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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1891-04-17 · Heft 16 (17.4.1891) · p. Seite 183

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
55 (1891)
Issue
Heft 16 (17.4.1891)
Date
1891-04-17
Page
Seite 183 (sequence 3)
Language
German
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Igg anderen Gelegenheit ruft der Psalmist gleichfalls enthusiastisch aus: „Preiset den Ruhm des Königs, der das Recht liebt, Gesetz und Ordnung aufrecht hält und stets nur Gerechtigkeit und Billigkeit übt!" (Ps. 90, 4). Das Ideal des guten Monarchen hat mit besonders glänzenden Farben der Prophet Jesajas im Kapitel 32, 1 bis 8 entworfen. Man kann diesen Abschnitt einen Königsspiegel nennen. Wir lesen dort die klassischen Sätze: „Der König muß in Gerechtigkeit regieren, der Fürst muß nach dem Rechte herrschen. Dann ist derselbe für Jedermann gleichsam Zuflucht vor dem Winde, Schirm im Unwetter, wie Wasserbäche in der Dürre, wie eines gespaltenen Felsens Schatten in einem ausgedorrten Lande. Dann lassen sich die Augen der Sehenden nicht mehr blenden, und die Ohren der Hörenden horchen auf. Des Unbesonnenen Sinn lernt vorsichtig sein, des Stammlers Zunge wird fähig, deutlich zu sprechen. Nicht wird fürder das Niederträchtige edel genannt, der Arglistige nicht mehr großmüthig geheißen. Dann wird erkannt, daß der Niederträchtige nur Niederträchtiges redet, sein Herz nach Unheil lechzt, Schändliches vollsührt, ruchlos handelt und verführerisch gegen Gott lästert, den Hunger der Darbenden ungestillt läßt und den Durstigen den Trank entzieht. Dann wird man auch erkennen, daß des Betrügers Waffen gefährlich sind, denn er sinnt nach Tücke, um die Harmlosen mit falschen Worten zu verderben, während er doch das Recht der Betrogenen vertheidigen sollte. Edle Fürsten haben auch fürstliche Gedanken und führen dieselben fürstlich aus." Im Uebrigen knüpft hier der Prophet an frühere Vorstellungen über die Würde und den Adel des Königthums an, die schon zu Zeiten Samuels im Schwange waren. Im 2. Buche Samuels 14.17, 20, lesen wir schon: „Der König sei den Engeln Gottes gleich, er bestimme und entscheide, was gut und böse ist." Ebenso denkt auch der Psalmist: „Er richte die Völker nach Recht und die Unterdrückten nach Billigkeit. Er richte unparteiisch die armen Geknechteten, helfe dem Unglücklichen, zermalme den Bedrücker! Dann wird man dich, o König, verehren von Geschlecht zu Geschlecht. Du bist alsdann der Regen für die abgemähte Flur, wie Tropfen, welche den Boden befruchten. In deinem Zeitalter blüht das Recht und überall ist Friede." (Ps. 72, 1—7, 12—17). Schon die hier angeführten Citate beweisen die Wahrheit der Behauptung, daß bei keinem Volke des Alterthums das Königthum solch' schwärmerische Verehrung und hingebungsvolle Liebe, solch' begeisterte Lobredner, wie im jüdischen Volke, gefunden habe. Seine Dichter und Sänger überströmen von der Verkündigung seines Ruhmes; seine Weisen und Gelehrten preisen seine Würde und Hoheit, und die litterarischen Denkmäler verklären den Träger dieser Würde mit dem Glorienschein religiöser, dichterischer Weihe. Es ist hier nicht mein Zweck, die Stellung des Talmuds zum Königthum und zu den Staatsgesetzen zu kennzeichnen, da uns hier nur die Bibel beschäftigen soll, aber ich kann es nicht unerwähnt lassen, daß auch der Talmud die Verehrung für das Staatsoberhaupt und die Obrigkeit predigt. Das weltliche Königthum ist nach der Tradition der Abglanz der göttlichen Majestät. Daher ist, wie man weiß, nach Ansicht unserer Weisen, jeder Jude verpflichtet, beim Anblick eines gekrönten Hauptes einen Segensspruch zu sprechen. Derselbe befindet sich in unseren Gebetbüchern und lautet: „Gelobt seist Du Ewiger, unser Gott, König der Welt, der von dem Abglanz seiner Majestät dem Erdensohne verliehen," und ein zweiter Segensspruch