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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-03-04 · Heft 10 (4.3.1892) · p. Seite 114

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 10 (4.3.1892)
Date
1892-03-04
Page
Seite 114 (sequence 6)
Language
German
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114 Wien, 21. Januar 1890. Herrn Professor Kaufmann, Wohlgeboren. Von einer galoppirenden Schwindsucht hat man oft gehört, aber von einer galoppirenden Biographie hat man nichts bis jetzt gehört Ich glaube öavnid)tr daß diese CHED" HDD*/ die ich Ihnen geschickt habe, eine Biographie sein sollten. Rur das Wort galoppirend ist zu behalten. Selbst von diesen CHE w* HDD' ist gar viel in der Feder geblieben. Es scheint mir gar, daß Sie über L. Dukes etwas schreiben wollen. In den Worten j-jje xT niJüS E'pE ist seine Biographie enthalten. Was Sie in diesen Blättern nicht lesen können, betrachten Sie als Prosit. Mit ausgezeichneter Achtung der Ihrige L. Dukes. Wien, den 27. Januar 1890. Geehrter Herr! "Als Jemand einst seinen Rabbi fragte, ob viele zn ihm kommen, erwiederte er: „dieses ist die erste fc lange ich hier bin" Ihre war die erste, während ich hier bin. Wäre die nPtftT von einem Andern gekonnnen, so hätte ich ablehnend geantwortet. Ihnen gegenüber, aber hSKw IE'kS TIDTTiTTD^H DTDD' p> ntein Leben war keine nTDJI llnd ich habe nie gedacht, von meinem Leben zu schreiben. Ich besuche mein eigenes Grab, wenn ich mein Leben beschreibe. Ich habe allerlei Menschen gesehen und allerlei Bücher gelesen und geschrieben. Man hat mir meine Bücher verziehen. Ta ich nicht weiß, ob Sie von diesen Schmiralien einen Gebrauch machen können, so sage ich hier ePDT Dil- Ich bin bereit, fernere aTSxvT Zu beantworten. Mit ausgezeichneter Achtung verbleibe ichder Ihrige L. Dukes. 8nrze Zeit, schlechte Feder, finstere Tage - sin Vjjh KCl Sr. Wohlg. Herrn Dr. ^aufruann. Wien, deu 1.8. Febrrtar 1890. - Herrn Dr. Kaufmann, Wohlgeboren. . Meinen besten Tank für die Uebersenduug des Iewish Ehronicle und hatlptsächlich für das, was Sie geschrieben haben. Ich sehe, daß j das Iewish Ehronicle sich äußerlich sehr verbesserte. Das alte hat j sehr ärmlich ansgesehen. Da ich inehr als zwanzig Jahre dasselbe nicht : gesehett habe, so habe ich die "Ankündigungen angesehen und habe wieder j die R e v e rettds gefunden, tvelche in London häufig sind, so wie in > ganz England. Ein Frenwer wundert sich darüber. Hört er aber, daß! ein EnTD* auch ein Reverend ist, so vermindert sich seine Verwunderung.! Der ewige Jude, den Sie mit mir nennen, war glücklicher als; ich. Er wurde berühmt, ohne geboren 31t werden. Der französische! Romanschreiber, der für ihn seine Denkwürdigkeiten gesammelt hat, hat! viel Geld verdient damit. > Ihre Biographie von Dukes wird ein E" iEtwas ans Nichts)! sein und wird, als ein ganz besonderes Werk, verdienen, betrachtet j zu werden.; Wer ist denn jetzt Redakteur des Iewish Ehronicle? Mit ausgezeichneter Achtung der Ihrige L. Dukes. Goethe sagt irgendwo: „was er <dir weise) verschweigt, zeigt dir den Meister (des Stpls)". Ri an könnte diese Zeilen mtf outen Eeusor so ' auwenden: Was er tvegstreicht, zeigt mir den Schwachkopf. Der Eeusor der „Ehrensäulen" <Wiett 1887) war Gabriel Berg er. j Er war getauft und hak in jüngeren Jahren eine Sammlttng hebräischer! Gedichte') herausgegeben. Bor einigen sechzig Jahren habe ich sie gesehen.! Er hat damals ansgesehen, wie ein Mann an fünfzig. Etwas melancholisch, vielleicht bebauerte er, daß das Ehristenthmn seilte Seele gar ztt billig bekotnntett hat. Es fällt mir eine Anekdote ein, welche mir Jost in Frankfttrt! erzählte. - Die Missionäre in Berlin haben einst einen Schneidergesellen aufj gefunden, der geneigt war. Ehrist ztt werden. Matt versprach ihm vier! Thaler für einen Monat, während dem er dert christlichett Utlkerricht eri halten wird. Der Schlteider wünschte, daß matt ihn vorläufig nur mit! den Hauptsachen bekannt tnachen möchte. Es geschah. Als er dieses! hörte, sagte: er Fiir vier Thaler eilten Monat kann er dieses nicht glauben. ’) EDDDj TDv Wien 1814. 