Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 55 (1891)
- Issue
- Heft 16 (17.4.1891)
- Date
- 1891-04-17
- Page
- Seite 185 (sequence 5)
- Language
- German
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Professor, der sich nicht sehr freundlich über die Juden geäußert Hütte. Als Dr. Kuranda in Leipzig eintraf, gab es einen großen Spektakel, weil jener angegriffene Professor ein Mitarbeiter der „Grenzboten" war. Dr. Kuranda war ein sehr strenger Redakteur, der von gar keiner Autorität von seinen Redaktionsgrundsätzen sich abdrängen ließ. Einmal gab ein sehr bekannter Docent der Leipziger Universität während der Abwesenheit Knrandas eine Besprechung über die Aufführung eines Schiller'schen Dramas in die Druckerei der „Grenzbo'ten", und der kritische Artikel wurde sofort gesetzt. Als Kuranda diese Kritik dann im Bürstenabzüge las und mit derselben nicht einverstanden war, ließ er sofort den Satz auseinandernehmen und bezahlte dem Autor das Honorar. Heinrich Laube, ein Mitarbeiter der „Grenzboten", der in den Vierziger Jahren die „Zeitung für die elegante Welt" redigirte und ein demonstrativer Deutschthümler war, sagte einst zu Kuranda, daß er als Jude kein Deutscher, sondern ein Fremder auf deutschem Boden sei, worauf ihm Kuranda in seiner Schlagfertigkeit mit sarkastischer Beziehung auf deffen Gesicht, das nichts vom deutschen Typus an sich hatte, erwiederte: „Nach Ihrem Aussehen, lieber Laube, zu urtheilen, waren Ihre Vorfahren Orientalen, die nach Deutschland verschlagen wurden, und doch sind Sie heute ein Germane in urdeutscher Tracht." Dr. Jdllinek, ohne regelrechten österreichischen, ausländischen Paß, trug Bedenken, seine schriftstellerischen Arbeiten mit seinem Namen zu versehen. Er setzte daher auf das Titelblatt seiner deutschen Bearbeitung der Franck'schen Kabbala „Gelinek" anstatt Jellinek und Unterzeichnete seine Beiträge in der Wochenschrift „Der Orient" mit dem Namen „Ink". Unter demselben wird er in der „Geschichte der Juden" von Deffauer angeführt. Als die deutsche morgenländische Gesellschaft in Leipzig gegründet wurde, wählten die maßgebenden Profefforen Dr. Jellinek in das Redaktionscomite der Zeitschrift dieser Gesellschaft. Er nahm an allen Sitzungen theil und referirte über die neuesten Erscheinungen der jüdischen Litteratur. Außer seinem Lehrer, Profeflor Fleischer, waren ihm Profeffor Roediger in Halle, die Professoren Tuch, Brockhaus und Anger in Leipzig sehr zugethan. Er war auch Mitarbeiter am litterarischen Centralblatt, an Gersdorfs Repertorium und der Halle'schen Litteraturzeitung. In der letzteren machte er zuerst aufmerksain auf die aramäisch-syrischen Fabeln des Sophos, die später von Dr. Landsberger herausgegeben und im Midrasch des R. Moses Ha-Darschan (cod. Rappaport) benutzt würden. Gin vereinfachtes Verfahren, jüdische und bürgerliche Noten in einander;u verwandeln. Von Dr. Max Simon in Berlin. Das Bedürfniß. ein bekanntes jüdisches Datum in das entsprechende bürgerliche zu verwandeln, und umgekehrt, macht sich im jüdischen Familienleben so oft geltend, daß eine Anleitung zu leichter Ausführung derartiger Rechnungen Vielen willkommen sein dürfte. Bei der bekannten Komplizirtheit des jüdischen Kalenders gehört die allgemeine Lösung dieser Aufgabe zu den schwierigsten der Chronologie. Hat es doch der berühmte Mathematiker Gauß nicht verschmäht, eine Regel für die Berechnung