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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1891-02-26 · Heft 9 (26.2.1891) · p. Seite 102

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
55 (1891)
Issue
Heft 9 (26.2.1891)
Date
1891-02-26
Page
Seite 102 (sequence 6)
Language
German
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102 „Frommen" bezeichnet, der eines Antheils in der zukünftigen Welt (der Seligkeit) theilhaftig wird; ferner auf R. Nissim aus Gerona, R. Joseph Karo u. a. m., die ausdrücklich lehren, daß man in Betreff der talmudischen Bestimmung die Nichtjuden ihrer Zeit von denen des heidnischen Alterthums zu unterscheiden habe; nur auf diese, aber nicht auf jene beziehen sich dieselben. 2. R. Jakob Emden (1698 bis 1776), Rabbiner zu Altona. Zu seinen schon oben zitirten Aussprüchen über Christen und Christenthum geben wir hier einige andere aus seinen Schriften. Dieselben lauten: „Es ist bereits längst bekannt, daß die jetzigen Völker, die an die Grundlehren der Thora glauben, von uns nicht als Fremde gelten und bezeichnet werden dürfen"; ferner: „Wenn uns „Täuschung" gegen frühere Völker, die Gott gar nicht kannten, verboten ist, um wie viel mehr müssen wir uns von derselben gegen die Völker der Gegenwart fernhalten, die Gott und seine Lehre kennen." An einer andern Stelle hören wir ihn ausrusen: „Und nun, ihr christlichen Völker, wie schön und lieblich wäre es, wenn ihr beobachtetet, was euch von euren ersten Lehrern vorgeschrieben wurde, wie schön wäre euer Antheil, wenn ihr den Juden in der Beobachtung ihrer Thora beiständet! Ihr empfinget dabei ebenso einen Lohn wie diejenigen, welche die Gebote vollziehen, obschon ihr nur die sieben Gebote erfiillet." 3. Moses Kunitz, Rabbiner zu Altofen. Derselbe sagt in seiner Schrift „Ha-Ijun“, und in seinem Buche „Leu Jorliai“ S, J: „Sämmtliche Namen für Götzendiener und Heiden in unserm heiligen Schriftthum haben gar keine Beziehung auf die Völker unserer Zeit, die sich in allen Wissenschaften auszeichnen, an Gott im Himmel glauben; erkennen, wie nach dem Naturrecht sie verpflichtet sind, auch die andern Menschen als ihre Brüder zu lieben, ebenso den Israeliten Gutes zu erweisen; es liegt uns daher ob, sie gleich uns zu lieben. So heißt es ja in der Mischna Aboth 3, 14: „Geliebt ist der Mensch, denn er wurde im Ebenbild Gottes geschaffen;" ferner: „So wie die Israeliten Gottes Gebote vollziehen, ebenso die ander» Völker; wie die Jseaeliten Gott preisen, ebenso die Völker, denn: „Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang ist mein Name groß unter den Völkern;" ferner: „Elott wird den Frommen unter den Völkern des Lebens in der zukünftigen Welt theilhaftig werden lassen". An einer andern Stelle geht er noch weiter und lehrt: „Wer sich nicht zum Götzendienst bekennt und an Gott im Himmel glaubt, heißt in unserm Gesetz gleich uns „Jude", wobei er sich auf die Aussprüche der bedeutendsten Rabbiner beruft (s. oben). „Die Christen bekennen sich zu viele» Gesetzen unserer Thora, erkennen deren Heiligkeit an, auch verehren sie das Schriftthum des mündlichen Gesetzes, sic erkennen, das; ein Gott uns geschaffen und alle Menschen Söhne des Höchsten sind :c. Daher haben wir sämmtliche Verbote, als z. B.: Du sollst nicht morden, nicht stehlen, kein falsches Zeugnis; ablegen, kein Unrecht im Gericht thun, vor den Blinden keinen Anstoß legen n. a. »>., gegen sie wie gegen uns zu beobachten, gegen sie noch mehr, da wir den Namen Gottes bei deren Nichtbeobachtung entweihen, eine der schwersten Vergehungen". 4. R. Elia Pinchas b. Meir (1797), der in seiner Schrift „Buch des Bundes", Solar habrith (1797), sagt: „Das Gebot „Und liebe deinen Nächsten wie dich selbst" (3. M. 19, 18) soll gegen alle Völker geübt werden, denn es heißt nicht: „Liebe deinen Bruder wie dich selbst", sondern „deinenNächsten wie dich selbst", und „Nächster", hebräisch „mi“, ist jeder Mensch, der der Welt nützlich ist. Selbst wo die Thora „dein Bruder", „die Söhne deines Vaters" schreibt, wollte sie nur die Heiden Palästinas damaliger Zeit ausschließen, die Mord, Diebstahl, Unzucht u. a. m. verübten, aber nicht die andern Völker. Werden doch ausdrücklich Heiden „Nächste" genannt, als z. B. 2. M. 16. 