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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-12-24 · Heft 52 (24.12.1897) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 52 (24.12.1897)
Date
1897-12-24
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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61. Jahrgang, Wr. 52. E jj- (Berlin, 24. Dejentber 1897. Weilage zur „Allgemeinen Zeitung öes IuöentHums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. d Berlin, 20. Dezember. Die zweite Religionsschule der jüdischen Gemeinde veranstaltete ihre diesjährige Chanukah-Schulfeier am Sonntag, 19. Dezember, Vormittags 11 Uhr, und zwar, des starken Anwachsens der Schule wegen, in den Räumen der Lindenstraßen- Synagoge. Außer den Kindern hatten sich auch deren Eltern zahlreich eingssfunden sowie mehrere Herren von der Gemeinde-Repräsentanz. Auch der verdienstvolle Leiter der Anstalt, Herr Dr. Apolant, den schwere Krankheit seit Monaten von der Stätte seiner langjährigen Wirksamkeit fern gehalten hatte, war zur lebhaften Freude seiner Mitarbeiter und der Schülerschaar zur Feier erschienen und wurde von seinem Stellvertreter, Herrn Rektor Dr. Adler, beim Eintritt in die Synagoge im Namen des Lehrerkollegiums und der Schuljugend herzlichst beglückwünscht. Eingeleitet wurde die Feier mit dem Gesang der Chanukah-Hymne. Alsdann hielt das Mitglied des Lehrerkollegiums, Herr Rabbinatskandidat Worms, die Ansprache, in welcher er auf die inneren Ursachen der Makkabäererhebung genauer einging und insbesondere die beiden einander gegenüberstehenden religiösen Weltanschauungen näher charakterisirte, und zwar die griechische als die der Freude1 und dem heiteren Lebensgenuß zugewandte Religion der Schönheit, die jüdische als die auf Ernst und sittliche Vervollkommnung dringende Religion der Wahrheit. Wenn in der Gegenwart durch das zeitliche Zusammenfallen eines nichtjüdischen Festes mit dem Chanukahfest an die jugendlichen Gemüther eine ähnliche Frage wie zur Makkabäerzeit herantrete, die nämlich, ob sie sich von dem äußerlich blendenden Glänze fremder Sitte anziehen lassen oder bei der schlicht und ernst aussehenven Wahrheit jüdischen Brauches verharren sollten, so möge der Hinblick auf jene Helden sie die rechte Entscheidung finden lassen und ein treues Festhalten am Brauche der Väter bestärken, zumal auch das Chanukahlicht mit seiner fortschreitenden Zahl und zunehmenden Stärke eine symbolische Mahnung für die Jugend enthalte, die fortschreitender, stetig wachsender Begeisterung fähig sei. Der Ansprache, die in vortrefflicher Weise dem kindlichen Verständniß angepaßt war und durch die Wärme und Begeisterung die Herzen der Jugend für unseren Glauben entflammte, folgten zwei Vorträge von Chanukahgedichten seitens eines Schülers bezw. einer Schülerin. Die beiden Schlußstrophen des Chanukahliedes beendeten die Feier, die sichtlich einen erhebenden und nachhaltigen Eindruck bei Jung und Alt hinterließ. V® Berlin, 20. Dezember. Vorgestern fand in dem prächtigen Festsaal des Zoologischen Gartens zum Besten der Synagoge Passauerstraße als Vorfeier des Chanukah eine musikalischdeklamatorische Abendunterhaltung mit anschließendem Tanz statt. Es wurde den aus Berlin und Charlottenburg sehr zahlreich erschienenen Festtheilnehmern von hervorragenden Kräften Vieles und Gutes geboten, was man allgemein mit großer Befriedigung anerkannte. Das Komitee — unter Vorsitz des von seiner trefflichen Gattin unterstützten Herrn A. Knopf — verdient uneingeschränktes Lob; man genoß eine Simchoh schel Mizwoh im schönsten Sinne. Ein von Herrn Rabbiner Dr. Kroner verfaßter und von Frau Rosenbaum, einer Nichte des Herrn Knopf, höchst sympathisch gesprochener Prolog fand mit Recht um seines Inhalts wie der poetischen Form wegen die beifälligste Aufnahme. — An diese Vorfeier reihte sich am folgenden Abend in der Synagoge würdig eine Chanukahfeier mit besonderer Rücksicht auf die Schuljugend. A. Berlin, 15. Dezember. Im Verein für Arbeitsnachweis, begründet von den Berliner Bnai-Briß-Logen, fand am 13. d. Mts. im Bureau, Klosterstraße 44, unter Leitung des Vorsitzenden, Herrn Eugen Rosenstiel, und unter Assistenz des Herrn Oberamtmanns Ludwig Cohn eine Versammlung