Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 52 (1888)
- Issue
- Heft 49 (6.12.1888)
- Date
- 1888-12-06
- Page
- Seite 781 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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781 Verein" im trauten Kreise seiner Familie und Freunde seinen siebzigsten Geburtstag. Der Jubilar, am 15. Novbr. 1818 in Dessau geboren, ist der Sohn des seligen, wegen seiner Gelehrsamkeit rühmlichst bekannten Rabbi Israel Lüpschütz, Verfasser des „Tifereth-Jsrael" und Abkömmling einer ganzen Generation von Gelehrten und Rabbinen. Als reifer Jüngling eilte der Jubilar nach Posen, um zu Füßen des hochseligen Rabbi Akiba Eger dem Talmud-Studium obzuliegen, woselbst er, nachdem der große Meister talrnudischer Gelehrsamkeit das Zeitliche gesegnet hatte, interimistisch als Rabbiner fungirte. Er legte aber schon nach zwei Jahren das Rabbiner- Amt nieder und wir finden ihn als Gutsbesitzer in Ost- Preußen. 1858 übersiedelte er nach Königsberg, wo er ca. 12 Jahre wohnte und während dieser Zeit viel Gutes stiftete; unter Anderem nennen wir das jüdische Waisenhaus, zu dessen Gründern er zählte. Im Jahre 1870 verlegte er sein Domicil nach Berlin. Hier entwickelte er seine segensreiche Thätigkeit in großem Stil und erwarb sich viele Freunde und Verehrer, die, aus allen Schichten der hiesigen jüdischen und christlichen Bevölkerung sich rekrutirend, die Gelegenheit am 15. d. M. mit Freuden wahrnahmen, um ihm ihre Hochachtung als Zeichen der Anerkennung seines edlen Wirkens darzubringen. Gleich am frühen Morgen wurde ihm von seinen Freunden ein Ständchen dargebracht, und es erschienen während des ganzen Tages Deputationen verschiedener Vereine, dem Jubilar künstlerisch ausgestattete Adressen überreichend. Seine ältesten Freunde, die Herren Rabbiner Dr. Nngerleider, Dr. Kirschstein, Redacteur Wiener und Regierungsrath Löwenherz stellten dem Jubilar eine namhafte, von Freunden zusammengebrachte Geldsumme für wohlthätige Zwecke zur Verfügung, bei deren Ueberreichung Herr Dr. Ungerleider die Verdienste des Jubilars in einer schwungvollen Ansprache feierte, wofür der Jubilar unter Thränen dankte. Am Abend fand ein fröhliches Mahl statt. — Der Tod hat einen Mann in der Blüthe seines Lebens dahingerafft, der sich in wenigen Jahren eine bedeutende Stelle in der jüdischen und in der romanischen Literatur erworben hat. Arsdne Darmesteter verstarb zu Paris nach kurzem Krankenlager in seinem 42. Lebensjahre in Paris, wo er als Professor an der Fakultät der Literatur wirkte. Er war 1846 in ChLteau-Salins in Lothringen geboren, kam aber jung mit seinen Eltern nach Paris, wo sein Vater als Buchbindermeister sich niedergelassen hatte. Mit seinem Bruder James besuchte er die Talmud-Thora. James bildete sich im Lyceum weiter, während Arsöne sich im Rabbinerseminar vorbereitete, das er jedoch nur kurze Zeit besuchte, um sich den philologischen Wissenschaften zu widmen. Später wirkte er an demselben als Lehrer der französischen Literatur. Ebenso ward er an der Schule für höhere Studien aus einem Schüler einer der ausgezeichnetsten Lehrer an derselben. Er nahm hier den Lehrstuhl für die romanische Sprache ein. Bald wurde er auch an die Sorbonne berufen und lehrte hier die alt-französische Sprache. Die Regierung sandte ihn ins Ausland, um in den Bibliotheken die Talmud- und Raschi-Manuscripte zu untersuchen. : Die Resultate seiner Forschungen veröffentlichte er in mehj reren Schriften und Abhandlungen. Hinterlassen hat er das! ziemlich fertige Manuscript zu einem großen Wörterbuche der französischen Sprache. Einen regen Antheil nahm er an der Gründung der Loeiäto des Etudes juives und war Vorsitzender des Comitss der Veröffentlichungen dieses Vereins. Sein unerwarteter Tod hat die tiefste Theilnahme erweckt, welche sich auch bei seiner Bestattung kundgab, die Sonntag -den 17. November stattfand. Eine große Anzahl Gelehrter,! Mitglieder des Instituts, des höheren Unterrichts, der Fakultät! der Literatur u. A. wohnten derselben bei. Der Großrabbiner i Zadoc Kahn sprach im Namen der jüdischen Gemeinde, der! Aelteste der Facultät Herr Himly, der Director der Schule für höhere Studien Herr Gaston Paris widmeten dem Hingeschiedenen Worte der Trauer und der Anerkennung. — Aus Wien wird uns geschrieben: Herr Salomon Singer, Cultusvorsteher und früher Bürgermeister in Proßnitz ist den 16. d. M. gestorben. Derselbe hat testamentarisch 80000 Gulden zu Wohlthätigkeitszwecken, davon 10000 Gulden für den Bau einer Synagoge in Proßnitz bestimmt. Aeuit Aus den Erinnerungen eines Arztes, n. Unter den Aerzten meines Viertels — wir waren sämmtlich christlichen Bekenntnisses — hatte ich fast alle jüdischen Einwohner desselben zu Clienten, es waren ihrer aber nicht viel, da die meisten Juden schon ihres Gewerbes wegen im Centrum der Stadt wohnen. Im Ganzen betrachl e t o n. tet, haben die jüdischen Kranken Eigenthümlichkeiten, welche der Vornrtheilslose Vorzüge nennen kann. Sie sind sehr besorgt für ihre Gesundheit, schenken dem Arzte Vertrauen und befolgen dessen Vorschriften aufs Genaueste. Dagegen verlangen sie eine gewisse Theilnahme des Arztes, eine sorgfältige Prüfung aller Symptome der Krankheit, dabei ein sicheres Auftreten des Arztes. Aus dieser Praxis mögen einige Züge Werth sein, daß ich sie in meinem Tagebuche