16., wo Husai und Jtai aus Gath, die doch Heiden waren, „Nächste" Davids genannt werden; ebenso werden Aegypter 2. M. 11, 2 als „Nächste", rea, bezeichnet. Um wie viel mehr müffen wir die Völker heute als unsere Nächsten ansehen, die an Gott glauben und die sieben noachidischen Gesetze vollziehen und der Seligkeit theilhaftig werden." 5. Ezechiel Landau, Oberrabbiner in Prag (gest. 1793). Derselbe hat sich im Verein mit den andern Mitgliedern des damaligen Oberrabinats zu Prag in einer erlaffenen Bekanntmachung in Folgendem darüber ausgesprochen: „Die im biblischen und talmudischen Schriftthum vorkommenden Benennungen: „Akkum", „Gojim" und „Kuthim" beziehen sich auf die Völker damaliger Zeit, die nicht an die Schöpfung der Welt, die Propheten, die Vergeltung durch Gott u. a. m. glaubten, sondern Sonne, Mond, Sterne und die andern Planeten göttlich verehrten und ihnen opferten, dagegen sind es die gegenwärtigen Völker, besonders in Europa, die an die Weltschöpfung durch Gott, die göttliche Vorsehung, die göttliche Vergeltung, die Propheten und an die Gesetzgebung Gottes auf Sinai und an andere Grundsätze der Thora glauben, Recht und Gerechtigkeit lieben. Wir sind daher gegen dieselben verpflichtet, nicht nur nichts zu ihrem Schaden zu unternehmen, sondern auch mit unserem Leben und Vermögen deren Wohl zu fördern, ihre Armen zu ernähren u. a. m., ebenso für deren Glück und Heil zu beten u. a. m." 6. .Eleasar Fleckels, Präses des Oberrabbinats in Prag, der in seinem 1785 gedruckten Buche „Olath hachodesch“ S. 5 unter Anderm sagt: „Wir haben die Pflicht, die Völker, unter denen wir wohnen, zu lieben und deren Wohl zu fördern. . . . Sie lassen uns Recht und Gerechtigkeit zukommen; es hat Kaiser Joseph II. uns volle Gewerbefreiheit gewährt, daß wir auch jede Kunst und jedes Handwerk ausüben dürfen u. a. m." An einer andern Stelle lesen wir bei ihm: „Es ist den Israeliten verboten, einen Heiden zu bestehlen, zu hintergchen, zu hassen und zu verachten, was uns in 5. M. 23. 8. ausdrücklich gegen die Aegypter und Edomiter verboten wird. „Wirf keinen Stein in den Brünnen, aus dem du Wasser getrunken." Dies Alles gegen Heiden, um wie vielmehr gegen die Bekenner der christlichen Religion, welche die noachidischen Gebote beobachten und den göttlichen Willen vollziehen." h) Aus dem 19. Jahrhundert. 1. Baruch Jeiteles. Derselbe schrieb in seiner 1801 gediuckten Schrift „Team ha-Melech" QPt2 Seite 1: „Alle die Benennungen für Heiden mit den Bestimmungen gegen sie haben keine Beziehung auf-die christlichen Völker. Dieselben betrachten ja unsere Thora als die Grundlage ihres Glaubens; sie glauben, wie wir, daß Moses die Gesetze auf Sinai von Gott empfangen habe; sie glauben an alle Propheten, an das Dasein Gottes, die göttliche Belohnung und Bestrafung; auch beobachten die Gemeinden derselben viele göttliche Gesetze und enthalten sich der Blutschande, des Raubes, der Rechtsbcdrückung; sie üben Gerichtsbarkeit, daß Einer dem Andern kein Unrecht thue und Andere bedrücke u. a. m." 2. Das große Synhedrion in Paris, das unter Napoleon Iim Jahre 1807 dahin bereifen wurde. In Artikel 4. „Bruderliebe" der Beschlüsse desselben heißt es: „daß kraft des durch Moses den Israeliten gegebenen Gesetzes diese verbunden sind, die Individuen der Nationen, welche Gott als Schöpfer des Himmels und der Erde anerkennen, unter denen sie die Vortheile der bürgerlichen Gesellschaft oder eine wohlwollende Gastfreundschaft genießen, als ihre Brüder zu betrachten; daß die heilige Schrift uns gebietet, unfern Nächsten wie uns selbst zu lieben, und daß, da man es dem Willen Gottes, der die Gerechtigkeit selbst ist, gemäß erachtet, Anderen nicht zu thun, was wir nicht wollten, daß man uns thäte, es gegen die geheiligten

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