des Passahfestes aufzustellen, und ist auch diese nur von solchen zu handhaben, die mit wissenschaftlichem Rechnen vertraut sind. Beschränkt man jedoch die Aufgabe auf solche Fälle, wie sie im praktischen Leben am häufigsten Vorkommen und auch allein den Laien interessiren, z. B.: Auf welches bürgerliche Datum fällt in diesem Jahr eine dem jüdischen Datum nach bekannte Jahrzeit? oder ein nach 'jüdischem Datum gefeierter Geburtstag? oder wann ist der nächste jüdische Neumondstag (wovon wiederum der Sabbath des sogenannten „Rosch-chodesch-Benschens" abhängt)? oder auch umgekehrt : Welches jüdische Datum entspricht dem bekannten bürgerlichen eines Sterbefalles? u. A. m., — so läßt sich ein überraschend leichtes Verfahren angeben, alle solche Fragen mit Hilfe des bürgerlichen Kalenders, der nicht leicht in einem Hause fehlen dürfte, zu beantworten. Von der Kenntniß des jüdischen Kalenders werden nur folgende Elemente vorausgesetzt: a) Die 12 Monate des jüdischen Gemeinjahres, die regelmäßig abwechselnd je 30 oder 29 Tage zählen, sind: Nissan (30), Jjar (29), Ssiwan (30). Thamus (29), Ab (30). Elul (29), Thischri (30), Cheschwan (29), Kislew (30), Thebeth (29), Sch'wat (30), Adar (29). b) Im Schaltjahr, das bald nach zwei, bald nach einem Gemeinjahr eintritt, wird zwischen die beiden letzten Monate ein dreizehnter Monat von 30 Tagen eingeschaltet, welcher Adar I heißt, während der eigentliche Adar (in dem auch stets das Pfingstfest gefeiert wirb) dann Adar II genannt wird und, wie sonst, 29 Tage hat. e) Die Bestimmung, ob ein Jahr ein Schaltjahr ist oder nicht, geschieht in folgender Weise: Bekanntlich werden die Jahre der Welt in Cyklen von je 19 (Mond-) Jahren eingetheilt. Dividirt man z. B. die jetzige Jahreszahl 5651 durch 19, so erhält man den Quotienten 297 und den Rest 8. Jener zeigt an — was uns hier nicht interessirt — daß seit dem Anfang der jüdischen Zeitrechnung 297 Cyklen verlaufen sind, der Rest dagegen, daß wir im 8. Jahre des neueil Cyklus stehen. Nun ist aber jedes 3. 6. 8. 11. 14. 17. 19. Jahr eines Cyklus ein Schaltjahr, also auch das Jahr 5651 als das 8. des Cyklus. Die übrigen Schaltjahre dieses Cyklus sind, wie leicht zu sehen, die Jahre 5654 (11). 5657 (14). 5660 (17), 5662 (19). ck) Neben den regelmäßigen Gemein- und Schaltjahren giebt es auch noch überzählige und mangelhafte Jahre, jene zählen einen Tag mehr, diese einen Tag weniger als die regelmäßigen. Dies macht sich an den beiden Monaten Cheschwan und Kislew bemerklich. Im überzähligen Jahr hat Cheschwan 30 (statt 29) lind im mangelhaften Kislew 29 (statt 30) Tage. Anmerkung: Zu bestimmen, wann diese Unregelmäßigkeit eintritt, erfordert im Allgemeinen verwickelte Rechnungen, die hier nicht erörtert werden können. Bei unserer beschränkteren Aufgabe wird sich jedoch auch hierfür eine leichte Lösung finden lassen. e) Die unveränderlichen jüdischen Daten der für unfern Zweck "wichtigsten Feste sind: Passahfest - 15. Nissan, Wochenfest, — 6. Ssiwan, Neujahr — 1. Thischri, Tempelweihe (Chanuckah) — 25. Kislew, Hamansfest (Purim) — 14 Adar. Mit Hilfe dieser in den fünf Nummern (a— e) enthaltenen Sätze über den jüdischen Kalender und der in jedem bürgerlichen Kalender gemachten Angaben über die jüdischen Feste lassen sich nun Aufgaben, wie sie oben angedeutet sind, ohne Schwierigkeit lösen. In dem diesjährigen Kalender (1891) finden sich u. A. folgende Angaben: