eigenen Kandidaten abzusehen und überläßt ihren Mitgliedern, ob sie für den Rechtsanwalt Hertwig bei der bevorstehenden Reichstagswahl eintreten wollen." Da loben wir uns doch die Ehrlichkeit der Berliner Radaukonservativen auf Tivoli. * Frankfurt a. M.,6. Februar Ueber eine „unangenehme Verwechselung" findet sich in einer Wiesbadener Mittheilung der „Barm. Ztg." eine merkwürdige Erzählung. Danach habe auf einer nassauischen Eisenbahnstation „einer unserer obersten Staatsbeamten" das Zusammenreisen mit einem Herrn, den er für einen „Juden ansah, in lebhafter Weise verweigert, weil sein „Nationalgefühl" das nicht zulasse Hinterher aber stellte sich heraus, daß der angebliche „Jude" „einer unserer höchsten evangelisch-kirchlichen Würdenträger" war. Und dieser soll sich auch durch die Entschuldigungen des „Staatsbeamten" nicht haben abhalten lassen, weitere Schritte in dieser Sache zu thun. Die „Barm. Ztg." bemerkt dazu: „Man wundert sich heut zu Tage vielfach überden großen Umfang, welchen die antisemitische Bewegung bereits angenommen hat. Sieht man aber so offen unsere ersten Staatsbeamten „an der Arbeit", so ist es heute nicht mehr als natürlich, daß der ganze Troß derer mitarbeitet, die sich nun euunal daran gewöhnt haben, dort oben die Parole zu empfangen für ihr ganzes politisches Fühlen und Denken. Wo soll das hinaus?" — Der Regierungspräsident v. Tepper- Laski richtet wegen dieser Nachricht eine Zuschrift an die „Frankfurter- Zeitung", worin er sagt: „Ich kann mich der Aufforderung an die „Barmer Zeitung" zur Namensnennung nur anschließen, damit jener Beamte, welchen jenes Blatt mit seiner völlig aus der Luft gegriffenen Erzählung zu verdächtigen beabsichtigte, in die Lage versetzt wird, gegen dasselbe strafrechtlich einzuschreiten." k. Hannover, 25. Januar. Am 24. d. M. fand ein Wohlthätigkeitskonzert zur Gründung eines Fonds für ein israelitisches Altersversorgungshaus statt. Es war den unermüdlichen, wochenlangen Bemühungen der Frau Landrabbiner Dr. Gronemann gelungen, aus allen Kreisen der jüdischen Gesellschaft Kräfte zur Mitwirkung heranzuziehen. In Verbindung mit dem Vereine ehemaliger Religionsschülerinnen waren mehr als 80 Damen für diesen edlen Zweck thätig und hatten ihre Kunst und ihr Sinnen in den Dienst der Wohlthätig keit gestellt. Das sehr zahlreich erschienene Publikum, welches den großer Saal des Konzerthauses füllte, folgte den Aufführungen, die aus Chören und Einzelvorträgen sowie aus der Vorführung einer Märchendrchtuna bestanden, mit gespannter Aufmerksamkeit und zollte jeder einzelnen Leistuno lauten Beifall; ebenso günstig lauteten die Urtheile der hiesigen Zeitungen über diese Aufführung, die sich weit über das Niveau einer Dilettanten Vorstellung erhob. Besonderes Lob verdient Herr Chordirigent Rose der sich nicht allein als tüchtiger Klavierspieler, sondern auch als ge wandter Dirigent erwies, und Herr Balletmeister Degen, der wirkungs