Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 13 (26.3.1897)
- Date
- 1897-03-26
- Page
- Seite 156 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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156 Daniel Kanders. Von Richard Schmidt - Cab anis. nun Dein leuchtendes Aug' ewige Nacht gebannt, Ruht min vom Lebenswerk Deine erkaltete Hand; Hat den gewaltigen Geistesringer Doch überwunden der Allbezwinger —?! Wenn auf dem blutigen Plan sinkt ein sterbender Held, Fernher zieht Wehernf über Haide und Feld: Ähnungsbang rauschende Todtenklage Seines Volkes (so deutet's die Sage). Kämpe der Wissenschaft, Dir um den Hügel auch Weht von Süden und Nord klagender Geisterhauch — Dir, unseres Heimathlauts tapferem Hüter, Treuer Eckhart der heiligsten Güter! — Ruhmreicher Helden Bild ragt bald in Stein und Erz, Siegeslorbeergekrönt hebt es sich himmelwärts. Daß in der Zukunft Seele es senken Mag durch den Anblick das Angedenken! Du hast das Edelmetall „Sprache" in Form uns gefüllt. Du aus dem Marmor des „Worts" schufest Dir selbst Dein Bild, Das nicht eher in Staub kann zerfallen Als mit des deutschen Sprachklangs Verhallen! Frtterarische Mittheilungen. — Ludwig (Seiger: Dichter und Frauen. Vorträge und Abhandlungen. Berlin 1896. Gebrüder Paetel. , Von den sechzehn Aufsätzen dieses Bandes, die für ein gebildetes Publikum sämmtlich interessant und belehrend sind, werden für unsere Leser die Abhandlungen über Dorothea Schlegel, über Bettina von Arnim und Moritz Veit sowie über Fanny Lewald von ganz besonderem Interesse sein. Der ausgezeichnete Litterarhistoriker bewährt. sich auch in diesem Buche durch die Eigenschaften, die wir längst an ihm schätzen gelernt haben. Eine Fülle von neuem und interessantem Material, künstlerische Zusammenziehung und Darstellung desselben, eine feinsinnige und freisinnige Auffassung der Dinge erfreuen uns in diesem wie in allen früheren Werken des Autors. In dem Aufsatz über Leopold Schefer und Karl Werder, die Beide mit Moritz Veit in naher Verbindung gestanden haben, macht G. folgende Bemerkung: „Ich darf dieser Namensnennung wohl die Mittheilung hinzufügen, daß ich in der glücklichen Lage bin, den Briefwechsel zwischen Michael Sachs nnd Moritz Veit, der das ganze Leben Beider durchzieht, besonders lebhaft aber zu der Zeit geführt wurde, da Sachs sich in Prag befand (1835 — 1844), in nächster Zeit i herauszugeben." j — Die „Real - Encyklopädie des Judenthums" von Dr. I. Hamburger, Ober- und Landesrabbiner in Strelitz (Mecklen-! bürg), nähert sich ihrem Abschlüsse. Es sind von derselben erschienen und ' durch jede Buchhandlung zu beziehen: 1. Abtheilung, 1: Biblische Artikel, 7 Hefte (ü 10 Logen Großlexikonformat) A-Z; 2. Abteilung, II: Talmud und Midrasch, 8 stärkere Hefte A—Z, und 3. Abtheilung, III: Nachtalmudisches, 3 Hefte, das vierte Heft befindet sich unter der Presse und bringt äußerst wichtige Arbeiten. Dieselben enthalten in geschichtlicher Darstellung die Lehren und Gesetze der Ethik, des Rechts, des j Kultus, der Dogmatik u. a. m. des jüdischen Schriftthums und bilden,! ein Nachschlagebuch in deutscher Sprache, wo man klar und ausführlich! Aufschluß über einzelne Gegenstände genannter Wissenssächer erhält.! Mögen Freunde und Förderer der jüdischen Wissenschaft/die Sinn und j Herz für die geistigen Schätze ihrer Ahnen sich bewahrt haben, mit der Au- \ schaffung dieses gemeinnützigen Werkes nicht zurückbleibeu. 