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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1891-04-17 · Heft 16 (17.4.1891) · p. Seite 184

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
55 (1891)
Issue
Heft 16 (17.4.1891)
Date
1891-04-17
Page
Seite 184 (sequence 4)
Language
German
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Wohl des Königs Pharao und des Staates zu fördern? Wem imponirte nicht das sittliche Pathos der Ueberzeugung, mit welchem Daniel dem ] König von Babylon gegenüber die Ursache seiner wunderbaren Er-; rettung erklärte: „Gott der Herr hat mir seinen Engel gesandt, mich aus dem Rachen des Löwen zu befreien, weil er mich unschuldig gefunden und weil ich Dir, mein Herr und König, stets treu und; ergeben war." (Dan. 6, 23). Wer hätte nicht Achtung vor dem Charakter des Mardochai, der eine von Hofschranzen und Jntriguanten angezettelte Verschwörung gegen das Leben des Königs Ahasverus, des Königs von Persien, zur Anzeige brachte, obwohl > dieser Monarch das ganze Volk ausrotten wollte? (Esth. 2, 21.) Wer schwärmte nicht für die liebenswürdige und heroische Esther, welche nach dem Grundsätze handelte, welchem sie selbst Ausdruck verlieh: „Nicht darf ich ruhig das Unglück ansehen, welches meinem Volke zustößt, nicht darf ich theilnahmlos dem Untergang meines Vaterlandes zuschauen?" (Esth. 8, 6.) . Wie schon erwähnt, ist das gekrönte Haupt nach biblischer Auffassung heilig. Der Fürst hat wegen seiner Ansichten "und Gesinnungen nur vor Gott und seinem Gewissen Rechenschaft abzulegen. „Des Königs Herz ist in der Hand Gottes wie Wafferströme; er leitet es nach seinem Willen" (Spr. Sal. 21, 1), denn eine-weise Obrigkeit wünscht nur die Verbesserung unseres geistigen und materiellen Wohles, „Wo ein weiser Regent ist, wird das Gesetz streng gehandhabt, und wo eine verständige Regierung ist, geht es ordentlich zu." (Sir. 10,1.) „Das Herz des Königs," sagt Salomo (Spr. 25, 3) „ist unerforschlich wie die Höhe des Himmels und die Tiefe der Erde". „Nur an der Hand des Rechts regiert der König." (Jes. 32, 1.) Die Macht des Königs besteht darin, daß er Gerechtigkeit liebt. (Ps. 99, 4.) Der König, der auf dem Throne des Rechts sitzt, verscheucht mit seinem Blicke das Böse. (Spr. 20, 8.) Ein Greuel des Königs ist, Schlechtigkeit üben, denn nur durch Gerechtigkeit steht fest der Thron. (Spr. 16, 12.) Das Wohlgefallen der Könige erhalten die Lippen des Rechts, und wer aufrichtige Worte spricht, wird von ihm geliebt. (Spr. 16, 13.) Huld und Wahrheit beschützen den König. (Spr. 29, 28.) Wo das königliche Antlitz strahlt, da verbreitet es Leben. (Spr. 16,15.) Das Wohlwollen des Königs ist wie erquickender Thau auf lechzenden Gefilden." (Spr. 19, 12.) Zur Wahrung seiner eigenen geistigen, sittlichen und materiellen Interessen sowohl, wie auch als Schutzwehr der menschlichen Gesellschaft gegen das oft alle Schranken übersteigende widerrechtliche Vorgehen des Einzelnen, als Damm gegen den wilden Sturm der Leidenschaften und Verbrechen, der die Grundpfeiler aller Civilisation und Bildung zerstören möchte, gicbt der Staat Gesetze, die Jedermann, der Höchste wie der Niedrigste, bedingungs- und rückhaltlos befolgen muß, sollen nicht die Grundfesten des Staatswesens erschüttert und die Errungenschaften der Kultur in Frage gestellt werden. Die heilige Schrift fordert daher aufs Entschiedenste die Ehrfurcht vor der Majestät des Gesetzes; namentlich enthalten die Spr. Salomos hierüber goldene Worte, wie z. B. die folgenden: „Wohl dem, der das Gesetz heilig hält!" (29, 18.) „Das Gesetz ist eine Leuchte, das Gebot ein Licht und die lehrreiche Warnung ein Weg zum Glücke." (6, 23.) „Wer das verachtet, verwundet sich selber; wer Ehrfurcht davor hat, findet seinen Lohn." (13,13.) Auch die Propheten predigen den Respekt vor den Staatsgesetzen; so sagt z. B. Jesajas (48, 18): „Wenn du hörtest auf die Gesetze, dann wäre , dein Glück wie . ein Stern und dein Heil wie die Wellen des Meeres", und Nehemias hat das schöne Wort gesprochen: „Die Gesetze machen den .Menschen glücklich, wenn er sie beachtet." (Neh. 9, 29.) Wie das Gesetz, so predigt die Bibel Völkern und Fürsten auch den Frieden — das Ideal des modernen Staates, welches, ach,. noch lange ein Ideal sein wird. Noch heute haben die biblischen Mahnungen ihre volle Berechtigung : „Suche den Frieden und jage ihm nach." (Ps. 34, 15.) — „Liebe Friede und Wahrheit." (Sachar. 