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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1891-07-03 · Heft 27 (3.7.1891) · p. Seite 317

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
55 (1891)
Issue
Heft 27 (3.7.1891)
Date
1891-07-03
Page
Seite 317 (sequence 5)
Language
German
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WWMWWW WAWWWWMMMW MWMMMWMff An den Prediger Adolf Jellinek. Mit einem Exemplar der Liebesbriefe Lenaus. Frisch gebacken aus dem Ofen Kommt geschossen dieser Band, Einem Priesterphilosophen Heute freundlich zugesandt. Was ist „Midrasch" und „Hagade"! Laß sie ruh'n in morscher Gruft, Draus nur Deines Geistes Gnade Schatten in das Leben ruft. Von vergilbten Talmudblättern Wehet kein so frischer Hauch, Als von dieses Buches Lettern, Heißer Liebe Rosenstrauch. Nicht allein in jeder Fibel Wird der Glaube fromm gelehrt, Dies Buch auch ist eine Bibel, Draus der Liebe Flamme fährt. Schlag' sie auf! Wie wir erfahren, Hat der Psalmensänger doch Still geliebt mit siebzig Jahren, Weißt Du? die von Sunem noch. Lies in diesem Buch, wie Seelen, Glühend in Begeisterung, Sich gesehnt, sich zu vermählen — Und Du fühlst Dich wieder jung Heut, wo Liebe und Verehrung Tausendfach Dir huld'gend naht Und sich niedersenkt Verklärung Auf Dein Wort und Deine That. Für Berlin dürste ein Brief von Professor Dr. M. Lazarus besonders interessant sein. Derselbe lautet: Schönefeld bei Leipzig, zum 26. Juni 1891. Hochgeehrter lieber Freund! Am heutigen Tage, da ein weit — über Länder und Meere — gespannter Kreis sich um Sie schaart, Ihrem Genius zu huldigen und den gesegneten Ertrag Ihrer energischen Lebensführung zu preisen, müssen Ihre näheren Freunde, zu denen ich seit mehr als einem Menschenalter mit Stolz mich zähle, bescheiden zur Seite stehen, mit freudigster Teilnahme und stillen Segenswünschen sich begnügen, Ihnen die Hände zu drücken. Die lieben wackeren Hände! Haben sie doch, denen jener Männer gleich, welche die erste große Wiederaufrichtung des Judenthums nach dem babylonischen Sturze bewirkten, die eine das Bau geräth und die andere Waffen zugleich geführt. Mögen sie, die treuen Hände, noch lange so rüstig, so segensreich walten und wirken! Das ist heute ein herzliches Gebet Aller, welche das Judenthum lieben. Ihnen aber, hochverehrter Freund, möge es vergönnt sein, niit beglückten Augen das Heil Israels und seinen Frieden zu schauen. Mit den freundlichsten Grüßen unb innigen Glückwünschen für Ihre liebe verehrte Frau und Ihre ganze Familie Ihr getreuer Lazarus. Einige launige Verse sandte S. Kohn: Von Nord und Süd, von Ost und West Gelangen heut in Deine Hand Zu Deinem siebzigsten Wiegenfest Wohl Wünsche zahllos wie Wüstensand. Doch Keiner kann sich mit mir messen, Hoff' allesammt zu überragen! Ich wünsche Dir die Summe dessen, Was man Dir wünscht in diesen Tagen! Profeffor Dr. H. Grätz in Breslau schrieb: „Geehrter lieber Freund! Der Kollektiv-Gratulation im Vereine mit meinen Kollegen lasse ich meinen individuellen Glückwunsch folgen auf die Gefahr hin, daß er in dem Babel ersäuft werden würde. Denn meine besten Wünsche sage 317 - ich nicht dem mustergültigen Kanzelredner, nicht dem glänzenden Stilisten, nicht dem vielseitigen Litteraten, nicht einmal dem muthigen Kämpfer, der sich vor einer Welt von Gegnern nicht fürchtet, sondern dem treuen Freunde eines fast halbeil Jahrhunderts. Sie und ich mit Derenburg sind fast die einzigen Veteranen der jüdischen Litteratur. Möge sich die jüdische Welt noch lange Ihrer segensreichen Thätigkeit erfreuen und mögen Sie Kraft und Geduld bewahren, alle die Huldigungen an Ihrem Jubeltage zu