Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 52 (24.12.1897)
- Date
- 1897-12-24
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3228202-3228255--54247-3268217- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
2 Kollege, der sich bei einem vielbeschäftigten Spezialarzt für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten zum Spezialisten ausbilden möchte. 3. Dr. B. L. in Berlin sucht sofort einen Assistenten (Jude). 4. Assistenzart (katholisch) gesucht für das Hospital der Schwestern vom heiligen Kreuze zu Düsseldorf, 5. Evangelischer Arzt gesucht zum 1. Januar 1898 für einen Ort bei Magdeburg, 2000 Seelen — (hoffentlich sind unter den letzteren keine katholischen und jüdischen). 6. Zuverlässiger Kollege, Christ, wird für bequeme und angenehme Landpraxis zunächst als Assistent, dann zur Vertretung gesucht. gBerlin, 20. Dezember. Das Adreßbuch für 1898 ist erschienen. Der neue Jahrgang des im Verlage von August Scherl erscheinenden Adreßbuches für Berlin und Vororte ist mit größter Gewissenhaftigkeit bearbeitet worden. Besondere Sorgfalt wurde aus die typographische Ausstattung und Anordnung der einzelnen Theile, nicht minder auf die Herstellung des Einbandes gelegt. Alle nur irgend erfüllbaren, an den Verlag gelangten Wünsche sind im Interesse des Publikums befriedigt worden. Auch die Institutionen der jüdischen Gemeinde und Synagogen wie Vereine für jüdisches Interesse sind ziemlich vollständig aufgeführt. Gleichwohl ließe sich gerade diese Rubrik noch vervollständigen, was sicher im nächsten Jahre geschehen wird. jgg Königsberg, 14. Dezember. Die vorläufige Tagesordnung für die Konferenz der jüdischen Religionslehrer Ostpreußens am 2. und 3. Januar 1898 in Königsberg i. Pr. lautet: Sonntag, den 2. Januar, Abends 7 Uhr. General-Versammlung (im Saale des Hotel Masie, Vord. Vorstadt 1). 1. Jahresbericht über die Thätigkeit des Vereins, erstattet vom Vorsitzenden Sturmann-Osterode. 2. Kassenbericht, erstattet vom Kassirer Birnbaum-Königsberg. 3. Antrag der Kommission betr. die Neuregelung der Anstellungs-, Besoldungs- und Versorgungs- Verhältnisse der jüdischen Religionslehrer und Kultusbeamten Ostpreußens. Referent Peritz-Königsberg. 4. Neuwahl des Vorstandes. 5. Freie Besprechung von Vereinsfragen auf Anregung aus der Versammlung. 6. Definitive Feststellung der Tagesordnung für die Versammlung am folgenden Tage. Montag, den 3. Januar, Vormittags 9*/2 Uhr. Lehrer-Konferenz (im Saale des Artushofes, Großer Domplätz 3). 1. Begrüßung. 2. Vortrag: „Das Jenseits im Lichte jüdischer Auffassung." Referent Rabbiner Dr. Olitzky-Allenstein. 3. Vortrag: „Der Religionsunterricht an höheren Lehranstalten." Referent Rabbiner Dr. Bogelstein-Königsberg. 4. Referat: „Wie ist der hebräische Leseunterricht interessant zu gestalten?" Referent Kanter-Königsberg. 3. Referat: „Der grammatische Unterricht in der Religionsschule." Referent Weißrock-Lötzen. 6. Lehrprobe dazu von demselben. 7. Lehrprobe aus der biblischen Geschichte, gehalten von Rosenthal-Königsberg. Abends große Festversammlung und gemeinschaftliches Abendessen im Verein für jüdische Geschichte und Litteratur. Lx. Aus der Provinz Posen, im Dezember. Die Gemeinde Kosten hat kürzlich durch den Tod zweier Mitglieder, des Kaufmanns Isidor Herzfeld und des Herrn Michaelis Schwarz, einen recht herben Verlust erlitten. Ersterer verstarb im Alter von 69 Jahren als Repräsentantenvorsteher jener Gemeinde, deren Repräsentantenkollegium er über 20 Jahre angehörte. Auch Herr Schwarz gehörte derselben Körperschaft, ebenso dem Vorstande des Kranken- und Beerdigungsvereins seit einer längeren Reihe von Jahren an. — Herr Kaufmann Hermann Elkeles in Posen ist zum Handelsrichter ernannt worden. — Am 24. Oktober er. wurden die neuen Logenräume der Egerloge in Ostrowo durch eine Feierlichkeit eingeweiht, bei welcher Rabbiner Dr. Pleßner daselbst einen Bortrag über „Akiba Eger" anläßlich seines 60. Todestages hielt. — Zu Vorstandsmitgliedern der Synagogengemeinde Wirsitz sind kürzlich die Kaufleute Jacob Gerber und Abraham Klein gewählt worden. —Der Gesangverein „Harmonia" in Krotoschin hat den ihm von dem Fürsten Thurn und Taxis kürzlich anläßlich seines Besuches auf Schloß Krotoschin gespendeten Betrag von 100 Mk. dem Fonds zur Erbauung eines jüdischen Krankenhauses in Jerusalem überwiesen. — Bei der kürzlich stattgehabten Repräsentantenwahl in Mi los law ist der Oelmühlenbesitzer Frost daselbst in das Kollegium neugewählt worden. — Frau Brauereibesitzer Friedemann aus Tremessen, jetzt in Bromberg wohnhaft, ist zum Ehrenmitgliede des Vaterländischen Frauenvereins in Tremessen ernannt worden. — Herr Kaufmann Emil Hirsch in Zerkow hat anläßlich