8U. I Wien, den 19. Februar 1820. Herrn Dr. ftaufmamt, Wohlgeboren! Das zweite Stück des Iewish Ehronicle habe ich erhalten, als mein jültgster Brief schon zttgelltacht war, ich wollte ihn nicht aufreißen ultd schickte ben Brief weg. Ich danke Ihnen fiir Ihr Wohlwollen, mit welchem Sie meine Bestrebungen betrachtet haben. Für Sie will ich auch ergänzend bemerken, daß in bent ‘lEPTi welches in Wien herauskam und im H allerlei Mittheiluugen von mir sind, so wie auch in Josts "Annalen!. In einem meiner Bücher habe ich aus einem altert Manuskript die Worte angeführt, daß ehDTT TmC "lE^H jHDi' welches der: Sinn hat: „die Erimterung ist das zweite Leben". In der Erinnerung lebt man abertnals die vergangene Zeit durch. Die Wahrheit dieses Spruches sehe ich selbst ein. Den Gedunkelt selbst habe ich später auf verschiedenen Seiten gefunden. "Alle Meutoirelt haben diesett Spruch zunt Inhalte. Freundlichst zeichnet der Ihrige L. Dukes. Ich bin 5570 (1810) in Preßburg am 12. Schewat geboren. Mein Baker — ein Schüler von R. Moses Sofer — war ein Lamdan und ein sehr gebildeter Mann. Ein Idealist. Ich habe von Jugend auf Tenach mit Mendelssohns Uebersetzung gelernt. Ich war zu meiner Barmizwah in Preßburg als „Baal tenach bekannt." Ich hatte zwei gute Lehrer. Einer, der damals Chajim Trebitsch hieß, ist nachher Trebitscher Rabbiner geworden und hat den Akedah^) herausgegeben. Er starb vor einigen Jahren als 85jahriger Greis. Der andere Lehrer war Lipman Nenzatz, der seit! ganzes Leben lang unglücklich war. Derselbe hat vielleicht vor dreißig Jahren ein Merkchen „Miselibezos peniuim" herausgegeben?) Er lebte lange in Szerdahely. Sechs Monate nach meiner Barmizwah bin ich zum Schinr gekommen, zn R. Moses Sofer. Ich habe drei Jahre bei ihm gelernt. Ich habe das gelernt, was Andere gelernt haben, - Nichts. Ich bin dann zwischen meinem siebzehnten bis achtzehnten Jahre nach Würzburg gekonnnen, wo Bachurini studiren und lernen beim Rabbiner, der damals Abraham Bing war. Der Rabbiner war ein Bauer und seine Bachurim waren Invaliden aus der Furt her Jeschiba. Es war darunter kein Mensch, der irgend etwas wußte, weder deutsch noch hebräisch. Ich war etwas mehr als zwei Jahre dort. Ich habe viel gelesen auf der Bibliothek und bin wieder nach Wien gefahren. Dort haben mir einige Leute angerathen, Raschi zum Pentateuch zu übersetzen. Ein unglücklicher Gedanke. Ich habe den ersten Band dort übersetzt und in Wien zurückgelassen, daß er gedruckt werden soll. Diese Uebersetzung war eine Jugendsünde, die später das ganze Leben ruinirte. Da die Sache neu war, so ist sie vielen Leuten als beachtenswerth erschienen. In Wien blieb ich bis 1832 und ging nach München. Die Bibliothek daselbst ist reich an hebräischen Werken, sowohl gedruckten als Manuskripten. Ich erwartete den ersten Theil der Uebersetzung der Raschi. Achtzehti Monate hat derselbe aber auf der Censur gelegen und ich hatte allerlei Schwulitäten. Ich dachte, diese Raschi soll Geld bringen, leider hat sie nur Verdruß gebracht. Ich verließ München und ging über Stuttgart und Karlsruhe nach Frankfurt am Main. Dort lernte ich Dr. Kreizenach, R. Aharon Fuld, ein Kaufmann zwar, aber ein großer Lamdan, Johlsohn, einen verdienstlichen Schulmann, kennen. Bon Frankfurt ging ich nach Wiesbaden, wo Geiger Rabbiner war. Er hatte damals angefangen, für seine Zeitschrift 0 pnr rflpy eck. CH. Josef Pottak, Preßburg 1849. Cf. I. H. Weiß, vtEnm TH TH V, 232 n. 6. -) DDDITD Wien 1847.

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