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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-03-01 · Heft 9 (1.3.1888) · p. Seite 138

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 9 (1.3.1888)
Date
1888-03-01
Page
Seite 138 (sequence 10)
Language
German
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138 menschlich und verräth mehr Phantasie als Vertrautheit mit meinen — ich gebe gern zu — ungewöhnlichen materiellen Verhältnissen. Es existirt vorderhand ein Komitö in Petersburg und eines in Paris, welches die Statuten von Wohlthätigkeitsanstalten festzuslellen und die Vorschläge in Betreff der Dotationen zu machen hat. In Oesterreich-Ungarn wurde der bekannte Prediger Herr Dr. Adolf Jellinek von mir betraut, ein Konnte zusammenzustellen, und zwar speciell für Galizien und die Bukowina. Die Höhe der einzelnen Dotationen werde ich von Paris ans erst dann bestimmen, wenn alle Komites ihre Vorarbeiten beendigt und ihre Vorschläge erstattet haben werden. Das ist Alles." Wien, 17. Febr. Im Petitions-Ausschüsse referirte heute Dr. Angerer über die von antisemitischer Seite überreichten Massenpetitionen gegen die Einwanderung und Niederlassung der Juden in Oesterreich. Der Bericht schloß mit folgendem Anträge auf motivirte Tagesordnung: „Der Ausschuß wolle beschließen: Es sei über die Petitionen betreffend die Vorlage eines Antisemiten-Gesetzes mit strengen Bestimmungen gegen die Einwanderung und Niederlassung ausländischer Juden in Oesterreich zur Tagesordnung überzugehen; gleichzeitig aber sei die Regierung aufzufordern, die Gesetze über die Niederlassung und den Geschäftsbetrieb von Ausländern gegen die osteuropäischen Juden streng in Anwendung zu bringen und dafür Sorge zu tragen, daß die Gesetze über Ehe und Schule auch von den polnischen Juden beobachtet werden." lieber den Inhalt des Berichtes, in welchem entschieden eine Sozialreform als Heilmittel gegen den Semitismus verlangt wird, sprachen sich Abgeordneter Kreuzig zustimmend, die Abgeordneten Winterholler', Stöhr und Nischelwitzer dagegen ablehnend aus. Schließlich wurde der Antrag des Referenten mit einer Stimme Majorität abgelehnt und der Antrag Winterholler's auf einfachen Uebergang zur Tagesordnung angenommen, mit der Begründung, das die bestehenden Gesetze ausreichen, um etwaige aus der Einwanderung und Niederlassung von Ausländern entstehende Gefahren zu verhindern. Unter den der Polizei übergebenen Ruhestörern befinden sich der Vizepräsident und ein Ausschußmitglied des antisemitischen Reformvereins, deren Karten gleichfalls gefälscht waren und auf fingirte Namen lauteten. Spanien. Nußland. Podwolorzyska, 12. Febr. Dem „P. Lloyd" wird von dort telegraphirt: Aus Woloczysk wurden zahlreiche öfter, reichische Juden ausgewiesen; die dortige Synagoge wurde gesperrt. Madrid, 17. Februar. Bei der Aufmerksamkeit, welche auf Spanien aus diesem Lande selbst heraus auch für unsre Glaubensgenossen gezogen worden, kommt es darauf an, statt allein den schönen Phrasen zu trauen, die faktischen Vorgänge zu beachten, um über den daselbst, namentlich in den offiziellen Kreisen herrschenden Geist klar zu werden. Da geschah es denn in den jüngsten Tagen, daß vom Gerichte in Madrid zwei protestantische Professoren, geborene Spanier, zu 6 tägigem Gefängniß, 25 Frcs. und den Kosten verurtheilt wurden, weil sie auf der Straße vor einem Priester, welcher das Sakrament zu einem Kranken trug, nicht niedergekniet waren. Daß in der jetzt gültigen spanischen Verfassung die Religionsfreiheit in einem besonderen Paragraphen zugesichert worden, darum kümmert man sich nicht; man arretirt die beiden Protestanten und steckt sie ins Gefängniß! — Die Konferenz über die Schutzverhältnisse in Marokko ist wieder aufgehoben worden, weil die französische Regierung mit den bisherigen Vorbereitungen noch nicht einverstanden ist. Es wäre kein Schade, wenn in diesem Falle anfgeschoben auch aufgehoben wäre. Türkei. Salonichi, im Febr. Der neue Oberrabbiner von Salonichi, Jakob Chanania Kovo, empfing die officielle Bestätigung der hohen Pforte in seinem Amte in Form eines Berat, wodurch er den Titel Chacham-Baschi erhielt. Es war für ihn eine Auszeichnung, daß er dieses Berat direkt von der Pforte ausgefertigt bekam, so daß ihm hierdurch das Recht direkter Verbindung mit der Pforte ertheilt war. In einem feierlichen Aufzuge ging der neue Oberrabbiner im Ornat mit seinem Collegium nach dem Palaste des Gouverneurs, wo dieser den Berat verlas und der nunmehrige Chacham-Baschi seinen Dank in einer Anrede nebst einem Gebete für das Wohl des Sultans in türkischer Sprache ausdrückte. Früher wurde dem Oberrabbiner die Bestätigung nur durch den Gouverneur mitgetheilt. Palästina. Jerusalem, im Febr. Das eben erschienene Monats - bulletin der Alliance isr. univ. enthält einen Jahresbericht des Direktors der von der Alliance erhaltenen Schule in Jerusalem, welcher viele interessante Daten bringt, weshalb wir den ersten Theil desselben hier mittheilen. Während des Jahres 1887 haben 160—180 Schüler die Anstalt besucht. 60 nahmen an sämmtlichen Stunden Theil, die anderen nahmen nur 2 oder 3 Stunden mit, da ihre übrige Zeit der Werkstätte gewidmet war.

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