ertragen. Ihr Graetz. Nicht minder herzlich schreibt Dr. W. Kayserling in Budapest: „Wer besser als ich, der ich seit 36 Jahren Ihre erfolgreiche Thätigkeit, Ihre immer belehrenden und anregenden Leistungen auf dem Gebiete der jüdischen Wissenschaften verfolgt, weiß es zu würdigen, was Sie als vortrefflicher Kanzelredner und als vielseitiger Gelehrter geleistet haben, welch' hervorragenden Platz Sie in der Geschichte der Kultur unb Entwicklung des Judenthums einnehmen!" Den Beschluß mögen zwei christliche Briefe bilden. Der eine kam von Dr. Carl von Kißling in Linz, welcher als entschiedener und energischer Kämpfer gegen den Antisemitismus in letzter Zeit bekannt geworden ist: Hochverehrter Herr! Vor einiger Zeit erhielt ich, wie ich wohl mit Recht vermuthe, durch Ihre gütige Vermittlung die aus Ihren Reden gesammelten Lichtstrahlen von Dr. A. Kurrein zugesendet. Ich finde mich dadurch ebenso geehrt als erfreut, und danke hiermit für diese Freundlichkeit mit dem Versprechen, mir, wie es bereits mit einem Theile geschehen ist, den ganzen herrlichen Schatz Geist und Herz anregender Aussprüche zu Gemüthe führen zu wollen. Die Herausgabe dieser Sammlung ist wohl die beste Vorbereitung zu einer würdigen Feier Ihres nahen siebenzigsten Lebensjahres, die ich im Geiste mitbegehen werde, und zu der ich Ihnen hiermit die besten Glückwünsche übersende. Möge Sie Gott noch lange zum Segen Ihrer Glaubensgenossen und zur Freude Ihrer Freunde und Verehrer in geistiger und körperlicher Rüstigkeit erhalten. Linz, den 18. Juni 1891. Dr. Carl von Kißling. Von dem Universitätsdozent und Bibliothekar des Schottenstiftes zu Wien, einem katholischen Geistlichen, der als philosophischer Schriftsteller bekannt ist, Dr. Vinzenz Knauer, den Jellinek übrigens persönlich nicht kennt, erhielt der Letztere schließlich folgendes Glückwunschschreiben : „Euer Hochwohlgeboren, hochgeehrter Herr Doktor! Als ein hoffentlich nicht ganz Fremder beehre ich mich, Euer Hochgeboren meine besten Glücks- und Segenswünsche zum siebzigsten Geburtstag auszusprechen, mit der Hoffnung, Gott werde Sie, geehrter Herr Doktor, recht lange noch in voller Körper- und Geistesfrische erhalten und in Ihrem so humanen und echt religiösen Wirken kräftigen. Wenn ich das Wort „religiös" gebrauche, so geschieht es nicht im Sinne eines schalen Judifferentismns; denn Ihnen, dem Mann der Wissenschaft, brauche ich nicht zu sagen, daß es nach streng katholischer Denkweise einen prinzipiellen Unterschied zwischen Mosaismus und Christenthum nicht geben kann; und wenn als solcher die bereits erfüllte Messiaserwartung bezeichnet wird, so ist nie zu vergessen, daß nach christlicher Lehre diese Hoffnung erst dann ihre volle Verwirklichung finden werde, wenn „Eine Heerde und Ein Hirt" fein und besonders Israel oie ihm nach göttlicher Verheißung zukommende Stellung im messianischen Reiche einnehmen wird. Diese glorreiche Zeit näher zu rücken, tragen vor Allen diejenigen bei, von denen das Wort des Evangeliums gilt: Ecce vere Israelita, in cjuo dolus non est (Johann. I. 2), die Männer nämlich, die, über gemeine und gehässige Parteileidenschaften erhaben, im Geiste der Wissenschaft und des kulturellen Fortschritts walten. Darum spreche ich Ihnen, hochverdienter Herr, zu Ihrem freudigen Feste nicht nur meinen aufrichtigen Glückwunsch, sondern auch meine tiefgefühlte Verehrung aus." Solche edlen Worte thun in unserer leidenschaftdurchwühlten Zeit ordentlich wohl! Ich schließe deshalb mit ihnen den Bericht über das schöne Fest, dessen Stimmungen und Anregungen noch lange fortwirken werden! U

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