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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-03-26 · Heft 13 (26.3.1897) · p. [Seite]

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61. Jahrgang. Nr. 13. ßerliu, 20. Mär; 1897. Weit« ge zur „Allgemeinen Zeitung öes IuöentHuws". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland» Berlin, 24. März. In allen jüdischen Gemeinden Deutschlands ist die Centenarfeier für Kaiser Wilhelm I., wie uns zahlreiche Berichte aus allen Theilen des Vaterlandes mittheilen, mit Predigten und Gesängen in den festlich geschmückten Synagogen sowie durch erhebende Schulakte gefeiert worden. Die Berliner Synagogen waren sämmtlich dicht gefüllt und die Predigten der Herren Rabbiner verfehlten nicht eine tiefe Wirkung auf die Festversammlungen auszuüben. Leider fehlt es uns an Raum, um die einzelnen Berichte, die uns aus den verschiedenen Gemeinden zugehen, vollständig zum Abdruck zu bringen. Wir müssen uns also damit begnügen, die erhebende Thatsache zu konstatiren, daß die deutschen Juden im ganzen Vaterlande das Andenken des Heldenkaisers in würdiger Weise gefeiert haben. ^2Berlin, 21.März. Aus den Litte raturvereinen: JnLissa und O strowo sprach Rechtsanwalt Nürnberg über Gabriel Rießer. Am 18. fand in Lissa eine schöne Purim-Feier statt. Rabb. Dr. Baeck hielt die Festrede. In Colmar sprach Rabbiner Dr. Richter aus Filehne über „Jochanan ben Sakkai". In Krotoschin Gymuasial-Oberlehrcr Dr. Lindner über die Juden im früheren Polen, Rabb. Dr. Berger über „die Tragödie des Menschen, Koheleth und Faust", in Jnowrazlaw M. Herzfeld über die Entwickelung des Handels bei den Juden im Alterthum. In Allenstein "Kaufmann G. Daniel über Jehuda Halevi und seine Dichtungen. In Tilsit Kantor Rosenkranz über Raschi und Maimonides, in Memel Rabbiner Dr. Rülf über das Thema: „Was wir sollen und wollen", in Hirschberg Dr. M. Braun, Breslau: „Ein Blick in die Judengassen des Mittelalters", in Magdeburg Rabb. Dr. Jacob-Göttingen und Pros. Dr. M. Philipp so n, in Hannover Dr. Rippner über Abb^ Gregoire, in HildesHeim M. S p anjer-Herforth über die Poesie der Bibel, in Braunschweig Laudrabbiner Dr. Lewinski- Hildesheim über „das Lebens- und Charakterbild eines jüdischen Weisen aus dem zweiten nachchristlichen Jahrhundert", in Hamburg Prediger Dr. Grnnwald über jüdische Volkskunde, in Leipzig Prof. Dr. Cornill über die Psalmen in der Weltlitteratur Aus Stadtlengsfeld wird uns berichtet: Vorige Woche schloß der „Verein für jüdische Geschichte und Litteratur" dahier mit einem Vortrage des Herrn Landrabbiners Dr. Salzer über das Buch Esther die vierte Saison seiner Versammlungen. In dem Vereine, der seit Oktober 1893 besteht, hielten Herr Laudrabbiner Dr. Salzer und Herr Lehrer Baumgart von 14 Tagen zu 14 Tagen abwechselnd populäre Vorträge. Von diesen sind zu nennen: Der Talmud, Hillel I, Rabbi Akiba, der Aufstand des Bar Cochba, die Entstehung des Christenthums, Jesaias, Jeremias, das Buch Ruth, die Psalmen, Ueberblick über die Geschichte Israels, Ueberblick über die Geschichte der Juden, Herodes, Namen der Juden, die Sprüche der Väter, Biblische Frauen im öffentlichen Leben, Frauen im Talmud, das Handwerk in der Bibel, Arbeit und Arbeiter im Judenthum, Raschi, Maimonides, Jüdisch - spanische Dichter, der Humor im Talmud, Menasse ben Israel. — In den einzelnen Vereinen des Verbandes der Litteraturvereine Westfalens und der N Hein Provinz sprach im vorigen Monat Professor Dr. Lefmann-Heidelberg über die Themata: „Arisch und semitisch", „Das Paradies und die Völkertasel der Bibel", „Die Ethik des Talmud". — In Köln sprach Prof. Dr. L. Geiger über die Berliner jüdische Gesellschaft im vorigen Jahrhundert, in Frankfurt a. M. Rabb. Dr. Sal fe ld-Mainz über ein Denkmal aus der jüdischen Leidenszeit, in Worms Kirchenrath Dr. Kroner über den Sieg des Prophetenthums, in Würzburg Rabbiner Bamberger-Würzburg über „Namen der Israeliten in alter und neuer Zeit", Rabbiner Dr. Lö wen stein - Mosbach über „Einen