8, 19.) — „Das ist die Saat des Friedens, wenn der Weinstock Früchte trägt, die Erde reichlichen Ertrag bringt und der Himmel seinen Thau giebt." (Sach. 8,12). — „O Schwert Gottes, wie lange willst du rastlos würgen? Fahre zurück in deine Scheide, o ruhe aus und sei stille!" (Jer. 47, 2; 2. Sam. 2, 26.) — „Wie schön sind auf. den Bergen die Schritte des Friedensboten, der Friede der Welt verkündet, der gute Botschaft bringt, der Heil verbreitet!" (Jes. 52. 7; Neh. 2, 1; vergl. auch Jes. 57,19.) - „Noch giebt es eine schönere Zukunft, noch giebt es einen Tag der Weiheit, der kommen muß; zögert sie auch lange, so gieb doch die Hoffnung nicht auf; sie wird gewiß eintreffen und nicht ausbleiben" (Heb. 2,3); „denn einst werden die Nationen ihre Schwerter zu Pflugschaaren und ihre Spieße zu Sicheln umschmieden, denn es erhebt kein Volt mehr gegen das andere ein Schwert, und der Kriegsdienst wird fürder nicht mehr erlernt." (Jes. 2, 4; Micha 4, 3; vergl. auch Hos. 2, 20; Jon. 4,10), und endlich: „Der Gerechtigkeit Werk ist der Friede; die Frucht des Rechts, Ruhe und Sicherheit für alle Zeiten." (Jes. 32,17.) Sie sollen uns unsere Vaterlandsliebe nicht antasten: die Ducker und Mucker, die Laffen und Pfaffen, die Jesuiten und Hussiten, die Lüger und Trüger — im Punkte der Liebe zu Kaiser und Reich, zu Staat und Vaterland sind alle Parteien im Judenthum eines Sinnes: Orthodoxe wie Reformer, die Frömmsten wie die Aufgeklärtesten! Hl Aus dem Leben des Nr. Adolf Jellinek. i. Der Prediger der Wiener israelitischen Kultusgemeinde, Herr Dr. Adolf Jellinek, vollendet am 26. Juni 1891 sein 70. Lebensjahr. Angeregt von seinem Landsmann Dr. M. Steinschneider in Prag, reiste er im Oktober 1842 nach Leipzig, wohin sein Bruder Hermann ihm vorausgegangen war, ohne einen österreichischen Paß für das Ausland zu besitzen, wurde an der dortigen Universität unter dem Rektorat des Prof. Winer inskribirt, hörte unter Anderm die philosophischen Vorlesungen des Prof. Weiße, dem er später die deutsche Urbersetzung der Fränck'schen Kabbala widmete, Arabisch und Persisch bei Prof. Fleischer, der ihm ein Gönner und Freund bis an das Ende seines Lebens blieb. Als er auf der ersten Orientalisten- Versammlung in Wien erschien, wohnte er bei seinem ehemaligen Hörer Dr. Jellinek. An den Vorlesungen Fleischers nahmen gleichzeitig Theil Max.Müller in Oxford, Franz Delitzsch, Prof. Ludwig Krehl in Leipzig, Prof. Dieterici in Berlin, Prof. Spiegel in Erlangen. Zu jener Zeit war Leipzig ein Sammelpunkt für österreichische Schriftsteller und Dichter, welche Sehnsucht nach einer freieren Atmosphäre hatten. Unter diesen befanden sich Moriz Hartmann, Alfted Meißner, Eduard Mauthner, Jakob Kauffmann und Ignaz Kuranda, mit denen Dr. Jellinek verkehrte. Moriz Hartmann gab er den Stoff zu dem Gedicht „Die Jüdin von Toledo" nach einer spanischen: Romanze (gesammelte Werke I, 134), und für das Buch über Belgien von Dr. Ignaz Kuranda übersetzte er mehreres aus dem Französischen. Auch besorgte er die Fertigstellung der „Grenz- . boten", wenn deren Herausgeber auf mehrere Tage verreisen mußte. ' Einmal geschah es, daß es für die letzte Seite des grünen Heftes an Manuskript fehlte. Dr. Jellinek schrieb eine Notiz gegen einen

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