zur Konstituirung eines Damenkomitees statt, welches sich aus Vorstandsmitgliedern verschiedener hiesiger Frauenvereine zusammensetzt, und dem folgende Damen beigetreten sind: Frau Dr. Maybaum, Frau Sarah Guttmann, Frau Stern, Fräulein Lipschütz, Frau David, Frau Jenny Gutmann, Frau Helene Cohn, Frau Natalie Cohn,; Frau Weber, Frau Guttentag, Frau Rosalie Gerljng, Frau Feibusch, Frau Jacoby, Frau Amalie Rosenstiel. Die Aufgabe dieses Komitees wird insbesondere darin bestehen, sich den Interessen der sich meldenden [ weiblichen Arbeitnehmer zu widmen, ferner soll es Fürsorge üben für die Lehrmädchen, damit dieselben nicht nur in ordentlichen Lehrstellen untergebracht werden, sondern auch durch die dauernde Aufsicht zu brauchbaren und nützlichen Mitgliedern der menschlichen Gesellschaft erzogen werden. Ferner aber sollen die Komiteedamen die Tendenzen'des Arbeitsnachweis-Vereins hineintragen in ihre Frauenvereine, um eine Wechselwirkung zu erzielen, damit die weitere Oeffentlichkeit von dessen philanthropischen Bestrebungen mehrKenntniß erhält, und.das Interesse an dem Verein für Arbeitsnachweis verallgemeinert wird. Die Thätigkeit des Damenkomitees soll Anfang Januar 1898 beginnen, und zwar V werden an jedem Wochentage in den Nachmittagsstunden von 4 bis 51/2 Uhr mehrere Damen im Bureau, Klosterstraße 44, anwesend sein, um den weiblichen Persönlichkeiten, die sich hilfesuchend an den Verein wenden, mit Rath und That dienlich zu sein, soweit es sich um Unterz bringung in Stellungen handelt. Der Arbeitsnachweis-Verein hat in' den letzten Monaten einen außerordentlichen Aufschwung genommen, da sich täglich Handelshäuser und Fabrikanten in größerer Zahl an den / Verein wenden, um von dort ihr Personal zu beziehen, und daher viel Arbeitslose untergebracht werden. Der Verein verspricht sich von dem nunmehr ins Leben gerufenen Damenkomitee eine weitere Förderung. " . und es ist zu wünschen, daß auch die anderen jüdischen Frauenvereine, welche noch nicht in dem Komitee vertreten sind, sich diesem baldigst! anschließen möchten, damit ein gemeinsames Wirken Aller stattfindet. Berlin, 18. Dezember. Ueber das Verhältniß der Glaubensbekenntnisse in Berlin zu einander schreibt der;j: statistische Mitarbeiter der „Täglichen Rundschau" Folgendes: „Die Zahl der Evangelischen geht im Gegensatz zu derjenigen der Heiden [ anderen Religionen unaufhaltsam zurück, denn ihre Zunahme ist [ schwächer als diejenige der gesaMmten Bevölkerung. Dagegen steigt der Zuwachs der Katholiken fortwährend. Auf je 10 000 Einwohner kamen an Evangelischen im. Jahre 1876 noch 8741, im Jahre 1895 aber nur 8472, an Katholiken aber im Jahre 1875 697 und im > Jahre 1896 schon 924. Es giebt also gegenwärtig unter je 10 000 j Berlinern 269 Evangelische weniger und 227 Katholiken mehr als vor zwanzig Jahren. Auch der Antheil der Juden steigt stetig/ wenn auch langsamer. Unter je 10 000 Einwohnern wurden im Jahre 1875 nur 471, im Jahre 1895 hingegen 602 Juden ermittelt; demnach giebt es jetzt in Berlin unter je 10 000 Menschen 97 Juden mehr als vor! zwanzig Jahren. Dieses Religionsbekenntniß hat in allen Stadtj theilen, mit alleiniger Ausnahme der Dorotheenstadt, verhältnißmäßig zugenommen. Die katholischen Mischehen steigen fortwährend, wodurch bei den evangelischen Männern der Antheil der Ehen gleichen Bekenntnisses ständig sinkt. Letzteres ist auch bei den jüdischen Männern! zu Gunsten der katholischen Mischehen der Fall. Bei den jüdischen I Frauen steigen zwar die gleichen Ehen, aber hinsichtlich ihrer Misch- , | ehen macht sich auch ein Sinken der evangelischen und ein Steigen der katholischen geltend." i S£2 Berlin, 22. Dezember. Konfessionalität in ber j Medizin. Professor Dr. A. Eulenburg schreibt in der „Deutsch.;j Medizinischen Wochenschrift": Bon eigenthümlichen Gedanken muß man erfüllt werden, wenn man die erste Annoncenspalte einer der letzten Nummern eines unserer größten medizinischen Fachblätter übersieht^ j; Da findet man unmittelbar hinter einander Inserate folgenden Inhalts: 1. Die Direktion der Diakonissenanstalt in Kaiserswert sucht einen j Assistenzarzt evangelischer Konfession. 2. Gesucht ein junger christlicher j

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