heißt: „Gepriesen sei der Herr, der auf Erden eine Herrschaft eingesetzt, wie in den Höhen, und der den Regenten Macht und Gerechtigkeitsliebe verliehen hat." Der konstitutionelle Grundsatz der modernen Welt, daß der König kein Unrecht thun kann, findet auch in der Agada seine symbolische Auslegung. Von dem Throne Salomons erzählt nämlich die Agada, daß in den sechs Stufen desselben der Hinweis auf die sechs wichtigsten Königspflichten veranschaulicht worden sei. Diese seien ihm beim Besteigen des Thrones durch ein himmlisches Echo zugerufen worden. Sobald der König die erste Stufe betrat, hörte er den Ruf: „Er soll nicht viel Frauen haben." Auf der zweiten Stufe: „Er soll nicht viel Rosse halten;" auf der dritten: „Und Silber und Gold soll er nicht viel anhäufen; auf der vierten: „Beuge nicht das Recht;" auf der fünften: „Achte nicht das Ansehen der Person;" auf der sechsten endlich: „Du sollst keine Bestechung annehmen." Und als der König sich auf den Thron niederließ, erscholl der himmlische Ruf: „Wisse, vor wem du sitzest; vor dem, der gesprochen, und die Welt erstand." Aber nicht allein der Majestät des Königs, des Staatsoberhauptes, müssen wir unsere Huldigung darbringen, sind wir Ehrfurcht Und Liebe schuldig; die Bibel fordert auch unbedingten Gehorsam gegen die Obrigkeit. Ruft doch selbst der unglückliche Patriot, der Prophet Jeremias, der trauernd auf den Trümmern von Jerusalem saß und den Untergang seines heiß geliebten Vaterlandes erleben mußte, mahnend seinem Volke zu: „Suchet das Wohl des Staates; betet für ihn zu Gott, denn in seinem Wohlergehen liegt auch das eurige!" (Jes. 29, 7.) Was zwei Jahrtausende später Schiller verkündete, finden wir hier in formell veränderter Fassung schon ausgesprochen. Man nehme nur die bekannte Sentenz des großen Dichters: Ans Vaterland, ans thenre schließ dich an, Das halte fest mit deinem ganzen Herzen, Hier sind die starken Wurzeln deiner Kraft." Aber schon Moses schärft die Mahnung ein: „Die Obrigkeit des Staates sollst du nicht lästern." (2. Buch Mos. 22. 27). Der Prediger Salomonis ermahnt: „Auch in deiner Gesinnung sollst du der Obrigkeit die Hochachtung und Ehrfurcht nicht versagen, (Pred. Salom. 10,12), „denn die Regierung auf Erden liegt in Gottes Händen" (Sir. 10, 4; Ps. 22, 29), und „Die Obrigkeiten in allen Staaten hat Gott eingesetzt." (Sir 17,14.) Der Unterthan muß die Gefahren des Lebens und des Todes mit seinem Könige theilen: „So wahr ein Gott lebt, und so wahr mein königlicher Herr, daß am Orte, wo der Herr, mein König, stehen wird, es sei zum Tode oder zum Leben, dort auch sein Diener stehen wird." (II. Sam. 15, 21.) Man muß das Leben des Königs auf Kosten des eigenen retten. (2. Sam. 23, 15 ff.) Wir sind verpflichtet, für das Leben des Königs und für sein Wohlergehen zu Gott zu flehen: „Gieb dem Könige langes Leben, Jahre bis zum kommenden Geschlechte, daß er auf seinem Thron vor Gott bleibe." (Ps. 61, 7 ff.) „Der königliche Ruhm währe ewig, sein Name der Sonne gleich, man segne sich mit ihm, alle Völker preisen ihn." (Ps. 72, 17) — '„Man bete immer dort für ihn und gebe ihm den täglichen Segen." (Ps. 72, 15.) Selbst der Prophet, wenn er vor dem Könige erschien, beugte sich vor dem Könige mit dem Antlitz zur Erde. (1. Kön. 1, 23.) — Den biblischen Gedanken haben die Rabbinen weiter ausgesponnen, indem sie u. A. sagen: „Bete für das Wohl des Königs, denn gäbe es keine Ehrfurcht vor ihm, so würde Einer den Anderen lebendig verschlingen." (Aboth 3, 2.) Die heilige Schrift bietet einige sehr erhebende Beispiele von Treue und, Ergebenheit gegen die Obrigkeit dar, die in ihrer schlichten Einfachheit etwas ungemein Sympathisches für uns haben. Wer hätte — um nur einige derselben zu erwähnen — kein lebhaftes Interesse für Josef in Aegypten, der nach Kräften bestrebt war, das

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