4. B. j , | — Heft 4 und 5 des 40. Jahrgangs der Monatsschrift für j Geschichte und Wissenschaft des Judenthums haben folgenden I Inhalt: M. Weiß, Ein Komentar zu Nr. 10 des Kuntras ha- Pijukim. — S. Eppenstein, Studien über Josef Kimchi (Schluß). — M. Schorr, Zur Geschichte des Don Josef Nasi. — Besprechungen. — Notiz von D. Kaufmann. — Bibliographische Uebersicht. — D. Feuchtwang, Assyriologische Studien I — S. Posnanski, Miscellen über Saadja II. — D. Kaufmann, Zur Geschichte der Khetubba. — S. Eppenstein, Nachträge zu den Studien über Josef Kimchi. — M. Schorr, Zur Geschichte dis Don Josef Nasi. (Schluß.) — Immanuel Löw, — Besprechungen. — Die altbewährte Zeitschrift erscheint von jetzt ab im Verlage von S. Calvary & Comp, hier und wird hoffentlich dadurch zu neuem Aufschwung gelangen Miscellen. Nachklänge zur Centenarfeier. Heinrich Gelzer, der Freund Kaiser Wilhelms, schrieb am 22. März 1879 an diesen, indem er sich auf das seit zwölf Jahren ihm geschenkte Vertrauen berief, unter anderem: „Erst wenn es gelingt, die Dämonen des Klassen-, Völker- und Sektenhasses innerlich zu überwinden, wird ein dauernder Friede in Deutschland und Europa begründet werden." Und Kaiser Wilhelm antwortete am 4. April 1879: „Mit aufrichtigem Dank für Ihren Geburtstagsbrief und seine Wünsche verbinde Ich die Versicherung, daß jedes Wort Ihres Briefes Mir aus der Seele genommen ist." Daß Kaiser Wilhelm immer sehr zu dieser toleranten Auffassung des Glaubens- und Rassenunterschiedes neigte, bezeugten auch die „Feldbriefe 1870—71" des Chefs des preußischen Civilkabincts Karl von Wilmowski, die sein Bruder Dr. Gustav von Wilmowski herausgegeben hat. Hierin heißt es über Kaiser Wilhelm: „Für die Politik und Regierungsthätigkeit im Innern waren ebenso offen seine (des Kaisers) Abneigung gegen alles Extreme in Form und Gehalt und seine menschenfreundliche, echte Humanität und Toleranz durchgreifend. Ein gläubiger Protestant, begriff er nicht, wie ein Gebildeter Atheist seine könne, und war er andererseits den rücksichtslosen orthodoxen und antisemitischen Agitationen entschieden abgeneigt." * — Der folgende, bisher wenig bekannte Brief Kaiser Wilhelms des Ersten aus der Zeit seiner Regentschaft als Prinz von Preußen erhält angesichts der Centenarfeier ein besonderes Interesse. „An Herrn Bär, Inhaber einesHerren-Garöerobe-Geschäfts in Breslau. Potsdam, 5. Januar 1853. „Es ist mir gesagt worden, lieber Herr Bär, daß Sie für den mir gesendeten eigenhändigen Brief des großen Königs meine Handschrift zu haben wünschen. Diesem Begehren willfahre ich gern, da der Brief einen ganz eigenthümlichen Werth dadurch hat, daß derselbe einen lebhaften Blick in die bewegte Jugend des großen Königs thun läßt. Der Ersatz, den Sie für so Werthvolles wünschen, ist nur zu werthlos, darum will ich Ihnen wenigstens recht schön schreiben. Ist es nun mir, wie jedem Fürsten, unmöglich, besser zu regieren als Friedrich II., so bin ich doch so eitel. Sie darauf aufmerksam zu machen, daß ich ein klein wenig besser schreibe als er. Ihre Gabe und Ihr Wunsch haben aber noch einen anderen entschiedenen Werth für mich; ich weiß, daß sie aus einer echten Gesinnung fließen, bie7 unter uns Gott Lob, nie selten, war und wird, und der wir unsere ehrenvolle Stellung in der Welt verdanken, die aber jetzt zuweilen den Muth verliert, dem wirren Treiben unbeständiger Förderungssucht entgegenzutreten. Stärken Sie daher in Ihrem Kreise den echten treuen Bürgerstnn, an dem Ihre Vaterstadt Breslau, lieber Herr Bär, so reich ist. Zu guter Letzt noch die Hauptsache: Ich danke Ihnen herzlich für die Freude, welche Sie mir durch Ueberreichung des interessanten Briefes bereitet haben. Wenn ich wieder nach Breslau komme, so hoffe ich. Sie zu sehen. Leben Sie wohl! Wilhelm, Prinz-Regent von Preußen." Druck und Verlag von Rudvls Messe in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.