Befehlshaber der deutschen Juden". (Rabbi Joselmann v. Rosheim.) Die Diskussionsabende erfreuen sich dort reger Betheiligung In Karlsruhe sprach Rabb. Dr. Werner-München über Weltschmerz und Jndenthum. In Dar insladt hat der Geselligkeits- Berein „Ressource" in diesem Winter ebenfalls sechs Vorträge aus dem Gebiet der jüdischen Geschichte veranstaltet. Es sprachen die Herren: Rabbiner Dr. Munk-Marburg über jüdische Sprichwörter, Rabbiner Dr. S alfeld-Mainz über Ursachen und Folgen der mittelalterlichen Judenverfolgungen, Kirchenrath Dr. Kroner-Stuttgart über: die Propheten, Lehrer Elias-Darmstadt über Goethes Beziehungen zum Judenthum, Lehrer Leber mann-Darmstadt über die Geschichte der Emanzipation der Juden in Hessen und Rabbiner Dr. S elver-Darmstadt über Maimonides. ££•> Berlin, 21. März. Einige bemerkeuswerthe Feststellungen ans der jüngsten Volkszählung in Berlin am 2. Dezember 1895 finden fid^ in dem statistischen Jahrbuch der Stadt Berlin für das Jahr 1895. Die Zahl der Unerwachsenen, noch nicht 14jährigen, war von den Angehörigen der drei Hauptkonfessionen am stärksten bei den Evangelischen mit 27,2 v. H., am schwächsten bei den Katholiken mit 21,6 v. H., während die Juden mit 24,2 v. H. in der Mitte standen. Von den über 20 Jahre alten Männern waren verheirathet 60,1 v H. bei den Evangelischen, 54,2 v. H. bei den Katholiken und 51,8 v. H. bei den Juden; von den über 15 Jahr alten Frauen 46,1 v. H. bei den Evangelischen, 45,2 v. H. bei den Katholiken und 46,9 v. H. bei den Juden. Stellt man die unverheiratheten Männer (vom Alter ab, also die vor 1876 geborenen) den vor 188! geborenen unverheiratheten Frauen gegenüber, so kommen bei den Evangelischen auf 1000 heirathssähige Männer 1895, also fast die doppelte Zahl heirathsfähiger Frauen, bei den Katholiken nur 1180, bei den Juden 1220. Dem gegenüber kamen auf 1000 verheirathete Männer verheirathete Frauen bei den Evangelischen 1030, bei den Katholiken 828, den Juden 1001. Noch nicht 20jährige Ehemänner wurden in Berlin bei der letzten Volkszählung 16 gezählt: 11 Evangelische, 3 Katholiken, 2 Juden; noch nicht 20jährige Ehefrauen 1320: 1144 Evangelische, 134 Katholiken, 5 Dissidenten, 34 Juden. L2 Berlin, 23. März. Wegen Verstoßes gegen 8 des Gesetzes vom 23. Juli 1847, betr. die Regelung der Verhältnisse der Juden, hatte sich Herr Julius Hirschberg vor der sechsten Strafkammer des Landgerichts I zu verantworten. Er ist Vorsteher eines jüdischen Privatsyriagogen-Vereins „Ahawas Scholaum" und hatte für die religiösen Uebungen desselben als Rabbiner Dr. Herzog und Herrn Stabinski als Vorbeter angestellt. Letzterer ist Ausländer, und da nach $ 71 des Judengesetzes Ausländer ohne Genehmigung des Oberpräsidenten weder als Rabbiner noch als Synagogenbeamte angenommen werden dürfen, die Genehmigung des Oberpräsidenten aber nicht eingeholt worden war, so wurde die Anklage erhoben. Das Schöffengericht hatte den Angeklagten zu sechzig Mark Geldstrafe verurtheilt, dieser legte aber Berufung ein. Vor der Strafkammer machte Rechtsanwalt Dr. Holz in längeren staatsrechtlichen Ausführungen geltend, daß der § 71 immer eine offizielle Synagogengemeinde voraussetze, daß er Personen im Auge habe, die als Beamte einer korporirten Gemeinde mit einer polestas seeleZiastiea bekleidet werden sollen, nicht aber Personen, die gegen geringes Honorar einem Privatandachtsverein, wie er hier in Frage stehe, ihre Dienste leihen. — Der Gerichtshof verwarf die Berufung, indem er sich den thatsächlichen und rechtlichen Ausführungen des Vorderrichters anschloß und in Uebereinstimmung ruck einem älteren Erkenntnisse des Reichsgerichts annahm, daß das Gesetz vom 23. Juli 1847 sich auch auf Privatsynagogen erstreckt. X Bromberg, im März. In Labischin feierte das Samuel Lippmann'sche Ehepaar das Fest der goldenen Hochzeit. Bürgermeister Pfitzner erschien an der Spitze der Stadtvertretung zur Beglückwünschung. Der Sterbeverein überreichte dem Jubilar in Anerkennung

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