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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-12-06 · Heft 49 (6.12.1888) · p. Seite 780

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 49 (6.12.1888)
Date
1888-12-06
Page
Seite 780 (sequence 12)
Language
German
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780 Gesetze ist auch eine Resolution angefügt, welche die k. k. Regierung auffordert, die Errichtung eines Seminars für Heranbildung von Rabbinern und Religionslehrern zu fördern! Eine gewiß zeitgemäße Einführung! In dem hier vor einigen Jahren auf Anregung unseres Landes-Rabbiners errichteten Proseminar haben wir eine gute Vorbereitungsschule für dieses Seminarium. Das Proseminar blüht kräftig empor. Es hat in diesem Jahre mehr denn 50 Schüler, meist Gymnasiasten; diese werden in Bibellectüre, Raschi, Grammatik, und einige auch in Mischna und Talmud unterrichtet. Einmal wöchentlich wird ein literargeschichtlicher Vortrag gehalten, welcher sich regen Besuches erfreut. Die Schüler zeigen im ganzen recht viel Eifer und bei einigen wurden schon schöne Resultate erzielt. Eine bessere, d. h. festere Organisirung wird dieses vortreffliche Institut erhalten, wenn das „Judengesetz" durchgebracht sein wird. Dann wird man auch an eine Festsetzung des Lehrplanes schreiten können. Daß die Schüler auch materiell unterstützt werden, sei nur nebenbei erwähnt. Bei dem Sinken eines jeden Gefühles für unsere Religion, muß es immer tief betrauert werden, wenn Männer aus dem Leben scheiden, welche, tief im Judenthume wurzelnd, zur Ehre und Würdigung unseres Religion beitrugen. Ein solcher wahrhaft edler Jude von echtem, altem Schrot und Korn ist vor vierzehn Tagen aus dem Leben geschieden: Herr Salomon Singer in Proßnitz. Derselbe hatte sich aus den einfachsten Anfängen zum mehrfachen Millionär emporgeschwungen, was ihn aber nicht hinderte, stets jene schlichte Gesinnung zu bewahren, welche leider immer mehr aus unserem Stamme zu entschwinden droht. Derselbe hinterließ 80000 fl. zu wahlthätigen Zwecken, darunter 40000 fl. für Stipendien, welche dem Olmützer Gymnasium zu Gute kommen. In Olmütz durften sich vor 40 Jahren Juden nur in beschränkter Zahl und für beschränkte Zeit aufhalten. Heute sitzt im Stadtverordneten-Collegium dieser Stadt ein Jude und die edle Spende des verewigten Wohlthäters muß gerade an einem solchen Orte als wahrer 2'2>r, ttmp gelten. Wir hatten oft Gelegenheit, aus persönlichem Verkehre zu erkennen, wie warm das edle Herz des Heimgegangenen für Judenthum und jüdisches Wesen schlug; seine Gemeinde machte ihn aus freiem Antriebe zu ihrem Vorstande und zum Delegirten des mährisch-jüdischen Landes- Massefondes, bei dem er auch als Mit-Curator fungirte. Die hiesige Gemeinde hat den Verlust eines selten edlen Mannes, eines Mitbegründers desselben zu beklagen; gestern (am 25. Nov.) wurde nämlich Herr meä. vr. Ignaz Kollisch zu Grabe getragen. Der Verblichene erfreute sich in den ersten Familien unserer Stadt des höchsten Ansehens als Arzt. Er war ärztlicher Berather der meisten hiesigen Aristokratenfamilien und des hiesigen adligen Damenstiftes. Bei seinem Leichenbegängnisse waren alle vornehmen Kreise unserer Stadt vertreten, zwei Mitglieder des Damenstiftes gaben ihm das Geleite bis zum Grabe, vr. Ignatz Kollisch, welcher auch Obmann der Schulsection im jüdischen Gemeindeausschusse war, war eine wahrhaft vornehme Natur, voll seltenen Edelmuthes und Uneigennützigkeit. — Seinem Collegen, dem Vorstand-Stellvertreter des mährischen Landes- Sanitäts-Rathes Herrn vr. Kuh wurde das Ritterkreuz des Franz-Josefs-Ordens verliehen, eine Auszeichnung, welche ebenso den vielverdienten Greis, als auch die hiesige Cultusgemeinde ehrt. Wir wollen den Wunsch daran knüpfen, Herr vr. Kuh möge noch lange bei ungeschwächter Gesundheit zum Heile der leidenden Menschheit, zum Wohle des Judenthums wirken, das der Männer jetzt, mehr denn je, bedarf. vr. Max Grünfeld. Frankreich. Paris, 27. Nov. Es ist bemerkenswerth, daß das gegenwärtige Ministerium den von den Kammern im vorigen Jahre gestrichenen Jahresbeitrag von 22,000 Frcs. für das Rabbiner-Seminar in Paris in den Budgetentwurf für 1889 wieder eingesetzt hat. Es kommt nun freilich darauf an, ob die Deputirtenkammer diese Position genehmigen wird; vom Senate ist dies nicht zweifelhaft, da er sich zuerst der Streichung dieses Postens widersetzt hatte. Jedenfalls hat dies Ministerium sein Gerechtigkeitsgefühl dadurch bewiesen und daß es der radicalen Tendenz einigen Widerstand leistet. Türkei. Konstantinopcl, 20. Nov. Von der Insel Kreta ist durch den Großrabbiner dem Großwessier ein Telegramm zugestellt worden, in welchem Elfterer um Unterdrückung des auf der Insel erscheinenden türkischen Blattes „Wisdan" bittet. Dieses habe nämlich die grundlose Behauptung aufgestellt, die Juden Kretas hätten aus Anlaß des Jubiläums des Königs Georg eine Deputation nach Athen geschickt. Seitdem beleidigten die Türken ihre jüdischen Landsleute auf den Straßen oft aufs Gröbste. (Zum richtigen Verständniß bemerken wir, daß in der Türkei eine sehr strenge Zeitungscensur stattfindet. So wurde erst in jüngster Zeit eine ganze Reihe Zeitungen in Konstantinopel von der Regierung unterdrückt. Die Folge ist, daß das, was in einer erlaubten Zeitung gesagt wird, von der türkischen Bevölkerung als gewiß wahr angesehen und geglaubt wird. Redaction.) Bonn, 2. Dez. (Notizen.) Man schreibt aus Berlin: Am 15. d. M. beging Herr Moritz Lüpschütz, Vorsitzender des hiesigen Blinden-Vereins und Begründer und Vorsitzender der löblichen Institute „Amicitia" und „Miethe-Hilfs-

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