der jüngst stattgehabten Einsegnung seines Sohnes der Synagoge daselbst einen werthvollen Vorhang geschenkt. Zu Vorstandsmitgliedern der Gemeinde in Sch werfenz sind kürzlich die Herren Kaufmann Gustav Leffer, Mühlenbesitzer Philipp Placzek und Bäckermeister S. Lewek und i zum Repräsentantenvorsteher Kaufmann Tobias Katz gewählt worden, i — Am 6. November er. beging Herr Kaufmann Salomon Unger in . Ostrowo sein 25jähriges Jubiläum als Mohel. Der Jubilar hat seine Dienste auf diesem Gebiete nicht nur auf die dortige Gemeinde allein beschränkt, sondern in opferwilliger Weise während der ganzen Zeit diesbezügliche Akte auch in benachbarten Gemeinden, so oft der Ruf hierzu an ihn erging, ausgeführt. Herr Unger ist auch seit einer langen Reihe von Jahren ein rühriges Mitglied des Repräsentanten-Kollegiums der jüdischen Gemeinde Ostrowos und ein eifriges Vorstandsmitglied des dortigen israelitischen Mildthätigkeitsvereins.— Bei der kürzlich stattgehabten Neuwahl von Repräsentanten der Synagogengemeinde in Posen sind die Herren Stadtrath Joseph Friedländer, Israel Friedländer, Dr. med. Ludwig Friedländer, Kommerzienrath Herz, Julius Latz und M. Werner und die Herren Sally Hamburger und Gerichtsassessor Moritz Jaffee neugewählt worden. — Die Synagogengemeinde in Grabow hat von einer Dame aus London, deren Vater einst als Kultusbeamter in Grabow funktionirt hat, 2000 Mark als Geschenk erhalten. Die Gemeinde beabsichtigt, damit die Renovation der Syna- 1 goge zu bewirken. — Nachdem Herr Kaufmann Posener in Buk fein Amt als erster Vorsteher der dortigen Synagogengemeinde niedergelegt hatte, ist Kaufmann Levin daselbst an dessen Stelle gewählt und bestätigt; worden. — Herrn Dr. Pleßner in Ostrowo ist von der Mißaskimvereinigung daselbst für wiederholten in uneigennütziger Weise abgehaltenen Kursus, in welchem die Mitglieder des Vereins theoretisch in Behandlung von Kranken und Leichen in ritueller Beziehung unterwiesen wurden, ein kostbarer Kronleuchter geschenkt worden. — Die Gemeindevertretung in Gostyn hat den Neubau einer Synagoge daselbst beschlossen. — Aus Anlaß ihres goldenen Ehejubiläums haben die Kaufmann Hirschberg'schen Eheleute in Lobsens den Armen jener Stadt 100 Mark und ähnliche Beträge den verschiedenen Wohlthätigkeitsvereinen zugewendet. — Der Handelsmann A. D. Sobotker in Ostrowo feiert am 26. d. M. mit seiner Ehefrau das Fest der goldenen Hochzeit. — Mitte Dezember er. verstarb im Alter von nahezu neunzig Jahren der pensionirte Zugführer Louis Stahl in Breslau. Im Alter von 20 Jahren trat derselbe als gemeiner Soldat in die preußische Armee ein, in der zu kapituliren er sich entschloß. Ungeachtet aller Widerwärtigkeiten, die sich ihm seines israelitischen Glaubens wegen in seiner militärischen Karriere entgegenstellten, erwarb er sich das Vertrauen seiner Vorgesetzten, so daß er bis zum etatsmäßigen Feldwebel avancirte. In der letzten Eigenschaft nahm er an dem Feldzuge 1848/49 Theil und wurde dafür mit dem Militär-Ehrenzeichen ausgezeichnet. Nach zwanzigjähriger militärischer Dienstzeit ging er zur Eisenbahn über und brachte es dort bis zum Zugführer. Am Tage seines 50 jährigen Dienstjubiläums wurde er mit Pension in den Ruhestand versetzt und mit dem Hohenzollernschen Hausorden ausgezeichnet. — Zur Gründung eines Waisenhauses in Jnowrazlaw vermachten im Jahre 1883 die inzwischen verstorbenen Abraham Freudenthalschen Eheleute daselbst der jüdischen Gemeinde in Jnowrazlaw 16 000 Mark. Die jüdische Gemeinde erhielt bald darauf anderweitig zu gleichem Zwecke 500 090 Mark. Aus diesem Grunde bestimmten alsdann die Erben, das Legat um 5000 Mark mit der Maßgabe zu kürzen, daß 7000 Mark der Gemeinde und 3000 Mark der Stadt Jnowrazlaw zufallen sollten. Beide Behörden erklärten sich nach einigem Weigern zur Annahme des Legats. Bon den 3000 Mark sollen nach Beschluß der Stadtvertretung in Jnowrazlaw die Zinsen alljährlich am Todestage der Erblasser zu gleichen Theilen an je eine evangelische, katholische und jüdische bedürftige Familie vertheilt werden. r. Jnowrazlaw, 6. Dezember. In der letzten Nummer der Zeitung des Judenthums war in der „Woche" eine kleine Beleuchtung der Herren Antisemiten gegen die Juden bei den Wahlen der Stadtverordneten in der Ostmark. Hierzu gestatte ich mir eine Illustration zu geben. In den West- und Südprovinzen wird bei den politischen und bürgerlichen Wahlen nur um die politische Gesinnung gekämpft. . Ganz anders gestalten sich die Gegensätze der Nationalität bei den Wahlen in dem Osten unseres Vaterlandes. Hier heißt es: „vlom milum jomotr", eine Nation will die andere bewältigen, bekriegen und auch besiegen. Das Deutschthum sagt: Preußen ist deutsch, die Regierung