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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-03-24 · Heft 12 (24.3.1887) · p. Seite 179

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 12 (24.3.1887)
Date
1887-03-24
Page
Seite 179 (sequence 3)
Language
German
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179 der Aristokratie aufrecht zu erhalten, diese oder jene Confession als Staatskirche zu begünstigen, getoisse Volksclassm in ihrer Gleichberechtigung zu beschränken suchen. Der moderne Staat hat sich aber zu bestimmt auf dem Grunde dieser neuen Rechtsanschauung aufgebaut, als daß diese mit Erfolg und dauerhaft erschüttert oder gar wieder verdrängt werden könnte. Wir begnügen uns heute mit diesen Hauptzügen, denen wir nicht wenige besondere hinzufügen könnten. Sie zeigen unwiderlegbar, welche große Veränderungen in der allgemeinen Rechtsanschauung vor sich gegangen, und wie diese unwiderstehlich zur Herrschaft gelangt, allerdings hierbei dadurch unterstützt, daß die frühere allmälig abgestorben war und als ein schweres Joch auf dem Nacken der Gesellschaft lag. Welche große materielle und geistige Entwickelung hierin enthalten ist, drängt sich der Einsicht wie von selbst auf. Uns aber kann es nur zu einer besonderen Befriedigung gereichen, daß wir diese neue Rechtsanschauung in ihren Grundzügen schon in dem uralten Gesetze Israels verkündet und verwirklicht finden, und es hilft nichts, daß so viele sich bemühen, diesen Umstand zu verhehlen und zu verschleiern. Aus den Nebeln der Vorzeit blickt uns dieser lichte Strahl der Menschlichkeit, der Vernünftigkeit und des Rechtes entgegen und erfreut das Auge des Menschenfreundes. Zugleich giebt uns diese geschichtliche Thatsache einen festen Unterbau mehr für die gesellschaftlichen Gebilde der Neuzeit. Geschichte. Oesterreichifche Crnsursachku. Von G. Wolf. Als im Jahre 1767 Anklagen erhoben wurden, daß Christen bedeute, erklärte die Prager Gemeinde, daß diese Abbreviatur nur Heiden bezeichne. Das Schriftstück ist unterzeichnet von: Ezechiel Landau, Meier Fischel, Juda Löw Kassowitz, Salman Emerich, Moses Günsburg Spiro, Josef Liberles, Israel Spiro Fränkel, Jacob Fsa! Segal Austerlitz, Nathan Segal Epstein, Jsak Katz Pvpers', Zewi Hirsch Elbogen und Bezalel Sobotka. Nachdem das Buch Olath Zibbur (Deraschot, Predigten enthaltend) von Eleasar Fleckeles in Prag 1787 erschienen war, reichte ein Anonymus eine Denunciation gegen den Verfasser ein. Er erklärte, das Buch enthalte Dinge, die mit dem Titel nicht im Zusammenhänge stehen, oder sie sind eine Herabwürdigung allgemeiner Sitten, oder schließlich eine abfällige Kritik von Maßregeln der Regierung. Die Beweise, die er dafür erbringt, sind: Es kommt der Satz vor: nt nto und das sei Botanik. „Der ganze Schaden ist weiß geworden" (vide Levit. 13), das sei, wer gepudert geht; und doch sei das Pudern allgemeine Sitte. Schließlich heißt es, daß das Schwätzen in der Synagoge die Sünde nach sich ziehe, den Todten über Nacht liegen zu lassen; und doch sollen die Todten nach dem Gesetze erst 48 Stunden, nachdem der Tod erfolgt ist, begraben werden. Wir brauchen Fachmännern gegenüber nicht zu sagen, wie maßlos unsinnig die hier erhobenen Vorwürfe sind und halten uns der Mühe überhoben, dieselben zu widerlegen. Die Behörde übergab jedoch diese Angelegenheit dem damaligen Censor jüdischer Bücher P. Tiersch Soc. Jesu in Prag (vergl. über diesen unser: I. N. Mannheimer), der das Buch zugelassen hatte, um sich zu rechtfertigen. Dieser nahm das Buch (er übersetzt Olath Zibbur „Das Aufsteigen der Gemeinde"), sowie den Autor in Schutz. Von diesem sagt er, daß er in seinen Reden sehr loyal sei und habe den Israeliten den Besuch der Normalschulen empfohlen. In Betreff der gegen das Buch erhobenen Vorwürfe bemerkt Tiersch Folgendes: Der Talmud selber beschäftigt sich mit Botanik und ist dieser Materie der Tractat Seraim gewidmet. Deutungen, wie der Schaden ist weiß geworden, kommen wiederholt im Talmud Tractate Sabbath und Kidduschin und im Orach Chajim vor. In gleicher Weise sei auch der Satz in Betreff des Schwätzens ein Citat aus dem Talmud und nicht eine Polemik gegen eine Maßregel der Regierung. Tiersch schließt sein Gutachten mit folgenden Worten: „Freilich harmonirt weder der Talmud noch die Mischna mit unfern Begriffen; allein so lange man die jüdische Nation duldet, wird man derselben diese Bücher als die Grundlage der jüdischen Religion nicht entziehen können." Der Nachfolger des Pater Tiersch als Censor jüdischer Bücher inPrag war der bekannte Carl Fischer. (Herr Eman. Baumgarten veröffentlichte jüngst dessen „Gutmeinung über den Talmud".) Dieser wurde 1796 vom Censor in Pest, Pater Alber, angeklagt, daß er zu lax sei. Aus der Bertheidigung Fischer's entnehmen wir folgende Sätze: „Die Jesuiten in Böhmen fingen bereits im 16. Jahrhundert an, die Censur hebräischer Bücher zu besorgen. Die ordentliche Censurobrigkeit war das Prager erzbischöfliche Consistorium. Die jesuitischen Censoren, unter welchen vorzüglich die Patres Preysler, Haselbauer1 2), Zeleny, Lau und Tiersch die merkwürdigsten sind, und welche die Juden im stärksten Verdacht hatten, daß sie unter der Benennung Ackum Christen verstehen, wendeten mit Borwissen und Genehmigung des genannten Eonsistoriums alle erdenkliche Mühe und Mittel an, um der jüdischen Bücher habhaft zu werden. Sie ergriffen Maßregeln, die über alle Vorstellung gehen; denn nicht genug, 1) Gegen Lippman Heller, Verfasser des Tossafot Jomtob, wurde unter anderem auch die Klage wegen des Titels des Buches Maadane Melech, den man sür revolutionär hielt, erhoben. (Vergl. unser: „Ferdinand II. und die Juden" S. 17.) 2) Mit diesem soll R. Jonathan Eibcnschütz öfters religiöse Disputationen gehabt haben. 12*

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